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Mein Mann zieht sich aus unserer Ehe zurück

Traurig457

Ich habe seit einiger Zeit den Verdacht, dass mein Mann sich aus unserer Ehe zurückzieht - vielleicht auch fremdgeht. Wir sind seit 7 Jahren ein Paar und seit 6 Jahren verheiratet. Weil er 10 Jahre jünger ist, haben alle Freunde und die Familie Bedenken geäußert, als sie ihn venengelernt haben, mochten sie ihn alle auf Anhieb und fanden und finden, dass wir ein tolles Paar sind.
Ich habe meinen Mann in den vergangenen Jahren bei seinem Zweitstudium in jeder Hinsicht unterstützt. Er hat Vollzeit gearbeitet und studiert, Da war es für mich klar, dass seine Ziele erst einmal Vorrang haben. Er sagt mir täglich, dass er mich liebt, aber ich bin mir nicht sicher, ob das noch stimmt. Seit seinem Studienabschluss hat er sich völlig in seinen neuen Job geschmissen und die Zeit, die wir all die Jahre gehofft hatten mehr für uns zu haben, ist jetzt Arbeitszeit.
Da ich ebenfalls Vollzeit arbeite, blieb und bleibt mir die Hausarbeit und ein großer Teil der finanziellen Versorgung für uns (ich habe dadurch aktuell ein Minus auf dem Konto).Das sollte sich jetzt ändern, stattdessen wird das durch den neuen Job verdiente Geld ausnahmslos in die Rückzahlung des Studiendarlehens gesteckt. Wenn ich etwas sage und ihn daran erinnere was wir uns versprochen haben, geht er weg und ist nicht erreichbar. Ich fühle mich im Stich gelassen und kann mit niemandem über die Situation reden, weil ich fürchte, dass mir dann gesagt wird, dass ichauf Grund seines Alters die Situation hätte vorausahnen müssen.
Ich bin so verzweifelt und weiß nicht mehr weiter. Wenn er geht, ist für mich alles vorbei.

15.06.2018 18:35 • #1


Perzet


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Wie alt seid ihr denn?
Was meinst du mit "ist für dich alles vorbei"?

Der Altersunterschied ist nicht unbedingt der Grund. Viel mehr seid ihr im verflixten siebenten Jahr.

Was mich viel mehr aufhorchen lässt ist etwas, das ich sehr gut kenne. Hatte damals auch das Studium meines Mannes finanziert und ihn in allem unterstützt. Gleicher Zeitraum der Ehe. Nicht lange nachdem er fertig war, war er weg.

Mir wurde damals von vielen Seiten bestätigt, dass dies ein Klassiker sei. Du warst mehr die Mama, also die Versorgerin denn die Partnerin. Er ist es gewöhnt, alles von dir zu bekommen und nichts selber in die Beziehnung zu investieren. Wozu auch, läuft ja prima zu seinen Gunsten.

Positioniere dich klarer als Partnerin und nicht nur als 'Mutter', die selbstlos alles gibt und nichts nimmt. Mache deine Schultern breiter und stehe mehr für dich und deine Dinge ein.

Und ebenfalls wichtig: werde wieder zur Frau, nicht nur zur Arbeitsmaschine (Job,Haushalt). Tue etwas für dich. Lerne dich selber wieder zu fühlen und zu mögen.

15.06.2018 18:49 • x 3 #2


Jam


Zitat:
Er hat Vollzeit gearbeitet und studiert, Da war es für mich klar, dass seine Ziele erst einmal Vorrang haben.


Es sei denn du kommst in dieser Hinsicht generell (jahrelang) zum Handkuss, dass widerum wäre ein Fehler im System.


Zitat:
Wenn ich etwas sage und ihn daran erinnere was wir uns versprochen haben, geht er weg und ist nicht erreichbar.


Konfliktvermeidung. Er kennt seine Anteile also nur allzu gut, will diese aber nicht sehen. Denn sonst käme er bei ehrlicher Betrachtung womöglich zu dem Schluss, dass er dich ausnutzt. Da er aber kein nutznieserischer Unmensch sein kann/darf/will... schaut er einfach weg.


Zitat:
dass ichauf Grund seines Alters die Situation hätte vorausahnen müssen.


