2

Laufen lassen als Freundschaft Plus oder beenden?

Nachtji

4
1
1
Moin,
Ich bin 28 Jahre alt, meine Freundin ist erst 20 Jahre alt. In vielen Dingen hat sie mir Erfahrungen/Lebenserfahrungen voraus, hat Dinge erlebt, die ich nicht erlebt habe, war zB allein ein halbes Jahr im Ausland über die Schule, das ging ordentlich schief, die schlug sich da allein durchs Leben, aber auch Männergeschichten, die kein Mensch braucht in dem Alter schon mal garnicht.

Wir wohnen nicht zusammen, sie hat eine Kellerwohnung bei den Eltern, steht auch noch ziemlich unter deren Fuchtel, wobei die eigentlich nicht wissen, was läuft. Ihre Eltern sind selbständig und arbeiten 7 Tage die Woche im Büro, sie ist mehr oder minder Schlüsselkind gewesen.

Wir sehen uns sehr selten, eigentlich mittlerweile nur noch sporadisch alle 10 Tage im Schnitt. Für mich ist das eigentlich keine Beziehung. Sie besteht darauf, dass es eine Beziehung ist, keine Affäre oder dergleichen, da sie da rein vom Gefühl her stark unterscheidet. Mir ist die Definitiv nicht wichtig, man kann es nennen wie man will, für mich ist es keine Beziehung, da wir uns dazu viel zu wenig sehen und keinerlei Alltag, keine Hobbys, keinen gemeinsamen Freundeskreis teilen, im Grunde ist es für mich:

Ab und zu tolle Abende verbringen, S.. Fertig. Meistens ist sie bei mir, da ihre Wohnung winzig ist und ständig unaufgeräumt. Sie hat sich bei mir schon wohnlich eingerichtet, könnte auch zu mir ziehen, aber logistisch macht das keinen Sinn, da sie in ihrem Ort eine Ausbildung macht, sie wohnt 100km entfernt.

Trotzdem wir häufig diskutieren und eigentlich nie auf einen Nenner kommen, vertragen wir uns wieder und haben nie Dauerstreit, das schätze ich. Ich vertraue ihr stellenweise nicht, stellenweise bedingungslos. Beispielsweise weiß ich nicht, was sie auf Partys treibt, sie war wohl früher nicht abgeneigt, die Wochenenden bei anderen Kerlen zu verbringen nach Feiern, um den Eltern zu entfliehen. Dass da nicht nur Händchen gehalten wurde, ist mir schon klar. Stellenweise ist sie sehr leichtsinnig, denn als Frau mit fremden Männern mit zu gehen bedeutet schon entweder stark naiv zu sein oder viel Alk. intus zu haben. Sie sagt, das glaube ich ihr auch, dass das vorbei sei, daran habe sie kein Interesse mehr.

Für mich steht fest, dass ich sie nicht heiraten werde. Ich glaube zwar, sie wird noch mal eine andere Route in ihrer persönlichen Entwicklung einschlagen, aber darauf zu warten und zu spekulieren habe ich weder Lust noch Zeit. Wir sind jetzt knapp ein Jahr zusammen, sie hat sich schon stark verändert - zum positiven, aber mir ist das zu wenig. ich will sie auch nicht formen oder ihre Einstellungen umkrempeln. Das sehe ich nicht als meine Aufgabe und ich will auch einen eigenständigen Menschen als Frau.

Ich habe lange überlegt, mit meinem Bruder (Vertrauensperson für mich) gesprochen und er meinte: Was ändert sich, wenn du Schluss machst? Garnichts, dann seht ihr euch halt vielleicht "freundschaftlich" alle 14 Tage und jetzt seht ihr euch "freundschaftlich Plus" alle 10 Tage mit eventueller Aussicht auf Besserung. Er sagt klar: Lass es laufen, mehr als Freundschaft Plus ist es sowieso nicht, darüber bräuchte ich mit ihr auch nicht diskutieren, denn selbst wenn wir nach der Diskussion das Kind "Beziehung" nennen, ist es trotzdem keine.

Um ehrlich zu sein, will ich sie nicht verlieren, ein Funke Hoffnung ist immer da. Andererseits nerven mich viel zu viele Dinge, als dass ich mich als "zufrieden" bezeichnen würde. Aber faktisch gesehen ist es wirklich so, es weiter laufen zu lassen, schadet mir nicht, auch wenn es mich nicht weiter bringt.

Dass ich eine andere Frau finde, halte ich für ausgeschlossen, da ich für sie enorme Gefühle habe und emotional nicht so leicht von ihr weg komme, ich war zuvor 5 Jahre Single, trotz zahlreicher Möglichkeiten habe ich nichts mitgenommen, weil die Gefühlslage nicht stimmte. Meine jetzige Freundin kam da wie ein Lottogewinn rüber.


