Laurin
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ich habe die letzte Zeit hier sehr viel gelesen, wobei es mir gut getan hat, zu sehen, dass man mit Problemen nicht alleine ist. Ich (m/36) bin von meiner Frau (30) seit rund acht Wochen getrennt. Und ich dachte mir, dass ich "meine" bzw. unsere Geschichte auch einmal hier wiedergebe.
Meine Frau und ich kennen uns schon ewig, stammen aus dem selben Ort, waren als junge Erwachsene befreundet, verloren uns durch das Studium aus den Augen (ich habe unter anderem in den USA studiert) und sind uns vor neun Jahren in unserem Heimatort bei einer Veranstaltung zufällig über den Weg gelaufen und wurden ein Paar. Vor vier Jahren haben wir geheiratet, waren zuvor schon zusammengezogen. Wir wohnten zusammen in einer Großstadt, in der wir beide auch arbeiteten. Letztes Jahr im Sommer erwarben wir eine Immobilie in unserem Heimatort (vor den Toren der Großstadt, in der wir leben) und wir planten eigentlich den "Nestbau". Ich empfand unsere Ehe nie als langweilig. Na klar hat sich Routine eingeschlichen, natürlich haben wir auch Wochenenden auf dem Sofa verbracht. Demgegenüber haben wir aber auch spannende Reisen und Unternehmungen gemacht. Wenn ich "uns" verglichen habe mit anderen Paaren in unserem Umfeld hatte ich keinesfalls den Eindruck als führten wir eine langweilige Ehe - ganz im Gegenteil!
Nachdem wir letztes Jahr im Frühsommer die Immobilie erworben hatten, hatte ich schon das Gefühl, dass sich meine Frau mir gegenüber änderte. Sie wurde distanzierter, stürzte sich in die Arbeit und die "Vibes" haben einfach nicht mehr so gestimmt. Im November letztes Jahr machten wir einen traumhaften Südsee-Urlaub, währenddessen ich auch die Ganze Zeit schon das Gefühl hatte, dass "irgendetwas nicht stimmt", ohne dies konkretisieren zu können. Kaum waren wir aus dem Urlaub zurück setzte sich ihr Verhalten fort. Sie wurde immer distanzierter und zwei Tage nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub - wir kamen gerade von einem Restaurantbesuch nach Hause - meinte meine Frau zu mir, sie müsse mit mir sprechen.
Sie offenbarte mir, dass sie nicht wisse, wie es mit uns weiter gehen solle. Es sei alles so festgefahren, so alltäglich. Sie habe einfach keine Schmetterlinge im Bauch. Dies sagte sie mir, packte ihre Sachen, ließ mich sitzen und verschwand für zehn Tage zu ihrer Schwester. Sie verabschiedete sich mit den Worten, dass sie über uns nachdenken müsse. Mich traf dies aus heiterem Himmel, ich war nahezu apathisch. An eine Ausübung meines Berufes war auf Grund meines Zustandes nicht zu denken und ich wurde zwei Wochen krankgeschrieben.
Als sie nach den zehn Tagen von ihrer Schwester zurückkehrte, trug sie schon keinen Ehering mehr. Die Zeit des Nachdenkens hatte aber bei ihr wohl keine neuen Erkenntnisse hervorgebracht. Sie wiederholte lediglich erneut, dass sie nicht wisse, wie es mit uns weiter gehen solle. Wir trennten uns offiziell jedoch auch nicht. Ich sah für mich persönlich auch keinen Grund, da wir eine "normale" Ehe führten und aus meiner Sicht nichts falsch lief. Im Laufe der Zeit gab meine Frau an, Angst zu haben, etwas zu verpassen, sie wolle frei sein. Konsequenzen zogen aber weder sie noch ich. Seit November 2018 schliefen wir jedoch in getrennten Betten, es gab keinerlei (!) Austausch von Zärtlichkeiten mehr und meine Frau änderte sich in ihrem Verhalten nun komplett. Aus dem liebenswürdigen, fröhlichen Menschen, den ich geheiratet habe, wurde eine gehässige, gefühlskalte und auf ganzer Linie frustrierte Frau. Sie war nicht nur mir gegenüber so, sondern gegenüber ihrem ganzen Umfeld. Hinzu kam in dieser Phase der plötzliche Tod ihrer Mutter. Sie hatte auf Grund ihrer "neuen Art" jedoch auch keine Veranlassung gesehen, sich in ausreichendem Maße um ihren Vater zu kümmern. Zudem brach sie von einem Tag auf den anderen den Kontakt zu guten Freundinnen ab. Einfach so. Mit dieser Frau lebte ich zusammen und von Tag zu Tag wurde es schwerer. Bis ca. Sommer 2019 hoffte ich noch auf eine Besserung. Das war für mich deswegen schlimm, da ich bis dahin auf dem Fortbestand der Ehe hoffte und jeden Tag in der Angst lebte, dass sie nach Hause kommt und das Ganze beendet. In dieser Zeit habe ich 15 Kilogramm Körpergewicht verloren, obwohl ich normal gegessen habe und sogar eher zum Frustessen neige. Aus einem sportlichen Mann mit 75kg wurde so ein Strich in der Landschaft mit 60kg.
