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Konflikte direkt am Anfang der Beziehung

V

valeriebvm
Mitglied

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Hallo. Ich bin seit bald 2 Monaten, also noch sehr frisch, mit einem Mann zusammen (sind beide Ende 20). Grundsätzlich ist er nicht so der Typ, der viel über sich oder seine Probleme redet. Es eher mit sich selber ausmacht. Mehr als ihm zu sagen, dass ich da bin, kann ich dann nicht wirklich tun. Unsere Kennenlernphase war um ehrlich zu sein nicht ganz so reibungslos. Ich selber habe eine psychische Erkrankung (depressive Episoden und Ängste), die auch meine Selbstwahrnehmung beeinflussen. Ich finde mich selbst jetzt nicht super toll und das strahlt man natürlich auch aus. Ich bin von Anfang an recht offen mit ihm darüber umgegangen und auch wenn er nicht wirklich viel dazu gesagt hat, ist er dennoch geblieben. Ich arbeite an mir und versuche da, auch mehr Vertrauen in ihn zu setzen.
Gestern hatten wir uns verabredet. Wollten ins Kino und anschließend eben beieinander auch über Nacht bleiben. Ich bin hingefahren und eigentlich kam am Abend davor noch die Nachricht ‚ich freue mich auf morgen.‘ Ich kam dort an und er war super kühl und distanziert. Hat mit mir im Auto vielleicht 2 Worte gewechselt. Ich war total perplex und wusste auch erstmal nicht, was ich machen sollte. Ich fragte dann und er meinte nur, es liegt nicht an mir, ihn nerven nur gerade alle (?)
Sind dann ins Kino und ich habe ihm dort dann gesagt, dass es das Beste ist wenn wir umdrehen und ich wieder Heim fahre. Ich habe mich einfach super unwohl und zu viel neben ihn gefühlt, kein Wort zu wechseln, nachdem man sich gefreut hat, sich zu sehen. Er meinte dann direkt, ja ok lass fahren. Da war ich dann auch erstmal gedämpft. Ich meinte dann, was eigentlich mit ihm los sei. Dann kam nur, ‚wir lassen das einfach alles hier‘ von ihm. Ich bin zumindest in der Situation recht aus heiterem Himmel gefallen.

Ich konnte dann im Auto irgendwie versuchen, mit ihm zu reden. Er meinte, er weiß nicht ob er das kann mit der Beziehung. Dass seine Ex eine bipolare Störung hatte (das wusste ich vorher jetzt nicht). Er hatte geweint, weil er einfach nicht weiß und sich alleine mit allem fühlt.

Ich weiß, dass er bei seinem Vater wohnt. Dieser Alk. ist. Er redet nicht darüber und meint, er versteht sich sonst aber mit ihm. Seine Mutter besucht er auch oft. Fühlt sich ihr gegenüber wahrscheinlich auch sehr verpflichtet. Er hatte Silvester mit ihr verbracht, weil er sie nicht alleine lassen wollte.

Heute hatte er sich dann beruhigt und den Kontakt auch nicht abgebrochen, aber ich bin natürlich immer noch verwirrt und verunsichert. Ich frage mich ob das wieder passiert, dass ich da ankomme und denke es ist alles Okay und er dann so ist.
Ich habe ihn gefragt was wir jetzt machen sollen und er meinte einfach, wir gehen es entspannt an. Dass er schon an der Beziehung festhalten will. Wo ich mir jetzt aber auch nicht sicher bin, wie ernst das gemeint ist.
Habt ihr irgendeinen Rat?

x 1 #1


Nachtlicht
Zitat von valeriebvm:
Dass er schon an der Beziehung festhalten will

Was für eine Beziehung denn? Zwei Monate zusammensein ist immer noch ganz frühes Kennenlernen, auch wenn du sagst, dass es davor eine Kennenlernphase gab (die obendrein schwierig war), falls die nicht gerade etwa ein Jahr oder so gedauert hat. Kennenlernen ist hier wörtlich zu verstehen: du lernst, den anderen zu kennen. So wie er ist und nicht wie du hoffst, dass er sein soll.

