Liebe Leute, ich lese gerade einmal in Ruhe die Beiträge der letzten Woche nach.
Sonne
Zitat:Ich komme ja aus einem Stall, wo zwar immer alle Menschen zusammen waren, aber es herrschte zwischen allen eine seltsame Art Beziehungslosigkeit, die ich lange nicht verstanden habe, so als wäre Jeder insgeheim innerlich ganz einsam und für sich. Geredet wurde nur über Belanglosigkeiten oder über Leistung. Was anderes gab es nicht. Ich wusste im Grunde nie, was wirklich in meinen Eltern und Geschwistern vor sich ging. Und Konflikte - wurden wenn, dann ganz plötzlich und für mich nicht im Vorfeld irgendwie erspürbar an mir abreagiert und wurden nie natürlich auch niemals angesprochen oder geklärt. Z.B. Blökte mich mein Vater am Tisch plötzlich von der Seite harsch an, dass ich zu laut in einen Apfel (kein Witz) gebissen hätte. ?
weißt Du was? Bei uns war es ganz anders aber fast ganz gleich, wo ich hinkam, ich hatte den Eindruck, dass diese Beziehungslosigkeit Gang und Gäbe ist, vor allem in bürgerlichen Haushalten.
Ich kannte das absolut nicht und kann damit auch nicht umgehen.
Bei uns ging es sowas von krank ab aber es wurde meistens verdammt offen gesprochen, jedes Gefühl ausgedrückt oder heraus geschrien

Natürlich war das kein gesundes aufeinander Eingehen, dazu waren alle viel zu krank, verletzt, egozentrisch usw., aber was im anderen vorging, wusste man leider in jeder Minute. Hörte es, sah es...Glaube auch deswegen brauche ich auch heute noch immer wieder verdammt viel Distanz zu mir nahestehenden Menschen. Ich empfand es als ein ständiges zu nahe treten. Permanente Grenzüberschreitung

Leider empfinde ich auch heute noch nach psychischer Nähe manchmal so etwas wie Ekel und muss nur weg, mich schütteln.
Ich war da wohl lange Zeit die Ausnahme in der Familie weil ich gegen diese Wucht nicht ankam und nichtmal wusste, was ich fühlte. Vielleicht fühlte und dachte ich auch oft einfach nix. Wie soll man sich wahrnehmen, wenn sich ständig jemand in seinem existentiellen Drama vor einem aufbaut und herum krakeelt?
Neulich dachte ich, alle in meiner Family sind wollüstige, lebensgierige, verschlingende Säuglinge

Gierlappen

Übrigens geben sie alle auch sehr gern, sogar maßlos, dennoch ist das alles so...keine Ahnung. Ich sehe dicke saugende Babies
Ich frage mich gerade, ob ich jemals eine Familie kennenlernte, die ein gesundes Maß dieser kranken Extreme lebt? Spontan fällt mir keine ein. Euch?
Vielleicht doch eine Familie...Ich sah kürzlich eine Mutter, die ihre 15 jährige Tochter beim Gespräch so liebevoll in den Armen hielt, im Gespräch auf sie einging, ihr aber auch nicht zu nahe trat oder sie mit ihren eigenen Gefühlen überschüttete. Als ich das sah, fühlte ich beißenden Schmerz.
Sonne, gab es bei euch Umarmungen? Gingen Deine Eltern nie auf Dich ein?
Zitat:Und die Gespräche z.B. zu Tisch, wo man sich pausenlos zum ESSEN zusammenfand, liefen auch immer so intellektuell ab bei uns - da hatte ich als Kleinste keinen blassen Schimmer, wovon die gerade redenund habe mit meinen Fragen eben auch eher - da ist es wieder dieses ätzende Wort - genervt, was dazu geführt hat, dass ich immer öfter wegdissoziiert bin, mich weggeträumt habe, während ich bei den anderen sass. Halt so als Beiwerk..
kein Wunder, dass Du Dich in meinen Beiträgen wieder findest
Was waren das für Träume? Kannst Du Dich erinnern?
Ich glaube, dass ich gar nicht immer träumte, heißt, in irgend welchen gedanklichen Welten wegschwebte, oft war ich einfach nur ausgestellt, weg und leer. Schön war`s nur, wenn ich gedanklich auch Inhalte hatte.
Und wie läuftes eigentlich heute mit Deiner Family? Du hast angedeutet, nicht mehr so unsichtbar zu sein, ist jetzt mehr Bezogenheit möglich?
Sorry, falls ich etwas überlesen habe. Habe heute so viel hier nachgelesen.
Zitat:Und - hey? Was soll mir passieren? Das Schlimmste wäre. Keiner reagiert. Habe ich auch schon öfter überlebt. Und das ist absolut ernst gemeint. Und im Übrigen - ist genau DAS mein Thema, was mich durch mein ganzes Leben begleitet und zuletzt in eine schlimme Beziehung geführt hat, wo ich mich erneut so behandelt gefühlt habe. Und das auch länger zugelassen habe.
ich glaube, ich erschrecke eher, wenn ich dann auch gesehen werde.
Darum wohl auch meine zuweilen kesse freche Lippe, auch Fremden gegenüber, und geht jemand dann voll in den Kontakt, erstarre ich und werde knallrot

