TanteEmma
Mitglied
- Beiträge:
- 6
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 9
- Mitglied seit:
ich lese nun schon seit einigen Tagen mit und möchte meine Geschichte erzählen.
Mein Ex (31) und ich (32) waren zwei Jahre zusammen. Durch die Coronapandemie bin ich letztes Jahr im April quasi bei ihm eingezogen. Ich hatte noch meine eigene Wohnung, in der wir aber nur ein bis zwei Mal pro Woche waren, da es bei ihm viel mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten gab. Er hat eine Wohnung im Haus seiner Eltern, diese wohnen in eigener Wohnung im Erdgeschoss. Die Beziehung habe ich als sehr schön empfunden. Wir hatten gemeinsame Hobbys, aber auch eigene Interessen, und er hat sich super in meinen Freundeskreis integriert. Enge eigene Freunde hatte er nicht in der Nähe. Ein Thema, das immer wieder zu Diskussionen geführt hat, war gemeinsame Zeit. Er hat mehrere sehr zeitaufwendige Hobbys (u. a. Musiker in mehreren Bands), sodass es zu Beginn der Beziehung schwer war, in seinen Terminkalender zu passen. Zudem sagte er mehrmals, dass er im Frühjahr/Sommer (wir lernten uns Anfang Herbst kennen) vermutlich fast jedes Wochenende mit seinen Bands unterwegs ist, wo ich teilweise mitkommen könnte. Da ich vor Corona auch recht aktiv bei meinen Hobbys war, hat mir das nicht allzu viel ausgemacht. Dann kam Corona und seine Hobbys konnte er aufgrund der Veranstaltungsverbote kaum noch umsetzen, weshalb er zunehmend in meine Hobbys einstieg (die zwar auch nicht mehr 100 % gingen, aber besser als nichts) und wir viel mit meinen Freunden machten. Wir verbrachten viel Zeit zusammen und beschlossen, dass ich nach Abschluss meines Studiums (Herbst 2021) fest bei ihm einziehe. Wir haben mehrfach über die Zukunft gesprochen, da ich mir langfristig eine Familie wünsche und Sorge hatte, dass er das mit seinem Lebenswandel nicht möchte. Er sagte dann immer, dass er sich das auch wünscht und die Auftritte etc. sowieso reduzieren möchte, da auch seine Bandmitglieder zunehmend Familien gründen und weniger Zeit haben.
Bei mir stand im September 2021 meine Abschlussprüfung an, weshalb ich in den Wochen davor sehr im Stress war und (auch durch den Coronablues) einen leichten depressiven Einbruch hatte. Er hatte mich Anfang des Sommers gefragt, ob es okay wäre, wenn er mit ein paar Musikerkollegen für zwei Wochen für Auftritte wegfahren würde. Ich konnte nicht mit wegen meiner Prüfungsvorbereitung und weil ich nebenbei einen Job abschließen musste. Schweren Herzens stimmte ich zu, weil ich ihm das nach den ganzen geplatzten Auftritten gönnen wollte, hätte ihn aber als Unterstützung lieber da gehabt. Er fuhr weg und mir ging es richtig schlecht, weil er mir gefehlt hat und meine Depression durch den ganzen Stress nochmal einen richtigen Schub bekommen hat. Wir haben jeden Tag kurz geschrieben oder telefoniert. Dann war er endlich wieder da und ich habe mich unglaublich gefreut. Ein paar Tage später die Ernüchterung: Wir hatten wegen einer Lappalie Streit, haben uns ausgesprochen und dennoch wirkte er bedrückt. Als ich fragte, was los sei, meinte er, dass sich vermutlich seine Gefühle geändert hätten und er sich in der Beziehung nicht mehr wohlfühle. Ich war vor den Kopf gestoßen und musste weinen. Er weinte mit und sagte immer wieder, dass das ein Fehler war und wir das wieder hinkriegen. Daraufhin sahen wir uns erstmal drei Tage nicht, damit er sich sortieren konnte. Innerhalb dieser drei Tage rief er mich einmal an und sagte, dass er mich vermisst und gerne bei mir hätte. Am nächsten Tag rief ich kurz an, um das Treffen für den nächsten Tag zu klären, und er war eiskalt.
