Blind-Meg
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Zitat von whynot60:Sie dienen gewissermaßen dazu, den eigenen "Schatten", wie Jung es nennt, ans Licht zu bringen (ob dadurch, dass der andere tatsächlich ein entsprechender "Schattenträger" ist oder dies einfach projiziert wird) - und dann kommt es unweigerlich zu den entsprechenden Kämpfen um alles Mögliche.
Zitat von Hola15:Dieser Weg wird auch schnell zur (mitunter katastrophalen) Sackgasse, außer man ist wirklich schon fast durch mit allem was da in einem kreucht und fleucht.
Zitat von whynot60:Individuationsprozess, das meint die "umfassende Selbstentfaltung". Also, anders gesagt, dass ein Mensch das, was in ihm abgelegt ist, auch in der Welt verwirklicht und umsetzt und zur Geltung bringt
Eine recht verbreitete paartherapeutische Ansicht dazu ist, dass Menschen Beziehungen eingehen mit Partnern, die im Differenzierungsprozess ungefähr auf ähnlichem Entwicklungsstand sind. Und zur Trennung kommt es, wenn einer sich schneller weiterentwickelt als der andere. Dann "passt es nicht mehr". Das klingt für mich plausibel und würde meine Beziehungsbiographie recht gut abbilden.
Hier findet sich ja ein ähnliches Modell dahinter:
Zitat von whynot60:Eine Liebesbeziehung (im eigentlichen Sinn) einzugehen, macht erst dann Sinn, wenn beide möglichst alle eigenen Wesensanteile, auch die "Schatten", integriert haben und erst überhaupt dadurch imstande sind, wahrhaft (also unegoistisch) zu lieben (und nicht allein sich an Wünscherfüllungen aller Art durch den anderen zu erfreuen, so lange der eben gehorsam oder taktisch mitspielt).
Zitat von whynot60:Was ich mir jedenfalls sehr wohl vorstellen kann, ist, dass weitgehend unentwickelte Menschen, die fernab von sich selber irgendwo herumirren, mit Beziehungen ihre Probleme haben werden. Das scheint mir unausweichlich
@CleoK
Zitat von CleoK:Glaubst du das wirklich?
Ja. Habe es auch schon so erlebt. Die Verliebtheit lässt nach, man passt und bleibt zusammen und emotional wächst ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit, Zuneigung und Zufriedenheit.
Zitat von CleoK:1. Phase: Man arrangiert sich, erkennt gegenseitig, dass das Fundament passt (er schlägt mich nicht, ist lieb zu Tieren, gleiche Werte-/Moralvorstellungen etc.) und dann noch dazu der Plan vom großen Wunsch des Hausbaus, wo beide davon träumen und am Besten 3 Kinder, ja das hatte man sich schon immer gewünscht.
Zitat von CleoK:Planphase. Man träumt von allem, was man in den früheren Jahren geträumt hat. Es scheint sich zu verwirklichen.
Zitat von CleoK:Nächste Phase. Für mich die Gewohnheitsphase und Gefängnisphase. Kinder da, Haus im Bau, Finanzen krachen. Aus dem Träumen ist nun bittere Realität mit allen Konsequenzen geworden
Du zeichnest hier ja so mehr oder weniger den "üblichen" Lebensweg vieler Paare nach. In einem bestimmten Alter sucht man den Menschen, mit dem man diesen Standard-Weg umsetzen kann. Und da wundert mich bereits, wie es sein kann, dass so gut wie alle Menschen sich das gleiche Leben als ihren Wunschtraum vorstellen. Haus, Kinder, Hund, Weber-Grill. Undnich glaube, hier liegt schon ein großes Problem: Viele Menschen spüren gar nicht, was sie im Inneren wirklich wollen, sondern eifern diesem Ideal-Standard-Leben nach, nehmen am Wettrennen mit Kollegen und Nachbarn teil und sind damit eine ganze Weile (Berufseinstieg, Heiraten, Haus kaufen, Kinder kriegen) so beschäftigt, dass sie kaum dazu kommen, in sich zu fühlen, ob das wirklich das ist was sie sich wünschen.
Dann ist irgendwann alles da, das jüngste Kind aus dem Gröbsten raus und dann zweifelt man "hm, wollte ich das so?"
Das ist in meinen Augen aber kein Effekt der Beziehubgsdauer, sondern dieses Standard-Lebensentwurfes, den irgendwie jeder "will" und der einen nunmal die 10-15 Jahre vereinnahmt. Tja und dann steckt man drin, Kredit läuft, Kinder noch nicht, und dann kommt man schwer wieder raus aus der Nummer.
Ich denke daher, es wäre viel damit geholfen, wenn es andere "gültige" Lebenswntwürfe gäbe und nicht jeder nur nach dem Webergrill im eigenen Garten vom Reihenhäuschen lechzen würde. Wenn jeder so leben würde, wie er es wirklich möchte, statt so, wie er glaubt, "alles richtig gemacht" zu haben, wären die Menschen und meiner Ansicht nach auch die Partnerschaften glücklicher.
Zur Beziehungsbiographie denke ich, dass man halt in jeweils dem besser wird, was man übt. So wie überall im Leben. Wenn icj Bogenschießen trainiere, verbessere ich mich nicht im Eiskunstlauf. Wenn ich Affären oder kurze Beziehungsanläufe trainiere, werde ich nicht besser im Führen einer Langzeitbeziehung.
Viele Menschen leben ja in serieller Monogamie, haben mehrere Partner hintereinander über jeweils mehrere Jahre. Und deren Beziehungen werden von einer zur nächsten auch immer besser, weil man ja aus jeder etwas lernt und mitnimmt und nicht immer wieder den gleichen Fehler macht.
Zitat von CleoK:Mir ist schon vollkommen bewusst, dass da höchstens Verliebtsein mit intensivem Begehren ist. Liebe ist für mich eben das, das was ich oben beschrieben habe.
Das ist sehr gut für dich, wenn du das trennen kannst und es nicht für Liebe (sofern das für dich was Positives wäre) hältst.
Aber das erklärt eventuell auch, warum du dich noch nie so richtig "satt" gefühlt hast. Weil Verliebtheit eben nur 3l Sprudelwasser auf ex sind, ohne Substanz und Nährstoffe.