BrionyTallis
Gast
nach nunmehr 4 1/2 Wochen, in denen ich mich immer wieder durch dieses Forum gelesen habe, muss ich jetzt doch selbst aktiv werden. Ich habe so viele Beiträge gelesen, die ich komplett so unterschreiben kann und ich frage mich, warum es anscheinend immer nach dem gleichen Schema abläuft? Jeder sieht seine Beziehung als etwas Besonderes, aber wir alle wurden auf die mehr oder weniger gleiche Art verlassen. Der Mensch, der einem gestern noch "ich liebe Dich" gesagt ist, ist uns heute so fremd, dass man sich fragt, womit man das verdient hat.
Ich war mit meinem Freund über 7 Jahre zusammen (ich 33, er 28 ), und ich hätte mein Leben darauf verwettet, dass er mich ganz sicher niemals verlassen wird. Wenn, dann wäre doch ich eines Tages soweit gewesen, mein Leben nicht mehr mit ihm zu teilen. Die 7 Jahren waren auf weiten Strecken nicht immer gut, und doch liebe ich ihn über alles. Vor ein paar Jahren kam bei mir die Geweissheit auf: DER ist es, mit ihm möchte ich den Rest meines Lebens verbringen, auch wenn nicht immer alles Gold ist. Wie erschüttert war ich als er mir sagte, dass er mich nicht mehr liebt. Die gleiche Situation gab es schon einmal, aber ich habe das immer auf die schwierigen Umstände (wenig Zeit für mich, viel Stress mit Uni, Nebenjob, etc, dadurch immer Streit) bezogen und mir und wohl auch ihm eingeredet, dass wir das schon hinbekommen. Wenn wir erstmal zusammenziehen, dann wird alles besser.
Beim letzten Mal ist er tatsächlich geblieben und hat mir immer versichert, dass alles gut ist, ich mir keine Sorgen machen brauche. Auch ein "Ich liebe Dich für immer und ewig" war dabei, und ich war mir absolut 1000%ig sicher, dass wir es zusammen schaffen. Dann vor 4 1/2 Wochen diesmal eine viel selbstsicherere und bestimmtere Aussage: Die Gefühle reichen nicht mehr! Ein Tag vor unserem Urlaub. Ich habe gebettelt und gefleht, dass wir es versuchen müssen, dass wir es doch schaffen können, wenn nicht wir, wer dann. Ok, wir sind eine Woche in den Urlaub gefahren, ans Meer, wo wir schon des Öfteren die schönste Zeit des Jahres zusammen verbracht haben. Die Woche war schlimm. Insgeheim wußte ich schon, dass ich ihn verloren hatte. Ich habe mich so sehr bemüht, ganz normal zu sein, nicht zu klammern, sondern einfach so wie immer. Aber alles, wirklich alles musste ich ihm abringen: Den GutenMorgenKuss, seine Hand zu halten, im Bett kuscheln...
Nach ein paar Tagen habe ich gefragt, weil er ständig mit seinem Handy beschäftigt war, ob er ne Neue hat (eigentlich gar nicht ernst gemeint, auf diese Idee wäre ich nun wirklich nicht gekommen). Die Antwort war nein. Ich habe ihm kurz vor Ende des Urlaubs noch einmal abgerungen mit mir zu schlafen. Wir hatten immer wunderbaren Sex und ich dachte, wenn ich nur genug Nähe schaffe...
Wieder zu Hause ist alles noch schlimmer. Er denkt weiter nach, ob die Gefühle noch reichen, ich sehe ihn nicht so oft und dann auch nur kurz zum Spazieren gehen. Niemals mehr bei mir oder bei ihm. Keine Nächte mehr, keine Küsse mehr, er redet schon mit mir, als ob wir nicht mehr zusammen sind. Genau eine Woche nach meinem Urlaub halte ich es nicht mehr aus, ich frage noch einmal konkret nach und er sagt, es geht nicht mehr. Das war Sonntagnacht, auch noch am Telefon, ich habe noch nie solch einen Schmerz erlebt. Am nächsten Tag kann ich nicht zur Arbeit gehen, ich bitte ihn um ein persönliches Gespräch. Und siehe da: Er hat sich in eine andere verliebt! Das war etwas, was es in meiner Vorstellungskraft einfach nicht gegeben hat. Doch nicht mein O.! Niemals! DAS würde er mir doch niemals antun, das kann gar nicht sein. Was war passiert? Es kommt noch schlimmer, denn anscheinend ist er noch am gleichen Tag zu ihr gerannt um ihr die "frohe" Botschaft zu verkünden. Ich konnte es nicht lassen und habe geschnüffelt und ihre Twittereinträge gelesen: Nicht einmal eine Woche nachdem er mich verlassen hat, schreibt sie von ihrem special boyfriend, ich dachte ich falle tot um. Man kann es gar nicht in Worte fassen, ich kann es bis heute nicht begreifen. Er hat sich umgedreht und mich DAMIT alleine gelassen. Ich hätte ihm das niemals zugetraut, nie, nie, nie. Ich hätte nich gedacht, dass mich einmal etwas so umhauen wird wie dieses Erlebnis. Ich bin eigentlcih sehr stark und weiß, dass ich gut alleine zurecht komme. Aber diese derbe Enttäuschung hat mich platt gemacht. Von einer Minute zur anderen ist der Mann meines Lebens plötzlich der fremdeste Mensch der Welt.
