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Nach 1 Jahr plötzlich Trennung ich bin ziemlich am Ende

_derwanderer_

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Liebes Forum,

da bin ich wieder.
Hab die letzten Tage viel hier beim lesen verbracht und merke einfach wie dreckig es mir geht. Ich bin für jede Hilfe dankbar die durch eine Zeilen kommt.
Meine Freundin (25) und ich (34) haben uns getrennt oder besser gesagt, sie hat uns getrennt.
Letzten Montag frage ich meine Ex was los ist, sie wirkte so abwesend in den letzten Tagen, ist es wegen dem Job?
Sie vereinte, ist es wegen uns fragte ich? Sie nickte und sagte sie wolle für ein paar Tage zu einer Freundin gehen und brauche gerade etwas Raum und Zeit darüber nachzudenken.
Mich erinnerte das stark an das Ende meiner letzten Beziehung, nur dass es davor oft zu Streit gekommen war.
Das war bei uns anders, wir waren morgens noch lange spazieren, hatten gerade gekocht, ich bin wirklich aus allen Wolken gefallen. Kein Streit, kein Gezicke, nichts.
Es folgte eine Woche Funkstille an die ich mich auch gehalten habe und dann am Samstag die Aussprache.
Es ging mir in der Woche total dreckig, ich ging alle Szenarien durch, überlegte wo ich wann wie vielleicht nicht aufmerksam genug gewesen sein könnte. Hab die ganze Schuld bei mir gesucht, ein Teil macht das immer noch.
Am Ende kam das raus was ich mir gedacht hatte, sie sagte sie hätte ihre innere Leichtigkeit verloren, es wäre von meiner Seite aus zu viel Negativität gewesen, zwar nicht ihr gegenüber aber insgesamt hätte sie sich davon nicht gut abgrenzen können.
Dazu muss ich sagen, dass ich Anfang des Jahres meine Antidepressiva abgesetzt habe und das auch nicht einfach war, hatte ziemliche Entzugserscheinungen und Stimmungsschwankungen. Wir waren aber immer im Gespräch darüber, klar haben meine Ängste und meine Stimmungen viel Raum eingenommen, aber sie hat immer gesagt, das ist okay, und ich solle da nicht fies zu mir selber sein, geduldig sein, sie könne damit umgehen und das hat sie mir auch so gezeigt. Sie hat mir den Raum auch gegeben.
Ich hab weiter gearbeitet, habe einen großen Freundeskreis in dem sie von Anfang an integriert war und es gab natürlich nicht nur schlechte Tage. Wir haben Sachen unternommen, zusammen gekocht, vorgelesen, mit Freunden die Abende verbracht und viel geredet.
Ich habe mir alle Mühe gegeben meine Ängste und Sorgen nicht auf sie abzuwälzen, und fand dass wir das eigentlich gut geschafft hatten uns nicht zu verstricken. Es war immer die Ansage, seine Bedürfnisse zu formulieren, dass man nicht zwischen den Zeilen lesen muss. Das man in die Selbstverantwortung geht.
Egal, irgendwann kam das Kinderthema auf, sie war da für meinen Geschmack sehr euphorisch, wo ich auf Grund meiner Familiengeschichte nicht so leicht und locker bin, ich hab ihr gesagt wovor ich Angst hab aber eben auch dass ich sie wirklich als Mama sehen kann und wenn Kinder, dann mit ihr. Ich hatte ein komisches Gefühl im Bauch, sie wollte zwar nicht jetzt sofort ein Kind aber meinte dann wiederum es sei eigentlich besser jetzt als wenn sie dann nächstes Jahr als Physiotherapeutin anfängt. Mir ging das aber etwas schnell. Ich bin selbstständig und es läuft sehr gut, aber gerade Corona hat gezeigt wie schnell sich das drehen kann und ich es erstmal gut fände wenn beide einen Job haben. Sie kannte meine Familiengeschichte, für mich war Familie eher Hölle, natürlich ist es mein Wunsch dass es unserem Kind besser geht und ich fand das einfach alles etwas schnell.
Aber auch da war kein Streit, wir hatten unsere Meinungen. Allerdings sagte sie mir am Samstag sie hätte in der letzten Zeit das Gefühl gehabt, dass wir nicht mehr diskutieren würden, sondern ich einfach sage, "du dass sind meine Gefühle dazu gerade, dass muss doch auch okay sein", sie empfand das schon als Ende der Diskussion und konnte dann nichts mehr richtig sagen, traute sich wohl nicht.
Also was mir nun auch immer klarer wird, es fällt ihr schwer ihre Meinung zu sagen, bei Dingen die ihr wirklich wichtig sind, bzw. wenn sie ihre Bedürfnisse äußert, dann ist das schon die Spitze, mehr kommt dann da nicht, sie wird nicht laut oder beharrt mal auf was.
Einzig was sie macht, sie kratzt an ihren Schultern immer wieder kleine Stellen auf wenn sie unter Druck ist, hat da viele Narben, darüber haben wir geredet und ich hab das gesehen aber da auch keinen auf Retter gemacht, wir haben einfach geredet wenn was los war und ich hab ihre Narben einfach manchmal geküsst.
Aber das war ihr Ventil.
Als wir uns am Samstag gesehen und geredet haben dachte ich immer nur, jetzt weiß ich was in dir vorging, jetzt konntest du mir mal ehrlich sagen, was dir gefehlt hat und jetzt machst du Schluss?
Ich verstehe ihre Punkte wirklich, sie ist kein böser Mensch und wir waren in der Beziehung nicht toxisch miteinander, wir haben beide geweint und auch in die Arme genommen, dann haben wir ihre Sachen gepackt.
Seit Corona wohnte sie in meiner Wohnung, wenig Platz, wenig Rückzug - sie immer nur: das ist okay und bla bla, offenbar ja doch nicht.
Ich war erst froh dass wir so gut auseinandergegangen sind, mit Respekt und ja auch Liebe auch wenn das komisch klingt, aber ich hab deutlich gespürt dass ich ihr als Mensch nicht egal bin. (Herzlichen Glückwunsch)
Mittlerweile ist mehr Wut in mir, ich fühle mich unfair behandelt und irgendwie betrogen und verraten- oh und weggeworfen auch
Seit Samstag sind nun einige Tage vergangen, sie hat hier noch ein paar Pflanzen, da erreicht mich heute eine Nachricht von ihr, wie wir das denn machen wollen mit abholen, ich hatte ihr am Samstag noch angeboten ihr dabei zu helfen.
Der Ton ihrer Nachricht war so hart, schon voll locker, floskelhaft, meilenweit von dem Punkt entfernt wo ich bin.
Ich hab ihr geschrieben, sorry ich wollte dir gerne helfen, aber ich glaube nicht dass es gut ist wenn wir uns wiedersehen. Sie hat ja noch einen Schlüssel und soll das bitte selber machen, darauf von ihr, wie Leid ihr alles tut usw.