Schau dir an, was da ist:

Zitat von valeriebvm:
er war super kühl und distanziert


Zitat von valeriebvm:
Ich habe mich einfach super unwohl und zu viel neben ihn gefühlt


Zitat von valeriebvm:
Dann kam nur, ‚wir lassen das einfach alles hier‘ von ihm


Zitat von valeriebvm:
er weiß nicht ob er das kann mit der Beziehung


Zitat von valeriebvm:
weil er einfach nicht weiß und sich alleine mit allem fühlt


Dazu kommt noch die schwierige Situation mit seinem anscheinend recht dysfunktionalen Elternhaus.

Wenn ein Mann dir sagt, was er denkt und fühlt, wenn er dir im Negativen sagt und zeigt, dich spüren lässt wer er ist und wie er tickt - dann glaub ihm das ruhig. Dieser hier ist mit sich und seinen Mitmenschen überfordert und wahrscheinlich emotional ziemlich instabil.

Du sagst von dir selbst, dass du aufgrund psychischer Belastungen Probleme mit dem Selbstwert hast und dass sich diese auch in deinem Verhalten wiederspiegeln. Eine Beziehung sollte ein Raum zwischen zwei Menschen sein, der beiden eine sichere Basis zur gemeinsamen, aber auch individuellen Reife und Entwicklung bietet. Das wird nicht gelingen, wenn du stattdessen dauernd die Sorge haben musst, nicht genug oder zu viel zu sein oder dich fragst, wie er diesmal wohl drauf ist und ob er wieder spontan alles hinwirft.

Ich weiß, dass es bei geringem Selbstwert wirklich schwierig ist, die richtigen Leute in sein Leben zu ziehen, aber ein bindungssicherer Mann, der in der Lage ist, sich emotional zu regulieren, wäre die deutlich bessere Wahl für dich, gerade bei deiner Vorgeschichte betreffend der psychischen Gesundheit.

Zitat von valeriebvm:
Habt ihr irgendeinen Rat?


Ja, aber den wirst du nicht hören wollen. Tut mir leid. Ich habe große Bedenken, was die von dir beschriebene Dynamik zwischen euch angeht, und würde dir den Rückzug aus dem Kennenlernen nahelegen.

x 5 #2


A


Konflikte direkt am Anfang der Beziehung

x 3


V
@Nachtlicht Danke für deine Nachricht. Ich hatte darüber auch schon nachgedacht. Ich möchte für ihn ja nicht eine weitere Baustelle in seinem Leben sein und natürlich wünsche ich mir, dass eine Beziehung nicht einseitig ist. Ich weiß, dass ich mein übermäßiges Bedürfnis nach Sicherheit, selber regulieren muss. Das gelingt mir nicht immer zu 100%, aber ich habe ihm mitgeteilt, dass ich daran arbeite. Ich verstehe, wenn ich damit für den anderen Part auch auslaugend bin, was mir auch weh tut. Mir fällt es selber schwer, mich dann aus einem Kontakt zu lösen, da ich ihn dennoch sehr gerne habe und irgendwie auch an den schönen Momenten festhalten möchte.
Ich habe nur oft das Gefühl, nicht richtig an ihn ranzukommen. Es ist schwer zu beschreiben. Damit meine ich nicht die Nähe, die man zum Beispiel beim Kuscheln spürt. Sondern diese emotionale Nähe. Ich habe oft so ein Bauchgefühl, dass es ihm nicht gut geht und das tut mir innerlich weh, weil ich mich dann hilflos fühle, weil ich dann eben auch noch ‚oben drauf‘ komme, mit meinem Ballast, auch wenn er mir das nie vorwarf.
Vielleicht habe ich durch meine Probleme aber auch zu viel Empathie oder versuche Menschen zu therapieren, was ja auch mein Fehler ist. Da geht schnell die Leichtigkeit verloren.