Vor 2 Tagen gerade passiert. Boah ich hab gedacht ich brauche einen Fächer, um das Rot wegzufächern.
Vielleicht könnte man auch sagen: wieder nicht wahrgenommen zu werden schmerzt höllisch. Beziehe das gerade auf die Liebe. Aber wahrgenommen zu werden, hält man das aus?
Wie geht es Dir damit Sonne? Hältst Du das aus?
Sind das also wirklich immer Reinszenierungen der Kindheitsdramen? Ich wurde nicht gesehen und suche mir einen Partner, der mich wieder nicht sieht? Oder ertrage ich es nicht, wirklich wahrgenommen zu werden? Ist das nicht wahrgenommen werden vielleicht das kleinere Übel?
Sind nur so Gedankengänge von mir...Ich habe mich mal vor Jahren in einem Gespräch sowas von allein und unverstanden gefühlt. Es gab keinen Kontakt, Reden hätte auch nix gebracht. Manche Menschen haben einfach kein Feeling füreinander. Ich fühlte mich beschi.ssen, fühlte aber noch etwas anderes und das schrieb ich dann in mein Tagebuch "Unverstandensein ist ein schönes Versteck". Kann das einfach nicht vergessen weil ich meine, dass da sehr viel dran ist. Hält man das, wonach man sich sehnt, auch wirklich aus?
Ich bezweifle also, dass alles immer nur Reinszenierungen sind, um an den alten Schmerz heran zu kommen. Aber sicherlich spielt das auch eine wichtige Rolle.
Man Man...ich verzettle mich hier gewaltig beim Antworten.
Zitat:Es ist meine Kränkung, die mich für die Rolle der Komplementärnarzisstin, wie ursprünglich mal dieser Thread hieß... prädestiniert hat.
wie genau sieht das aus?
Du nimmst Dich zurück, wirst von Deinem Narz nicht wahrgenommen und alles dreht sich nur um ihn?
Zitat:Bei Dir sehe ich übrigens auch noch den Hasen