Soweit. Aber ehrlich ich bin total am Ende. Sie hat mir immer wieder gespiegelt dass alles okay ist und ich hatte vielleicht zum ersten Mal die Erfahrung gemacht einfach sein zu dürfen, mir Liebe nicht verdienen zu müssen. Und jetzt stößt mich dieser Mensch weg. Keine Zweifel ihrerseits, kein vielleicht doch nochmal probieren.
Ich penne seitdem bei Freunden, kann kaum in die Wohnung (die meine Wohnung ist, und schon vorher war)
esse kaum noch und schleppe mich zur Arbeit. Nachts Flashbacks und tiefste Verlassenheitsgefühle, die wohl eher aus der Kindheit hochkommen.
Aber ich mag einfach nicht mehr, ich will nicht wieder als Single leben oder mich wieder auf irgendwen einlassen, mein Vertrauen ist so erschüttert.
Bin gerade nur noch im Survivalmodus, weiß nicht wohin mit mir. Rede mit meinen Freunden meiner Familie, aber es reicht nicht. Bestimmt spielt auch das Absetzen eine Rolle, meine Nerven waren ja erst auf dem Weg sich zu erholen, hab das Zeug über 10 Jahre genommen, aber gerade fühlt sich alles falsch an, ich will mein altes Leben nicht zurück. Sorry für das ganze Selbstmitleid, ein Teil in mir geht voll in die Opferrolle, fühlt sich klein und ohnmächtig. Danke für das Forum hier, zu lesen dass ich nicht allein bin, gibt mir ein bisschen Trost.

