Hallo zusammen,
ich würde gerne eine Situation schildern, die inzwischen über zwei Jahre zurückliegt, mich aber immer noch beschäftigt. Mich würde interessieren, wie andere Menschen, die nicht Teil der Situation waren, das Ganze einschätzen.
Ich bitte um Verzeihung, wenn meine Schilderung etwas länger wird. Die Situation beschäftigt mich psychisch nur immer noch massiv. Zu dem möchte ich sagen, dass ich seit meiner Jugend wegen Depression sowie einer Traumafolgestörung in Behandlung bin.
Ich war damals 24 Jahre alt, er war 35. Ich habe ihn Ende 2023 über eine christliche Dating-App kennengelernt, bis ca. März 2024. Sein Vater war Pastor. Er selbst war ebenfalls christlich, daher dachte ich, dass uns ähnliche Werte verbinden. Er war spanischer Herkunft und auf mich sowohl optisch als auch von seiner Ausstrahlung her sehr attraktiv. Er war deutlich temperamentvoller und lebhafter als ich, während ich eher ruhig und still bin.
Wir hatten ungefähr drei Monate Kontakt und haben uns in dieser Zeit viermal getroffen.
Das erste Date dauerte ungefähr fünf Stunden und war meiner Wahrnehmung nach sehr schön. Danach fragte ich ihn, ob wir uns wiedersehen würden. Seine Antwort war:
„Ja, am besten direkt Hochzeitstermin festmachen.“
Ich konnte dies nicht gut einordnen und es war irgendwie ein Dämpfer für mich, weil ich nervös in das Date ging, ob er mich mögen würde.
Zwischen unseren Treffen kam es immer wieder dazu, dass er für eine gewisse Zeit nicht mehr antwortete bzw. den Kontakt abbrach und später wieder aufnahm. Wegen meiner bereits vorher bestehenden Verlustangst hatten wir außerdem immer wieder Konflikte. Ich hatte damals ein relativ großes Bedürfnis nach Rückversicherung und fragte häufiger nach, wie er zu mir steht, ob er den Kontakt wirklich möchte usw.
Ich möchte dabei ausdrücklich nicht verschweigen, dass diese Verlustangst bereits vor ihm vorhanden war. Ich weiß deshalb heute, dass mein Verhalten für einen anderen Menschen teilweise anstrengend gewesen sein kann und dies auch der Auslöser für sein Ghosting immer wieder sein konnte.
Gleichzeitig hatte ich während dieser Zeit psychische Probleme und besuchte eine Tagesklinik. Ich hatte ihm davon erzählt. Das Thema wurde von ihm allerdings nicht wirklich aufgegriffen.
Was mir aus dieser Zeit besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist, dass er meine Persönlichkeit und mein Verhalten immer wieder bewertete. Es ging nicht nur darum, dass er eine bestimmte Eigenschaft an mir nicht mochte, sondern ich hatte zunehmend das Gefühl, dass er mir vermittelte, ich sei grundsätzlich nicht so, wie eine Frau bzw. Partnerin seiner Vorstellung nach sein sollte.
Ich bin von meiner Art her eher still, ruhig und zurückhaltend. Er war dagegen sehr temperamentvoll und lebhaft. Meine ruhige Art wurde von ihm immer wieder thematisiert bzw. kritisiert.
Er fragte mich beispielsweise, warum ich meine Haare eigentlich immer zusammengebunden trage. Ein anderes Mal fragte er mich, ob ich überhaupt lachen könne. Er fragte mich auch, ob ich, wenn wir irgendwann zusammenwohnen würden, einfach so mit ihm in der Küche tanzen würde.
Beim zweiten Date waren wir in einem vollen Café. Dort fragte er mich, ob ich in meiner Kindheit gemobbt worden sei.
Diese einzelnen Situationen wirken für sich vielleicht nicht besonders gravierend. Ich hatte aber zunehmend den Eindruck, dass er mich beobachtete, mit einer bestimmten Vorstellung davon verglich, wie ich sein sollte, und mir immer wieder vermittelte, dass mir etwas an Leichtigkeit, Wärme, Lebhaftigkeit oder „Normalität“ fehlen würde. Ich fühlte mich unsicher und irgendwie falsch.