Gestern war ich auch völlig überfordert mit seiner Stimmung. Er war ja nicht irgendwie aggressiv oder irgendwas. Sondern eben sehr kühl, er zieht sich dann schnell zurück, will alleine sein, nicht dieses ‚Gelaber‘ von allen Seiten haben. Es tut mir halt irgendwie sehr weh, dass ich es nicht hinbekomme, eine stabile Beziehung zu ihm aufzubauen

#3


Nachtlicht
[url=/post4081852.html#p4081852]Zitat von valeriebvm[/url]
Ich möchte für ihn ja nicht eine weitere Baustelle in seinem Leben sein und natürlich wünsche ich mir, dass eine Beziehung nicht einseitig ist. Ich weiß, dass ich mein übermäßiges Bedürfnis nach Sicherheit, selber regulieren muss.

Ohje Valeriebvm, da hast du mich vielleicht missverstanden, mein Beitrag war nicht auf deine Anteile gemünzt. Mein Fokus lag eher darauf, dass dein aktueller Kandidat augenscheinlich Schwierigkeiten hat, seinen Gemütszustand zu regulieren und seine Beziehungen sicher und konstruktiv zu gestalten (sondern dass er stattdessen eben kühl reagiert und mit Beziehungsabbruch jongliert, wenn es ihm gerade nicht so passt).

Ich finde es übrigens richtig gut, dass du die Situation im Kino abgebrochen hast, weil du dich mit seinem Verhalten so unwohl gefühlt hast. Das war eine gute und gesunde Grenzsetzung von dir. Ich hätte ihn wahrscheinlich ohne "helfendes" Gespräch zu Hause abgesetzt und im eigenen Saft schmoren lassen, aber ich bin auch doppelt so alt wie du und musste das Nicht-Dulden von besch*ssenem Verhalten auch erstmal lernen (und immer wieder aktiv üben).

Zitat von valeriebvm:
Es tut mir halt irgendwie sehr weh, dass ich es nicht hinbekomme, eine stabile Beziehung zu ihm aufzubauen

Dazu gehören aber eben zwei und nicht nur dein Bemühen, sondern auch seins. Er ist überfordert, lässt es an dir aus und ist dann aber auch wieder nicht konsequent. Vielleicht will er ja wirklich Schluss machen, traut sich dann aber irgendwie doch nicht (oder du hast es ihm ausgequatscht bei eurem Reden im Auto). Vielleicht ist er emotional so unreguliert, dass er das einfach je nach Laune rauslässt. Was im übrigen unheimlich rücksichts- und respektlos dir gegenüber wäre. So oder so, bei deiner Schilderung klingelt bei mir die On-Off-Alarmglocke.

Zitat von valeriebvm:
da ich ihn dennoch sehr gerne habe und irgendwie auch an den schönen Momenten festhalten möchte.

Das kann ich wirklich gut nachfühlen. Du hast dich schließlich in seine guten Seiten verliebt. Aber ein Mensch kommt ja als Gesamtpaket daher, weswegen wir die Kennenlernphase brauchen um zu prüfen, ob die Mischung aus guten und weniger guten Eigenschaften für uns stimmig ist. Aus persönlicher und aus Forumserfahrung kann ich dir leider nur sagen, dass ein Kennenlernen, das schon so früh derart kränkelt, so gut wie nie zu einer gesunden Beziehung heranwächst. Im schlimmsten Fall handelst du dir eine dauerhaft destruktive Dynamik ein. Das würde ich mir an deiner Stelle gut überlegen. Ich denke, gerade auch im Hinblick auf deine eigenen Schwierigkeiten wärst du mit einem emotional gefestigteren Partner einfach besser beraten.

