Mara67
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Nach einer toxischen Beziehung, die ich vor ca. 1,5 Jahren mit größtem Kraftaufwand beenden konnte, bin ich im November letzten Jahres einem Mann begegnet, von dem ich dachte, er sei die letzte Liebe meines Lebens. Ich öffnete mich ihm relativ schnell und erzählte ihm alles über diese vorangegangene Beziehung. Er bemühte sich sehr um mich und versicherte mir, dass von nun an alles anders werden würde. Wir haben viel unternommen, er war definitiv sehr verliebt. Wir haben stundenlange Spaziergänge gemacht, er hat mir sein ganzes Leben erzählt, mir Bilder von früher gezeigt. Er schätzte es, dass ich nicht eifersüchtig auf die Frauen von früher war. Anscheinend hatte er vor mir einige Beziehungen, in denen die Frauen sehr eifersüchtig auf seine Exfreundinnen reagiert haben.
Zu Beginn unserer Beziehung erklärte er, dass er möchte, dass ich seine letzte Beziehung bin und er sich voll und ganz darauf einlassen möchte.
Es folgten schöne Monate. Nach einiger Zeit erfuhr er, dass er schwer krank ist. Er sagte mir aber auch, dass er nicht darüber reden wolle. Ich fragte auch nicht und akzeptierte es. Allerdings wurde es für mich immer schwieriger, da ich ja nicht wusste, wie schlimm es wirklich um ihn steht. Zwischenzeitlich ging es ihm immer schlechter. Er sagte mir, dass er sich nicht behandelt lässt. Zur Zeit geht es ihm wieder besser.
Von Anfang an war es schwer, mit ihm über Gefühle und Beziehung zu reden. Er hat in seinem Job nur mit Konfliktlösung zu tun, ist Vermittler zwischen Angestellten und Vorgesetzten, ist sehr sozial engagiert. Nur wenn es um Konflikte/Gefühle privater Natur geht, macht er völlig dicht. Er konnte noch nie eine Unzulänglichkeit seinerseits zugeben. In den wenigen wirklich intensiven Gesprächen über unsere Beziehung, fühlte ich mich sofort in der Defensive. Er schafft es mit wenigen Worten, mir den Wind aus den Segeln zu nehmen, obwohl ich wirklich nicht auf den Mund gefallen bin. Dennoch haben wir es immer wieder geschafft, dass wir emotional zusammen gefunden haben.
Nach einer einzigen emotionalen WhatsApp meinerseits vor einigen Wochen, in der einfach meine ganze Hilflosigkeit aus mir herausbrach (ich schrieb, dass ich mich als Frau gar nicht wahrgenommen fühle, dass ich anscheinend nicht die Frau bin, die er sich an seiner Seite wünscht, dass wir endlich reden müssten, aber auch, dass ich ihn liebe), reagierte er mit vier Wochen andauernder Funkstille.
Er reagierte auf nichts, schloss sich ein - zu allem Überfluss wohnen wir in einem Haus, was alles noch schlimmer macht - zog sich völlig zurück. Als ich es endlich schaffte, mit ihm zu reden, sagte ich ihm wieder, dass ich ihn liebe und diese Beziehung wolle, dass ich bei ihm bleibe, was auch kommt, wir aber unbedingt reden müssten. Er sagte, er dachte, ich hätte es mit dieser Nachricht eigentlich beendet. Ich erwiderte daraufhin, dass das überhaupt nicht der Fall sei und ich niemals eine Beziehung per WhatsApp beenden würde. Er war sichtlich aufgewühlt, drehte dann den Spieß einfach um und behauptete, er würde gar nicht spüren, dass ich ihn so sehr liebte, wie ich behauptete. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, denn das kann aus meiner Sicht einfach nicht sein. Ich empfinde das fast als Ausrede.
Jedenfalls ist seitdem keinerlei Gespräch über unsere Beziehung möglich. Ich hänge völlig in der Luft. Als ich ihm sagte, es muss eine Entscheidung getroffen werden, sagte er, dann solle ich eine Entscheidung treffen. Er trifft keine. Er weigert sich auch, die Beziehung zu beenden.
Ich bin seit vier Wochen krank geschrieben, weil ich nichts mehr auf die Reihe bekomme. Mein Problem ist explizit folgendes: er kommt jeden Tag nach der Arbeit zu mir, wir unterhalten uns über alle möglichen Themen, haben richtig Spaß und lachen miteinander. Diese Treffen ziehen sich regelmäßig bis zu sechs Stunden hin. Wir haben auch Abende bei ihm, hören Musik oder schauen einen Film. Dabei nehme ich ab und zu seine Hand, um ihm zu zeigen, dass sich an meinen Gefühlen nichts geändert hat. Das lässt er geschehen, lässt aber sonst keine weiteren Körperkontakte zu. Er will weder eine Umarmung noch geküsst werden.
Ich habe den Eindruck, er versucht, aus der Beziehung eine Freundschaft zu machen. Gerade im Hinblick darauf, dass wir in einem Haus wohnen. Aber warum verbringt er dann so dermaßen viel Zeit mit mir? Um eine lose Freundschaft zu kreieren, würde auch eine Tasse Kaffee alle zwei Nachmittage ausreichen. Ich ziehe mich auch mal tagelang zurück und es ist immer er, der kommt.
Ich habe mittlerweile erkannt, dass er hochgradig depressiv ist. Die Zeit mit mir lenkt ihn definitiv ab. Er wirkt dabei geradezu gelöst.
Ich frage mich, ab wann er aufgehört hat, mich zu lieben. Testet er mich, ob ich wirklich bei ihm bleibe? Ob ich es ernst meine? Will er mich schonen, damit ich nicht mit ansehen muss, wenn seine Krankheit schlimmer wird? Er sagt, er hat zu nichts Lust, kommt aber regelmäßig zu mir, um mit mir Zeit zu verbringen. Vor drei Tagen waren wir neun! Stunden zusammen und er hat es genossen. Was will er?
Ich kann ihn nicht loslassen, weil ich denke, solange er sich so verhält, besteht noch Hoffnung. Ich habe mich mit allem auf diese Beziehung eingelassen, gerade im Hinblick, was ich davor erlebt habe.
Ich weiß nur, dass ich diesen Zustand irgendwie ändern muss, sonst gehe ich daran zugrunde.
Vielen Dank an alle, die meine Geschichte gelesen haben.
, aber der Mann scheint Dir alles andere als gut zu tun. Ich lese das so, wie wenn er Dir durch seine Worte und Handeln irgendwie den Boden unter den Füßen wegzieht. Du bist aufgrund dieser unklaren Liaison vier Wochen krank geschrieben, das ist überhaupt nicht gut. Du wirkst völlig abhängig von seiner Liebe, von seinen Gefühlen und Entscheidungen.