Unwichtig. Nicht sein Alter ist entscheidend, sondern seine Taten. Und in deinem Leben deine Taten.


Zitat:
Wenn er geht


Machs nicht von ihm abhängig.


Zitat:
ist für mich alles vorbei.


Was in diesem Fall ja vielleicht auch ganz gut für dich wäre.

15.06.2018 18:53 • x 1 #3


Gretel

Gretel


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Zitat von Traurig457:
stattdessen wird das durch den neuen Job verdiente Geld ausnahmslos in die Rückzahlung des Studiendarlehens gesteckt.


(nur am Rande)
. das hat doch noch ewig Zeit!

15.06.2018 19:02 • #4


Perzet


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Zitat von Gretel:

(nur am Rande)
. das hat doch noch ewig Zeit!


(vom Prinzip her: JA, . )

. es sei denn, er hat was anderes vor, so wie die TE vermutet / befürchtet.

(seine Konten werden sauber gehalten, grr)

15.06.2018 19:07 • #5


Chrisi

Chrisi


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Bauchgefühl trügt nicht. könnte die Geschichte so ähnlich erzählen. Mann auch 10 Jahr jünger gewesen. Auch ein tolles Paar gewesen. Nun ist die neue Dame 14 Jahre älter und vermögend.

15.06.2018 19:19 • #6


Traurig457


Vielen Dank für eure Gedanken. Ich bin am Ende, weil ich in jeder Hinsicht '*beep*' dastehe. Es stimmt, dass unsere Ehe seit einigen Jahren finanziell in die Schieflache geraten ist und meine Geber-Anteile immer größer wurden. Der Alltag hat alles im Krisenmodus gehalten und wir hatten immer gedacht, sobald das Studium vorbei wäre, hätten wir endlich wieder Fröhlichkeit und Luft für uns.
Ich möchte gerne einen Neuanfang, mit oder ohne ihn. Ich möchte auch wieder in die Stadt zurück - wir leben seit einigen Jahren außerhalb und das dörfliche Leben ist für uns beide nichts. Er möchte das auch, aber erst bei Fristverlängerung seines Arbeitsvertrages etwas suchen, da die Mieten extrem gestiegen sind. Allein werde ich es aktuell nicht schaffen auszuziehen. Ich weiß aber, dass ich ein lebhafteres und fröhlicheres Umfeld brauche. Ich fühle mich gefangen und sehe keine Möglichkeit frei über meine Zukunft zu entscheiden. Manchmal stehe ich bei uns auf dem Bahnhof und möchte springen.

15.06.2018 19:54 • x 1 #7


Perzet


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Liebe @traurig457
das klingt aber nach weit mehr Problemen bzw grundlegenderem Ausgelaugt sein als 'nur' nach deinen Vermutungen bzgl deines Mannes.
Keine Chance auf Hobbies und anderen Kraftquellen?

Wie alt seid ihr?

15.06.2018 20:02 • #8


Chrisi

Chrisi


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Ich bin ausgezogen und habe mir ein möbliertes Zimmer genommen. Mitten in der Stadt ! Das beste was ich machen konnte. War nicht ganz allein und trotzdem für mich. Hier hab ich Luft geholt und mich dann bei einer Wohnungsbaugesellschaft angemeldet. Miete ist nun moderat. Heute fahre ich in der Stadt alles mit dem Fahrrad ab. Es gibt so, so viele Möglichkeiten an Aktivitäten teilzunehmen. Das kommt dann aber erst mit der Zeit.

15.06.2018 20:02 • #9


traurig457


Wir sind 50 und 40

15.06.2018 20:15 • x 1 #10


Garamond


Zitat von Traurig457:
Vielen Dank für eure Gedanken. Ich bin am Ende, weil ich in jeder Hinsicht '*beep*' dastehe. Es stimmt, dass unsere Ehe seit einigen Jahren finanziell in die Schieflache geraten ist und meine Geber-Anteile immer größer wurden. Der Alltag hat alles im Krisenmodus gehalten und wir hatten immer gedacht, sobald das Studium vorbei wäre, hätten wir endlich wieder Fröhlichkeit und Luft für uns.
Ich möchte gerne einen Neuanfang, mit oder ohne ihn. Ich möchte auch wieder in die Stadt zurück - wir leben seit einigen Jahren außerhalb und das dörfliche Leben ist für uns beide nichts. Er möchte das auch, aber erst bei Fristverlängerung seines Arbeitsvertrages etwas suchen, da die Mieten extrem gestiegen sind. Allein werde ich es aktuell nicht schaffen auszuziehen. Ich weiß aber, dass ich ein lebhafteres und fröhlicheres Umfeld brauche. Ich fühle mich gefangen und sehe keine Möglichkeit frei über meine Zukunft zu entscheiden. Manchmal stehe ich bei uns auf dem Bahnhof und möchte springen.