x 3 #4


Worrior
@valeriebvm
Du hast Deine Baustellen (so wie jeder), hast diese erkannt und arbeitest daran.
Das sehe ich positiv.
Für seine Eltern und seine Ex kannst Du nichts und es ist auch nicht Deine Aufgabe als Partnerin.
Warum solltest Du Schulden tilgen und Wunden heilen die Du nicht verursachst hast.
Eine Beziehung sollte eine Bereicherung in Deinem Leben sein.
Hier sehe ich das nicht so.
@Nachtlicht hat hier schon das Wesentliche dazu geschrieben.
Eine Beziehung wo Du ständig auf Zehenspitzen laufen musst, mit vielen Fragezeichen, ist für Deinen mentalen Zustand nicht förderlich.
Dir wird es zeitnah eher schlechter gehen statt besser und Deine bisherigen Erfolge könnten zunichte gemacht werden.
Das wird ein ewiges auf und ab, heiss und kalt, push and pull.
Das brauchst Du nicht und ich nehme an das willst Du auch nicht.

x 6 #5


Sonnenschein85
Ich wäre sehr vorsichtig. Da mehr Gefühle zu investieren halte ich für ein großes Risiko. Wenn er nach so kurzer Zeit schon so unsicher ist und kühl zu dir. Wenn das so plötzlich und unvermittelt gekommen ist. Das kann natürlich jederzeit wieder passieren.

Und ihr seid frisch zusammen. Wie soll daa langfristig klappen, wenn ihm jetzt schon alles zuviel ist?

Ich befürchte, er ist gerade nicht bereit für eine Beziehung und muss erst einmal mit sich und seinem Leben zurecht kommen..

x 1 #6


Plague
Zitat von valeriebvm:
Ich selber habe eine psychische Erkrankung (depressive Episoden und Ängste), die auch meine Selbstwahrnehmung beeinflussen.

Zitat von valeriebvm:
Dass seine Ex eine bipolare Störung hatte (das wusste ich vorher jetzt nicht).

Zitat von valeriebvm:
Ich weiß, dass er bei seinem Vater wohnt. Dieser Alk. ist.

Ein bisschen schwierigere Startbedingungen, kann aber durchaus klappen, wenn beide bereit sind, an der Sache zu arbeiten. Auf der Seite des jungen Herrn hätte ich da allerdings berechtigte Zweifel.

Wie lange ist die Trennung von der bipolaren Ex jetzt her?

Zitat von valeriebvm:
Vielleicht habe ich durch meine Probleme aber auch zu viel Empathie oder versuche Menschen zu therapieren, was ja auch mein Fehler ist. Da geht schnell die Leichtigkeit verloren.

Altruismus kann auch selbstwertdientlich sein, vor allem, wenn der eigene Selbstwert eh schon angeknackst ist.

#7


Fenjal
@valeriebvm mein Rat, rück ihm nicht zu nah auf den Pelz, man muss nicht alles hinterfragen und bis in Detail wissen wollen.
Lass ihn sein, wenn er es für erforderlich hält wird er dir mitteilen, was ihn bewegt.
Nicht jeder redet tagein tagaus über seine Emotionen, was auch sinnbefreit ist, er ist erwachsen und möchte nicht ständig hinterfragt werden wie ein Kind.
Geniess die Zweisamkeit und wenn er mal distanziert ist...na und? Das steht ihm zu, du wirst auch Tage haben, an denen du wortkarg bist oder zuquatschen dich nervt.
In der Beziehung muss man auch sein lassen können und nicht ständig, warum oder weshalb erfragen.

