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Ich will wer anderes sein

Sonnenschein85
Zitat von whynot60:
Womöglich ist gerade das der Fehler: alles gestalten zu wollen (woher das Gestaltungsmodell und wozu?). Das Leben ist meines Verständnisses nach ...

Das hast du sehr schön beschrieben.
Ja, das stimmt. Man muss nicht irgendwelche besten Versionen von sich erschaffen, um gut anzukommen oder angenommen zu werden, sondern bei sich selbst bleiben.

Und ja, das Leben ist holprig. Es gibt gute Zeiten und auch schlechte Zeiten. Und manchmal kommt auch alles gemeinsam. Und manchmal verrennt man sich in eine Angelegenheit und merkt nicht, dass man sich verennt. Und das tut weh. Das ist hart. Das wirft einen zurück.

Aber leider gehört es zum Leben. Dieser Mensch, über den du schreibst, auch ohne Hintergründe zu kennen, hat dich vielleicht zurück geworfen und dir weh getan. Aber du hast die Möglichkeit weiter zu gehen, mit anderen Menschen, die dir gut tun. Die dich annehmen wie du bist und dich lieben wie du bist.

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Heffalump
Zitat von Diandra:
Ich musste keinen Frieden mit dem Menschen machen, aber ich hab mir selbst verziehen

Es ist immer schwierig, wenn man in einem Wellental ist. Das Leben verläuft nicht linear, geschweige denn, das man immer positiv brummt.

Als deine kleine Welt noch in Ordnung war, 1988.

x 2 #62


A


Ich will wer anderes sein

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W
Zitat von Sonnenschein85:
Ja, das stimmt. Man muss nicht irgendwelche besten Versionen von sich erschaffen, um gut anzukommen oder angenommen zu werden, sondern bei sich selbst bleiben.

Und ja, das Leben ist holprig. Es gibt gute Zeiten und auch schlechte Zeiten. Und manchmal kommt auch alles gemeinsam. Und manchmal verrennt man sich in eine Angelegenheit und merkt nicht, dass man sich verennt. Und das tut weh. Das ist hart. Das wirft einen zurück.

Die beste Version von sich selber zu erschaffen, halte ich schon für sinnvoll (auch wenn es natürlich nie klappt, aber ein sinnvolles Streben ist) - nur ist die Veraussetzung dafür, dass dieses Streben völlig unabhängig ist von allen Versionen, die andere als die erstrebenswerten, richtigen usw. ansehen.
Nehmen wir mal an, theoretisch, ich unterstelle das nicht, die Allgemeinheit wären allesamt ausgemachte Vollidioten - dann wäre es doch wohl jedem einsichtig, dass es kein gerade sinnvolles Streben wäre, selber ein solcher zu werden. Und es noch immer besser ist, jenen als Vollidiot zu gelten, die sich selber in der Herde der Vollidioten als die Maßgeblichen fühlen, als die Normhaften und vorranging Lebensberechtigten.
Ich glaube, der beste Weg ist es, zunächst einmal sich selber (im Eigentlichen, im Wesentlichen) zu finden und sich dann sprießen zu lassen.
Auch denn verläuft das Leben natürlich nicht ohne Höhen und Tiefen, aber zumindest ist es das eigene Leben, das so veräuft, und nicht eines, das einem von einem fremden Regiesseur aufgebrummt ist, und so lernt man auch daraus.

Ich z. B. finde es fürchterlich, was aus Kindern gemacht wird, worauf sie getrimmt werden von Anfang an, ein wahres Verbrechen und auch ein immenser Verlust (der halt dem Mittelmaß zugute kommt), Funktionsmaschinen, die der Produktions- Konsumationsmaschinerie dienen. Also mit sich selber im Grunde von Haus aus nichts zu tun haben, sondern als Rädchen in einem gigantischen Räderwerk eingebaut werden (und sich vermehren sollen, das kommt, gestattet, auch noch hinzu).

Und ich darf hier sagen: Ich habe mich zunächst auch verrannt in dieses übliche, vorgezeichnete Leben (zumindest so halb). Aber dann hat es mich dermaßen aus der Bahn geworfen, durch eine Krankheit, dass mir ganz von selber ein ganz anderes Leben, mein eigenes, aufgegangen ist.
Das war ein echter Glücksfall! Wenn anfangs auch noch etwas schwierig, weil man ja wieder zurückgedrückt werden soll in den geplanten Verlauf. Aber dann war ich schon widerstandsfähig genug Smile.
Und heute, im Alter, blicke ich, sozusagen in der abendbeschienen Hängematte schaukelnd, mit einem zufriedenen Lächeln zurück auf alle diese Jahre.

