@all Ich weiß, ich habe mich hier bislang immer nur kurz getraut "reinzuspinxen" und etwas zu hinterlassen, obwohl ich fast immer still mitlese.. Ich weiß auch nicht, ich habe wirklich Respekt vor diesem Thread.. und wiederhole gerne noch ein weiteres Mal, dass ich die offene Art, wie ihr hier miteinander schreibt, ganz ganz klasse und auch beeindruckend finde. Ich empfinde es wirklich auch so, wie eine intimere "Gruppentherapie"... wo man eben auch nicht einfach so reinplatzen kann. Ich selbst hatte tatsächlich schon einige Gruppenerfahrungen in meinem Leben, an denen ich in live über eine Zeit teilgenommen habe (ist übrigens ein wirklich schwieriges Thema für mich, das sehe ich auch hier wieder)... aber jedes Mal, wenn Jemand Neues von außen dazukam... das war eben auch nicht immer nur einfach.
Aber, für mich ist es jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, genau das mal zu probieren. Ich habe gerade "zwangsfrei", weil ich mit einem Bänderriss mit Knöchelsplitterung zumindest für eine zeitlang ruhiggestellt bin, bis ich dann humpelnd wieder arbeiten gehen kann.
Und - hey? Was soll mir passieren? Das Schlimmste wäre. Keiner reagiert. Habe ich auch schon öfter überlebt. Und das ist absolut ernst gemeint. Und im Übrigen - ist genau DAS mein Thema, was mich durch mein ganzes Leben begleitet und zuletzt in eine schlimme Beziehung geführt hat, wo ich mich erneut so behandelt gefühlt habe. Und das auch länger zugelassen habe.
Sich NICHT präsent zu fühlen, obwohl viele Leute im Raum sind. Zu erleben, dass keiner auf mich reagiert, obwohl ich etwas sage? Überhört zu werden? So habe ich das in meiner Herkunftsfamilie sehr durchgängig erlebt - als mit Abstand Jüngste, auf die Keiner mehr Lust hatte, die aber nun mal da war. Lästig, nervig, irgendwie störend. Manchmal habe ich mich auch wie ein NICHTS gefühlt. Das war MEINE narzisstische Kränkung, mit der ich lebenslang zu tun gehabt habe.
Kennt dieses Gefühl vielleicht hier Irgendjemand? Ysabell hat es mal an irgendeiner Stelle so ähnlich beschrieben (wie überhaupt sehr viel, was ich ähnlich erlebe...) und ich habe auf der Stelle weinen müssen. Auch in den Beschreibungen von Kontra habe ich mich oft wieder gefunden, nur dass es bei uns zu Hause keine körperliche Gewalt gab und aber immer so getan wurde, als sei gleichzeitig alles in bester Ordnung. Aber für mich war es - so kann ich das aber noch nicht lange so deutlich benennen - eindeutig richtige seelische Gewalt.
Heute fühle ich mich selbst nicht mehr wie ein "Nichts", da ist Gott sei Dank schon einiges passiert über die Jahre (übrigens mit ganz viel Psychotherapie, ohne die ich niemals daraus gekommen wäre..) und dennoch - diese Wunde gibt es in mir. Es ist meine Kränkung, die mich für die Rolle der Komplementärnarzisstin, wie ursprünglich mal dieser Thread hieß... prädestiniert hat. Und die wird wohl auch einfach Bestandteil von mir bleiben und sein - auch wenn ich es mir noch so sehr gewünscht habe in der Vergangenheit... aber ich versuche, sie heute anders zu versorgen und auf sie aufzupassen.
Liebe @elerya, was ich auch total gut kenne, ist - dass ich manchmal nicht weiß, wo ich anfangen soll, einen Berg abzuarbeiten. Dass es eben genau dieser Berg an Dingen ist, die angegangen werden müssen, der hemmt, endlich den ersten Schritt zu machen. Zu lesen, dass Du gestern sogar schon ein ganzes Zimmer fertig gestellt hast, hatte gerade etwas richtig Motivierendes für mich.

Ich wünsche Dir viel Erfolg für Deine Bibliothek.
Zu Deiner Frage, mit der inneren Stimme. Ich für mich habe gelernt, dass bei mir alles über mein "Fühlen" läuft. Wenn ich zuviel im Kopf bin, verliere ich den Kontakt dorthin. Für mich ist es auch das Gefühl, welches ich versuche mir möglichst immer wieder zwischendurch bewusst zu machen, welches der Wegweiser zu meinem wirklichen Bedürfnis in dem jeweiligen Moment ist. Zu dem, was ich wirklich gerade brauche.
Wenn ich mich traurig fühle, auch wenn ich vielleicht den Grund noch nicht richtig verstehe... brauche ich Trost, Zuspruch etc. Wenn es gerade nicht möglich ist, mit einer vertrauten lieben Person zu sprechen, dann versuche ich in jedem Fall schon mal, mich selbst zu trösten, zu halten. Meist halte ich mir dann vor Augen, was ich schon alles hinbekommen habe und äußere mir gegenüber Verständnis. Je nachdem, worum es geht. Wenn es gerade keine Zeit gibt, sich damit zu beschäftigen, weil es gerade auf der Arbeit o.ä. passiert, dann nehme ich mir zeitnah dafür Zeit.
Wenn ich ärgerlich bin, dann gibt es meist irgendetwas, was mich verletzt oder meine persönlichen Grenzen überschritten hat. Dann versuche ich, dies anzusprechen oder manchmal auch einfach, mich zu schützen und zu distanzieren. Kommt darauf an, ob es sich um ein Gegenüber handelt, das auch konfliktfähig erscheint und ob ich eine erneute Kränkung gerade aushalten könnte.
So geht das im Grunde mit allen Gefühlen. Wenn ich dann genau das mache, was mir das Bedürfnis sozusagen "mitteilt", dann geht es mir gut und ich bin bei mir. Aber für all das brauche ich regelmäßig Zeit für mich selbst.
Liebe noch etwas schüchterne Grüße