#8


V
Danke für eure Antworten. Mir fällt das sehr schwer, weil ich weiß wie schnell man in diesen ‚er ist an allem Schuld, bloß nicht ich‘ -Modus fällt. Mir ist vollkommen bewusst, dass meine mentale Lage nicht zu einer gesunden Beziehung beiträgt und ich ggf. das Kennenlernen gar nicht hätte eingehen sollen, wenn ich so viel Verantwortung getragen hätte. Letztendlich ist es aber doch oft so, die Hoffnung stirbt zuletzt und auch mit einer Erkrankung, egal ob körperlich oder psychisch, sehnt man sich nach Liebe und Partnerschaft. Auch wenn es rational gesehen, nicht die beste (aktuelle) Entscheidung wäre. Ich wusste anfangs auch nicht, dass wir überhaupt wöchentlich ausgehen. In vergangenen Kennenlernphasen kam es oft schon recht früh zum Kontaktabbruch, Ghosting oder offener Kritik an mir. Ich wurde auch in Vergangenheit mit der Ex-Partnerin auf unschöne Weise an der Nase herum gezogen. Ich war nicht in der Lage, da klare Grenzen zu ziehen und habe das meinen Selbstwert sehr verletzen lassen. Daher bin ich grundsätzlich bei dem Thema Ex sehr empfindlich. Er war mal einer der Ersten, der eben nicht von sich aus über seine Ex sprach. Bis auf vielleicht Randnotizen.

Wir hatten uns im August vergangenen Jahres kennengelernt. Zu dem Zeitpunkt war er ein Jahr getrennt. Dass die Ex selber wohl bipolar erkrankt war, wusste ich bis vorgestern nicht. Natürlich kann ich verstehen, warum er dann durchaus Flashbacks bekommen kann. Wodurch ich mich noch schuldiger fühle.

Um ehrlich zu sein, sind es oft Kleinigkeiten, die mich verunsichern können. Zum Beispiel hatte ich Ende September Geburtstag. Wir waren einen Tag davor zusammen unterwegs und ich dachte, wir verbringen auch meinen Geburtstag zusammen. An dem Tag fuhr er frühs dann direkt, weil ich Unsicherheiten hatte und Sicherheit suchte. Er wusste wochenlang davor, dass ich Geburtstag hatte und fragte mich dann ein Tag davor, ob es Ok ist, dass er gar kein Geschenk hat. Er hat dann als wir kurz beim Supermarkt hielten einen Kuchen und Blumen geholt und mir das dann geschenkt.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich erwarte keine aufwändigen Geschenke. Nur dieses er wusste es seit Wochen und kauft mir ein Tag davor aus der Not heraus etwas und fährt frühs dann wieder. Sass mir schon etwas im Magen.

Generell kam es öfter vor, dass er Treffen ganz kurzfristig absagte. Wir wohnen jetzt nicht direkt um die Ecke und wenn ich gerade in einer Unsicherheit war und das kommunizierte, blies öfter Treffen ab, weil er keine Lust mehr hatte.

Bis jetzt habe ich weder seine Mutter, seine Freunde oder sonst wen kennengelernt. Dinge brauchen Zeit, aber auch das gibt mir Bedenken. Wir wollten eigentlich sowohl Weihnachten, als auch Silvester gemeinsam verbringen. Was beides ins Wasser fiel.

Dieses Gefühl, dass ich mehr an ihm interessiert bin, als er an mir, bringt mich eben zu dieser Unsicherheit. Er ist wahrscheinlich einfach so, aber bei mir kommen dann eben schnell diese Gedanken, ‚ich bin nicht gut genug, er verlässt mich, andere sind besser, usw.‘

Ich habe mehrfach die Gründe für meine Probleme benannt. Das respektierte er bisher, stellte aber auch fast nie Fragen dazu. Wenn ich mal wieder unsicher bin, nimmt er es leider schnell persönlich, als dass er differenzieren kann ‚ihre Angst spricht gerade wieder‘.

Das Problem für mich ist einfach. Ich arbeite daran, ja. Das ist aber leider ein Prozess, mit Erfolgen, aber auch Niederlagen. Wenn ich mir denke ‚Hey, ich habe es gerade eine ganze Woche geschafft, ihn nicht mit meiner Unsicherheit zu konfrontieren‘, denkt er eher ‚Jetzt geht das nach einer Woche schon wieder von vorne los und ich habe keine Lust auf das Gelaber‘.