Beim Treffen besprachen wir, wie's aussieht. Er sagte, dass er die zwei Jahre nicht wegwerfen will und an der Beziehung arbeiten möchte. Ich stimmte zu. Als ich ihn fragte, womit er denn unzufrieden ist, sagte er nur, dass er mit nichts unzufrieden ist, nur dass Liebesgefühl wäre weg. Ich fragte, ob er sich im Urlaub in eine andere verliebt hat. Das verneinte er und setzte noch einmal nach, dass er wirklich in sich hineingefühlt habe und es das nicht sei.
Was folgte, waren drei Wochen Hölle. Er war super ambivalent. An einem Abend war er wie immer, am nächsten total abweisend und unfreundlich. Wie ein Fähnchen im Wind. Wenn er wieder so abweisend war, fragte ich, ob ich fahren soll, was er dann aber auch nicht wollte. Als wir beschlossen, an der Beziehung zu arbeiten, sagte er, dass ihm Nähe zu mir mehr helfe als Abstand. Also habe ich mir mehrere Abende freigehalten, damit wir Zeit verbringen können. Dann sagte er auf einmal für den Abend einen Auftritt zu, dann war er spontan bei einem Kumpel, dann dies, dann das. Ich wusste nie, woran ich bin. Zusätzlich baute er psychisch immer weiter ab, aß kaum noch, schlief schlecht und grübelte. Er sagte, dass er sich Vorwürfe mache, dass er mich so verunsichert habe und es mir schlecht geht. Dazu muss man sagen, dass ich all meine Energie zusammengerafft habe, mich um ihn gekümmert habe und ihn noch dauernd getröstet und beruhigt habe (à la "Für seine Gefühle kann man nichts. Fühl dich nicht schuldig, du hast nichts falsch gemacht. Wenn du mich wirklich nicht mehr liebst und dich trennen möchtest, bin ich natürlich traurig, aber dann ist das so und das Leben geht weiter. Es nützt ja nichts, wenn du unglücklich bist"). Das ging dann drei Wochen hin und her, bis ich ihn wieder getröstet habe und er mir dann unter Tränen gestand, dass er mich angelogen hat und er sich in eine Freundin, auch Musikerin, die mit im Urlaub war, verliebt hat. Die beiden haben in der ganzen Zeit jeden Tag geschrieben und hatten Auftritte zusammen. Das wusste ich, wollte ihm aber vertrauen und da er mir versichert hat, dass es nicht mit einer anderen zu tun hat (nach dieser Freundin hatte ich sogar explizit gefragt), habe ich ihm geglaubt. Dann habe ich noch erfahren, dass die beiden auch schon über ihre Gefühle zueinander gesprochen haben und ausgelotet haben, ob sie eine Beziehung miteinander wollen, wobei ich offenbar der einzige Störfaktor war. Er versichert, dass nie etwas körperlich gelaufen wäre, aber na ja. Dann wusste ich auch, woher die Selbstvorwürfe und der psychische Einbruch bei ihm kamen.
Da noch immer meine Prüfung anstand und mir alles zu viel war, habe ich erstmal auf Beziehungspause bestanden, weil ich mich nicht mit dem Trennungsthema befassen konnte/wollte. Er war sich angeblich noch immer unsicher, was er will, und ich bat ihn, dass sowohl wir als auch die beiden eine Kontaktsperre einlegen und wir nach meiner Prüfung nochmal reden. Er stimmte erst überzeugt zu ("Ich kann grad mit keiner eine Beziehung führen und muss erstmal mit mir klarkommen"), schwenkte dann aber doch wieder um ("Ich trau mir grad selbst nicht über den Weg und will dich nicht noch mehr enttäuschen, sondern auf jeden Fall befreundet bleiben"). Da wurde ich sauer und sagte ihm, dass er doch erwachsen ist und Verantwortung für seine Handlungen hat und wenn er mich nicht enttäuschen will, soll er mich halt nicht enttäuschen.
