blumenfrau
Gast
Nachdem wir zusammen kamen, hat er es immerhin geschafft, neun Monate bindungsfähig zu sein - wobei es da schon Red Flags gab.
Auch Eifersucht war ein großes Thema. Er hat mir die absurdesten Dinge unterstellt, total paranoid. Ich kannte sowas von meinen bisherigen Partnern nicht, da war gegenseitiges Vertrauen die Basis.
Er hingegen unterstellte mir, dass ich auf einem Konzert dem Sänger zu lange zugelächelt und damit Interesse signalisiert hätte. Oder dass ich dem Friseur Hoffnung machen würde, weil ich als Kundin hingehe.
Dabei bin ich nicht besonders flirty, sondern eher eine distanziert wirkende Frau.
(Und nein, mein Ex ist kein Südländer.)
Das beste war, dass sich nach fast drei Jahren on-off herausstellte, dass er mich anlog und die ganze Zeit mit einer Frau (mit der er mal etwas hatte) schrieb. (Das hätte ich mir mal erlauben sollen).
Ob er auch während unserer Beziehung mit ihr etwas hatte, weiß ich nicht. Aber mit ihm darüber reden, um Transparenz bitten, war ein Unding. Dann schrie er rum, ich würde kontrollieren, nachbohren und machte direkt Schluss. Schuldumkehr mal wieder.
Mein Ex hat in fast drei Jahren öfter Schluss gemacht und doppelt so oft damit gedroht, um seinen Willen durchzusetzen oder mich zum Schweigen zu bringen.
Ich durfte nicht viel fragen, keine persönlichen Themen ansprechen, das konnte schnell zum Disaster führen. Er schrie dann wegen Banalitäten, die man mit normalen Menschen schnell klären könnte und führte lange, aggressiv klingende Monologe.
Ein Auslöser war mal die Frage, wann wir mal wieder ein Wochenende verbringen (nachdem er drei Wochenenden mit seinem Kumpel verbrachte). Seine Reaktion war unangemessen heftig.
Ich blieb immer sachlich, ruhig, wollte erklären und einlenken, habe mich immer entschuldigt, am Ende auch erniedrigt.
Eine Versöhnung lehnte er trotzdem ab. Das wäre für ihn Nachgeben und dann könnte ich ja Macht über ihn haben und das ausnutzen. Das war seine größte Angst.
Für ihn gab es immer nur einen Ausweg: schreien, mir meine Sachen vor die Füße schmeißen, Schluss machen, mich aus seiner Wohnung werfen und sofort untertauchen.
Vielleicht auch, weil er nicht gerade sehr kommunikationsstark und frustrationstolerant war.
Manchmal kam es mir vor, als hätte er nur einen Grund gesucht, um wieder auf Distanz zu gehen.
Bindungsängstliche Menschen sollen oft Streit provozieren, wenn es ihnen zu eng wird. Und ihnen wird es schnell zu nah.
Ich bin absolut kein anhänglicher Mensch in einer Beziehung, brauche selbst viel Zeit, war total tolerant, die Wochenenden hat er oft mit seinem Freund statt mit mir verbracht....aber es war ihm noch zu nah.
In allem sah er eine Unterstellung, einen Vorwurf, obwohl ich auf jedes meiner Wörter achtete.
Dahinter stecken vielleicht auch Minderwertigkeitsgefühle. Er ahnt ja, dass er kein guter Beziehungspartner ist, eine Frau mehr erwarten könnte und so betreibt er Schuldumkehr.
Damit er einen Grund hat, zu gehen, bevor die Frau Schluss macht. Da er sich selbst nicht so toll findet, wird die Frau das auch bald entdecken und ihn ohnehin verlassen. Und das will er vermeiden, indem er selbst verlässt. Der Grund ist ja schnell gefunden, er muss nur einen Streit vom Zaun brechen.
Und dann dieser bescheuerte Widerspruch: auf der einen Seite diese Eifersucht. Auf der anderen Seite geben sich diese Männer wenig Mühe, wollen kaum Zeit mit dir verbringen. Warum ist man dann eifersüchtig, wenn man eh keine Lust auf seinen Partner hat.
Und auch bei ihm: wenn ich mich zu oft melde (1x am Tag ist schon zu oft) , enge ich ihn ein. Meldete ich mich nicht, dann wurde er auch wütend.
Auf jeden Fall war es echt demütigend, bei jedem seiner Anfälle aus seiner Wohnung geschmissen zu werden. Bei jedem Mal Schlussmachen hatte ich weniger Sachen in seiner Wohnung, am Ende nur eine Zahnbürste. Zum Schluss dachte ich: wozu etwas in seiner Wohnung lagern, wenn ich es beim nächsten Mal Schlussmachen wieder vor die Füße geschmissen bekomme (O-Ton aggressiv und laut: "jetzt pack deine Sachen und verschwinde aus meinem Leben, ich will dich nie wieder sehen")
Mein Ex Freund ist eigentlich erstmal recht zufrieden gewesen, wenn er mal wieder Schluss machte. Er leidet ja selbst darunter, wenn er eine Frau so behandelt (und ich war nicht die erste), aber kommt wohl nicht aus seinem eingefahrenen Handlungsmuster raus.
Außerdem ist er gerne alleine, dann zockt er hält den ganzen Tag und die ganze Nacht und verlässt nur zum einkaufen die Wohnung.
Er konnte es lange durchhalten, sich nicht zu melden. Meistens habe ich mich dann wieder bei ihm gemeldet. Weil dieses abrupte Verlassen nach Klärung schreit und das on-off mich abhängig machte. Ich wollte, das alles wieder gut wird.
Mit der Zeit und durch sein häufiges Schlussmachen stumpfte ich aber zum Glück ab. War ich bei den ersten Malen noch total verzweifelt, weinte ich später noch nicht mal mehr.
Kamen wir wieder zusammmen, rechnete ich eh damit, dass er sich nicht lange zusammenreißen kann. Und so war es auch. Die on-Zeiten wurden immer kürzer, die off-Zeiten länger. Am Ende habe ich nichts mehr gespürt.
Zuletzt hatte ich versucht, noch eine freundschaftliche Basis zu halten. Aber auch da war er emotional instabil: mal freundlich, mal launisch und respektlos.
Und ich für mich habe nun beschlossen, dass ich mir das nicht mehr gebe.
Durch die häufigen off-Phasen habe ich mir nach und nach neue Sozialkontakte aufgebaut. Ihm habe ich davon nie erzählt, damit er nicht wieder eifersüchtig wird.
Eine neue Beziehung kann ich mir nicht mehr vorstellen. Auch nicht mit einem anderen Mann. Dafür bin ich viel zu glücklich, endlich wieder in Frieden leben zu können.