Wir waren dann im Sommer 2019 noch zusammen im Urlaub, der an sich auch ganz schön war, wenngleich auch dieser nicht zu einer Änderung des Status zwischen uns geführt hat. Im Sommer 2019 wurde mir dann aber immer mehr klar, dass auch für mich diese Ehe keine Zukunft hat, da ich mich auf diese Beziehung selbst bei einer Besserung nie mehr ganz einlassen werden kann, da das Vertrauen zu meiner Frau verloren gegangen ist. Gleichwohl hatte ich immer noch nicht die Eier in der Hose, die Beziehung zu beenden, was auch daran lag, dass ich im vergangenen Jahr sehr mit mir selbst beschäftigt war und viel über mich gelernt habe. Während ich mich kurz vor dem Ausbruch der Krise nur dann "vollständig" gefühlt hatte, wenn ich zusammen mit meiner Frau unterwegs war und Probleme hatte, alleine zu sein, habe ich mir mit dem Lauf der Zeit immer mehr die Fähigkeit angeeignet, mit mir alleine klar zu kommen. Ich habe alte Freundschaften reaktiviert, spiele endlich wieder Bass in einer Blues-Rock-Combo und mein geringes Gewicht habe ich dazu genutzt mein Laufpensum deutlich zu erhöhen und bin im Herbst 2019 meinen ersten Marathon gelaufen. Mit der Zeit bin ich meiner Frau immer mehr aus dem Weg gegangen. Genauso wie sie mir. Sie hatte immer mehr Abend- und Wochenendtermine (in ihrem Beruf grundsätzlich normal). Wenn ich mit Kumpels weggegangen bin, habe ich ihr das gesagt, wenn ich Bad fertig war und mir die Schuhe angezogen habe.
Ende November 2019 war es dann soweit. Bei einem Waldspaziergang wurde mir klar, dass ich keine Lust mehr auf diese Frau habe. Als ich von dem Spaziergang zurückam, haben wir uns einvernehmlich getrennt. Ganz geschäftsmäßig. Meine Frau wohnt seitdem im Hotel und zieht am 15. Januar in ihre eigene Wohnung. Eine notarielle Trennungsvereinbarung liegt bereits vor. Mir geht es nicht schlecht. Jeden Morgen wache ich in der Angst auf, dass es nun soweit ist und ich vor Kummer kaum aus dem Bett komme. Aber er kommt nicht. Nicht über Weihnachten, nicht über Silvester. Ich schäme mich fast dafür. Ich denke kaum an meine Frau. Mir wäre es jetzt gerade sogar egal, wenn sie einen anderen hätte. Soll sie doch. So einen wie mich kriegt sie eh niemals wieder. Soll sie doch das nachholen, vor dem sie Angst hat, es zu verpassen. Irgendwann wird sie merken, was sie für ein Leben weggeworfen hat. Es war alles bereitet. Immobilie, zwei volle Gehälter, keinerlei Geldsorgen. Drei Urlaube im Jahr, zwei Autos. Es war ihr alles nicht genug, sie hatte Angst etwas zu verpassen. Wir hatten in unserer Beziehung nicht einen großen Streit, nichts. Die erste Krise führte nun direkt zur Trennung. Diese Lächerlichkeit macht mich wütend. Das ist alles. Wenn sie im November 2018 gesagt hätte, dass sie gewisse Änderungen wünscht, wäre es ja ok gewesen. Aber direkt die Vertrauensfrage zu stellen und alles kaputt zu machen, habe auch ich, der wirklich an dieser Ehe gehängt hat, nicht durchgehalten.
Ich finde es unfassbar, wie Gefühle kommen und gehen können. Wenn ich jetzt mir ihr völlig emotionslos telefoniere, weil wir noch letzte Dinge zu besprechen haben, wirkt das von außen auf mich, wie wenn ich mit einem Arbeitskollegen spreche. Nüchtern und kühl. Wahnsinn.
Viele Grüße,
Laurin