Ende September hatte ich meine Prüfung (bestanden
Letzte Woche habe ich dann zufällig einen Freund seines Vaters getroffen. Der hat mir erzählt, dass gerade mal drei Tage nach unserem Trennungsgespräch die andere bei meinem Ex eingezogen ist. Zwar erstmal nur temporär bis Ende des Jahres, aber joa. Seine Eltern würden sich furchtbar darüber aufregen und fänden das unmöglich, aber könnten ja schlecht was machen. Das war wieder ein ganz schöner Schlag. Nicht nur dass er mich direkt ersetzt hat, sondern dann hat er mir im Trennungsgespräch doch wieder ins Gesicht gelogen. Zumal mein Ex wirklich niemand ist, der jemand bei sich einziehen lassen würde, mit der er vorher nur geredet hat. Also ja, offenbar doch auch körperlich fremdgegangen und mich weiter belogen. Jetzt stehe ich hier und weiß gar nicht mehr, was ich denken soll. Ich bin mittlerweile zwar recht gut in der Akzeptanz, dass das sowieso nicht geklappt hätte, weil er offenbar doch etwas anderes als ich wollte und er mich damit so oder so irgendwann hätte hängen lassen. Zumal ich mich mit dem Konzept Bindungsangst auseinandergesetzt habe und er im Nachhinein so gut wie alle Kästchen davon abhakt. Er sagte sogar zu Beginn, dass er Probleme mit Bindungen habe, aber da er sich dann doch auf die Beziehung einzulassen schien, habe ich mir keine Gedanken mehr darüber gemacht. Ich kann daher verstehen, warum er sich getrennt hat, aber dass er es mir so unnötig schwer gemacht hat, fasse ich nicht. Ich bin Sozialarbeiterin und mit mir kann man tatsächlich über alles reden, ohne dass ich jemandem den Kopf abreiße (das habe ich ihm auch immer wieder gesagt, gerade in Bezug auf Seitensprümge o. Ä., weil ich daran vor allem das Lügen und Hintergehen am schlimmsten finde). Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Ich war der festen Überzeugung, dass ich es nach ein paar Monaten schaffen würde, ihm zu verzeihen und tatsächlich eine Freundschaft aufzubauen. Dieser erneute Vertrauensbruch hat mich jetzt wieder erschüttert, zumal er total unnötig war, da er sich ja eh trennen wollte. Irgendwie bin ich traurig, da er mir noch fehlt (war alles im sehr kurzer Zeit) und ich bis zu dieser Sache überzeugt war, dass ich mein Leben mit ihm verbringe. Dann bin ich wütend, weil er so unfair und egoistisch war, und fühle mich gekränkt, wenn ich an Details denke (z. B. wie die beiden hinter meinem Rücken schon angebandelt haben). Dann empfinde ich Mitleid, weil er so unreif ist und mit seinen jetzigen psychischen Kompetenzen es wahrscheinlich nie schaffen wird, eine glückliche Beziehung zu führen. Er ist zutiefst unsicher und ist daher immer auf Bewunderung von anderen angewiesen. Damit ist er mit sich leider gar nicht im Reinen, hat aber offenbar die Vorstellung, dass einfach nur die richtige Partnerin her muss, damit er keine Bindungsängste hat und sich mit sich selbst gut fühlt. Dass er das erstmal für sich erarbeiten muss, soweit ist er noch nicht. Das tut mir leid, denn trotz allem wünsche ich ihm nichts Schlechtes. Obwohl ich in der kurzen Zeit bei der Verarbeitung für mich schon gut voran gekommen bin, fällt es mir trotzdem schwer, komplett loszulassen. So beschäftige ich mich dennoch jeden Tag gedanklich mit der Geschichte, auch wenn es zum Glück weniger wird. Was denkt ihr dazu? Habt ihr einen Rat?