Sonnenschein70
Mitglied
- Beiträge:
- 12
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 11
- Mitglied seit:
Ich bin 48, mein Mann 43. Wir kennen und lieben uns seit 10 Jahren. 2013 heirateten wir, 2015 habe ich mich getrennt. Ich lebe alleine mit meinem Kind (16), er alleine mit seinem (20). Seit Ende 2016 sind wir wieder ein Paar, leben aber getrennt.
Unsere Liebe gestaltete sich von Anfang an sehr schwierig. Er war gebunden, als wir uns kennenlernten. Es dauerte eineinhalb Jahre, bis seine Partnerin sich trennte. Damals schon hätte ich sehen müssen, dass er Probleme nicht löst, sondern abwartet, bis sie sich gelöst haben.
Unsere Beziehung war und ist ein Auf und Ab. Nähe, Distanz. Leidenschaftliche Liebe. Verbale Verletzungen. Abwechselnd. Mal 4 Wochen, mal 2-3 Monate. Seine zurückliegenden Beziehungen waren ähnlich. Gewalt, Alk., Lügen, Betrügen. Schwieriger Mann - schwierige Beziehungen.
Das erfuhr ich alles erst nach und nach. Da war ich bereits hoffnungslos verliebt. Ich bin ein sehr sensibler Mensch, mit dem Bedürfnis nach Harmonie. Dass er Dr. Jekyll und Mr. Hyde in einer Person war, merkte ich "eigentlich" recht früh, ignorierte aber alles, weil ich solche Verhaltensweisen nicht kannte.
Um es abzukürzen. 2014 wurde bei ihm eine rezidive Depression festgestellt. Er war seitdem 3 x in stationärer Behandlung, ging 2 Jahre in eine Therapie und besucht seit knapp 4 Jahren alle 2 Wochen eine Gruppe für Männer mit Gewaltpotential.
Es hat sich viel verändert. Er gibt sich auch wirklich Mühe. Allerdings.
Seitdem die Diagnose steht, nimmt er diese Begründung für all das, was er nicht macht, nicht schafft usw. Und das betrifft jeden Bereich. Er scheut sich vor jeder Problemlösung, hält das schlimme Problem aus, jammert, bricht zusammen, ändert nichts.
Er ist ein Chaot. So sieht sein Haushalt aus. Unter der Woche tut er nichts, weil er kaputt ist, von der Arbeit. Am Wochenende tut er nichts, weil er sich ausruhen muss oder eines seiner Probleme ihn schachmatt setzt. Er jammert, weil er alles alleine machen muss. Ist gleichzeitig nicht in der Lage, sich die Arbeit mit seinem erwachsenen Kind zu teilen, weil dieser (ebenfalls) nichts macht und es in regelmäßigen Abständen deswegen zum großen Knall kommt. Beruhigt sich die Lage wieder, wird so weitergemacht. Keine Lösungsansätze. Es setzt ihn unter Stress, seinem Kind zu sagen, tue dies, tue das, weil er trotzdem nichts tut. Deshalb sagt er nichts und es eskaliert ein paar Wochen später erneut.
Eskaliert es dann, jammert er sich bei mir aus. Will sein Kind rauswerfen und kann nicht mehr. Ein paar Stunden später packt ihn das schlechte Gewissen, er bereut. Meine vorsichtigen Lösungsansätze (z.B. Haushaltsplan, Putzfrau) sind dann unmögliche Ideen, die nicht umsetzen seien. Durch das akute Problem stürzt er nun tagelang in Gedankenkreisen, somit in die Depression und ist deswegen unfähig, irgendetwas zu ändern. Dieses "Spiel" wiederholt sich alle paar Monate.
Wäre es nur das.
Dasselbe passiert, wenn er auf der Arbeit ein Problem hat. Wenn er seine Finanzen betrachtet (Kind in Ausbildung muss nichts abgeben). Er fährt sein Kind jeden Morgen um 4.30 Uhr zur Arbeit, weil kein Bus fährt. Dadurch ist er natürlich! dauermüde, hat Schlafstörungen, weil er sich nochmal eine Stunde hinlegt und dann selbst zur Arbeit muss. Sein Kind macht den Führerschein seit Januar 2017! und kommt nicht voran, weil er nichts dafür tut. Er hat immer eine andere Ausrede, warum er nicht lernt.
Mein Mann zahlt alles, regt sich gleichzeitig darüber auf, das er ihn jeden Morgen fahren muss und er körperlich langsam nicht mehr kann. Er lässt ihn bei allem tun, was er will. Lernen, aufräumen, weggehen (jedes WE Alk., Nächte durchmachen). Denn es bedeutet Stress für ihn, ihm Grenzen zu setzen, weil es deswegen Streit gibt. Außerdem sei er fast 20 Jahre, er könne machen, was er will.
Auch hier setzt die Dynamik ein. Gedankenkreisen, Depression. Mache ich mal einen Vorschlag, wird er abgeschmettert.
Für mich sei immer alles so einfach. Meine Vorschläge seien nicht umzusetzen. usw.
Unsere Ehe leidet extrem darunter. Er hat mehr depressive Phasen, als gesunde. Eine normale Beziehung ist nicht möglich. Nichts planbar, weil es sein kann, dass es ihm nicht gut geht. Es dreht sich alles um ihn. Er erwartet dann, dass ich permanent für ihn da bin und ihn tröste und aufbaue.
Das kann ich nicht, weil ich nicht verstehen kann, dass man "den Karren" im Sumpf lässt. Sich nebendran setzt und jammert, ihn aber nicht versucht herauszuziehen.
Ich habe ihm so oft geholfen. Bei allem. Ablage, Steuer, putzen. Ich mag nicht mehr. Ich biete ihm meine Hilfe nicht mehr an. Er wirft mir vor, ich sei empathielos, egoistisch und er hätte keinen Rückhalt. Er sei depressiv und Depressive können keine Probleme lösen, sie seien da wie gelähmt, ob ich das nicht verstehe?
Dann kommt wieder eine gute Phase. Es ändert sich nichts, bis er dann wieder zusammenbricht und alles von vorne beginnt.
Ziehe ich mich dann zurück mit der Begründung, ich kann damit nicht umgehen. Es belastet mich. Warum er denn nichts ändere. Sagt er wieder: Ich bin depressiv, verstehst du das nicht? Ich brauche zu meinen Problemen nicht noch zusätzlich eine Frau, die mir noch mehr Probleme macht und nicht für mich da ist.
Zwischendurch, wenn er keine Depression hat bzw. seine Gefühle unterdrückt (so nennt er es), ist er der tollste Mann der Welt.
Meine Frage an euch nun:
Ist es von mir tatsächlich nicht richtig bzw. empathielos, ihn mit seinen Problemen alleine zu lassen? Mich aus Situationen herauszunehmen, die mir nicht gut tun (mein erwachsener Mann steht in der Küche und weint, weil es ihn überfordert, ein Spiegelei zu machen - weil sein Gedankenkreisen ihn gerade in das depressive Gefühl zieht). Ich gehe, nachdem ich liebevoll auf ihn zugegangen bin, er mich in dem Moment aber überfordert zurückweist.
Ich habe das Gefühl verloren, was richtig und was falsch ist, weil er mir immer vorwirft, ich sei nicht für ihn da, obwohl das nicht stimmt.
Könnt ihr mir einen Gedankenansatz geben?
Vielen lieben Dank, fürs Lesen.