27.08.2020 18:41 • x 2 #1


Begonie


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Ich verstehe gut, wie Du Dich jetzt fühlst. Irgendwie verraten, weil Du keine Ahnung hattest und weggeworfen. Das ist die ersten Wochen - wie Du sicher weißt - immer ganz schlimm und man sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Man lebt irgendwie weiter, funktioniert wie es eben geht, aber innerlich ist eine große Traurigkeit und Perspektivlosigkeit.
Nach den ersten schlimmen Wochen kommt dann eine Art Akzeptanzphase. Es ist wie es ist. Es ist nicht schön, aber der Schmerz lässt etwas nach, kommt aber phasenweise wieder heftig. Aber man kommt dann aus der Dauertraurigkeit raus.

Was kansnt Du tun? Nichts, sondern es als gegeben hinnehmen. Sie hatte den Gedanken an eine Trennung sicher schon länger, hat ihn aber vielleicht auch noch selbst verdrängt und sie hat womöglcih geglaubt, dass diese Phase wieder vergeht. Aber im Endeffekt hat sie sich innerlich schon getrennt und schließlich musste sie es Dir mitteilen. Das trifft jeden sehr hart, weil er nicht vorbereitet ist. Di fühlst eine totale Machtlosikeit, die auch zu einer Art Starre führen kann, Und Du fragst Dich ständig, warum nur, warum? Wo war der entscheidende Punkt, der das auslöste?

Ich glaube, diesen einen Punkt gibt es nicht, es ist eine Summe von Begebenheiten, die Jemand zu einer Trennung veranlasst. Sie hat einen "Informationsvorsprung", sie hat sich entschieden und Du bist dem hilflos ausgesetzt.
Ich kann Dir nur sagen, es wird besser, schon nach den ersten Wochen wirst Du diesen jaulenden Schmerz nicht mehr permanent fühlen, aber dann bist Du auch noch lange nicht über den Berg.

Zitat von _derwanderer_:
Das war bei uns anders, wir waren morgens noch lange spazieren, hatten gerade gekocht, ich bin wirklich aus allen Wolken gefallen. Kein Streit, kein Gezicke, nichts.

Die Auszeit war aber schon ein erster leiser Hinweis zur Distanzierung. Da liegt meist schon was im Argen, wenn Jemand eine Auszeit braucht.

Zitat von _derwanderer_:
Das war bei uns anders, wir waren morgens noch lange spazieren, hatten gerade gekocht, ich bin wirklich aus allen Wolken gefallen. Kein Streit, kein Gezicke, nichts.

Es muss nicht immer mit Getöse aufhören, sondern es kann ganz still und leiste geschehen.

Zitat von _derwanderer_:
Am Ende kam das raus was ich mir gedacht hatte, sie sagte sie hätte ihre innere Leichtigkeit verloren, es wäre von meiner Seite aus zu viel Negativität gewesen, zwar nicht ihr gegenüber aber insgesamt hätte sie sich davon nicht gut abgrenzen können.

