Carter
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ich möchte gern meine Geschichte erzählen.
Vor knapp 2 Wochen hat sich mein Freund von mir getrennt. Wir waren zweieinhalb Jahre zusammen. Um es vorweg zu nehmen: Es geht hier um eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft zwischen 2 Männern.
Es entzündete sich an einer kleineren Auseinandersetzung im Urlaub. Wir waren schon mal an einem ähnlichen Punkt, mit dieser Dynamik hätte ich jetzt aber auf keinen Fall gerechnet. Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. In meiner anfänglichen Panik redete ich unentwegt auf ihn ein, um abzuwenden, was dann doch Realität wurde. Selbst in unserer letzten gemeinsamen Nacht, als die Trennung schon im Raum stand, lagen wir dicht bei einander und haben die Wärme des anderen gesucht, uns an einander festgehalten, gegenseitig die Tränen getrocknet.
Wir sind miteinander durch dick und dünn gegangen und haben für meine Begriffe in ganz wichtigen Dingen wunderbar zusammen gepasst. Wir haben uns immer vertraut, sind ehrlich miteinander umgegangen, haben in entscheidenden Fragen gleiche Wertvorstellungen, konnten die Nähe des anderen, auch körperlich, bis zuletzt genießen. Vertrautheit, sich in den Armen des Partners geborgen zu fühlen, einander trösten zu können – all das war kein Problem. Auf der tieferen Ebene, fernab von charakterlichen Unterschieden, hat es harmoniert. Er hat mir das umgekehrt auch immer bestätigt, sogar jetzt tut er das noch.
Für ihn war am Anfang recht schnell klar, dass er mich wollte, wobei ich mich trotzdem immer mal gefragt habe, ob seine Gefühle für mich wirklich tief genug sind und er sich nach der anfänglichen Schwärmerei nicht nur etwas zurecht denkt, also zu sehr auf den Kopf anstatt auf sein Herz hört. Vor mir hatte er Beziehungen zu Frauen, was er am Ende eher wie ein Zusammenleben unter Geschwistern empfunden hat, wie er mal sagte. Als er sich damals von seiner Partnerin trennte, wurde kaum über Gründe gesprochen. Sie hatte wohl lange Zeit damit zu kämpfen, weil sie es nicht verstehen konnte. Er ist 10 Jahre älter als ich. Erst durch unsere Beziehung hat er es geschafft, sich in seinem Umfeld und bei seiner Familie zu outen. Alle haben es positiv aufgenommen.
Ich selbst war in keiner einfachen Lage, als wir uns kennen lernten. Es gab etliche Baustellen und er war es, der mir neuen Lebensmut gab und durch den ich vieles angegangen bin, was ich allein nie geschafft hätte. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein. Er hat ein Haus und ein intaktes soziales Umfeld. Ich habe recht schnell viel Zeit bei ihm verbracht und gewissermaßen versucht, mich in sein Leben einzufügen. Das lief nicht immer reibungslos. Ich bin ein recht ruhiger, sensibler Mensch, er dagegen eher der Aktive, der gern unter Leuten ist. Mir war das desöfteren zu viel, ich konnte mit seinem Tempo nicht immer mithalten. Auch habe ich Probleme mit meinem Selbstwertgefühl. Irgendwie war ich manchmal fast eifersüchtig bzw. fühlte mich vernachlässigt, wenn er Spaß mit anderen oder bei einem Hobby hatte. Ich reagierte dann überzogen oder zettelte Diskussionen an, was mir im nachhinein selbst leid tat. Er fühlte sich eingeengt. Doch ich hatte den Eindruck, dass ich mit der Zeit besser mit diesen Dingen umgehen konnte und gelassener wurde. Ich habe versucht, mich weiter zu entwickeln und das ganze als Chance zu begreifen, mehr aus mir herauszugehen, neue Menschen kennen zu lernen usw. … ihm war es anscheinend nicht genug. Seine Gefühle für mich sind wohl durch die Schwierigkeiten abgekühlt.
