107

Klinik - was machen die mit ihm?

W

WhatHappend
Mitglied

Beiträge:
336
Themen:
10
Danke erhalten:
398
Mitglied seit:
Hallo, bei meinem Freund (ich nenne ihn der Einfachheit so. Eigentlich sind meinerseits schon lange kaum noch Gefühle vorhanden und wir leben eher auf der Elternebene zusammen) hat sich eine schwere Depression manifestiert.

Alles begann mit der Geburt unserer Tochter, als ich von ihm mehr Unterstützung erhofft habe, als er geben konnte (seine Auffassung). Ich gebe zu teilweise überfordert und stark belastet gewesen zu sein. Wir waren völlig auf uns alleine gestellt, hatten Startschwierigkeiten und keinerlei familiäre Hilfe.

Es entwickelte sich eine toxische Dynamik zwischen uns. Kurz erklärt, behauptet er, dass ich psychische Gewalt auf ihn ausgeübt habe. Ich behaupte, dass ich einfach mehr Hilfe gewollt habe. Dies führte dazu, dass er sich zurückzog und ich vollkommen alleine dastand, also genau das Gegenteil erreicht habe.
Ein Jobverlust seinerseits tat sein übriges. Von da an war er jeden Tag zu Hause. Wir stritten rund um die Uhr. Freiraum und Abstand bekam ich nur, wenn ich das Haus verlies - natürlich immer mit Kind, denn zu dem Zeitpunkt war er schon nicht mehr in der Lage sich zu kümmern.

Er liebt das Kind über alles. Es war unser Wunschkind, das 1,5 Jahre auf sich warten lies. Er ist ein toller mitdenkenener Vater, der manchmal das Kind und dessen Bedürfnisse besser lesen kann als ich.
Die Depression ging nicht weg und vor ein paar Wochen war er bereit sich professionelle Hilfe zu suchen, also andere haben für ihn Hilfe gesucht und ihm zu Terminen gefahren. Ich arbeite seit 2 Monaten wieder. Meine Elternzeit empfand ich als Hölle. Insgesamt hatten wir uns aber in unseren Gemüter beruhigt und kamen miteinander klar.

Die Zeit verging und wir rechneten schon gar nicht mehr mit Rückmeldung. Eigentlich wollte er in eine Tagesklinik, um abends daheim zu sein aber es wurde ein Platz in einer stationären Klinik frei. Wir haben zugesagt. 6 Wochen sind angesetzt. Achja, AD hatte er zuvor schon von einem Arzt bekommen (ohne Begleitung). Die Nebenwirkungen waren heftig.

Die erste Woche war alles und jeder doof dort. Ich ermutigte ihn abzuwarten und nicht abzubrechen und ehrlich gesagt war ich froh, dass er weg war und ich endlich aufatmen konnte aber die Belastung zu Hause mit dem Kind bleibt.
Natürlich wird dort mit Medikamenten experiment, die bei ihm wirken (er hat wohl ADS). In der zweiten Woche gab es eine positive Tendenz. Er sah mich nicht mehr als Grund für seine Lage & Depression, sondern ich bin nur noch die, die es zu Tage befördert hat. Die beiden Treffen zwischen uns verliefen sehr gut. Ich bemerkte, dass die Therapie schon Früchte trug und er spielte ausgelassen mit seinem Kind.

Seit einigen Tagen ist alles anders. Er ist wie ausgewechselt. Sagt, er komme an seine Grenzen. Ich bekomme KI "verbesserte" Nachrichten, in denen ich vertröstet werde. Als würde ich eine Reklamationshotline kontaktieren und eine automatische Antwort bekommen, wo steht, dass meine Nachricht ernst genommen wird.
Meine Nachrichten werden erst 24 Stunden später gelesen. Er beteuert immer, es habe nichts mit mir zu tun und er schwor für mich da zu sein, wenn's wichtig ist. Schreibt er liebt mich. Ich sagte ihm, ich bin hier kurz vor einem Burnout aber er lässt mich im Stich.

Heute morgen schrieb er kurz, er meldet sich später wegen der Wochenendplanung und mittags hieß es, er bleibe in der Klinik. Die Woche hätte ihn ausgelaugt. Wenn er sich erholt hat, holen wir das nach. Bitte was?
Das sagt er jetzt schon am Freitag? Zur Info: Sa/So kann er ganztägig nach Hause.
Ich könnte verstehen, wenn es wegen mir ist aber warum will er sein Kind nicht sehen?
Ich habe auf keine Nachricht mehr reagiert. Ich bin fassungslos.
Was ist da los? Was geht da ab? Hier sind doch bestimmt Leute, die eigens oder wo der Partner in therapeutischer Behandlung war.
Ich weiß, ich sollte den Blick auf mich richten aber das ist leicht gesagt angesichts dieser Enttäuschung unmenschlichen Verhaltens.