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W
@Diandra

Bist Du eigentlich kreativ? Oder hast Du zumindest schon mal darüber nachgedacht, es zu sein?

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mokka_23
@Diandra Liebe Diandra, ich hab jetzt nicht den ganzen Thread gelesen, aber dieser Wunsch jemand anderes sein zu wollen, bringt dich nicht weiter. Sei viel mehr der Mensch den du gewesen bist und geworden bist, ob aus Wille oder aus Schicksal, mit jeder Faser deines Selbst. Steh zu deinen Errungenschaften und Erfolge, zu deinen Fehlern und Niederlagen, zu deiner Liebe, da wo sie (fehl) am Platz ist, da wo sie fehlt oder sie sich falsch anfühlt, aber steh dazu. Steh zu dir selbst.

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A
Ich versteh dich gut. Und ehrlich gesagt hab ich mittlerweile auch überhaupt keinen Bock mehr darauf, die beste Version meiner selbst werden zu wollen. Eher noch das Gegenteil davon: Dass es auch vollkommen ok ist, wenn ich nur eine mittelmäßige oder auch die schlechteste Version meiner selbst werde. Was soll’s. Was bringts schon? Damit ich für andere lustiger. Inspirierender, aufbauender oder angenehmer bin? Halte ich mittlerweile für einen Irrglauben. So gut bin ich echt nicht damit gefahren. Selbst Serienkiller haben Fans und bekommen mehr Liebesschwüre als unsereins. Soll man da jetzt auch eine Lehre draus ziehen? Und wenn ja, welche? Ist doch alles Unfug.

So wirklich bringen tut das ganze Bemühen, Selbstoptimieren und Lehren aus jedem Sch.. ziehen wollen echt nix. Und vielleicht ist das die große klare Erkenntnis: Ab irgendeinem Punkt einfach drauf zu pfeifen. Vor allem gefallen und irgendwelchen Erwartungen gerecht werden zu wollen, eigenen wie fremden. Hat für mich mittlerweile eher was vom Esel mit der Karotte.

Vielleicht brauchts auch mal so einen Reset-Kopf. Aber derzeit ist mir auch eher nach einsame Waldhütte und Kräuterhex. Oder Diogenes mit seinem Fass. Vermutlich hatten die eher recht.

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Sonnenschein85
@Arnika ja. Geht mir auch so
Ich möchte gar nicht mehr immer aus allem etwas lernen, ziehen, mich optimieren. Natürlich nicht immer dumm und blind gegen eine Wand laufen. Aber wenn ich mich weiter entwickele dann nur um mich wohler zu fühlen und nicht um irgendwie von der Gesellschaft mehr geliebt oder angenommen zu werden.

Und ich gestehe mir Fehler ein und kann mir verzeihen, wenn ich Dinge mache, die vielleicht nicht richtig waren.

x 2 #67


T
Da möchte und muss ich mich anschließen: Früher dachte ich auch so, man müsse die beste Version seiner selbst sein etc pp...
Heute finde ich diesen Selbstoptomierungswahn jedoch unerträglich.
(nur meine subjektive Meinung).

Man ist ein Mensch, mit Ecken und Kannten und auch mit speziellen Eigenschaften, die einen zu dem- oder derjenigen machen, der oder die man ist.

Man muss niemandem gefallen und man muss nicht besser als gut oder gut genug sein - überhaupt muss man einfach nur sein. Man selbst.

Gründe an sich zu arbeiten wären für mich einzig und allein, wenn man Probleme mit Dingen hätte und besser damit zurechtkommen möchte, oder auch wenn man sehen würde, dass man sich durch Probleme, die man hat, immer wieder alles selbst zerstört.

Aber, das ist nur eine Möglichkeit, eine Chance, kein Muss, niemals.

Man hat ebenso das Recht, Probleme nicht lösen zu wollen - absolut - im Zweifelsfall muss man mit den Konsequenzen leben, aber: da sollten andere aufhören zu werten, denn nicht jedes Problem löst sich mal eben im Handumdrehen!

Manche sitzen wirklich enorm tief und sind selbst mit therapeutischer Hilfe kaum zu bearbeiten.
Ganz so einfach wie es hier im Forum immer dargestellt wird - von wegen: arbeite mal einfach an dir, dann ist alles gleich ganz anders... und wenn du es nicht tust: selbst schuld..! Ja, wenn es denn immer so einfach wäre...

