iwie
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Ich hoffe, dass ich hier nicht völlig falsch bin. Aber ich weiß nicht, wohin ich sonst mit meiner Frage soll. Und so wie Liebeskummer ist es schon. Auch wenn es eigentlich Freundschaft war.
Ich versuche es mal zu erklären. Es wird laaaang. Und ich hoffe sehr, dass man durchsteigen kann.
Wenn nicht - einfach nachfragen
Zu Beginn letzten Jahres habe ich eine neue Arbeitsstelle im sozialen Bereich angetreten. Eine kleine Außenstelle einer größeren Einrichtung mit 6-7 festen Mitarbeitern. Das Team ist super. Ich fühle mich sehr wohl dort. Mit dem einzigen männlichen Kollegen hat sich bald eine Art Freundschaft entwickelt. Wir haben uns viel erzählt, viel über WA geschrieben. Auch mal so getroffen. Ich war mir aber von vorneherein sicher, dass meine Gefühle ihm gegenüber zwar stark sind aber rein freundschaftlicher Natur. Ich hatte nie das Bedürfnis, ihm näher zu kommen als mal eine Umarmung als Gruß, wenn wir uns getroffen haben. Oder mal ein Knuffer, wenn wir uns gegenseitig aufgezogen haben. Hinzu kommt meine Überzeugung, dass man nie was mit Kollegen anfangen sollte und mein Beziehungsstatus: Ich bin verheiratet und habe 2 kleine Kinder. Dagegen steht er alleine da. Er hat sich vor ca. 5 Jahren von seiner Frau getrennt. Seine Kinder sind bereits aus dem Haus und weiter weg gezogen (er ist einiges älter als ich) und seither gab es wohl auch keine Frau mehr in seinem Leben.
Im Frühsommer hatte ich das Gefühl, ich müsste da mal was mit ihm klären und klarstellen, dass da nie etwas anderes außer Freundschaft sein würde und könnte (aus oben genannten Gründen). Ich selber weiß, dass für mich solche Freundschaften funktionieren können.
Einer meiner wichtigsten Freunde ist so alt wie er. Wir sind zusammen schon durch dick und dünn gegangen. Aber es bleibt eben, was es ist: Freundschaft.
Mein Kollege meinte damals, dass das für ihn auch rein freundschaftlich sei. Also gut.
Gegen Ende letzten Jahres veränderte sich dann aber irgendwie sein Verhalten. Ich hatte ihm gegenüber mal gesagt, wie sehr ich mich über seine Freundschaft freue und dass ich ihn wirklich gerne mag. Ab da wurde dann alles anders. Schleichend. Er antwortete nicht mehr so häufig. Meldete von sich aus gar nicht mehr. Erzählte kaum noch über sich. Fragte kaum noch nach, was bei mir so los sei. Anfang Dezember hat er sich dann nach einem MA-Ausflug ganz doof verhalten. Ich habe ihm hinterher gesagt, wie doof ich seine Reaktion fand und dass mich das auch verletzt hat. Daraufhin hat er mehr oder weniger privat den Kontakt komplett abgebrochen. Bei der Arbeit ging er mir aus dem Weg. Als ich kurz vor Weihnachten krank wurde, schrieb er mir dann plötzlich wieder und machte sich wohl ziemliche Sorgen. Über Weihnachten/Silvester hatten wir beide 2 Wochen Urlaub und uns nicht gesehen. Zu Weihnachten schrieb er mir noch ganz liebe Nachrichten und erzählte von sich. Danach - nichts mehr. Bis heute.
Seit Anfang Dezember haben wir eine neue Kollegin (fällt zeitlich mit dem oben erwähnten Ausflug zusammen). Seit wir wieder arbeiten, habe ich den Eindruck, dass er jetzt versucht, an sie ranzukommen (sie ist auch verheiratet). Was mich an sich nicht stört (ich wünsche ihm von Herzen, dass er wieder jemanden findet). Aber es ist bei der Arbeit - wir sind dieses winzige Team. Wir haben täglich intensiv miteinander zu tun. Weil unser Klientel teils wirklich schwierig ist, wird es teils auch wirklich emotional und jeder von uns Mitarbeitern kommt durchaus auch an persönliche Grenzen und wir müssen uns gegenseitig unterstützen und eben auch im Team öffnen. Bislang war er dort mein "Ruhepol". Der, der mir am ehesten helfen konnte, mich wieder zu sortieren, weil die Wellenlänge einfach gestimmt hat. Das blockiert er seit die Neue da ist aber total ab. Deswegen stört es mich halt doch. Aber halt "nur" auf diese Art (ist das irgendwie verständlich?).