Ich glaube, ich bekomme nur die Eisbergsspitze zu sehen und da ist was mächtig im Gange oder alles normal?
Danke fürs Lesen.

• x 1 #1


Stella31
Zitat von WhatHappend:
Ich sagte ihm, ich bin hier kurz vor einem Burnout aber er lässt mich im Stich.

Wieso bist du vor dem Burnout?
Wieso lässt er dich im Stich?

Du hast ihm doch zugestimmt, dass er in die Klinik gehen soll. Jetzt ist er da und du fühlst dich verraten?

Was glaubst du denn, wofür so ein Klinikaufenthalt da ist?
Er geht da seine Probleme an, du bist weit weg.
Das hat eben was von Käseglocke.
Lass ihn doch sich auf sich konzentrieren, anstatt ihm Druck zu machen.

• x 7 #2


A


Klinik - was machen die mit ihm?

x 3


Error
Ich fürchte das der Drops bei Euch geluscht ist.
Noch traut er sich nicht, Dir das ehrlich mitzuteilen.

Dann lese ich aus deinem Post heraus, dass du dir bisher sicher warst, er würde wegen euerm Kind bei dir bleiben. Gerade das wird es ihm so schwer machen, ehrlich zu sagen, dass er mit dir nicht mehr kann.

Du schreibst, dass es immer schlimmer wurde, seit er auch zu Hause ist und du noch wegen der Elternzeit.
Jetzt bekommst Du Existenzangst, was durchaus nachvollziehbar ist.

Leider ist es bei stationären Aufenthalten aufgrund von Depressionen eines Partners oft so, dass letztendlich der Partner am Leid des Patienten die Ursache sein soll. Das habe ich hier schon so oft gelesen.

Sei stark, denke nicht nur an ihn, sondern auch an Dich selber und an Euer Kind.
Es tut mir leid.
Halt dich tapfer, momentan ist er in der "Mir geht es schlecht - an mir kann es nicht liegen, andere müssen schuld sein" Phase,

Das wird ihm irgendwann sehr leid tun, die Frage für Dich jetzt, ist ob Du damit klarkommen kannst und solange warten magst?

Bleib stark, egal wie du dich entscheidest - aber entscheide dich und lass nicht ihn entscheiden.

• x 4 #3


M
Hallo @WhatHappend,

ich kann deine Überlastung verstehen, dennoch finde ich deine Worte deinem Partner gegenüber recht kritisch. Denn er lässt euch nicht einfach im Stich, sondern dein Partner ist krank und bekommt endlich die Hilfe, die er braucht, um wieder gesund zu werden. Das ist ein wichtiger Schritt und hat nichts damit zu tun, sich nicht mehr um sein Kind kümmern zu wollen oder es nicht zu lieben.

Du hast doch selbst beschrieben, wie ihr eine ungesunde Dynamik entwickelt habt und er sich immer mehr zurückgezogen hat. Jetzt hat er die Chance, da wieder rauszukommen, aber dafür braucht er auch Zeit für sich. Von deinem Partner in diesem aktiven Prozess eine emotionale Zuwendung zu erwarten, könnte schlicht zu früh sein. Nimm den Druck heraus, informiere ihn einfach über euren Alltag und schicke Bilder, statt Wochenendplanungen umzusetzen oder Entscheidungen zu erwarten.

Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung und vielleicht merkt er gerade nach den wenigen Tagen Therapie, wie erschöpft er eigentlich ist. Es kann auch Monate dauern, bis Medikamente gut eingestellt sind. Nutze die Zeit einfach auch für dich, in dem du Abstand von euren Konflikten bekommst und etwas Ruhe einkehren kann.

Ich verstehe, dass du dir erhofft hast, dass sich eure familiäre Situation rasch stabilisiert. Aber die Therapie hat das primäre Ziel, erstmals deinen Partner zu stabilisieren. Sein Alltag und eure Elternorganisation sind längerfristige Ziele, die zwangsläufig nach so kurzer Zeit nicht zu erreichen sind. Es kann sogar sein, dass er vorübergehend weniger leisten kann. Das sagt aber nichts über ihn als Vater aus.

