Liebe Wolke,
Zitat:Nur für mich bedeutet Perfekt glaube ich, nur positive Emotionen zu empfinden. Niemals Stress oder Probleme zu haben, sich immer zu verstehen und soweiter...Ist unrealistisch, aber trotzdem mein Ideal? Ich meine mir ist bewusst, dass Glück nicht ohne Leid existieren kann - zumindest verstehe ich deine Aussagen so - aber ich möchte trotzdem nur Glück empfinden.
okay, ich verstehe.
Nein, ich meinte nicht, dass Glück nicht ohne Leid existieren kann, so nach dem Motto: willst du das eine, musst du auch das andere in Kauf nehmen. Ist halt so.
Ich habe Schwierigkeiten zu beschreiben, wie ich das meine (empfinde es aber intensiv) und versuchte es mit diesem Zitat.
Ich versuche es nochmal so: meiner Erfahrung nach ist es nie einfach nur das Unproblematische, das Leichte und Spaßige, das echtes tiefes Glück oder auch Sinnhaftigkeit empfinden lässt. Und zwar in allen Lebensbereichen.
Natürlich genießt es jeder Mensch, wenn alles mal fließt, reibungslos funktioniert, Harmonie herrscht. . .
Aber einfach nur "Perfektion", Spaß oder Schönheit hinterlässt bei vielen Menschen eine Art Leere, Frustration.
Darum gibt es auch viele unglückliche Menschen, die vermeintlich alles haben. Erfolg, Schönheit, viel gute Unterhaltung usw.
Nehmen wir einmal das Büchlein, aus dem das Zitat stammt. Darin geht es um Feste, alte Bräuche, woher sie stammen, welchen Sinn sie haben. . .
Und als Bsp. wird Weihnachten genannt, das heute für einige Kinder nichts anderes mehr bedeutet, als viele Geschenke zu bekommen. vielleicht kennst Du das ja selbst. Das wäre sozusagen das oberflächliche, nicht sättigende Glück.
Wenn das Fest aber einen tieferen Sinn erhält, wenn etwas seelisches oder auch spiriuelles im Zentrum steht, wenn man vielleicht ein Gedicht aufsagen muss, die Weihnachtsgeschichte anhören muss usw., dann ist das vielleicht erstmal ernster und anstrengender, als nur Geschenke vorgesetzt zu bekommen, aber es macht glücklicher (natürlich nur insofern all das mit Liebe gemacht wird und nicht nur leeres Zwangsritual ist).
Und mir geht es in der Liebe ganz ähnlich. Mich befriedigt da keine bloße "Perfektion". Alles ist tutti, er und ich die Schönsten, Stärksten, keine Hindernisse, keine Spannungen, keine tiefen Fragen, sondern nur eitler Sonnenschein.
Wie soll es da zu einer tiefen menschlichen Begegnung kommen? Das ist es doch, was glücklich macht, selbst wenn es mal tiefernst zugeht, konfrontiert, Unsicherheit auslöst usw.
Mir geht es z.B. so, dass mich Männer, die mich völlig idealisieren, von mir träumen, gar nicht interessieren weil ich mich nicht gesehen fühle. Ich werde eher zum Träumen benutzt. Man schaut sich nicht die ganze Ysa an, sondern pickt sich nur ein paar Teile heraus und der Rest wird fantasiert. Habe das einmal ganz extrem mit einem Verehrer erlebt. Ich fand es so uneträglich, dass ich den Kontakt eingestellt habe.
Egal, was mich gerade in meinem Leben beschäftigte, ob ich traurig war, ob ich mit mir selbst rang oder krank war, er blendete alles aus und machte mich zur Zauberfee.
Ich will Dir das mal anhand eines Beispiels demonstrieren: es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich komplett am Ende meiner Kräfte war. Ich arbeitete und nach der Arbeit fuhr ich wochenlang in ein Krankenhaus, wo ich einen geliebten leidenden Menschen besuchte. Auf meinen Bahnfahrten liefen nur noch die Tränen. Ich bekam nichts mehr im Leben gebacken.
Weil dieser Verehrer irgendwo in seiner Disneywelt schwebte, steckte ich ihm das mal. Dass ich gerade weder wunderschön sei, noch verführerisch, noch glücklich usw.