Aber: sein.
Einfach nur... sein.
Ohne sich selbst zu bewerten.
Ohne andere zu bewerten.
Das ist auch eine wichtige Erkenntnis.

Man muss niemand anderer sein. Man muss sich nur zugestehen, man selbst sein zu dürfen, und dass das absolut okay ist. Für jeden einzelnen.

Das war mein nicht sehr profundes Wort zum Donnerstag... doch ich empfinde es so. Hoffe niemand fühlt sich davon zu nahe getreten - wenn sich jemand unaufhörlich selbst optimieren möchte und große Freude dabei hat, ist das ja ebenso ok und gut, erlaubt ist alles, was gefällt.
Es muss jedoch nicht jeder so machen wollen... auch das muss ok sein.

x 6 #68


Plague
Versuch eines Reframings:

In meinem Leben habe ich auch nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen - einige davon könnte man bis heute bereuen. Andere Entscheidungen wurden mir abgenommen und über meinen Kopf hinweg getroffen - auch davon hängt mir bis heute einiges nach.

Unter dem Strich aber bleibt: Ich habe überlebt, habe mich davon nicht kleinkriegen lassen, bin immer wieder aufgestanden und habe weitergemacht. Ist das die beste Version von mir? Keine Ahnung - ist mir aber auch absolut egal. Irgendwie habe ich durchgehalten, irgendwas tief in mir drin hat mir trotzdem die Kraft gegeben, aus der Opferrolle herauszufinden und Verantwortung zu übernehmen. Das muss reichen ...

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A
@Sonnenschein85 Ehrlich gesagt hab ich sogar eher den Eindruck, ich hab mich kategorisch nach unten „optimiert“. Mit 20 war ich deutlich besser unterwegs. Also vielleicht waren die ganzen angeblichen Lehren eher Irrlehren. Wo man sich versucht hat, in die eigenen Blödheiten noch was Positives hineinzuphantasieren - und so dann immer mehr auf Abwege und Irrwege kam.

Sein - und sein lassen. Mehr bringst mE echt nix.

x 4 #70


Mira_
Zitat von MissNextDoor:
Heute finde ich diesen Selbstoptomierungswahn jedoch unerträglich.
(nur meine subjektive Meinung).

💯

Das ist auch totaler Quatsch! Wir sind viel weniger wir selbst, wenn wir uns optimieren wollen. Einfach mehr Selbstliebe und Akzeptanz für uns. Dann sind wir schon „unser bestes Selbst“

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T
Zitat von Plague:
Unter dem Strich aber bleibt: Ich habe überlebt, habe mich davon nicht kleinkriegen lassen, bin immer wieder aufgestanden und habe weitergemacht. Ist das die beste Version von mir? Keine Ahnung - ist mir aber auch absolut egal.

Das ist Resilienz. 👍
Und die ist enorm wichtig.


Zitat von Plague:
irgendwas tief in mir drin hat mir trotzdem die Kraft gegeben, aus der Opferrolle herauszufinden und Verantwortung zu übernehmen.

👍
Exakt.

x 3 #72


T
Zitat von Talia_:
Einfach mehr Selbstliebe und Akzeptanz für uns selbst.

Genau. Für uns und auch für andere.

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Sonnenschein85
Zitat von Talia_:
💯 Das ist auch totaler Quatsch! Wir sind viel weniger wir selbst, wenn wir uns optimieren wollen. Einfach mehr Selbstliebe und ...

Das sehe ich auch so.

Und auch mal den Druck raus nehmen bei sich selbst. Erwartungen an sich selbst zurück schrauben.

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A
@MissNextDoor Absolut! Diese ewige Floskel hier zB: „Arbeite an deinem Selbstwertgefühl!“ Aha. Und wie genau? Ich zB hab mE ein gesundes Selbstwertgefühl, bringt mir unterm Strich auch nicht viel. Und wie jemand daran arbeiten sollte, dass es mehr als nur oberflächlich ist mit zB 5 kg weniger, ist mir bis heute noch immer nicht so wirklich klar. Und ob man damit echt besser fährt, auch nicht. In Zeiten, wo Opfer und hilfsbedürftig sein eher ein Vorteil ist. Was bringt das also, an was zu arbeiten, wo keiner so genau sagen kann, was das genau eigentlich sein soll, wie genau und was es einem am Ende des Tages wirklich bringt.

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A


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