Geo54
Gast
Ich habe vor ein paar Tagen zum ersten Mal als Gast und danach als Mitglied meine Geschichte gepostet und viel Unterstützung erfahren. Danke dafür!
Heute im Laufe des Tages stand ich oft vor dem Spiegel und da schaute mich diese Frau an. Ich sagte, hallo, und sie schaute verhermt, mit geschwollenen Augen, stränigen mausgrauen Haaren und fahler Haut zurück. Doch da war noch irgendwo ein kleines schwaches Blitzen in ihren Augen. Komm' ,sagte sie, du betrogene, belogene, verlassene Frau, komm doch mal auf diese Seite und schaue dir die Sache von hieraus an.
Bist du nicht die Geo54, die hier gerade mal vor zwei Tagen gepostet hat, dass sie innerhalb von 5 Tagen die Scheidung eingereicht hat? Bist du nicht auch die Geo54, die hier so gejammert hat und ihren Schmerz und Verzweiflung zur Schau trug? Dann schau mal durch den Spiegel, schau dir Geo54 von dieser Seite aus an!
Ich machte große Augen und schaute durch und was ich sah erschreckte mich! War ich es wirklich, war das was ich da sah wirklich ich? Nein, das war ich nicht, das wollte ich nicht sein. Nein, sagte das Spiegelbild, schau nicht dich an, schau weiter dahinter. Siehst du die Frau, die eingeschlossen in ihrer Welt, in ihren Wünsche und Vorstellungen, siehst du wie sie ihren Mann behandelt. Sie ist nicht mehr an ihm interessiert. Sie hat keine Antennen mehr für ihn. Sie spürt nur, dass er sich zurückzieht und sie ist beleidigt, dass er es tut. Sie fragt aber nicht warum, aber nicht aus Rücksicht auf ihn, sondern weil es jetzt doch ganz schoen in den Kram passt. Siehst du, wie sie die Leidende gibt und in Selbstmitleid versinkt. Wie oft hat diese Frau gesagt, 'ich lass mich scheiden. Mit dem will ich nicht mehr verheiratet sein. Der ist zu einem Langweiler geworden. War es ihr nicht egal was er dachte, fühlte - na, komm sieh hin - du willst die Wahrheit? dann schau hin. War er nur allein Schuld - an diesem auseinander leben. War es doch ganz angenehm, wenn er nicht da war und eine Belastung wenn er da war, und fiel ihr nicht immer eine last von den Schultern, wenn er wieder ging. Aah, jetzt ist er weg, jetzt kann sie wieder aufatmen.
Nah, schau noch weiter dahinter. Wie konntest du in null komma nichts, Anwalt suchen, Scheidung einreichen? Du bist doch angeblich verzweifelt? Schau hin, sieht so eine Verzweifelte Frau aus?
Halt sage ich, du kannst doch den Spieß nicht umdrehen und mir die Schuld geben. Ich war doch immer lieb und nett und geduldig.
Ha,ha, sagt mein Spiegelbild, deswegen hast du dich gehen lassen, nur das gemacht was du wolltest und bist jedesmal schnell zu ihm gerannt, wenn die Kreditkarten wieder einmal über Limit gingen. ER hat dir doch dein angenehmes Leben mitfinanziert. Ich habe doch auch gearbeitet, antworte ich kleinlaut. Ja, sagt das Spiegelbild hast du, im Büro warst du trotz Trauer, Tod etc. die nette, freundliche, fröhliche und zu Hause hast du die Leichenbittermiene aufgesetzt und hast gewartet, dass er als Alleinunterhalter und Komediant, das Entertainment des Abends übernimmt. .. und sei mal ehrlich, wie oft lagst du da und hast an die Decke geschaut und einfach lieblos mit ihm S.. gehabt. Hallo, glaubst du ein Mann merkt nicht, was da abgeht und vorallem, wenn er solange schon mit dir zusammen ist. Sind es wirklich die letzen 4 Jahre gewesen, zähl mal nach, du hast dich doch innerlich schon vor Jahren verabschiedet. Dich aufgegeben und ihn auch.
Ich werde kleiner und kleiner- nun sage ich, ganz so war es nicht. Tja, sagt das Spiegelbild, so war es bei ihm auch. Schau ihn dir an. Du kennst ihn, er war nie der Typ der hinter jedem Rock hergerannt ist. Ohne Grund wäre es ihm nicht in den Sinn gekommen, Frauen mit anderen Augen anzusehn. Stop,
Man kann nur zu Zweit den Tango tanzen, sagt mein Spiegelbild. Dein Verhalten zeigt doch, dass es viele Gründe gab und gibt warum es soweit kommen konnte. Niemals ist nur der Eine oder die andere schuld. Aber willst du wirklich bis in alle Ewigkeit nach Schuld und Sühne suchen. Schau doch, da in der Ecke, da ist diese attraktive Frau, zwar etwas in die Jahre gekommen aber doch noch ansehnlich, runde Hüften aber grosses Herz. Schau, wenn sie lacht, reisst sie alle mit, schau wie sie Witze macht. Willst du nicht lieber wieder diese Frau werden.
Ich bin betroffen, durcheinander und schaue verlegen. So sagt sie, geh jetzt, geh wieder auf deiner Seite. Hör auf in Selbstmitleid zu baden. Bist du wütend, dann zeig es, bist du traurig, dann darfst du traurig sein. Der Tod einer Beziehung ist auch ein Tod. Trauer gehört dazu. Halte dich nicht mit Rachegedanken auf, denk nicht daran was die Leute sagen werden oder wie es weitergeht. Frag nicht ob er wiederkommt oder nicht. Lass ihn gehen. Konzentriere dich auf das Wesentliche, auf dich, du bist wer, auch ohne dich durch seine Augen zu sehen. Sieh dich doch mal von dieser Seite durch unsere Augen an!
Ja, sage ich, du hast Recht - I will survive/ich werde überleben! War das nicht einmal mein Lieblingslied? Wenn man dir keine Blumen bringt, dann pflanze dir einen Garten. Ja, ich schaue diese Frau an und finde sie schön, ich liebe sie. Danke. Jetzt gehe ich wieder. Jetzt habe ich wieder die Stärke auf die andere Seite zu gehen und loszulassen. Allen Balast loszulassen - ja ich bin traurig, mein Herz schmerzt, ich würde ihn so gern wieder in die Arme nehmen und in seinen Armen einschlafen, er fehlt mir, da ist eine leerer Platz in meinem Herz, aber da bin auch ich und ich umarme mich und flüstere mir leise zu, du schafft das! Chakah!
Leute, ich weiss nicht was noch kommt, aber eines weiß ich genau. Ohne dieses Forum, ohne eure Geschichten, Erfahrungen, Ratschläge, und tröstende Worte, wäre ich nicht so weit. Vielleicht ist es mein Alter, die Lebenserfahrung, ich weiss es nicht, aber mir hat eines geholfen - das schonungslose Abrechnen mit mir selber. Wenn die Wahrheit, dann bitte die ganze Wahrheit, egal ob es weh tut oder nicht.
Das hat mir geholfen, weil nur ich weiß was ich wie, wo und wann gemacht habe und weil nur ich unsere Lebensumstände beurteilen kann - sonst niemand. Deshalb hat mir der Blick auf die andere Seite geholfen, meine Stärke wieder zu finden, mein inneres ich zu trösten.
Vielleicht ist es dem einen oder anderen auch möglich, durch den Spiegel zu gehen und auf die andere Seite zu schauen.
Vielleicht antwortet ihr auf dieses Posting würde mich freuen.