Für eine begrenzte Zeit wirst du vermutlich mehr anpacken müssen. Bei einer Erkrankung ist das einfach Teil der Elternschaft, wenn man sich die Verantwortung teilt. So hart es klingt, aber den Alltag mit Kind wirst du irgendwie annehmen müssen, auch alleine. Natürlich solltest du dich nicht bis zum Zusammenbruch aufopfern. Deshalb organisiere dir so gut es geht Hilfe für euren Alltag.

• x 4 #4


T
Wie alt ist denn euer Kind?
Wieso stehst du vor dem Burnout?
Ich glaube, du solltest dir klar machen, dass dein Partner krank ist und nicht im Urlaub.
Ich sage das nicht um deine Belastung herunterzuspielen, mir ist schon klar dass das auch für dich schwierig ist. Aber mit einer schweren Depression ist es vielleicht einfach zuviel verlangt, dass er am Wochenende heim kommt um zu funktionieren und dir was abzunehmen.

• x 2 #5


W
@Error
Danke für den Einblick.
Ja, ich habe Zukunftsängste und habe bislang den Schritt des Auszugs nicht getraut zu machen aber ich werde mich wieder aktiv um die Wohnungssuche kümmern. Neben allen anderen Dingen, die ich alleine stemmen muss. Am schlimmsten ist für mich diese Ungewissheit nicht bis zum nächsten Tag planen zu können. Dabei muss ich mich z.B. bald entscheiden, wo das Kind 2027/28 betreut wird. Mit der (geografischen) Entscheidung tu ich mich deshalb sehr schwer, weil ich nicht weiß, wie es weiter geht.
Er hat ja dort erkannt, dass nicht ich das Problem bin. Ich/die Beziehung ist auf Platz 4 gerutscht, sagt er. Was die anderen Platzierungen sind will er nicht sagen, weil er meint, ich könnte diese abwerten. Er soll für sich entscheiden, ob er mir das mal erzählen möchte. Ich weiß wohl, dass er mit dem Arzt bestimmte Themen in den Fokus gerückt hat aber die haben nix mit mir zu tun! Natürlich frage ich mich welchen Menschen ich nach dieser Zeit zurück bekomme und die Aussichten letzte Woche ließen Hoffnung aufkeimen.

Wir haben uns auf das Kind gefreut und dann kam alles anders. Beide wollten doch nur eine Familie sein. Dass sich diese Vorstellung nicht erfüllt, macht mich sehr traurig.

Ich bin mittlerweile so fertig, dass ich selber angefangen habe mir psychologische Hilfe zu holen, damit ich in dieser Krise Begleitung finde.

• x 3 #6


MafusCage
Zitat von WhatHappend:
Ich/die Beziehung ist auf Platz 4 gerutscht, sagt er


Du bist auf Platz 4! Anstatt dir Gedanken zu machen, was ihm da wichtiger ist, hast du nun eine klare Hausnummer an der du dich orientieren kannst.

Sei stark für dich und dein Kind. Das kleine Mäuschen braucht sich wirklich. Da bist du Platz 1. Such dir etwas passendes zum Wohnen und dann richtest du dich schön ein. Es kommen neue Menschen in dein Leben, denen du wichtig bist und die dir neue Kraft geben. Da du ohnehin das meiste allein stämmst, musst du dich auch nicht wirklich umstellen. Du wirfst eher Balast ab.

Alles Gute dir..

• x 7 #7


W
@Tobalf definiere krank.
Wenn ich krank bin, bekomme ich keine Hilfe von ihm. Wieso auch? Ich steh ja noch auf meinen Beinen.
Dann kann ich auch sagen Du hast zwei gesunde Arme und Beine - bitteschön.
Ich leide unter nervösen Zuständen, besitze keine Resilienz mehr, habe Panikattacken (wo ich momentan nur gegen die Symptome kämpfe), dieser Mensch zieht mich seit Monaten mit runter aber ich gebe nicht auf, weil ich Verantwortung für ein Kind habe. Ich kann nicht sagen: "ich kann nicht mehr", denn ich MUSS.
Und weil Depression eine Krankheit ist, muss ich die Samt Handschuhe anziehen und einen Eiertanz veranstalten? Ich habe das die letzten Wochen gemacht, hab mir alles verkniffen und mich auf die Klene konzentriert, weil viel mehr Ressourcen habe ich nicht.
Er hat mir von einer GruppenSitzung erzählt, wo nämlich genau nicht der Kopf getätschelt wird hingegen seiner Erwartung.

• x 3 #8


Error
Ohje, liebe @WhatHappend

es tut mir so leid, das zu lesen.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schlecht es Dir momentan geht. Du bist doch nur ein Mensch, die sich Gedanken macht.
Und Dein Glück ist derzeit abhängig vom Ausgang, den Ergebnissen seiner Therapie.