Der ist cool näh?
Newday
Zitat:In meiner letzten Sitzung sagte meine Therapeutin: Es gibt einen Menschen in ihrem Leben, an den sie nie denken und der sitzt sogar hier im Raum. Mit meiner Reaktion "Doch, um Sie mache ich mir auch Gedanken!" bestätigte sich ihre Aussage, wie mir so klar wurde.
unglaublich!
Pferdediebin
Zitat:Offene Gestalten sind unbewältigte Situationen, die in einem nachwirken.
thank you. Frage mich gerade, wann etwas wirklich bewältigt ist...
Zitat:Der Titel war: Bitte an die Forenleitung. Leider haben sie den Thread gesperrt, ohne daß ich reagieren konnte. Dann habe ich noch einen aufgemacht, mit dem Titel: Um das ein für alle mal klarzustellen! Da habe ich den Spinner dann aufgemacht, und zu Reaktionen aufgefordert, aber den Thread haben sie komplett raus genommen, und die Forenleitung hat mir mitgeteilt, daß er eine auf's Dach bekommen hat, ich solle jetzt aufhören.
Wieso wurde der eine Thread denn gesperrt und der andere rausgenommen? Ging es da so heiß her?
Zitat:Essgestörte Narzisstinnen z.B. kontrollieren jede Kopfwehtablette auf Kalorien, oder können sich nur entspannen, wenn sie sich vollgefressen haben, und dann wieder alles auskotzen. Sie haben ein falsches Körperbild, das aber in den Medien als extrem erstrebenswert propagiert wird.
ich würde sagen- sie haben eben dieses starke Körperbild, weil sie ihren Körper, sich nicht im mindesten spüren können. Im Moment des Brechens spüren sie ihn. Vielleicht ganz ähnlich wie Autoaggressionen.
Übrigens, wenn Du über Deinen Bruder schreibst, empfinde ich immer wieder Parallelen. Ich glaube, mein Bruder hat wirklich lange ähnlich über mich gedacht, wie Du über Deinen Bruder. Und tut es wohl heute noch. Er war der Rebell, Kämpfer, sehr direkt, sehr fordernd, auch herzlich usw., aber ich hatte ständig das Gefühl, keinen Raum bei ihm zu haben, wie auch bei allen anderen. So schwieg ich halt meistens. Man sah mich selten leiden, aber auch keine Freude, kein Schrei, keine Konfrontation, nix. Aus seiner Sicht war ich also einfach nur ein weltfremdes, lebensunfähiges Träumerle und er empfand eine riesige Ungerechtigkeit. Ein wenig so empfindest Du Deinen Bruder, nicht wahr? Er stand so oft vor mir und hat verbal oder anderweitig an mir gerüttelt, war auch eifersüchtig weil in seinem Kopf fest verankert ist, dass er es schwerer als ich hatte, er ständig kämpfen musste, während ich mich in meine Träume flüchtete usw. Ich habe ihm bis heute nicht erzählt, was mir in dieser Familie widerfahren ist, ich glaube, er ahnt es nicht einmal. Ich habe so oft gedacht "Wenn Du herum krakeelendes Getüm wüsstest! Nicht jeder schreit alles in die Welt hinaus!" Warum ich ihm nicht mitteilte, kann ich gar nicht so recht sagen. Denn anderen gegenüber kann ich ganz frei über alles Schmerzliche sprechen. Ich glaube, es liegt daran, dass ich mich nie ganz ernst genommen fühlte von ihm und dem Rest der Familie. Statt dass einmal gefragt wurde "Wie erging es dir eigentlich?", hörte ich sehr oft "Ysa ist der Glückspilz in der Familie", und mir wurde mitgeteilt, dass ich zwar nicht besonders intelligent, begabt, usw. bin- im Gegensatz zu allen anderen

- dafür aber unbeschadet aus dieser Familie ging und glücklich bin
Bitte nicht falsch verstehen- ich will keineswegs sagen, dass Du genau so über Deinen Bruder denkst.
Zitat:Mahhh, Benni hat entdeckt, daß er mein Klimagerät durch draufspringen verstellen kann
Die Hündin, von der ich neulich erzählte, wirft sich inzwischen sobald sie mich sieht auf den Rücken und winselt lustvoll