Für ihn ist es wahrscheinlich ein ständiges sich rechtfertigen und Interesse-Beweisen müssen. Mir tut das ehrlich leid, weil ich es nicht will und mich so oft selber danach elendig fühle. Ich weiß, dass er Geduld zeigte und viele Männer, die ich davor datete, längst weg waren oder mich gar beleidigten.

Ich habe einfach das Gefühl, wir schaffen den Durchbruch nicht. Ich sehne mich nach Liebe. Nach Gesehen werden. Kleinen Gesten. Ihm reicht es, wenn wir uns einmal die Woche sehen. Schreiben, statt telefonieren. Wenn wir nicht wirklich zu tiefgründigen Themen, wie Familie, Vergangenheit, etc. vorstoßen. Manchmal frage ich mich, ob ich ihn überhaupt kenne.

Und dann gebe ich mir die Schuld, weil ich mir denke. ‚Wärst du von Anfang an einfach normal und selbstbewusst gewesen, hätte er bestimmt mehr Gefühle und Interesse für mich entwickelt und es wäre alles ganz anders gekommen‘. Vielleicht ja, vielleicht nein. Es tut nur einfach weh, weil ich mich wie eine Versagerin fühle. Dass etwas Gutes zustande hätte kommen können, was ich die Jahre davor schon nie auf die Reihe brachte (eine Beziehung führen).

#9


Worrior
Zitat von valeriebvm:
Letztendlich ist es aber doch oft so, die Hoffnung stirbt zuletzt und auch mit einer Erkrankung, egal ob körperlich oder psychisch, sehnt man sich nach Liebe und Partnerschaft.

Das ist ja auch vollkommen verständlich und nschvollziehbar aber er ist halt nicht zwingend geeignet dafür.

x 1 #10


Jane_1
Zitat von valeriebvm:
Ich kam dort an und er war super kühl und distanziert. Hat mit mir im Auto vielleicht 2 Worte gewechselt. Ich war total perplex und wusste auch erstmal nicht, was ich machen sollte. Ich fragte dann und er meinte nur, es liegt nicht an mir, ihn nerven nur gerade alle (?)

Zitat von valeriebvm:
Ich frage mich ob das wieder passiert, dass ich da ankomme und denke es ist alles Okay und er dann so ist.

Davon ist auszugehen. Ich habe sowas mitgemacht und es hat mit einer totalen Erschöpfung meinerseits geendet, weil ich versucht habe, die Beziehung mehr oder weniger alleine am Laufen zu halten. Bitte mach nicht den gleichen Fehler.
Du hast einen erwachsenen Mann vor dir, der reden kann. Du musst weder seine Gedanken lesen noch ihm alles aus der Nase ziehen.
Zitat von valeriebvm:
Es tut mir halt irgendwie sehr weh, dass ich es nicht hinbekomme, eine stabile Beziehung zu ihm aufzubauen

Alleine ist das auch ein kaum zu schaffendes Unternehmen.
Zitat von valeriebvm:
An dem Tag fuhr er frühs dann direkt, weil ich Unsicherheiten hatte und Sicherheit suchte.

So defensiv und überaus verständnisvoll wie du dich liest, gehe ich mal davon aus, dass deine Unsicherheit kein Geschrei oder Drama waren, oder? Liest sich ohne Näheres zu wissen, auf jeden Fall erstmal sehr unsensibel von seiner Seite aus.
Zitat von valeriebvm:
Er wusste wochenlang davor, dass ich Geburtstag hatte und fragte mich dann ein Tag davor, ob es Ok ist, dass er gar kein Geschenk hat. Er hat dann als wir kurz beim Supermarkt hielten einen Kuchen und Blumen geholt und mir das dann geschenkt.

