Ihr Lieben, vielen Dank für eure ausführlichen Antworten und die netten, aufmunternden Worte! Ich hatte gestern mehrmals versucht zu antworten, aber irgendwie wurde nichts gespeichert.
Ich bin 30 Jahre alt und habe vor drei Jahren angefangen, mich mit meinem Inneren auseinanderzusetzen. Meine Mutter bekam als ich klein war schlimme Depressionen inklusive Suizidgefährdung, und ist dann als ich in der Grundschule war schwer erkrankt. Bis heute ist sie arbeitsunfähig und leider auch noch psychisch erkrankt. Mein Vater hat immer nur für sie gelebt. Mit den Worten meiner Tante: "Dein Papa ist ein wundervoller Ehemann, aber leider kein guter Vater". Ich war viel auf mich alleine gestellt, viel allein, und habe nicht besonders viel Unterstützung erhalten. Ich habe nicht viele Erinnerungen an meine Kindheit aber vermute mal, dass ich mich immer möglichst unauffällig verhalten und keine zusätzlichen Probleme machen sollte, woraus dann die ganze Palette an Glaubenssätzen wie "ich bin nicht liebenswert", "ich bin nicht wichtig", "ich bin nicht willkommen" etc. resultiert ist.
Zitat von Balu85: Wie gut kommst du damit zurecht allein zu sein?
Wie oft machst du mal was für dich..auch allein?
Bis vor etwa zwei Monaten konnte ich überhaupt nicht alleine sein. Beispielsweise konnte ich mich vormittags mit jemandem zum frühstücken verabreden, und mich nachmittags total einsam fühlen, als wären alle mit jemandem unterwegs und hätten Spaß, nur ich bin ganz alleine zuhause. Deshalb war ich wenn es sich ergeben hat so gut wie jeden Tag mit jemandem verabredet und habe mich auch viel mit Bekanntschaften getroffen, die ich selbst gar nicht als Freunde eingeordnet hätte. Seltsamerweise habe ich dieses Bedürfnis jetzt nicht mehr, und kann die letzte Zeit doch ganz gut alleine bleiben und eine Serie schauen, oder ein Buch lesen. Ich versuche viel an mir zu arbeiten und weiß nicht, ob das ganze Gelernte auf einmal "kickt", aber irgendwie tut sich die letzte Zeit wahnsinnig viel bei meiner Entwicklung.
Zitat von Balu85: Was bedeutet für dich eine Beziehung wenn ich fragen darf? Ist es eine Sicherheit, oder eine Bestätigung liebenswert zu sein?
Ich schätze es ist beides. Ich giere nach Zuneigung und körperlicher Nähe, und der Wunsch nach einer Beziehung ist riesengroß und eine absolute Konstante in meinem Leben. Meine Vermutung ist, dass ich einen Partner haben möchte, damit er meine Familie und mein Zuhause ist, der Ort wo ich hingehöre - weil mir meine eigene Familie eben nie dieses Gefühl gegeben hat. Vielmehr das eines Störfaktors...
Den Kontakt mit meiner Mutter meide ich weitgehend, da ich nicht mit ihrer psychischen Erkrankung umgehen kann. Das Verhältnis mit meinem Vater hat sich über die letzten Jahre sehr gebessert und wenn ich ihm das mit dem Störfaktor etc. so beschreiben würde, würde es ihm wahrscheinlich Tränen in die Augen treiben. Da ist irgendwie verdammt viel schief gegangen, was ich jetzt eben aufzuarbeiten versuche...
Zitat von Balu85: Welche Erwartungen sind das denn? Das du immer und zwar in jeder Situation Nr. 1 bist?
Ehrlicherweise - ja
😬 ich selbst setze meinen Partner an die erste Stelle und wünsche mir daher, dass er das ebenfalls tut. Nun sind viele Menschen ja anders als ich, und setzen die Familie, die Karriere oder so an die erste Stelle. Oder man würde vielleicht den Partner auf die 1 setzen, aber eben nach einer gewissen Zeit. Ich schätze ich erwarte in beginnenden Beziehungen oftmals zu schnell zu viel, und eben vielleicht mehr, als die Person zu geben bereit ist. Bei meiner zweijährigen Beziehung wusste ich immer, dass ich seine Nummer 1 bin, er mich liebt, und ich der wichtigste Mensch in seinem Leben bin - dementsprechend haben wir auch nicht besonders viel gestritten, ich habe mich sehr geliebt gefühlt. Aber bei anderen Männern vor und nach ihm haben Beziehungen dann eben sehr schnell ein Ende gefunden.
In Freundschaften verhalte ich mich aber ziemlich normal. Bei meinen Freunden setze ich generell ganz andere Maßstäbe an, und bin viel entspannter.
