Moody
Mitglied
- Beiträge:
- 84
- Themen:
- 4
- Danke erhalten:
- 11
- Mitglied seit:
ich bin derzeit in der wohl schwersten Zeit meiner Beziehung.
Meine Freundin und ich sind seit nun fast 8 Jahren zusammen. Wir wohnen nun fast 7 Jahre zusammen. Wir haben in einer fremden Stadt, weit weg von den Eltern, unser gemeinsames Leben begonnen. Wir waren noch sehr jung, 19. Nun haben wir das Studium hinter uns, sind im Berufsleben angekommen und sind 26. Ich arbeite in der gleichen Stadt und sie in einer 90km entfernten. Pendeln geht nicht da sie dann nur unterwegs wäre mit den Öffentlichen und ein Auto ist zu kostspielig.
Von jetzt auf gleich folgte die Wochenendbeziehung. Sie wohnt in einer WG mit einem Mädel unter der Woche. Der Job strengt sie an, macht ihr aber Spaß. Der Job ist auf ein Jahr bis Aug 13 befristet. Sie macht Baby-Vertretung. Wie es weitergeht weiß keiner derzeit.
Was ist passiert:
Ich bin jemand der am Anfang der Beziehung sehr viel Gefühl gezeigt hat. jemand der jedes mal Blumen brachte, Komplimente macht, jemand der so viel Interesse zeigt wie ein Stalker. Viel zu nah beieinander sagte jeder. Das geht nicht lange gut sagte jeder. Und wir bewiesen das Gegenteil. Wir hätten zu zweit die Welt erobern können. Ich wäre für diese Frau buchstäblich durchs Feuer gegangen. Nie hätte ich erwartet was dann passierte.
Ich fing an erwachsener zu werden. Ich musste die Härte des Lebens kennenlernen. Damit meine ich das ich keine wohlhabenden Eltern habe, die mich während dem Studium unterstützt haben. Ich musste nebenher jobben und irgendwie meinen Lebensunterhalt beschaffen. Zeit für Urlaube wie es die Komilitonen machten mit ihren Freunden machten blieb nicht. Geld schon gar nicht. So lebten wir weiter.
Ich wurde kühler. Eigentlich bin ich auch eher ein kühler Einzelgänger. Kein großer Freundeskreis, nicht sehr Familienverbunden. Sie änderte mich komplett. Aber nach Jahren kam es wieder durch. Die Komplimente wurden weniger. Die Aufmerksamkeit schwand. Aber nur offensichtlich. Innerlich liebte ich sie jeden Tag mehr. Das sagte ich ihr immer wieder in Momenten als sie sich beschwerte. Sie wollte es aber auch spüren und sehen. Sie wollte umarmt werden. Geküsst und in der Öffentlichkeit von mir umgarnt werden. Das konnte ich nicht. Ich habe mir Regeln auferlegt. Ich werde sie jeden Tag mindestens einmal umarmen und ihr zeigen das ich sie so liebe wie ich es ihr immer erzählte. Es klappte nicht durchgängig. Als Merker nenne ich dies die Phase 0.
Zu den Schlimmsten Dingen die ich der Person, welche ich so sehr liebe angetan habe, gehört Folgendes. In Momenten mit Freunden und Bekannten in denen über Zukunft gesprochen wurde, über Familie und Heiraten, habe ich aus mir nun keinen erfindlichen Gründen Dinge gesagt wie: "So ein Mist. Ich will nie heiraten. Kinder brauche ich nicht." Ich wusste wie sehr sie Kinder wollte und wie sehr sie irgendwann heiraten wollte, aber ich habe mich wie ein Idiot benommen. Jetzt im Nachhinein könnte ich mir dafür eine runter hauen.