Gleichzeitig gab es zwischen uns während der gesamten Zeit keine wirkliche körperliche Nähe. Er initiierte diese auch nicht direkt.
Kurz vor dem endgültigen Ende hatte ich eine Operation und war deshalb im Krankenhaus. Ich war zu diesem Zeitpunkt körperlich und psychisch nicht besonders stabil. Vor diesem Hintergrund schrieb er später auch, ich solle mich „nach meiner Genesung“ melden.
Das Ende des Kontakts war für mich sehr plötzlich und sehr schwierig. Ich war damals sehr geschockt von dem, was er mir schrieb.
Ich möchte deshalb den betreffenden Chat vollständig einfügen, damit ihr selbst sehen könnt, wie die Kommunikation zwischen uns war. Es gab keinen direkten Auslöser oder Streit für diese Nachrichtenflut. Auslöser war zuerst meine Reaktion auf seine „Wohi?“-Frage:
Ich: Kuss
Er: Wohin?
Ich: Guten Morgen erstmal
Er: Zieh den Stock aus deinem Ar.
Ich: Bei mir ist doch alles gut, bei dir auch?
Er: Bei mir immer doppelt so viel wie bei dir
Ich: Du bist ganz schön fies zu mir manchmal
Er: Dann komm drauf klar. Muss ich bei dir auch.
Ich: Das sind auch so die Dinger an die die mich desillusionieren. Um eine Beziehung über Jahrzehnte aufrecht und lebhaft zu halten, braucht es mehr Wärme. Die ist bei dir nur punktuell zu sehen.
Er: Ich werde mir die sch. auch nur noch eine zeitlang geben. Und das nur aus Respekt vor uns. Meld dich nach deiner Genesung. Vorher will ich von dir nichts mehr hören.
Ich: Was?
Er: Ja und wenn es nicht passt, kannst du meine Nummer löschen. Darin bist du ja sehr gut.
Danke, dass ich mit dir die wohl kindischsten und sinnlosesten unterhalten führen durfte und danke, dass du mir die Augen geöffnet hat. Denn jetzt weiß ich, was ich nicht in mein Leben reinlassen sollte. Toxische und Geisteskranke Menschen wie dich.
Ich: Ich wollte dich doch wirklich kennenlernen willst du den Kontakt abbrechen?
Er: Ja will ich. Du bist mir egal. Ich werde dich jetzt löschen und auch blockieren. Ruf auch mit deiner anderen Nummer nicht mehr an.
Du wirst sehen, dass ich für dich gekämpft habe. Das wirst du sehen wenn du siehst, wie andere Männer dich meiden werden.
Ich: Aber ich hatte dich gerne
Er: Ich hatte Dich auch gerne, jetzt nicht mehr.
Nach dem Kontaktabbruch erfuhr ich außerdem, dass er eine Tochter hat. Davon hatte er mir während unserer Kennenlernphase nichts erzählt.
Etwa ein Jahr nach dem Ende sah ich dann, dass er eine andere christliche Frau kennengelernt hatte. Sie ist meiner Wahrnehmung nach sehr schön, und soweit ich weiß, sind die beiden bis heute zusammen.
Das hat mich sehr beschäftigt, auch weil ich danach weitere gescheiterte Kennenlernphasen hatte. Wenn ein Mann anschließend das Interesse verlor oder eine Kennenlernphase wieder scheiterte, kamen seine damaligen Worte immer wieder hoch – insbesondere seine Aussage, dass andere Männer mich meiden würden.
Es fühlte sich teilweise an, als würden seine Worte bei jeder neuen Ablehnung wieder auftauchen, fast wie die Stimme eines Richters, der mir bestätigt, dass er damals recht hatte.
Dadurch haben diese Aussagen meinen Selbstwert und auch mein Erleben beim Dating bis heute stark beeinflusst.
Gleichzeitig weiß ich, dass ich damals selbst starke Verlustangst hatte und dass wir deshalb häufig Konflikte hatten. Ich frage mich deshalb bis heute, welchen Anteil meine eigene Angst an dem Verlauf hatte und wie ich gleichzeitig das, was von seiner Seite passiert ist, einordnen soll.
Ich würde deshalb gerne eure Außensicht hören.