Was tun?

13.04.2014 09:42 • x 1 #1


FallingButterfl.


Es ist schwer solch eine Vergangenheit von jemandem zu akzeptieren. Da du aber selbst sagst, dass dich viele Sachen an stören, solltest du dir ernsthaft überlegen, ob das gut für dich ist. Willst du nur wegen dem S. deine Bedürfnisse hinten anstellen? Ich denke mal dass du, wie jeder andere auch, das Bedürfnis hast, länger mit deiner Freundin zu kuscheln und dass sie für dich da ist wenn es dir schlecht geht. Du sagst selber, dass es dir zu wenig ist, wie oft ihr euch seht. Ich denke, dass dich die Beziehung auf dauer kaputt macht. Ich habe aber auch das Gefühl, dass du ein Mann bist, der zu viel liebt.

Ich mache mir bei sowas immer eine Pro-und-Kontra-Liste und wiege ab, was für mich das Beste ist.
Ich weiß für mich, dass ich nie eine Fernbeziehung eingehen würde, da es mir nicht reicht z.B. telefonisch vertröstet zu werden, wenn es mir mies geht.

13.04.2014 10:16 • x 1 #2



Laufen lassen als Freundschaft Plus oder beenden?

x 3


Nachtji


4
1
1
Im Kern hast du vollkommen Recht. Da ich so lange Solo war, bin ich fern vom Markt, trotz Angeboten. Doch ich registriere binnen Sekunden, ob es passt oder nicht. Und häufig passt es dann nicht. Bei ihr passte es. Dass ich mal nach dem Motto handeln würde "Besser die eine, als keine" hätte ich von mir nie gedacht.

"Ich habe aber auch das Gefühl, dass du ein Mann bist, der zu viel liebt."

Meinst du das in Bezug auf "Klammern"? Denn ich gebe ihr extrem viele Freiheiten, häufig muss ich doppelt über den Schattenspringen, damit das funktioniert. Oder meinst du das eher in Form von dass ich jemanden bräuchte, der mir das ebenso wiederspiegelt.

13.04.2014 10:28 • #3


FallingButterfl.


Ich meine das so: Du weißt selber, was dich stört und das ist sehr viel - aber besonders die zeitlichen Abstände in denen ihr euch seht. Am Anfang ignorierst du deine eigenen Bedürfnisse, doch dann wirst du immer mehr darüber nachdenken und es geht dir dabei immer schlechte. Da du sie aber nicht verlieren willst, bleibst du bei ihr, obwohl es dir im großen Teil schlecht dabei geht.

Ich hab es jetzt versucht so gut wie möglich zu erklären, wie ich es in einem Buch gelesen habe ("Wenn Frauen zu sehr lieben"- gilt natürlich auch für Männer). Mir ging oder geht es mit meinem Ex auch so. Mich stört vieles doch ich rede mir selbst ein, dass ich nur mit ihm glücklich bin und kann nicht loslassen.

13.04.2014 10:47 • #4


SatinSilk80


23
1
3
Hallo Nachtji,

ich hatte bis vor einigen Wochen auch so eine "Freundschaft Plus" am Laufen; das ging über ca. sieben Monate, wir haben uns in der Regel einmal pro Woche am Wochenende gesehen und dann auch stets etwas unternommen, beieinander übernachtet usw. Zwischendrin war aber so ziemliche Funkstille.

Eine Freundin von mir meinte auch, das sei doch perfekt, laufen lassen und nebenbei weitersuchen, zumal ER immer wieder ausdrücklich zu mir gesagt hat, er wolle keine Beziehung. Tja, ich habe nebenbei schon ab und an andere Männer gedatet - leider hing ich emotional aber zu sehr an meiner FP, da hatte sonst keiner eine Chance.

Da es mir letzten Endes immer nur noch dann gut ging, wenn wir uns gesehen haben, ich die restliche Zeit über aber gelitten habe, habe ich es schweren Herzens beendet; auch jetzt geht's mir allerdings nicht gut, ich frage mich ständig, ob es ein Fehler war. Doch Fakt ist, bei mir sind Gefühle im Spiel und bei ihm eben nicht - er kann weiterleben, als ob nichts gewesen wäre...

Insofern solltest du dich hauptsächlich fragen, ob dir die Situation mit dieser "Freundschaft Plus" jetzt überwiegend gut oder schlecht tut; je nachdem kannst du dich entscheiden weiterzumachen oder es abzubrechen. Männer haben ja oft (nicht immer) dieses Gen, da innerlich ganz gut den Schalter umlegen zu können und sich von ihren Gefühlen nicht so sehr dominieren zu lassen....