Öffne die Tür, fliege aus deinem Käfig und entscheide frei über DEINE Zukunft ... anders wirst du keine LUFT mehr bekommen. Es bleibt keine Zeit mehr zu warten ... das Leben hat dir noch so viel zu bieten ... vergrabe dich nicht hinter den Ambitionen deines Mannes.
Die "Aufopferung" macht uns langweilig und uninteressant ... zeige dich als Frau und gehe deinen eigenen Weg .... schau was passiert und sei neugierig auf das, was sich hinter deiner eigenen Veränderung verbirgt

15.06.2018 20:37 • x 2 #11


Perzet


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@traurig457 wenn du dich hier anmeldest, wird es einfacher mit der Kommunikation.

Das Alter hatte ich mir fast gedacht. Sorry, aber bei euch scheinen einige 'Klassiker' dabei zu sein.

Am besten, du atmestet erst einmal tief durch, klopfst dir selber auf die Schulter, weil du den Weg hierher gefunden hast, teile dich mit, das hilft auch sehr, und dann fühle dich hier aufgenommen und verstanden. Du merkst bereits an einigen Rückmeldungen, dass wir einiges selber kennen
Und glaube mir, diese unglaubliche Müdigkeit kenne ich auch.

Von daher die Frage, wie denn eure Beziehung ansonsten so läuft. Habt ihr gemeinsame Interessen, Wünsche, Ziele, Freunde?

15.06.2018 20:58 • #12


Traurig457


Ich kann euch allen nur danken! Eure Ratschläge spiegeln viel von dem wieder, was ich selbst denke und das ich unter all dem Stress vergraben habe. Es wird jetzt alles viel klarer. Ich denke, ich werde mir das Wochenende Zeit für mich nehmen und darüber nachdenken, wer ich in Zukunft sein möchte und was ich tun muss - und will - um mich wieder zu 'realisieren'.
Dann werde ich mich mit meinem Mann zusammensetzen und wir werden sehen, ob er auf diesmal meinem Weg mitkommt. Ich weiß, dass er auch unglücklich darüber ist wie und wo wir leben und dass er um uns trauert. Trotzdem werde ich euren Ratschlägen folgen und mich jetzt um mich kümmern. Geben und Nehmen muss wieder eine Balance finden und da bin ich jetzt erst einmal eine ganz schön lange Strecke dran, denke ich.

Ihr habt mir riesig geholfen! Sich anderen, wenn auch nur anonym, anvertrauen zu können und Ernst genommen zu werden, hat einen riesigen Unterschied gemacht. Auch dass der Altersunterschied mich nicht automatisch verantwortlicher macht, hatte ich komplett aus den Augen verloren. Danke!

15.06.2018 21:48 • x 1 #13


Hope2018


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Bitte kommuniziere richtig mit ihm, dass ist das wertvollste was man tun kann.

Ich habe ein sehr anstrengende letztes Jahr hinter mir. Es war für mich so anstrengend, dass das schlimme war das ich es nicht erkannt habe. Habe mich auch nicht mit Sorgen auseinandergesetzt, sondern eher beiseite geschoben (nicht boshaft - sondern eben weil ich rotiert bin, ich dachte ich packe alles).

Nachdem meine Liebe sich von mir getrennt hat, habe ich beide Augen offen gehabt. Er hat zuvor einfach nichts gesagt. Mir nicht mitgeteilt dass er sich nicht wohlfühlt, nicht mitgeteilt, dass ihm etwas fehlt, dass ich vielleicht nicht mehr so liebevoll bin - er ist einfach gegangen. Das war das schlimmste was mir passieren konnte. Er hat einfach geschluckt und alles mit sich selbst ausgemacht, als das Fass über gelaufen ist.

Bitte versuche all dein mögliches!