Damit hat sie Dir den Trennungsgrund mitgeteilt. Du hast negative Gedanken, negative Stimmungen, denen sie nicht aktiv begegnen konnte. Du hast die Tabletten abgesetzt und das macht sich bemerkbar. Ich kenne das von meinem Mann, der auch Antidepressiva nimmt. Erst dachte er, wenn er mal im Ruhestand ist, wird es besser, aber es wurde auch dadurch nicht besser. Im Gegenteil, wenn er die Dosis reduzierte, wurde es wieder schlimmer. Ich kenne es sofort an seinem Gesichtsausdruck, wenn er wieder Gefahr läuft, in negative und düstere Stimmungen abzurutschen. Er braucht die Tabletten, weil sonst die Gedankenmühlen wieder verstärkt auftreten. Es ist nicht einfach, damit umzugehen, denn wenn es der Partner ist, spürt man es einfach. und natürlich macht man sich dann auch Gedanken. Was kann ich tun? Meistens nichts, das ist ja das Schlimme. Depressioen sind heimtückisch und können immer wieder kommen.
Sie ist 25, sie will Lebensfreude spüren, sie will ausgehen, sie will ihre Zeit schön verbringen und die angenehmen Seiten des Lebens genießen. Da ist ein despressiver Partner wie ein Bremsklotz und zieht einen selbst mit runter.

Zitat von _derwanderer_:
und das auch nicht einfach war, hatte ziemliche Entzugserscheinungen und Stimmungsschwankungen. Wir waren aber immer im Gespräch darüber, klar haben meine Ängste und meine Stimmungen viel Raum eingenommen, aber sie hat immer gesagt, das ist okay, und ich solle da nicht fies zu mir selber sein, geduldig sein, sie könne damit umgehen und das hat sie mir auch so gezeigt. Sie hat mir den Raum auch gegeben.

Sie wollte das aushalten, aber über die Monate merkte sie, dass es sie einschränkte. Das verstehe ich, das kenne ich auch.

Zitat von _derwanderer_:
Es war immer die Ansage, seine Bedürfnisse zu formulieren, dass man nicht zwischen den Zeilen lesen muss. Das man in die Selbstverantwortung geht.


Da sind immer die guten Vorsätze, die ein Gelingen gewährleisten sollen, aber dann schlagen die inneren Dämonen wieder zu und von den Vorsätzen ist nicht mehr viel übrig.

Zitat von _derwanderer_:
Egal, irgendwann kam das Kinderthema auf, sie war da für meinen Geschmack sehr euphorisch, wo ich auf Grund meiner Familiengeschichte nicht so leicht und locker bin, ich hab ihr gesagt wovor ich Angst hab aber eben auch dass ich sie wirklich als Mama sehen kann und wenn Kinder, dann mit ihr. Ich hatte ein komisches Gefühl im Bauch, sie wollte zwar nicht jetzt sofort ein Kind aber meinte dann wiederum es sei eigentlich besser jetzt als wenn sie dann nächstes Jahr als Physiotherapeutin anfängt.

Der Kinderwunsch mit 25 erscheint mir eine Art Flucht zu sein. Sie hat offenbar ihre Ausbildung beendet und anstatt arbeiten zu gehen, wollte sie nun lieber ein Kind. Kommt mir vor, als wollte sie das Arbeiten vermeiden. Und da Du den Wunsch nciht aktiv unterstützt hast, sah sie keine Perspektive mehr.

Zitat von _derwanderer_:
"du dass sind meine Gefühle dazu gerade, dass muss doch auch okay sein", sie empfand das schon als Ende der Diskussion und konnte dann nichts mehr richtig sagen, traute sich wohl nicht.

Ich kann sie da verstehen. Du stellst Dich auf Deine Position und was soll sie dann noch sagen? Sie hatte das Gefühl einer Wand vor sich, dier sie nichts entegegen setzen kann. Und so fraß sie es in sich rein.