Sorry, das geht nicht. Was soll das denn?
Zitat von valeriebvm:
Wir wohnen jetzt nicht direkt um die Ecke und wenn ich gerade in einer Unsicherheit war und das kommunizierte, blies öfter Treffen ab, weil er keine Lust mehr hatte.

Seine Erziehung scheint ja auch funktioniert zu haben, du zweifelst an dir statt an ihm.
Zitat von valeriebvm:
Wir wollten eigentlich sowohl Weihnachten, als auch Silvester gemeinsam verbringen. Was beides ins Wasser fiel.

Weil er absagte oder wieso?
Zitat von valeriebvm:
Wenn ich mir denke ‚Hey, ich habe es gerade eine ganze Woche geschafft, ihn nicht mit meiner Unsicherheit zu konfrontieren‘, denkt er eher ‚Jetzt geht das nach einer Woche schon wieder von vorne los und ich habe keine Lust auf das Gelaber‘.

Würdest du kurz schildern wie deine Unsicherheit konkret aussah?

x 2 #11


V
@Jane_1 Ich denke schon, dass es auch unnötiges Drama war, was ich anders hätte kommunizieren können. Selbst wenn man es danach sieht und es klärt, bewirkt das bei der anderen Person über einen Zeitraum ja etwas. Was ich auch verstehen kann. Wahrscheinlich ist das dann auch der Grund dafür, dass es für ihn auch nicht emotional dasselbe ist, wie vielleicht am Anfang. Auch wenn ich da auch schon meine Probleme hatte. Das sieht bei mir dann oft so aus, dass ich mich schwer tue, Sicherheit zu empfinden. Jemanden vertrauen zu können, dass er mich wirklich mag. Ich stelle das dann in Frage, in Form von zum Beispiel ‚Meinst du das wirklich ernst‘?

Wenn das oft passiert, kann ich verstehen, dass ihn das auslaugt. Ich kann es nur nicht rückgängig machen. Ich kann es nur erläutern und an mir arbeiten. Nur sind wir gerade an einem Punkt, wo ich den Eindruck habe, das ist kaum mehr möglich für ihn. Selbst wenn ich für mich selber Fortschritte vermerken kann.

Am besagten Abend war tatsächlich auch erstmal kein direkter Auslöser. Wir hatten uns davor noch hin- und her geschrieben, dass wir uns aufeinander freuen. Er hatte dann wahrscheinlich Stress mit jemandem oder seinen Eltern, aber dass er so reagiert, das alles hinwerfen zu wollen. Kam für mich in dem Moment schon sehr plötzlich und schockierend.

#12


Nachtlicht
Zitat von valeriebvm:
Er wusste wochenlang davor, dass ich Geburtstag hatte und fragte mich dann ein Tag davor, ob es Ok ist, dass er gar kein Geschenk hat.


Ohmann. Das ist wirklich armselig von ihm. Und es wirkt sehr lieblos. Ich kann mir vorstellen, dass das deinen Ehrentag für dich ziemlich getrübt hat.

Zitat von valeriebvm:
Wir wollten eigentlich sowohl Weihnachten, als auch Silvester gemeinsam verbringen. Was beides ins Wasser fiel.


In was für ein Wasser ist das gefallen?

Zitat von valeriebvm:
Dieses Gefühl, dass ich mehr an ihm interessiert bin, als er an mir, bringt mich eben zu dieser Unsicherheit. Er ist wahrscheinlich einfach so, aber bei mir kommen dann eben schnell diese Gedanken, ‚ich bin nicht gut genug, er verlässt mich, andere sind besser, usw.‘


Vor lauter Gedanken, was mit dir womöglich nicht stimmt, ist dein Blick verstellt auf das, was mit ihm ziemlich deutlich nicht stimmt. Nach dem, was du schreibst, hat dieser Mann dir kaum etwas zu bieten.