15.06.2018 22:51 • #14


Gastgast


Hallo Traurig457,

ich bin auch eine, die in Vorleistung getreten ist, um in eine schöne(re) gemeinsame Zukunft zu investieren. Die Verantwortung übernommen hat. Und als ich sie an ihn zurück geben wollte, hat er sich drunter weggeduckt, meinen Respekt verloren und die Ehe war zu Ende.

Aus meiner Erfahrung gibt es zwei Ansätze:

A) Der sicher ins Glück führende, der zunächst sehr steinig ist: Du nimmst Dein Minus auf dem Konto als Lehrgeld hin, hoffst nicht mehr auf Ausgleich durch ihn und rechnest nur noch für Dich. Was kannst Du Dir aus Deinem Gehalt nur für Dich leisten. Und wenn das zunächst eine 1 Zimmer Wohnung ohne Balkon ist, bis Dein Konto wieder ausgeglichen ist, dann ist Deine Aufgabe, die schönste 1 Zimmer Wohnung, die Du Dir leisten kannst, zu finden und bei Null wieder neu anzufangen. Der Weg ist am Anfang furchtbar steinig, weil Du alles loslassen musst, was Du bislang für sicher gehalten hast, was Du für euch aufgebaut hast, womit Du als seine Gegenleistung gerechnet hast. Dafür führt dieser Weg unweigerlich zu einer Fröhlich457. Nach einem Jahr ist alles in Deinem Leben wieder schön und Du kannst nur für Dich und Deine Träume arbeiten.

B) Der Weg, der am Anfang weniger weh tut, aber keine Garantie für ein glückliches Ende hat und sehr lange dauern kann: Du gewichtest eure Einkommen oder rechnest 50/50 und sagst ihm, wieviel an Miete, Strom und anderen gemeinsamen Kosten er ab 1.7. zahlen muss. Nicht soll oder sollte, sondern muss. Du gibst ihm die Verantwortung, die Du bislang für euch getragen hast, zurück. Sein Studienkredit ist nur noch sein Problem, nicht deins. Er ist für 50% (bzw. anteilig) für das Gemeinsame verantwortlich. Er ist für 50% der Haushaltsarbeiten verantwortlich. Und auch die "Denk-, Sozial- und Organisationsarbeit", die Du vermutlich für ihn mit übernommen hast (ihn an Termine erinnern, Pakete von der Post und Hemden von der Reinigung zu holen, an den Reifenwechsel zu denken, die Steuer vorzusortieren, den Kühlschrank gefüllt zu halten etc.) gibst Du an ihn zurück. Ob er jetzt jede zweite Woche zuständig ist oder Du nur noch Deine Klamotten wäschst und er seine, ist nebensächlich. Wichtig ist, das das "Hotel Traurig457" so wie bislang nicht mehr existiert. Sag ihm, dass Du erschöpft bist und sich deshalb folgendes ändern muss: [Liste der neuen Arbeitsverteilung]. Und dann auch wirklich die Verantwortung loslassen und sich getrennt veranlagen lassen, wenn er seine Steuerunterlagen nicht rechtzeitig beisammen hat. Das ist dann jeden Tag anstrengend, aber Du kannst sehen, ob er sich bemüht und ihr zusammen bleiben könnt, oder ob er nur dann an Dir interessiert ist, wenn Du ihm den roten Teppich ausrollst. In die 1-Zimmer Wohnung ziehen kannst Du dann immer noch. Aber ab 1.7. muss er seinen Anteil an den gemeinsamen Kosten und Arbeiten stemmen, sonst siehst Du keinen Sinn mehr in der Ehe.

Und sei nicht sauer auf Dich selbst. Die Anzahl an Männern, die wirklich gleichberechtigt und -verpflichtet leben können, ist verschwindend gering. Viele müssen für ihr Wohlbefinden nach wie vor führen und mehr Verantwortung tragen als die Partnerin. Sobald das über einen längeren Zeitraum anders ist, legen sie sich dauerhaft in die Hängematte und verachten am Schluss noch die Hängematte dafür, dass es so bequem auf ihr war, sie vor Belastung verschlissen ist und ihn nicht noch ein paar Jahre selbstlos tragen kann. Das Forum ist voll mit solchen Nassauergeschichten.

15.06.2018 23:49 • x 3 #15




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