Moin Elli
Zitat:>>Er möchte gerne die Ehe aufrecht erhalten und seine Affäre weiter treffen. Er kann nicht begründen, was ihm bei mir fehlt oder was sie so besonders macht. <<
Sein absurder Wunsch, die Ehe aufrecht zu erhalten und die Affäre weiter zu führen spiegelt das wider, was sich in ihm abspielt. Er sieht die einmalige Chance, mit einer jungen Frau alles noch mal neu zu erleben, was mit Mitte 30 so schön war und so einfach und so selbstverständlich und so unwiederbringlich… und er möchte dich nicht verlieren, dir „eigentlich“ nicht weh tun und sich natürlich die Fluchtmöglichkeit offen halten.
Er wird wie fast alle Menschen in solchen Situationen zerrissen von der Diskrepanz zwischen dem „Schnellen Denken“ (also dem Limbischen System) und dem „Langsamen Denken“ (also dem Verstand). Letzterer reicht noch nicht aus, um dem intuitiven Handeln ausreichend etwas entgegen zu setzen, denn niemand, der die Folgen einer eruptiven Hormonausschüttung noch nicht erlebt hat, kann nachvollziehen, wie winzig der Einfluss des Verstandes in dieser Phase ist. Der spaltet sich völlig ab und hat praktisch keinen Einfluss mehr auf das diesbezügliche Handeln. Dazu der oft zitierte und dennoch falsche Spruch: „Nur Herzensentscheidungen sind richtige Entscheidungen“
Diese Ambivalenz hat sich vor allem während der Zeit gezeigt, in der er zu dir trotz Affäre zurück wollte und du dich im noch einmal ganz zugewandt hast. Er wollte das – so unterstelle ich – wirklich und wahrhaftig. Aber der schrecklichen Anziehungskraft der jungen Frau hatte er praktisch nichts entgegenzusetzen. Er war fremdgesteuert und versuchte, wenigstens an der Oberfläche bei dir zu bleiben, um nicht alles kaputt zu machen, was ihr miteinander aufgebaut hattet. Darunter herrschte blankes Chaos. So kenne ich das aus unzähligen Schilderungen von Menschen (Frauen wie Männern) in seiner Situation
Zitat:>>Sorry, aber die Ehefrau sollte doch nicht die 2. Wahl sein oder eine Selbstverständlichkeit. So fühle ich mich zumindest. Ich habe jetzt entschieden, dass ich die Ehe beende und ihn ziehen lasse. <<
Bei dir befinden sich die beiden Systeme sozusagen auf Augenhöhe. Dein Herz hätte ihn gern behalten, dein Verstand sagte dir, dass das eine Dauerbaustelle mit vielen Heimlichkeiten wird. Also hast du verstandesmäßig gehandelt, obwohl dein Herz sich vehement dagegen gewehrt haben wird. Du bist ja auch nicht durch Körperchemie fremdgesteuert. Du hast freien Zugang zu deinen „Systemen“. Und so wirst du auch weiterhin alles tun, was jetzt getan werden muss.
Zitat:>>Vielleicht steht er nach seiner Hormonblase alleine da und bereut seine Aktionen. Ja ich liebe ihn noch immer, aber Stand heute gäbe es kein Zurück. War oder ist es das wert gewesen?<<
Diese Frage ist aktuell noch nicht zu beantworten. Dein Gatte wird in der nächsten Zeit noch etliche Berg- und Talfahrten durchmachen. Er wird aller Wahrscheinlichkeit starke Reue empfinden und das Zusammenleben mit der Geliebten könnte ziemlich bald zu Problemen führen, weil er sich intensiv mit der Trennung, den finanziellen Folgen, den Kindern und Anwaltsbriefen beschäftigen muss. Das alles neben der Arbeit, neben der zeitweisen Kinderbetreuung und neben den intensiven Gesprächen, die seien Geliebte mit ihm führen will. Das wird nicht besser für ihn, wenn nach und nach wieder normales Blut durch seien Adern fließt.
Natürlich „war es das nicht wert“, wenn man es aus dem Moment heraus betrachtet. Aber ich kenne etliche Fälle, in denen es nach solchen Eskapaden wieder zu einer sehr guten „neuen“ Beziehung zwischen den Ehepartnern gekommen ist. Das geht nur, wenn man das zulässt. Das geht nur, wenn der „Ausbrechende“ wirklich und ganz zurück will und alles aufarbeitet, was er da getan hat. Das geht nur, wenn auch der „Verlassene“ – also du – das von Herzen will und die Trennungsmaßnahmen wieder zurück nimmt. Und bei all dem reden wir von einem kleinen Prozentsatz.
Zitat:>>Ich als Ehefrau war immer für ihn da, hab ihm den Rücken freigehalten, ihn ermutigt etc. pp. In einer intakten Ehe sollte es keinen Platz für einen Dritten geben.>>
Völlig richtig. Das war absurd, was er da formuliert hat. Bleib also straight, bleib eindeutig und tu alles für dich was möglich ist, inklusive der eingeleiteten Trennung. Aber vielleicht kannst du dich mit dem Gedanken anfreunden, dass man jede Entscheidung auch später noch mal überdenken kann und sich neu entscheiden kann. Nämlich dann, wenn sich vieles verändert. Wenn du das nicht kannst, habe ich großes Verständnis dafür. Dann sind die Würfel gefallen und du gehst ab jetzt deine eigenen Wege. Früher oder später auch mit einem anderen Partner, der dich zu schätzen weiß und auf Platz Eins setzt.
Viel Glück und viel Kraft zu all dem