Das ist echt heftig, wie die auf mich abgeht. Hat echt was von einer sich in Hingegebenheit lustvoll räkelnden Frau. Und nicht nur zur Begrüßung, sondern immer wieder zwischendurch. Ganz plötzlich so etwas wie ein hündischer Aufschrei der Lust und schon liegt sie mir zu Füßen oder küsst mich. Das ist ja der absolute Wahnsinn! Habe das nie zuvor erlebt. Frauchen sagte, das sei eine Geste der absoluten Unterwerfung.
Aber ich habe mit dieser Hündin etwas interessantes erlebt: es gab einen Tag, an dem ich mich innerlich sowas von schwach gefühlt habe, wirklich ganz extrem. An diesem Tag hat sich diese Hündin mir gegenüber einmalig echt wie sorry ein Miststück benommen. Ich konnte es kaum fassen! Die hat sich mir sogar in den Weg gelegt, immer wieder auf die Füße, hörte gar nicht und ich habe sie vor mir hergeschoben und gezogen! Sie hat sich nicht geregt, sondern wieder und wieder in den Weg gelegt. Hallo?! Was passierte da? Die hat mich bis auf`s Blut provoziert und kein noch so dominantes Wort hat gewirkt. Wie krass ist das denn?
Ich kenne mich ja mit Hunden wenig aus. Was hat das zu bedeuten? Reagieren die immer so heftig, wenn sie extreme Schwäche spüren?
@Katalina
Arno Gruen habe ich auch verschlungen. Alice Miller und er haben mir einige gute Tritte auf den richtigen Weg gegeben
@notti
vielen Dank für Deinen Beitrag! Ich habe mir heute vorgenommen, zurück zu blättern, darum steht eine Antwort an Dich noch aus. Außerdem spricht Dein Beitrag mein Hirn an, ja alles sehr wahr und gut gedacht, aber in mir verweigert sich immer etwas, wenn nicht auch mein Herz angesprochen wird. Von Kopf zu Kopf allein geht nicht. Kann ich nicht. Da sprudelt dann keine Resonanz aus mir heraus, ich muss stattdessen in den Kopf wandern und eine Antwort erdenkend zurecht basteln.
Ist keine Kritik. Ich will Dir nur mittelen, wie diese Worte auf mich wirken.
Boah, das war heute viel. Ich bekomme gerade einen Hitzkopf, muss mal aufhören.
Ach doch! Eines noch, man man, deswegen habe ich mich hier heute eigentlich eingeloggt! - die Hochsensiblität @gypsy
Zitat:Ca. 20 % der Lebewesen sind hochsensibel, also man hat es im Tierreich und bei Säuglingen studiert. D.h., die verarbeiten Dinge ganz anders, weil sie mehr Neuronen im Hirn haben. Also eine Information, die ein Normaler gar nicht so wahrnimmt wird noch extra aufgegliedert in Farben, Gerüche, Stimmungen, Klänge, je nach individueller Prägung, bei dem einen ist es mehr das Visuelle, beim anderen, z.B. Gerüche. Manche haben mehrere. Und auch bei den Hochsensiblen gibt es wieder Untergruppen, einige sind extrovertierter, die meisten introvertiert+ die Mischformen, die sich nach Begebenheit verändern, d.h. in einer vertrauten Umgebung, wo man nix mehr nachdenken muß, können die sehr extrovertiert sein, in neuer Situation eher zurückhaltend. Normale haben stärkere Filter, die sie Wichtiges von Unwichtigem trennen lassen, HSP müssen lernen, diese Filter durch Selbstmanagement auszugleichen.
ich bin so eine Hochsensible, habe aber bisher nicht mal nach diesem Begriff gegoogelt weil...mir genügte die Info, dass ich keine Filter habe, das merke ich ja auch ständig. Genauso bemerke ich bei vielen anderen ganz genau, dass sie diese Filter haben. Da genügt schon ein gemeinsamer Spaziergang durch die Stadt. Meine Begleitung ganz bei sich, ich breche vor Reizüberflutung zusammen. Es geht aber noch wesentlich schlimmer, als bei mir. Meine big Love brach wirklich mal nach einem gemeinsamen Spaziergang völlig ausgebrannt zusammen. Ich fragte, was mit ihm los sei. Er "Es ist so wahnsinnig anstrengend, wenn man alles wahrnimmt. Kennst du das?" Ich sagte nichts, das süße Kerlchen war ja bereits randvoll mit Eindrücken.
Vielleicht kommt es auch dazu weil Hochsensible auch einfach nicht genug bei sich sind? Immer alles auf Außenwahrnehmung gepolt ist? Bei mir dann vielleicht die extreme Versunkenheit als Ausgleich? Keine Ahnung.
Aber meine Frage ist, wie um Himmels Willen soll man lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen?! Ich bin rational ja durchaus imstande zu erkennen, dass die Gesten des Mannes heute morgen in der Bahn nicht das Zentrum meines Lebens sind

, dennoch sehe ich es noch Stunden später, jede leise Mimik, ein Lächeln, eine Geste usw. War ich mal auf einem Fest, bin ich danach in der Regel 2 Tage wie krank, fiebrig rasen alle Blder noch mal durch mein Hirn und ich krieche vor Erschöpfung auf allen Vieren. Es braucht Tage, damit die Bilder und Stimmen leiser und leiser werden. Darum Parties und derglechen ohne Ysa.
Wie soll das mit dem Selbstmanegement funktionieren? Wie machst Du das Pferdediebin?
Meiner Erfahrung nach hat das ja auch nicht immer etwas mit Prioritätensetzung, also einem rationalen Prozess zu tun.
So genug für heute liebe Leute. Wünsche euch einen schönen Sonntag!
Falls es sich wirr lest- sorry, mag nicht nochmal Korrektur lesen.