Ich denke daher, dass du vielleicht gar nicht stärker an ihm interessiert bist als er an dir. Sondern vielmehr: dass du stärker als er daran interessiert bist, endlich erfolgreich bei diesem Unterfangen hier zu sein:

Zitat von valeriebvm:
Dass etwas Gutes zustande hätte kommen können, was ich die Jahre davor schon nie auf die Reihe brachte (eine Beziehung führen).


Ich bin behaupte erneut, dazu gehören zwei und mit einem bindungssicheren, emotional stabilen Mann wären deine Aussichten auf eine funktionierende Beziehung deutlich größer als mit dem aktuellen Kandidaten.

x 5 #13


C
Hallo,
Zitat von valeriebvm:
Ich weiß, dass ich mein übermäßiges Bedürfnis nach Sicherheit, selber regulieren muss.

Für mich kommst du sehr reflektiert, aber auch einfühlend rüber. Sehr schade finde ich aber, dass du dir selber viel zu viel Verantwortung für das Ungleichgewicht in der Beziehung zusprichst.
Du hast eine Diagnose, also bist du in deinen Augen diejenige, die nicht richtig ist von euch beiden oder an deren Wahrnehmung was nicht stimmt. Das halte ich für ganz großen Unsinn!

Denn:
Zitat von valeriebvm:
ch habe nur oft das Gefühl, nicht richtig an ihn ranzukommen. Es ist schwer zu beschreiben. Damit meine ich nicht die Nähe, die man zum Beispiel beim Kuscheln spürt. Sondern diese emotionale Nähe. Ich habe oft so ein Bauchgefühl, dass es ihm nicht gut geht und das tut mir innerlich weh, weil ich mich dann hilflos fühle, weil ich dann eben auch noch ‚oben drauf‘ komme, mit meinem Ballast, auch wenn er mir das nie vorwarf.

Er kann sich dir gegenüber nicht öffnen. Er hat einen Alk. (wie es wohl früher bei denen zuging?) und eine Mutter, die er heute noch emotional zu regulieren versucht.
Ich sehe bei ihm eine Bindungsangst-Thematik (bedeutende Anlässe in der Beziehung wie dein Geburtstag oder Weihnachten und Silvester werden unbewusst sabotiert). Lies doch mal "Jein!" von Stefanie Stahl, das könnte erhellende Erkenntnisse bringen.
Ich schließe mich anderen Meinungen an: Diese Kennenlernphase läuft nicht gut, und es passt nicht mit euch. Zeigst du dich bedürftig oder äußerst Erwartungen, macht er dicht. Du brauchst was ganz anderes.
Alles Gute dir!

x 2 #14


M
Zitat von Nachtlicht:
Ohmann. Das ist wirklich armselig von ihm. Und es wirkt sehr lieblos. Ich kann mir vorstellen, dass das deinen Ehrentag für dich ziemlich getrübt ...

Ja er ist nicht gut für dich. Das liegt an seiner Persönlichkeit , an seiner Struktur, Dinge zu handeln, wie er lieben "kann" - wie fähig er ist in Sachen Bindung und Sicherheit geben. Für eine stabile sichere Bindung und Beziehung (mit) zu sorgen.

Da gehört er massgeblich zu. Und er löst ja sogar Unsicherheit aus und sorgt für keine gute stabile Basis. Weil er es vermutlich nicht kann. Bei niemandem. Das hat weniger mit dir und deinem Beziehungsangebot zu tun.
Du möchtest Tiefe und eine Verbindung. Du kommunizierst klar.

Lass dich nicht bzw mach dich nicht selbst innerlich klein.
Du gibst dein Bestes, es ist ok sich Sicherheit einzuholen. Er könnte ja ganz anderes auf dich und darauf eingehen. Eine Basis schaffen. Aber ich denke, so wie du es auch beschreibst, er ist nicht fähig.

x 1 #15


A


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