Liebe „Regenbogen“,
auch ich hoffe, dass du dich von der Auseinandersetzung in deinem Faden nicht vertrieben fühlst. Jeder Forumsteilnehmer geht anders mit dem Gelesenen um und einige reagieren aus der persönlichen Geschichte heraus so, dass es für dich vielleicht nicht hilfreich ist. Wir sind alle Menschen.
Ich fühle also sehr menschlich, wenn ich mir vorstelle, mich von einem Geliebten heimlich verabschieden zu müssen. Und für mich ist eher unvorstellbar, das vor seinem Lebenspartner/Mann verbergen zu wollen und verbergen zu müssen. Da du über deine Ehe/Beziehung gar nichts schreibst, gehe ich davon aus, dass du das alles wirklich für dich alleine verarbeiten willst – bis auf die beiden Freundinnen
Zitat:>>Es tut so verdammt weh. Ich konnte mich nicht einmal mehr von ihm verabschieden.<<
Bei diesem Gedanken könnte dir vielleicht helfen, dass Abschiede nicht immer mit körperlicher Anwesenheit einhergehen müssen. Und ihr habt sicherlich in der langen Phase seiner Krankheit Gelegenheit gehabt, über diesen Abschied zu sprechen. Konnte er über den Tod reden? Konntet IHR über den Tod reden? Der Tod wird ja zum Ende hin zum Verbündeten, zum Freund und er hört auf, der Feind zu sein, gegen den man kämpft. Und das kann man in Gesprächen dergestalt verarbeiten, dass der Abschied schon vorher erkannt wird und in die Kommunikation einfließt.
Übrigens ist Abschied kein Ritual und es gibt nicht den „Tag des Abschieds“. Sondern Abschied ist ein langer Prozess, der grundsätzlich schon vor dem Tod beginnt und danach noch lange andauern kann und lange „gefeiert werden“ kann. Der Abschied beginnt also dann, wenn eine Heilung ausgeschlossen werden muss. Und er endet dann, wenn du mit dir und mit deinem Geliebten innerlich ins Reine gekommen bist, in den Frieden. Abschied ist also der Weg zum inneren Frieden mit dem, von dem man sich verabschieden will. Und das kannst du ohne ihn, das kannst du ohne jemand anderen, das kannst du auch allein.
Manchmal kann man es sogar besser allein, wenn niemand einen mit oberflächlichen Bemerkungen aus der Bahn wirft, auf die man gar nicht angemessen eingehen kann.
Zitat:>>Ich weiß nicht, wie ich aus dem tiefen Loch wieder heraus kommen soll, wie ich es verkraften soll, diesen Menschen verloren zu haben.<<
Ganz sicher wirst du da wieder heraus kommen. aber auch das ist kein Schalter, den man umlegt, sondern es ist ein Prozess, der genau dann beginnt, wenn man akzeptiert, dass es den anderen körperlich nicht mehr gibt. Auf einer anderen Ebene gibt es ihn durchaus noch, allerdings muss man sich darauf einlassen können.
Zitat:>>Seine Familie hat mir Bescheid geben. Ob ich es emotional zur Trauerfeier schaffe, weiß ich nicht. Aktuell gehts mir dazu zu schlecht.<<
Mein Gedanke dazu ist, dass es dieser Trauerfeier nicht bedarf, um dich von ihm zu verabschieden. Es gibt zwar Menschen, denen das gut tut, das liegt aber an der Form der Trauerfeier. Die Konfrontation mit seinen Angehörigen und seinem Alltag, dazu schlimmstenfalls noch eine schlechte Trauerrede oder oberflächliche Predigt – da ist es erheblich sinnvoller, sich da fernzuhalten.
Zitat:>>Ich habe Angst an dem Verlust zu zerbrechen. Jeder weiß ja, dass sich sehr viel im Leben um eine Affäre dreht. Und nun ist der Platz leer.<<
Dieser leere Platz kann eine Zeit lang so etwas wie ein „Heiliger Ort“ sein, dem du dich dann zuwendest, wenn du allein bist und auf niemanden Rücksicht nehmen musst. Und ich bin sicher, dass man an solch einem Verlust nicht zerbrechen muss, wenn man angemessen Abschied nehmen und trauern kann.
Alles erdenklich Gute wünsche ich dir