sonne-5273
Gast
mir sind Deine Worte gestern noch lange nachgegangen. Danke nochmal dafür.
Die Kehrseite von all dieser Kacke von früher ist - jetzt bin ich anhaltend gerührt über so eine Hand, wie Du sie mir hingehalten hast. Kein Witz.
Ja, vielleicht kann man unsere zwei Pole wirklich etwas damit vergleichen, wie Du es von Dir und Deinem Bruder beschreibst, wenn auch natürlich von den prägenden Bedingungen her auch anders. Ähnlich wie Dein Bruder habe ich mich auch extrem unselbständig, abhängig gefühlt als junge hübsche Frau, jeder Schritt hat mir Angst gemacht. Heute werde ich bei den Gedanken immer ganz traurig. Aber es war auch der Weg, durch diese 1 Mio. Ängste durchzugehen und nur das - hat das Selbstwertgefühl peu a peu etwas aufgebaut.
Ich war irgendwie das Kind, was nochmal für meine Mutter als Spätnachzügler geboren wurde. Damit die Mutter nochmal eine Beschäftigung hat und dem Mann nicht so sehr auf den Keks geht/die Pelle rückt. Heute weiß ich, um mich ging es auch hier nicht, wenn meine Mutter dennoch viel und ständig an mir dran war. Aber es/sie hat mich eher abhängig von ihr sein lassen, mich gehindert meine Stärken zu finden und entwickeln.
Meine Mutter war eine sehr schöne Frau, aber die klassische abhängig-depressive Hausfrau, wie es sie eben in den damaligen Generationen scheinbar oft gegeben hat. Als mein Vater starb, dachte ich immer - sie stirbt gleich hinterher. Sie wird niemals klar kommen. Pustekuchen. Sie blühte dann erst richtig auf.
Sie liess sich ständig von meinem Vater, besonders auch zu Tisch!, wenn sie da gerade alles fertiggezaubert hatte, runtermachen, abwerten, es war für mich als Kind, was sich mit ihr identifizierte gruselig mitanzuerleben - bis sie schließlich regelmäßig weinend aufstand und sich ins Bett legte. Dort tröstete ich sie dann danz oft als Kind. Heute kann sie sich nicht mehr erinnern und beteuert mir, sie habe die schönste und glücklichste Ehe mit meinem Vater geführt. Daran bin ich schier wahnsinnig geworden später.
Erst letztes Jahr habe ich es endlich mal in vollem Ausmass! geschafft, ihr mitzuteilen, was das alles mit mir gemacht hat und dass ich zumindest den Wunsch noch ausgesprechen wollte, bevor auch sie den Erdball verlässt, dass sie sich für Einiges mir gegenüber entschuldigt, mir sagen kann, dass auch sie nicht alles richtig gemacht hat und dass sie mich v.a. nie geschützt hat vor den Demütigungen v.a. meines Vaters und älteren Bruders, sondern im Gegenteil - ihn/beide immer noch als einen leuchtenden Helden wahrnimmt, alles verleugnet.
Zunächst dachte ich, ich bräuchte eine Entschuldigung, aber das hat sich dann in der Folge irgendwie relativiert. Es ging v.a. darum, meinem Hass (viele kleine und größere Kränkungen schüren in meinen Augen Hassgefühle in einem) in mir auf das alles mal einen Raum zu geben. Meine Stimme hat gezittert, gebebt, mir sind immer weiter die Tränen gelaufen, während ich so vor ihr stand, ich habe immer wieder schwer Luft holen müssen.. aber ich habe es auf den Punkt und ohne sie anzugreifen formulieren können. Das war ein total gutes Gefühl!
Früher ist mein Hass, meine Wut etc. in manchen Situationen eben eher so ungezügelt aus mir rausgebrochen Ich weiß nicht, wieviele Türen ich in der Pubertät geknallt habe, ich konnte dann meist nicht denken, war total durch den Wind, bin sicherlich auch oft sehr verletzend geworden an Stellen, wo es gar nicht hingehört hat..
Nein. Hier war jetzt alles total auf den Punkt, ich habe von mir gesprochen, Niemanden angegriffen UND die Gefühle waren auch sicht- und spürbar, was ich auch immer so wichtig finde. DAS war das, was mich eigentlich hat an dieser Stelle jetzt wirklich hat mehr in Frieden kommen lassen mit mir und v.a. diesen ganzen früheren Themen, auch mit dieser Mutter.
Sie schaute mich nur mit ganz großen Augen an. Es arbeitete so richtig in ihrem Kopf. Das konnte man sehen Dann strich sie mir über den Kopf und es kam wochenlang nichts. Über meine Schwester vernahm ich immer, dass sie nicht wisse, nicht könnees sie total beschäftige. Dann kam eines Tages ein Brief. In dem machte sie einen guten ersten Schritt. Seither habe ich mit ihr mehr Frieden und nähere mich mit dieser über 90jährigen Frau langsam in Minischrittchen an. Ich habe den Eindruck, dass es auch ihr gut tut. Sie hört mehr zu, fragt nach.. auch bei ihr fließt mal die ein oder andere ehrliche Träne, nichts depressives, schuldhaftes. Berichtet auch das ein- oder andere aus ihrer Kindheit, von einem eigenen schrecklichen Vater, den ich nie kennengelernt habe. Ich bin ganz Ohr und sehr aufmerksam für jedes Wort, was sie da von sich gibt.
Vieles kann sie auch nicht wirklich nachvollziehen, was ich ihr von mir erzähle. Besonders, was ich mit Männern später erlebte... da sagt sie oft... hmmm, das war halt so.. Gott sei Dank sagt sie nicht mehr - wie früher öfter... Du musst den eben heiraten... nachdem ich ihr von einem total demütigenden Erlebnis berichtet hatte...
Vom Kopf her wusste ich das alles - ja. Habe schon schon früher viele Bücher darüber gelesen. Aber EMOTIONAL kann ich es jetzt erst auch ein bisschen besser verstehen und ein bisschen mehr so stehen lassen.
Das ist schön und macht mich ruhiger. Ich spüre diesen Hass nicht mehr in mir..der ist übrigens nach der letzten schlimmen Männerbeziehung, wegen der ich hier überhaupt gelandet bin... immer mehr in mir hochgekocht.
Ich mache hier lieber mal Schluss. Ist schon wieder so viel. Ach, Du liebe Pferdediebin. Zu Dir möchte ich auch noch soviel sagen, fragen. Aber lieber - eins nach dem anderen. Sonst - Achtung - das böse Wort könnte es wieder nerven.
Aber eins hatte ich schon das letzte Mal vergessen. Bist Du eigentlich immer noch wütend im Moment? Du schriebst in einer Deiner letzten Mails, Du seist damit etwas mehr in Kontakt gekommen?
Ich wünsche Dir alle Klimaanlagen dieser Welt. Ich kann diese übermäßige Hitze auch nicht ab - und wenn man dann auch noch arbeiten oder sich viel bewegen muss Da hast Du wirklich mein Mitgefühl
Liebe Grüße..

, wir hatten das beste Gespräch, das heute wohl auf diesem Erdball geführt wurde
Ich schau zwar aus, als hätten sie mich kurz in heisses Wasser getaucht, Pool auf dem Dach ist super, aber leider sind Schornsteine die einzigen Schattenspender, umrandet von einem Glasplatten-Geländer, und der Grill ist bereit. JUHU!
Und alle, die ich jetzt vergessen hab.
Danke! Ich glaube besser zu verstehen, wie du das siehst. Bin nur grad im "muß endlich schlafen"-Modus, und ein bissl zu hirnlahm um was Gescheites zu antworten.