Was kam als Antwort? Genau weiß ich es nicht mehr. Seine Reaktion sah in etwa so aus: Oh Du Holde! Deine Tränen sind mir glitzerne Sternenstaubkügelchen, in die ich mich betten möchte! Langes Geschwafel, nur ich ich ich. Darüber vergaß er z.B. nur einmal zu fragen, was denn im Krankenhaus los sei.
Verstehst Du anhand dieses Extrembeispiels, was ich meine?
Sagen wir mal, es wäre ein Mann gewesen, der mich klar sieht, statt mich zu idealisieren. Dann hätte er in dieser Situation eine fertige traurige Ysa erlebt, aber es hätte innerhalb dieser recht düsteren Zeit eine echte Begegnung gegeben. Und das ist es, was z.B. glücklich machen kann. Mit Schwächen, Augenrändern, Unsicherheiten usw. Nähe zu erleben.
Zitat:Aber diese extremen Tagträume habe ich nur in der Liebe. Wobei, früher hatte ich das auch bei meinen Freunden oder in der Karriere. Doch im Gegensatz zu romantischen Beziehungen habe ich da eben gute Erfahrungen gemacht, die es mir leichter gemacht haben, die Träume loszulassen. Ich finde in diesen Bereichen das reale Leben tatsächlich etwa genauso gut, wie meine Vorstellungen, trotz der "Unperfektion". Nur in der Liebe habe ich nach wie vor das Gefühl, dass nichts besser ist als meine Fantasien.
das versuche ich mir vorzustellen. Im Beruf hast Du doch auch ständig Kontakt mit anderen Menschen?
Meiner Erfahrung nach kommt es auch im Beruf, im Alltag zu Konflikten, Machtkämpfen usw.
Oder man erlebt menschliche Schwächen.
Wieso ist es in diesem Bereich okay für Dich?
Zitat:ich denke schon, dass es wahre Liebe gibt, nicht mehr und nicht weniger als früher. Allerdings war sie meiner Ansicht nach schon immer äußerst selten...weswegen ich ja auch glaube, dass sich die Suche danach nicht wirklich lohnt, weil die Wahrscheinlichkeit, glücklich zu werden einfach zu gering ist (als in der Traumwelt).
ja, ich denke auch, dass die wahre Liebe äußerst selten ist und dass man sie fast nie durch Suchen findet
Aber ich denke, dass gerade eine wahre tiefe Liebe alles andere als nur Fun, Leichtigkeit bedeutet.
Wofür liebt man jemanden tief und innig? Weil er immer gut drauf ist? Einen makellosen Körper hat? Einen rund um die Uhr toll findet? Niemals Schwächen hat?
Sag mir doch bitte mal, wofür Du einen Menschen zutiefst liebst oder lieben würdest?- wenn Du magst.
Zitat:Ich habe euch ja geschrieben, dass ich die Situation ändern will...es ist nur so, ich möchte am liebsten ganz ohne Liebe leben. Meine Tagträume verletzen mich nun mal in gewisser Weise auch, deswegen will ich mich nicht zwischen Träumerei und echten Erlebnissen entscheiden, sondern einfach dieses Bedürfnis loswerden. Das wäre eben der ultimative Schutz vor Verletzung, weder das eine noch das andere durchmachen zu müssen. Deswegen hilft es mir auch nicht zu hören, dass echte Erfahrungen schöner sind, denn das kann ich einfach nicht glauben...nur dass unechte "Erfahrungen" nicht reichen, weiß ich schon...ich will euch damit nicht widersprechen, ich bin einfach nur selbst im Zwiespalt
Du möchtest das Bedürfnis nach Liebe ein für allemal loswerden?
Ich denke, dass das nie ganz gelingen kann. Nicht ohne Folgen für die Seele, also ein irgendwie geartetes Unglück. Einfach weil der Mensch so gemacht ist, dass er Sinn und Glück empfindet, wo er tief mit anderen Menschen verbunden ist (keineswegs nur in der romantischen Liebe). Geht es Dir nicht auch so?
Ich denke, es wäre sinnvoller, wenn Du Dich mit Deiner starken Verletzbarkeit auseinander setzen würdest. Offenbar hältst Du sie für unüberwindbar, denkst, man müsse sie einfach ertragen, wenn man dann eine Liebesbeziehung haben möchte.
Aber durch neue Erfahrungen, innere Entwicklung, ist es möglich, diesbezüglich irgendwann ganz anders zu empfinden.