Ich habe ihr dann immer gesagt wenn wir wieder zu zweit waren, das ich noch nicht wisse ob und wann ich Kinder haben wolle. Sie wollte doch nur einen Lichtblick, einen Wink von mir. Den gab es nicht. Zumindest nicht so direkt. Ich dachte sie weiß wie sehr ich sie liebe und das ich alles für sie tun würde und das es reiche ihr es ab und zu zu sagen. Ich verwies immer auf die Zeit nach dem ganzen Stress. Die Zeit in der wir beide Geld haben und unser Leben zusammen genießen. Ich bat sie um Geduld und Verständnis. In dieser Zeit fing es meiner Meinung nach an.
Trotzdem waren wir überglücklich miteinander. Wir stritten nie übermäßig über sinnlose Dinge. Wir hatten viel Spaß und waren sehr oft gleicher Meinung. Es ist schön mit ihr zusammenzuleben.
Ich merkte erst spät das die Beziehung anfängt einzuschlafen. Ich hatte Phasen in denen ich nicht mehr wusste ob ich sie noch brauche um glücklich zu sein. Ich nahm sie als selbstverständlich. Ich dachte darüber nach sie zu verlassen. Ich kümmerte mich nicht mehr. Ich kochte nicht mehr. Ich bin leidenschaftlicher Hobbykoch. Sie machte das Essen und ich bekam alles serviert. Ich bin kein Pascha. Ganz bestimmt nicht. Ich mache den kompletten Haushalt usw. Was ich damit sagen will ist, das immer mehr Routine in alles kam. Jeder Tag wurde gleich.
Nach dem stressigen Studienende ging es auf Jobsuche. Ich sagte immer eine Fernbeziehung sei nichts für mich. Ich würde dann eher Schluss machen wollen. Das hat sie bei der Suche nach Jobs eingeschränkt. Sie fand eine Stelle in einer 90km entfernten Stadt. Sie fragte mich wie ich das finden würde. Ich sagte wenn es ihr Wunsch ist, ok. Aber ich kann mich jetzt nicht mehr an diese Frage erinnern. Das liegt daran das ich seit zwei Jahren in einer Art Trance war. Ich habe unsere Beziehung und sie nicht mehr entscheidend wahrgenommen. Ich habe mich nicht mehr ausreichend für sie interessiert. Als mir dann bewusst wurde das sie das jetzt macht, war ich schockiert. Ich war enttäuscht und beleidigt und habe das immer an den Wochenenden zum Ausdruck gebracht. Vor anderen habe ich immer Druck gemacht sie solle sich doch schon mal nach neuen Jobs hier umsehen. Sie wollte nicht da ihr der Job Spaß macht. Ich war wieder enttäuscht und fing an zu grübeln. Ich versuchte dann mich für sie zu freuen, aber das gelang mir nicht. Ich konnte meine Enttäuschung nicht verbergen. Ich bin sehr egoistisch gewesen. Ich habe nur an mich gedacht. Ich habe mich allein gelassen gefühlt. Sie hingegen blüht auf in einer neuen Stadt, in einer WG. Die Studienzeiterinnerungen kommen wieder hoch. Ein Gefühl der Freiheit. Niemand abends da. Man kann alles genauso machen wie man will.
Ich grübelte und habe nun gemerkt wie sehr wir uns entwickelt haben. Wir sind nun erwachsen. Wir sind selbstständig. Aber wir sind im Alltag gefangen. Kurz vor Weihnachten fragte ich sie ob das alles so noch Sinn hat. Ich wollte sie nur herausfordern und hatte nie mit der Antwort gerechnet, sie wisse es nicht. Wir kamen ins Gespräch und stellten fest wie weit es schon war. Sie sagte sie wurde von mir immer zurückgewiesen. Wir haben nie etwas unternommen. Ich bin zu inaktiv. Ich freue mich nicht für sie. Sie sagte die Zeit für sich tut ihr gut und sie genieße diese. Das war ein Stich mitten ins Herz. Frohe Weihnachten.