Immerhin hat er es erkannt, dass es nicht von Dir abhängt. Ich finde das so fies, Dich alleine mit Eurem Kind zu lassen, worauf ihr euch beide so gefreut habt und momentan nur sich selber sieht.

Du musst ja jetzt nicht alles in den Sack hauen, aber bereite dich für das Schlimmste vor, damit es dich nicht umhaut, falls...

Natürlich bist Du jetzt fertig, das ist normal und spricht für Dich - aber bitte bleib stark. Du brauchst keine Behandlung, Du brauchst Lebensmut und Stärke. Beides steckt in Dir, das lese ich doch raus 💪

Auch wenn es sich erstmal konstruiert liest, teile ihm mit dass Du und Euer Kind sehr leiden und Du deshalb auf Wohnungssuche bist. Ich hoffe und wünsche mir, dass es ihn wachrütteln wird. Es gibt eben nicht nur ihn, sondern auch Dich und Euer Kind in dieser Welt. Therapie hin, Therapie her - dann sollte er wachwerden oder nicht, dann weißt Du aber wenigstens was Sache ist.

Du bist nicht verkehrt, Du möchtest doch nur das Beste für Eure Familie 🍀

• x 2 #9


MafusCage
Zitat von Error:
Auch wenn es sich erstmal konstruiert liest, teile ihm mit dass Du und Euer Kind sehr leiden und Du deshalb auf Wohnungssuche bist.

Davon rate ich ab. Wer weiß welchen Druck das aufbaut. Wenn sie nichts so schnell findet, wird er es vielleicht schlechtreden oder er wird noch launischer. Er redet auch kein Klartext und hält sie mir so abwertenden Äußerungen so klein.

Mach die Pferde nicht scheu, erkläre dich niemandem. sondern höre nur darauf, was du dir für dich vorstellst und dann gehe deinen Weg.

• x 3 #10


W
Zitat von MafusCage:
was ihm da wichtiger ist

Hallo Mafus, hmm, kann man sehen, wie man will. Bin ich froh, dass ich nicht Problem Nummer 1 bin? Also ehrlich gesagt habe ich mir von Anfang an nicht den Schuh angezogen und ich war mir ziemlich sicher, dass er irgendwann eine andere Sichtweise darauf haben wird. Wie gesagt, ich habe wohl irgendwas in Gang gebracht, was jetzt in der Therapie ausgebuddelt wurde.

• #11


Error
Zitat von MafusCage:
Davon rate ich ab. Wer weiß welchen Druck das aufbaut. Wenn sie nichts so schnell findet, wird er es vielleicht schlechtreden oder er wird noch launischer. Er redet auch kein Klartext und hält sie mir so abwertenden Äußerungen so klein. Mach die Pferde nicht scheu, erkläre dich niemandem. sondern höre nur ...

Ich denke, dass es genau das Richtige wäre. Denn, wenn man so in sich selbst steht und nur noch das eigenes Leid sieht, ist man fern vom Leid, was man seinen eigentlich Liebsten damit verursacht.
Der Mann soll mal stark werden um seine Familie zu retten und sich nicht von irgendwelchen Leuten etwas einreden lassen.

Tolle Diagnosen, die könnte ich als nicht Fachmann ebenfalls stellen... Ich halte überhaupt nichts von Psycho-Quacksalbern, die über Freud und Leid von fremden Menschen entscheiden wollen, damit sie ihre Daseinsberechtigung behalten.

• x 1 #12


W
Zitat von Manchmal_Hexe:
Das ist ein wichtiger Schritt und hat nichts damit zu tun, sich nicht mehr um sein Kind kümmern zu wollen oder es nicht zu lieben.

Hallo Hexe, aber es ist gerade ein deja vú. Ich habe diese Phase zu Hause mitgemacht, wo er da war aber eben nicht da war.
Ich kann dieses hin und her bald nicht mehr.

• #13


W
Zitat von Error:
Und Dein Glück ist derzeit abhängig vom Ausgang, den Ergebnissen seiner Therapie.

Ich will nicht emotional abhängig sein. Ich will frei sein und Energie und Motivation haben - für mein Kind.

• x 1 #14


Error
Zitat von WhatHappend:
Ich will nicht emotional abhängig sein. Ich will frei sein und Energie und Motivation haben - für mein Kind.

Das ist Dein gutes Recht und so soll es sein.
Deshalb mein Rat, ihm das mitzuteilen. Mach Dein Ding - entweder möchte er weiterhin dazugehören oder eben nicht.

• #15


A


x 4