Shediaa
Gast
Ich will andere Threads nicht länger sprengen, daher mache ich noch einmal mein eigenens Thema auf. In der Hoffnung, nun rationaler und gefestigter mit allem umgehen zu können. Da ich psychisch immernoch labil bin, eröffne ich diesen Thread als Gast, um mir einen Rückzugsweg offen zu halten und um wirklich anonym bleiben zu können.
Kurze Zusammenfassung:
Ich bin 52 Jahre alt, seit 32 Jahren mit meinem Mann zusammen, davon 20 Jahre verheiratet. Wir haben einen erwachsenen Sohn, der inzwischen ausgezogen ist. Unsere Ehe war nie einfach. Sie war von Anfang an belastet und ich hatte die berühmte "schwierige" Kindheit. Alles das sollen keine Ausreden sein, sondern "Gründe". Es waren Gründe für die Katastrophe, die dann vor ca. 5 Jahren begann und bis heute Auswirkungen hat.
Ich hatte gerade nach langjähriger Suche und schwieriger Neuorientierung zurück in den ersten Arbeitsmarkt gefunden. Dort wurde ich einem Kollegen als Hilfe zugeteilt, der zwar zunächst wenig Interesse an mir zeigte, mich aber freundlich aufnahm und zunehmend von mir und meinem "Fleiß" und Ehrgeiz angetan war. Er traute mir immer komplexere Arbeiten zu, die ich auch mit Freude annahm, denn ich war nach langjährigem Hausfrauendasein ausgehungert nach Anerkennung und Herausforderung. Dadurch erweckte ich dann doch sein Interesse, denn ich war für ihn die Unterstützung, die er so dringend brauchte. Er begann mit mir zu flirten und ich verliebte mich Hals über Kopf, denn auch da hatte ich trotz meiner bis dahin glücklichen Ehe gewisse Defizite. Die Kämpfe der vergangenen Jahre hatten Spuren hinterlassen und ich war unerfahren und naiv. Mein Mann war mein erster richtiger Freund gewesen. Ich hatte also nicht viel erlebt, auch nicht viel negatives, das mich hätte vorsichtig werden lassen.
Dann starb die Ehefrau meines Kollegen -für mich plötzlich- für ihn lange erwartet. Sie hatte eine lange schwere Erkrankung durchlitten. Wenige Wochen später forcierte der Kollege seine Bemühungen um mich und ich geriet in einen Strudel, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Ich beichtete meinem Mann meine Fremdverliebtheit und bat ihn um die Trennung. Er fuhr auf mein Bitten hin am nächsten Tag mit Sohn und Mutter dennoch in den lange geplanten Familienurlaub und es kam zur ersten s exuellen Begegnung mit dem Kollegen. Ab da gab es für mich kein Zurück mehr. Ich plante meinen Auszug. Suchte mir eine Wohnung in der Nähe unseres Hauses und zog einige Wochen später aus. Das wiederum überforderte den AM offensichtlich total. Er zog sich zurück. Was ich bis dahin nicht wusste, noch nichtmal ahnte, er hatte längst eine andere Frau gefunden.
Ich litt Höllenqualen, flehte den AM an, mir wenigstens als Freund zur Seite zu stehen, denn mein neues Leben entwickelte sich zunehmend schwierig. Er aber blockierte, ignorierte mich ohne weitere Erklärungen und ließ mich nur dann an sich heran, wenn es ihm in der Hose juckte. Mein Selbstwert war im Keller. Ich war sowieso nie sehr selbstbewusst gewesen und er hatte den Rest Selbstschutz in mir im Keim erstickt. Als ich dann nach einem Wasserschaden in meiner neuen Wohnung so richtig am Boden war, konnte mein Mann das Schauspiel nicht mehr ertragen. Er holte mich zurück ins Nest und ich war dankbar und erleichtert - aber auch schon sehr krank. Ich war tief in einer schweren Depression gefangen, konnte kaum noch meinen Aufgaben nachkommen. Ich kündigte meine Stelle, die mir so wichtig gewesen war, fand sofort eine neue, die aber bei weitem nicht so schön war. Ich suchte mir irgendwann Hilfe bei einem Psychiater, der mir zwar Medikamente verschrieb, eine Therapie wurde aber nur halbherzig begonnen und brachte mir nichts. So vergingen Monate und Jahre und allmählich wurde es sogar besser. Suizidgedanken waren zwar immernoch manchmal da aber wir überlebten irgendwie.
Dann fand ich dieses Forum, begann mit der Aufarbeitung und fand wichtige sehr hilfreiche Ratschläge. Aber ich erntete natürlich auch viel Unverständnis und sah mich wütenden Kommentaren ausgesetzt, denen ich kaum die Stirn bieten konnte. Zeitgleich meldete sich der AM wieder. Er hatte Schluss mit seiner Neuen und wollte bei mir wieder landen. Nach einem ersten Impuls der Freude - ja leider kann ich das nicht leugnen - setzte aber endlich mein Gehirn wieder ein. Ich widerstand ihm! Gott sei dank!
Stattdessen versuchte ich den erneuten Kontakt zu ihm zu irgendeiner Form der Aufarbeitung zu nutzen. Telefonisch und schriftlich. Einen persönlichen Kontakt vermied ich, vorsichtiger Weise. Dennoch fühlte ich mich erneut schuldig und brach das ganze erfolglos ab. Meine Depression wurde schlimmer und so suchte ich mir endlich einen neuen Arzt, eine vernünftige Therapeutin und bin inzwischen sehr hoffnungsvoll, das Ganze endlich abschließen und hinter mir lassen zu können.
Es liegt noch viel Arbeit vor mir und vor meinem Mann. Ich sehe aber auch die Chance darin, uns näher zu kommen, als wir es je waren und ich hoffe, er hat genug Kraft und Liebe übrig, um diesen Weg mit mir zu gehen.
Ich habe Schuld - ja! Aber er trägt ebenfalls Verantwortung. Dieser will und wird er sich stellen und sich ebenfalls in die Therapie einbinden lassen. Ich bin zutiefst dankbar und ich hoffe, dass ich irgendwann wieder in der Lage sein werde, diese Gefühle der Dankbarkeit und der Liebe auch zu spüren. Überhaupt wieder zu fühlen und sowas wie Lebensfreude zu entwickeln. Das ist meine Hoffnung!
Danke fürs Lesen und Danke für Eure Anteilname. Ich hoffe, meine Geschichte ist auch für euch eine Hilfe!
Wen sie triggert und wütend macht - bitte um Nachsicht! Eure Hasskommentare werde ich lesen aber nicht mehr an mich herankommen lassen. So gut funktioniert mein Selbstschutz immerhin wieder!
LG