Seit er mir die kalte Schulter zeigt, geht es mir nicht gut. Mir fehlt der Austausch mit ihm. Privat und bei der Arbeit. Privat kompensiert sich das schon jetzt langsam wieder, weil ich eben auch andere Freunde habe und mich ablenken kann. Und ich habe eine tolle Familie. Und einen noch tolleren Ehemann, der mich wirklich liebevoll unterstützt. Mein Mann wusste von vorneherein von meinem Kontakt zum Kollegen. Er weiß, dass er mir vertrauen kann und dass ich ihn liebe. Weil mein Mann eben weiß, dass ich auch mit anderen Männern eng befreundet sein kann ohne dass es für unsere Ehe eine Rolle spielt, ist das für ihn auch "normal". Und was mich glücklich macht, unterstützt mein Mann (und auf die, die mich zum Heulen bringen ist er ziemlich sauer
Aber bei der Arbeit.
Ich versuche derzeit wo es geht, dem Kollegen aus dem Weg zu gehen. Was teils unmöglich ist, weil wir uns direkt Infos über unser Klientel geben müssen. Ich habe teils schon meine üblichen Wege durchs Haus abgeändert, um ihm nicht über den Weg zu laufen. Aber an den Tagen, an denen er mich dadurch kaum zu sehen bekommt, steht er immer wieder plötzlich vor meiner Bürotür und hat seltsamste Anfragen. Dann sucht er plötzlich den Kontakt. Er kann und will anscheinend nicht mehr mit mir aber auch nicht ohne mich.
Es kostet mich gerade solche Kraft, zur Arbeit zu gehen, wenn er da ist. Und ich weiß nicht, was ich machen soll. Er redet nicht gern über Beziehungen. Macht dann einfach dicht bzw. tut dann alles ab. Deswegen sehe ich darin kaum eine Möglichkeit. Zumal es schwierig ist, mit ihm alleine zu sprechen. Bei der Arbeit geht es gar nicht. Privat treffen ist immer schon schwierig zu organisieren gewesen, weil ich meist alleine für die Kinderbetreuung verantwortlich bin. Und da er nicht erpicht drauf sein wird, mit mir jetzt zu reden wird er alles dran setzen, dass die Termine nicht zusammenpassen werden.
Vorgestern habe ich, weil sich das Thema ergab, mit einer anderen Kollegin unter 4 Augen gesprochen. Und ihr das alles mal erzählt. Sie fiel aus allen Wolken. Niemand hatte anscheinend irgendetwas mitbekommen. Ok - wir hatten nie explizit von unseren Treffen oder unserem Austausch erzählt - aber ich fand das schon offensichtlich, wie viel wir voneinander wussten und auch erzählten - das musste ja irgendwo herkommen. Ich habe nie etwas verheimlicht. Und auch dass sich nun etwas verändert hat, hat sie nicht mitbekommen. Gut - ich habe mir wirklich viel Mühe gegeben, dass die Arbeit nicht beeinflusst wird und dass ich dem Kollegen gegenüber weiterhin höflich und nicht unfair bin. Aber ich habe mich distanziert. Dass das so gar nicht auffiel.
Auch meinen Verdacht mit der neuen Kollegin habe ich angesprochen - da sagte sie dann, dass sie den Eindruck auch schon gehabt habe.
Seit diesem Gespräch geht es mir einiges besser - ich habe nicht mehr den Eindruck, die Situation alleine aushalten zu müssen. Aber eine wirkliche Lösung ist weiterhin nicht in Sicht.
Ich weiß wirklich nicht, was ich noch tun könnte. Es ist so absurd. Da war nichts. Wir hatten ja nichts miteinander. Und trotzdem habe ich das Gefühl, damit jetzt ganz heimlich wie mit einer verbotenen Ex-Affaire umgehen zu müssen. Ich befürchte, dass mein Kollege etwas anderes als Freundschaft wollte und dass er mich deswegen jetzt auch nicht mehr an sich ranlässt, um etwas klären zu können.
Deswegen dachte ich, dass mir hier vll. jemand den ein oder anderen Tipp geben kann, wie ich das bei der Arbeit lösen könnte. Weil es sich fast so anfühlt, als habe er sich klammheimlich aus einer "Beziehung" geschlichen - so ohne Schluss zu machen und sich dann einfach eine andere gesucht. Ich kann ihm bei der Arbeit aber eben nicht einfach aus dem Weg gehen. Weil es eben dort sehr nah ist. Von der Arbeit an sich - aber auch räumlich gesehen.
Ich weiß grad echt nicht weiter.
Danke auch fürs Lesen! Allein das Niederschreiben hat gut getan und ein paar Gedanken geordnet.
LG irgendwie
