Liebe @ysabell !
Ich vermute mal ganz waghalsig, daß deine Lektüre ähnlich war? Mich hat das so fasziniert, wozu Menschen imstande sind.
Und wie sie sich das zurechtlegen. Und was macht sie dazu? Neuere Forschungen nennen sich Neuropsychologie, das wird wohl mein nächstes Objekt.
Vielleicht schwelgt auch mein Germane in Erinnerungen
Puh, deine Familienbeschreibung klingt für mich nach einem handfesten Narzisstenverein, die sich gegenseitig aufschaukeln.
Aber verzeih, ich sehe grad überall Narzissten.
Bei mir waren es ja nur zwei Verrückte, und die haben sich ziemlich isoliert. Aber ich sehe dasselbe Muster, auch keinerlei Sicherheit, wahrscheinlich auch früh Verantwortung übernommen. Weißt, was ich oft an mir beobachtet hab? Immer wenn jemand trocken und autoritär auftritt, versuche ich den kindisch zu provozieren und wenn sich jemand zu ausgelassen verhält, falle ich in eine Gouvernanten-Rolle.
Du wärst wahrscheinlich gerne ganz anders geworden, und hast die Rolle der mahnenden Stimme übernommen. Hier ist gar nichts lustig.
Ich sehe auch Parallelen. Ich hätte das Element sein sollen, daß die Eltern verbindet, das Kind soll ein Besseres, Drittes sein. Und ich bin eine gute Mischung aus den beiden, und sie waren auch noch so jung. Aber ich war sicher ein forderndes Kind, und ich hab sie in aller Öffentlichkeit bloßgestellt, wenn ich mich in einem Wutanfall mitten auf die Fahrbahn geschmissen habe. Meine Rettung war auch meine Phantasiewelt und als ich lesen konnte, mit 4, die Bücher.
Das war glaub ich das einzige Mal, daß mein Vater Stolz zeigte, als er mich ins Wirtshaus mitnahm und ich mußte aus der Zeitung vorlesen. Und somit waren alle aus dem Schneider. Ich war nicht mehr fordernd und schön ruhig, und ich bekam Anerkennung. Juhu.
Ich glaube, meine Eltern hatten keine Ahnung von ihren eigenen Bedürfnissen, und mit einem Kind, das auf seine Bedürfnisse bis zur letzten Konsequenz besteht, waren sie einfach überfordert. Juhu.
Ich war auch immer ein Fremdkörper, sogar mein Bruder war das Wasser zu meinem Feuer. Jetzt lieben wir uns heiß, aber als Kinder hatten wir wenig gemein. Er war das reinste Mädchen. Mein Vater versuchte mich zu bändigen indem er mich mit dem Stock schlug. Meine Mutter versuchte immer mich zu beschwichtigen. Letztendlich war ich immer viel unterwegs, gerne bei Freunden. Ich hätte so gerne ein Tier gehabt, eine Freundin hat mir, gegen den Willen meiner Eltern ein Meerschweinchen samt Käfig geschenkt. Leider reagierte meine Mutter allergisch mit Asthma, und sie haben es einfach weggegeben als ich in der Schule war.
Sorry, ich verliere mich immer in den Geschichten.
Ich denke, jedes Kind will/soll fröhlich und unbeschwert aufwachsen, und es will/soll traurig sein, wenn die Umstände wirklich traurig sind, eine fremde Rolle aufgedrückt zu bekommen kann nur krank machen. Was kann man als Kind anderes machen als mahnen? Die tollen, klugen Erwachsenen müßten leider ihr ganzes Leben in Frage stellen, wenn sie die Mahnung als das sehen, was es ist. Mein Gott, wie oft habe ich versucht, meinen Eltern irgendwie zu helfen? Ich hab mir den Mund fusselig geredet. Nie stand zur Debatte, was sie UNS, den Kindern antun. Und irgendwann wird es dann normal, daß dein Bruder dich aufweckt, weil sie sich draussen die Köpfe einschlagen, und er hat zuviel Angst rauszugehen. Es wird nicht darüber geredet, daß dein Vater dich fast erwürgt hat, weil du verhindern wolltest, daß er weiter auf sie eintritt. Alles wird totgeschwiegen, weil es jetzt normal ist. Und immer ist entweder Krieg oder Waffenstillstand.
Ich schätze bei dir hat der Wahnsinn noch ganz andere Dimensionen angenommen, das Spiel potenziert sich mit der Teilnehmerzahl. Und eine gesunde, fröhliche Tochter zwingt einen nicht über sich selbst nachzudenken. Alles ist doch in bester Ordnung?