Wir fuhren dann über die Feiertage zu unseren Familien. Ich habe ihr alles so offen gesagt wie nie zuvor. Wie sehr ich sie liebe und brauche. Das ich heiraten will und Kinder. Das sie die Frau meines Lebens ist. Sie wusste nicht was sie sagen sollte. Sie liebt mich noch, aber dieser Funken zwischen zwei Liebenden ist irgendwann verloren gegangen. Vermutlich in Phase 0 die über 3 Jahre zurückliegt. Das nennt man wohl das Bruder und Schwester Syndrom. Wir waren uns einig beide an der Beziehung zu arbeiten. Ich habe alles rausgehauen was ich hatte. Nette Kurznachrichten, Komplimente, körperliche Nähe, ein romantisches Wochenende in einem Schlosshotel. Ich machte zu viel auf einmal. Wieder zurück vom romantischen Wochenende (eine Woche nach den Feiertagen) haben wir geredet.
Sie brauche Zeit sich über ihre Gefühle klar zu werden. Sie denke im Moment das sie auch sehr gut alleine zurechtkommen würde. Ein weiterer Stich ins Herz. Ich sage euch ich gehe seit Weihnachten durch eine Gefühlshölle. Das ganze muss langsam wiederkommen. Der Ansicht bin ich auch aber ich habe so eine Angst das wir das nicht schaffen. Wir unternehmen jetzt immer was an den Wochenenden. Ich wünschte wir könnten uns einfach lieben. Warum reicht das nicht? Ich bin sicher sie ist nur in einer Phase. Alles ist neu und aufregend in der fremden Stadt. Aber wenn das vorbei ist, was dann!?
Dieses Wochenende hat sie mir gesagt das sie nicht nach Hause kommt um zu sehen wie es ist und um sich klarer zu werden. Ich habe ihr gesagt sie muss es so machen wie es für sie am besten ist. In Wirklichkeit war ich extrem traurig. Ich habe eingekauft und ein schönes Wochenende geplant. Ich war frustriert und habe nach Wohnungen für mich geschaut und mehrere Besichtigungstermine vereinbart. Das tat mir in dem Moment verdammt gut. Ich hatte das Gefühl auch etwas entscheiden zu können.
Am Samstag hat sie mich angerufen und geweint. Es ist so komisch in der anderen Stadt allein zu sein. Ich fehle ihr. Heute morgen habe ich ihr geschrieben ob sie nicht heute nach Hause kommen wolle. Sie sagte das sie das jetzt durchzieht. Das war wieder ein Stich ins Herz. Es geht für mich auf und ab. Ich kann bald nicht mehr. Jetzt sitze ich hier und fühle mich als wenn ich sterbe. Ich durchforste seit Wochen das Internet und suche nach Leidensgenossen und wie diese damit umgehen.
Ich will sie nicht verlieren. Am liebsten würde ich sie anrufen, aber ich denke es ist wichtig zu zeigen das ich ihr nicht dauernd hinterherrenne. Das ich sie heut morgen gefragt hab ärgert mich. Aber ich musste einfach schreiben. Ich habe ihr wieder gesagt das es vollkommen ok ist wenn sie nicht kommt und das ich sie unter keinen Umständen unter Druck setzen will. Ich weiß im Moment nicht mehr was ich machen soll.
Warum musste es soweit kommen, das ich wieder spüre wie wichtig sie mir ist. Bin ich allein an allem schuld? Bin ich ein schlechter Mensch? Ich verfalle immer wieder in Phasen in denen ich mir vorstelle das wir getrennt sind und sie einen Neuen hat. Das ist so schmerzhaft. Vielleicht sind die Besichtigungstermine doch keine gute Idee gewesen? Ich weiß es einfach nicht mehr.
Es tut auf jeden Fall gut das hier zu schreiben. Das befreit ungemein. Ihr denkt jetzt bestimmt was für ein schlechter Freund ich gewesen bin.