Alles Gute!

SatinSilk

13.04.2014 11:10 • #5


Nachtji


4
1
1
Oh man, ich dachte ich bin mit diesem Thema allein auf der Welt.

Also bei mir ist das Problem wirklich, dass ich auch recht freiheitsliebend bin einerseits, im Sinne von "Einzelgänger" oder Einzelkämpfer. Das lag daran, dass ich lange Schwimmsport betrieben habe, da kann man gehen und kommen wann man will, keine Vereinstätigkeit erforderlich, jetzt spiele ich Fußball und tue mich teils sehr schwer mit der Mannschaft und Integration.

In der Partnerschaft ist das bei mir auch so, ich brauche nicht ständig die Freundin um mich herum, das hatte ich in meiner Jugendliebe, das tat mir nicht gut, zu wenig Freiraum und Luft zum atmen. Daher hadere ich, jetzt habe ich das krasse Gegenteil, ein Mittelding wäre nett, jemanden zum Kuscheln, aber der nicht 24h um einen rum ist. Das Mittelding zu finden ist halt die Schwierigkeit.

Anfangs ging es mir gut, dann immer schlechter, mitte letzten Jahres war ich kurz vor der Trennung am Tiefpunkt, da wir uns zwischendurch mal drei Monate nur sporadisch sahen, nichts mit einander unternahmen. Dann war ich emotional eingefroren und habe diesen "männlichen Schalter" umgekippt.

Sie ist nach außen stets relaxed, aber innerlich glaube ich hat es sie zerrissen. Irgendwie kann sie nicht anders, ihr reicht es, wenn ich "da bin", rein geistig. Sie fühlt sich erfüllt, wenn sie an mich denkt, wenn sie weiß "ah, da ist ja jemand für besondere Stunden". Ich bin mir manchmal unsicher, ob sie reif genug ist, zu verstehen dass Liebe und Leben zusammen gehört, sie trennt das. Liebe bitte Samstags von 15 bis 22 Uhr nach dem Motto und dann wieder leben.

Während der Trennung war es ein auf und ab, Dates hatte ich nie, aber ich hätte auch nie daten können, ich dachte Minute für Minute an sie. Und was soll ich da den Versuch starten jemand anderen zu daten, vollkommen sinnlos.

Ich bin hin und hergerissen, ob mir das gut tut oder nicht gut tut. Ich komme immer zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ich brauche nicht einmal den S., sondern ihre Nähe reicht mir schon.

Den Schalter habe ich, aber er ist bei mir nicht so ausgeprägt wie bei anderen Männern, ich selbst würde niemals Freundschaft Plus anbieten, das ist für mich nur ein fauler Kompromiss, um sie nicht zu verlieren. Mehr nicht.

Ich werde jetzt mal schauen, abwarten den Frühling über ob mir das gut tut oder nicht.

13.04.2014 11:23 • #6


Schattenkind


Weißt du, du beschreibst diese junge Frau als sehr suchend, emotional vernachlässigt durch ihre Eltern, schlampig im Umgang mit ihrem Eigentum und mit sich selber. Für ein wenig Zuneigung hat sie früher scheinbar Dinge getan, die sie nicht unbedingt hätte tun müssen/sollen/wollen. Vielleicht hat sie sie oft nichtmal gewollt(?) Nun beschreibt sie Euer Verhältnis als Beziehung, ganz klar. Dir ist das Recht, weil es dir "egal" ist, wie die Bezeichnung lautet. Aber wenn wir dich nun einmal aus der ganzen Sache rausnehmen, uns einmal nicht fragen, was du willst, dann liegt die Antwort ganz klar vor Dir: Diese junge Frau sucht händeringend nach Liebe, nach Bestätigung und nimmt dafür alles in Kauf, was du ihr anbietest. Damit sage ich übrigens nicht, dass sie den S. mit dir nicht will! Sie nimmt ihn nur und fügt in ihrem Kopf all das hinzu, was sie sich wünscht.
Wenn du sie magst, ihr aber nicht geben kannst, wonach sie sich ganz offensichtlich verzehrt, solltest du diese Sache beenden. Aber beende nicht nur diese FrrundschaftPlus oder Beziehung oder wie ihr es nennen wollt, rede mit ihr über deine Gründe. Über das, was du siehst in ihrem Verhalten und sag ihr, dass du möchtest, dass sie all das findet, was sie sich wünscht. Das löst dann nicht dein Problem, sondern ihres!
Alles Gute!

13.06.2017 23:32 • #7




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag