Danke für eure Antworten. Mir fällt das sehr schwer, weil ich weiß wie schnell man in diesen ‚er ist an allem Schuld, bloß nicht ich‘ -Modus fällt. Mir ist vollkommen bewusst, dass meine mentale Lage nicht zu einer gesunden Beziehung beiträgt und ich ggf. das Kennenlernen gar nicht hätte eingehen sollen, wenn ich so viel Verantwortung getragen hätte. Letztendlich ist es aber doch oft so, die Hoffnung stirbt zuletzt und auch mit einer Erkrankung, egal ob körperlich oder psychisch, sehnt man sich nach Liebe und Partnerschaft. Auch wenn es rational gesehen, nicht die beste (aktuelle) Entscheidung wäre. Ich wusste anfangs auch nicht, dass wir überhaupt wöchentlich ausgehen. In vergangenen Kennenlernphasen kam es oft schon recht früh zum Kontaktabbruch, Ghosting oder offener Kritik an mir. Ich wurde auch in Vergangenheit mit der Ex-Partnerin auf unschöne Weise an der Nase herum gezogen. Ich war nicht in der Lage, da klare Grenzen zu ziehen und habe das meinen Selbstwert sehr verletzen lassen. Daher bin ich grundsätzlich bei dem Thema Ex sehr empfindlich. Er war mal einer der Ersten, der eben nicht von sich aus über seine Ex sprach. Bis auf vielleicht Randnotizen.
Wir hatten uns im August vergangenen Jahres kennengelernt. Zu dem Zeitpunkt war er ein Jahr getrennt. Dass die Ex selber wohl bipolar erkrankt war, wusste ich bis vorgestern nicht. Natürlich kann ich verstehen, warum er dann durchaus Flashbacks bekommen kann. Wodurch ich mich noch schuldiger fühle.
Um ehrlich zu sein, sind es oft Kleinigkeiten, die mich verunsichern können. Zum Beispiel hatte ich Ende September Geburtstag. Wir waren einen Tag davor zusammen unterwegs und ich dachte, wir verbringen auch meinen Geburtstag zusammen. An dem Tag fuhr er frühs dann direkt, weil ich Unsicherheiten hatte und Sicherheit suchte. Er wusste wochenlang davor, dass ich Geburtstag hatte und fragte mich dann ein Tag davor, ob es Ok ist, dass er gar kein Geschenk hat. Er hat dann als wir kurz beim Supermarkt hielten einen Kuchen und Blumen geholt und mir das dann geschenkt.
Versteht mich bitte nicht falsch. Ich erwarte keine aufwändigen Geschenke. Nur dieses er wusste es seit Wochen und kauft mir ein Tag davor aus der Not heraus etwas und fährt frühs dann wieder. Sass mir schon etwas im Magen.
Generell kam es öfter vor, dass er Treffen ganz kurzfristig absagte. Wir wohnen jetzt nicht direkt um die Ecke und wenn ich gerade in einer Unsicherheit war und das kommunizierte, blies öfter Treffen ab, weil er keine Lust mehr hatte.
Bis jetzt habe ich weder seine Mutter, seine Freunde oder sonst wen kennengelernt. Dinge brauchen Zeit, aber auch das gibt mir Bedenken. Wir wollten eigentlich sowohl Weihnachten, als auch Silvester gemeinsam verbringen. Was beides ins Wasser fiel.
Dieses Gefühl, dass ich mehr an ihm interessiert bin, als er an mir, bringt mich eben zu dieser Unsicherheit. Er ist wahrscheinlich einfach so, aber bei mir kommen dann eben schnell diese Gedanken, ‚ich bin nicht gut genug, er verlässt mich, andere sind besser, usw.‘
Ich habe mehrfach die Gründe für meine Probleme benannt. Das respektierte er bisher, stellte aber auch fast nie Fragen dazu. Wenn ich mal wieder unsicher bin, nimmt er es leider schnell persönlich, als dass er differenzieren kann ‚ihre Angst spricht gerade wieder‘.
Das Problem für mich ist einfach. Ich arbeite daran, ja. Das ist aber leider ein Prozess, mit Erfolgen, aber auch Niederlagen. Wenn ich mir denke ‚Hey, ich habe es gerade eine ganze Woche geschafft, ihn nicht mit meiner Unsicherheit zu konfrontieren‘, denkt er eher ‚Jetzt geht das nach einer Woche schon wieder von vorne los und ich habe keine Lust auf das Gelaber‘.
Für ihn ist es wahrscheinlich ein ständiges sich rechtfertigen und Interesse-Beweisen müssen. Mir tut das ehrlich leid, weil ich es nicht will und mich so oft selber danach elendig fühle. Ich weiß, dass er Geduld zeigte und viele Männer, die ich davor datete, längst weg waren oder mich gar beleidigten.
Ich habe einfach das Gefühl, wir schaffen den Durchbruch nicht. Ich sehne mich nach Liebe. Nach Gesehen werden. Kleinen Gesten. Ihm reicht es, wenn wir uns einmal die Woche sehen. Schreiben, statt telefonieren. Wenn wir nicht wirklich zu tiefgründigen Themen, wie Familie, Vergangenheit, etc. vorstoßen. Manchmal frage ich mich, ob ich ihn überhaupt kenne.
Und dann gebe ich mir die Schuld, weil ich mir denke. ‚Wärst du von Anfang an einfach normal und selbstbewusst gewesen, hätte er bestimmt mehr Gefühle und Interesse für mich entwickelt und es wäre alles ganz anders gekommen‘. Vielleicht ja, vielleicht nein. Es tut nur einfach weh, weil ich mich wie eine Versagerin fühle. Dass etwas Gutes zustande hätte kommen können, was ich die Jahre davor schon nie auf die Reihe brachte (eine Beziehung führen).