Es gab seit knapp 2 Wochen keinen Kontakt. Ich wollte, auch wenn es mir außerordentlich schwer fällt, zunächst einige Wochen abwarten. Nun bin ich doch einem Impuls gefolgt und habe zum Telefon gegriffen. Das Gespräch verlief ruhig und ohne bösen oder vorwurfsvollen Unterton. Ich wollte kein Mitleid. Ich hatte in den Tagen zuvor in jeder Minute über alles nachgedacht, bin dabei auch zu Einsichten gekommen, die ich vorher in dieser Form nicht hatte, habe Fehler analysiert und mich gefragt, was ich tun kann, sogar einschließlich therapeutischer Hilfe. Einiges davon habe ich am Telefon zur Sprache gebracht, auch wenn ich mich in der Aufregung vielleicht nicht wirklich gut artikulieren konnte. Im Grunde waren wir uns einig darüber, wo die wunden Punkte lagen und was hätte anders laufen müssen. Und doch sagte er, dass es kaum wahrscheinlich ist, dass wir beide nochmal eine Beziehung miteinander führen würden. Ich kann es noch immer nicht nachvollziehen. Man schätzt das Positive, analysiert Schwierigkeiten und sucht nach Lösungen, aber vergebens. Sicher würde es Situationen geben, in denen er wieder ins Nachdenken käme - so seine Worte. Am Ende hörte ich aber wieder Ausflüchte wie „Lieber ein Ende mit Schrecken …“ oder dass Geflicktes selten auf Dauer hält. Er klang fast unbekümmert, irgendwie erleichtert. So als würde es ihm gut gelingen, seinen Alltag weiter zu führen, ohne die Last, sich weiterhin mit mir abstimmen zu müssen. Für mich bricht eine Welt zusammen, ich bin ins Haus meiner Eltern zurückgekehrt. Alles, woran ich in den letzten Jahren hart gearbeitet und woran ich geglaubt habe, scheint sich in Luft aufzulösen. Er kommt mir so verändert vor.
Es schmerzt mich, dass er seine Erwartungen so hoch ansetzt, dass er es nicht schätzt, wie sehr ich bereit war und bin, mein Leben zu verändern, dass er den Differenzen so viel Bedeutung beimisst. Eine Nachbarin hätte sich wohl schon gewundert, wie es mit uns funktionieren kann, weil ich so ruhig und schüchtern bin. Dabei kennt sie nur diese eine Facette von mir. Leider habe ich meine Sicht der Dinge gegenüber Menschen in seinem Umfeld kaum dargestellt. Es ist, als könne ich selbst zu ihm sagen, was immer ich will … er stimmt mir sogar zu, aber es ändert nichts an den Konsequenzen.
Ich wünschte, es würde jemand anderes etwas Positives in meinem Sinne in die Waagschale werfen. Ich bin sicher, dass gerade seine Mutter, zu der ich ein gutes Verhältnis hatte, sehr traurig sein und die Entscheidung in Frage stellen wird. Aber sie würde ihm das wahrscheinlich nie sagen. Ich kann das auch verstehen, eine Mutter stärkt halt ihren Sohn.
Ich hatte vor, ihm in 3 oder 4 Wochen noch einmal einen Brief zu schreiben, weil ich eben das Gefühl habe, dass er in Gesprächen irgendwie zu macht und nichts wirklich an sich ran lässt. Vielleicht ist die schriftliche Variante besser, dann kann er selbst entscheiden, ob und wann er sich damit auseinandersetzen möchte. Es ist wohl die Hoffnung, die mich antreibt … ich möchte kämpfen und ihm zeigen, dass es besser werden kann, dass ich an mir und an unserer Beziehung arbeiten, dass ich all das Gute nicht einfach wegwerfen will. Dabei sollte ich mich wohl eher an den Gedanken gewöhnen, ihn für immer verloren zu haben …
Danke fürs „Zuhören“. Wenn jemand etwas zu meiner Situation sagen kann, gerne …. Besten Dank !