So viele Leute haben in diesem Forum schon so tolle Worte dafür gefunden, besser kann und will ich es hier nicht ausdrücken. Jeder kann wahrscheinlich nachvollziehen, wie sich das anfühlt, wenn der Mensch plötzlich eiskalt erscheint und sich um Dich nur noch einen Dreck schert. Ich versuche irgendwie damit klar zu kommen, aber es ist das schwierigste und schlimmste, was mir je passiert ist. Ich frage mich, ob ich mich all die Jahre in ihm so getäuscht habe. Oder ist diese Seite an ihm erst durch das entlieben und neu verlieben entstanden? Ich meinte ihn in-und auswendig zu kennen, und plötzlich ist all das weg? Niemand kann sich doch so verändern? Ich halte mich seit knapp 2 Wochen an die Kontaktsperre, und ich weiß ganz sicher, dass er sich nie wieder bei mir melden wird. Wie kann denn das sein? Er fehlt mir so unglaublich, es muss ihm doch auch irgendwie ähnlich gehen? 7 Jahre immer zusammen, und plötzlich ist der vertrauteste Mensch nicht mehr an Deiner Seite, das kann man doch nicht einfach durch eine Neue ersetzen? Ich bin in meinen Grundfesten erschüttert, ich kann mir selbst doch nie wieder vertrauen?
Er hat mir mal gesagt, dass es keine Garantien gibt, und damit hat er verdammt recht. Weder eine lange Ehe, noch Kinder, noch die größte Liebe, die man zu geben vermag, können verhindern, dass Gefühle sich ändern. Soweit verstehe ich das auch, genauso ging es mir selbst auch schon einmal. Aber warum wird man anschließend so mies behandelt? Einfach ersetzt. Muss er denn gar nicht mehr damit abschließen? Oder hat er das wirklich schon während der Beziehung gemacht, sich anschließend einfach umgedreht und einen Haken dran gemacht?
Selbst wenn man nicht mehr liebt, dann sind doch da irgendwelche anderen Gefühle, oder nicht? Ich habe ihm doch mal was bedeutet, er hat mich doch mal geliebt, ist da von heute auf morgen nichts mehr?
Wie soll ich jemals wieder Vertrauen in jemanden fassen, wenn ich mir selbst nicht trauen kann? Liebe heißt für mich, ganz oder gar nicht. Aber ich kann mich doch nie wieder auf jemanden einlassen und ihm vertrauen, wenn ich nach 7 Jahren noch nicht einmal merke, wie der Mann meines Lebens, den ich zu kennen glaubte, sich in eine andere verliebt und mich beginnt aus seinem Leben zu streichen? Wie schafft man das, um Himmels willen? Wie wird man mit dieser Enttäuschung fertig? Wie mit der Eifersucht? Ich muss immer an die Neue denken, was die beiden jetzt zusammen haben, ob er mit ihr über mich spricht, ob er sie mehr liebt als er mich je geliebt hat. Das ist so schlimm für mich und ich versuche mich abzulenken, wann immer es geht, aber ich kriege diese Bilder einfach nicht aus meinem Kopf.
Wie kann er mich vermissen, wenn er einfach nur bei ihr vorbeizufahren braucht, wenn er kuscheln, reden, und was weiß ich noch möchte. Kann man den wirklich so schnell mit einem anderen Menschen intim werden? Nach seiner Aussage kennt er sie erst 8 Wochen (also kam nach 4 Wochen kennen mit ihr zusammen). Ich kann es einfach nicht glauben, das mein geliebter O., mein bester Freund, mein Zuhause, sich niemals wieder einen Dreck um mich kümmern wird. Ich weiß, dass meine Liebe zu ihm eines Tages nicht mehr da sein wird und dass es mir dann besser geht. Aber wie schafft man einen Neuanfang, wenn man einmal so enttäuscht wurde? Wie macht ihr das alle?
Ich danke allen, die ihre Geschichte hier posten. Es ist auf der einen Seite unfaßbar traurig, dass es jeden Tag so vielen Menschen genauso geht wie mir, aber ich bin einfach auch so dankbar, dass man wirklich nicht alleine ist und es so viele Menschen (Frauen und Männer) gibt, die anscheinend haargenau das gleiche durchmachen und fühlen, wie man selbst.
Oh je, ein langer Beitrag, ich danke allen, die sich die Zeit zum Lesen nehmen.