Wahrscheinlich klinge ich jetzt nach einem kleinen Psycho, der immer 24/7 Aufmerksamkeit braucht, und auf alles und jeden eifersüchtig ist. Ich selbst würde mich nicht so einordnen sondern habe mehr das Gefühl, dass ich "sicher gebunden" sein muss - wenn ich weiß, dass mein Partner mich liebt und alles, habe ich kein Problem damit, wenn er Freunde trifft oder ähnliches. Ich habe ja selbst auch meine Freunde und würde mich auch eingeengt fühlen, wenn jemand so an mir kleben würde, und kein eigenes Leben hätte. Aber gerade zu Beginn einer Beziehung, ist man ja noch weit von dieser Sicherheit entfernt, weshalb ich dann jedes Mal in meine Muster rutsche, und Drama schiebe.
Zitat von Kleeblatt99: Du möchtest a sagen,sagst aber b (Manipulation's Versuch) um die Bestätigung oder Erwartungshaltung dadurch zu bekommen?
Eigentlich wollte ich nie A sagen, ich war einfach enttäuscht. Der A-Gedanke entstand dann aufgrund meines schlechten Gewissens (dass er eigentlich todmüde ist und nur zu mir kommt, um mich nicht traurig zu machen). Und dann kam unter dem Schreiben direkt B raus - wahrscheinlich um die gewünschte Bestätigung zu provozieren.
Zitat von Balu85: Deine Beispiele finde ich recht interessant. Scheinbar deutest du alles, aber wirklich alles negativ und gegen dich?
Ganz so schlimm ist es denke ich nicht, es kommt mehr auf das Gefühl an, das mir mein Partner gibt. Fühle ich mich geliebt und geschätzt, verhalte ich mich viel normaler. Wenn ich unsicher bin (oder evtl. auch unter dem einmal monatlichen eher ungünstigen Hormoneinfluss stehe), bin ich tatsächlich sehr schnell negativ und weniger rational.
Zitat von Balu85: Und ich habe weniger den Eindruck da du eine Bindungsangst hast...diese "Angst" ist wohl eher die Folge der Erkenntnis über die Baustellen. Eigentlich habe ich den Eindruck das du eher dringend eine feste Bindung suchst und jemand haben möchtest der die immer und immer wieder zeigt "du bist meine Nr.1" ; "das wichtigste für mich" usw.
Das mit der Bindungsangst wurde mir von einer Therapeutin angedeutet. Anscheinend ist es für Bindungsängstler nicht untypisch, dass das ganze Leben um den Beziehungswunsch kreist, und jeder Versuch nach ein paar Monaten schon wieder endet - da sie sich grundsätzlich die falschen Partner suchen (Männer die nach einer Weile sagen keine Beziehung zu wollen sind mein neues Hobby geworden), oder sie durch ihr Verhalten sabotieren.
Aktuell ist da aber definitiv die Angst mit den Baustellen. Der Mann in meinem Leben hat mir ja immer gesagt, keine Beziehung mit mir zu wollen. Er liebt mich, sagt mir immer wieder wie toll ich bin, dass ich die beste bin etc., aber will wegen der Sache mit seinem Freund trotzdem nicht mit mir zusammen sein. Das Verhältnis zwischen uns hat sich die letzten Monate sehr stark in Richtung Beziehung entwickelt, und eigentlich ist es schon mehr oder weniger eine. Ich möchte das auch innerhalb der nächsten zwei Monate ansprechen und klären, und mache mir aufgrund seines sehr liebevollen Verhaltens auch große Hoffnungen...
Zitat von Balu85: Aber das wird auf Dauer wohl nicht funktionieren. Die Sicherheit kann dir keine Geben wenn du sie nicht selber hast. Das ist auf Dauer sehr sehr anstrengend für den Partner.
Ja, genau das fürchte ich gerade. Wenn er mich verletzt oder enttäuscht, geht er sehr liebevoll auf mich ein. Er kann das innere Kind in mir wirklich sehr gut auffangen, und behandelt mich dann irgendwie auch immer wie eines, mit viel Geduld und sehr sensibel. Vor etwa einem Monat ging es mir ohnehin nicht so gut, und ich hatte das Gefühl, dass er sich vor mir zurückzieht. Ich habe ihn nur wissen lassen, dass ich gerade nicht so happy bin, und wollte auf seine schriftlichen Nachfragen nicht näher eingehen, um nicht mit ihm zu streiten. Er war sich nicht zu schade, mehrere Male anzurufen, und mir schließlich eine Sprachnachricht zu schicken: "Schatz ich mache mir wirklich Sorgen, ich weiß nicht, wieso du so bist. Aber kein Problem, wenn du kannst, ruf mich an. Wir reden dann darüber, erzähl mir dann einfach was los ist, okay? Meine Süße." Total geduldig und liebevoll, obwohl ich mich benommen hab, wie ein kleines Kind.
Zitat von Einfallslos: Hat man schon mehr Zeit verbracht, der andere hat vlt. schon meine Trigger zu spüren bekommen und es steht bald ne Beziehung an dann würde ich darüber sprechen.
Da das zwischen uns schon eine Weile geht, hat er schon so einiges abbekommen, und mich oft weinend gesehen. Also er weiß mittlerweile schon, dass ich oft sehr unsicher bin, und mich schnell zurückgewiesen fühle. Ich würde da auch Kommunikation als super wichtig erachten. Trotzdem will ich natürlich nicht, dass ihm das irgendwann mit mir zu dumm wird...