Zitat von _derwanderer_:
es fällt ihr schwer ihre Meinung zu sagen, bei Dingen die ihr wirklich wichtig sind, bzw. wenn sie ihre Bedürfnisse äußert, dann ist das schon die Spitze, mehr kommt dann da nicht, sie wird nicht laut oder beharrt mal auf was

Ihr Kommunikationsmuster ist, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Sie sagt dann nciht mehr viel oder denkt sich und fühlt, egal was ich sage, es kommt ja doch nicht an. Das führt zu innerer Frustration, auch wenn sie quasi selbst mit daran "schuld" ist. Aber es liegt nicht jedem, lautstark und bestimmt die eigene Meinung zu vertreten. Das liegt auch oft in der Kindheit begründet. Man hat nicht gelernt, eigene Bedürfnisse zu formulieren und zieht sich bei Konfliktthemen zurück.

Zitat von _derwanderer_:
Aber das war ihr Ventil.

Das gibt mir zu denken. Selbstverletzung als Ventil. Da brütet sie einiges in sich aus und muss sich dann wieder fühlen und das geht am besten, indem sie sich weh tut und Wunden nicht heilen lässt.
Ich war mal mit einem zusammen, dessen frühere Freundin diese Tendenzen auch hatte. Das ist die Folge eines massiven inneren Drucks, mit dem sie nicht umgehen kann.
Ich denke, dass seine Exfreundin unter der Kommunikationslosigkeit in der Beziehung litt und sich die inneren Konflikte dann so äußerten. Sie ging damals auch in Therapie. Ob es was geholfen hat, weiß ich nicht, aber die Beziehung ging eh zu Ende.
Wahrscheinlich hat sie auch Probleme mit dem Selbstwert, dann können solche Tendenzen auftreten, sozusagen eine Aggression gegen sich selbst.

Zitat von _derwanderer_:
Als wir uns am Samstag gesehen und geredet haben dachte ich immer nur, jetzt weiß ich was in dir vorging, jetzt konntest du mir mal ehrlich sagen, was dir gefehlt hat und jetzt machst du Schluss?

Kann ich verstehen, aber der Zug war für sie schon abgefahren. Sie konnte erst darüber reden, als ihre Entscheidung feststand. Sie wollte Dir damit nicht etwa weh tun, aber ich denke, auch bei ihr ist eine große Last abgefallen.

Zitat von _derwanderer_:
Mittlerweile ist mehr Wut in mir, ich fühle mich unfair behandelt und irgendwie betrogen und verraten- oh und weggeworfen auch

Wie sollte es anders sein? Sie hat ihren Entschluss im Geheimen gefasst und ich glaube, es ist ihr sicher nicht leicht getan. Aber wie bitte soll man eine Trennung sozialverträglich aussprechen? Geht einfach nicht, der Verlassene fühlt sich immer verraten und verkauft. So, als ob man weggeworfen wird wie ein alter Putzlappen, der ausgedient hat.

Zitat von _derwanderer_:
Nachts Flashbacks und tiefste Verlassenheitsgefühle, die wohl eher aus der Kindheit hochkommen.

Auch Du lebst da viel nach, was Du von früher mit Dir mitschleppst und in solchen Phasen bricht das wieder richtig auf.
Du kennst diese Gefühle, seit Du denken kannst.

Zitat von _derwanderer_:
ch war erst froh dass wir so gut auseinandergegangen sind, mit Respekt und ja auch Liebe auch wenn das komisch klingt, aber ich hab deutlich gespürt dass ich ihr als Mensch nicht egal bin. (Herzlichen Glückwunsch)

Ich verstehe die Ironie in Deinen Worten voll und ganz. Erst denkt man sich, man hat es mit Format abgewickelt, aber im Grund genommen ist man doch nur der Depp.
Ja, sie mochte Dich sicher gerne, mag Dich immer noch, aber sie will Dich nicht mehr als Partner haben. Davon kannst Du Dir jetzt auch keine Wurstsemmel kaufen.

Zitat von _derwanderer_:
Seit Corona wohnte sie in meiner Wohnung, wenig Platz, wenig Rückzug - sie immer nur: das ist okay und bla bla, offenbar ja doch n

Sie hat es nicht gelernt, über sich zu reden und Konfliktfälle anzusprechen. Und dann wart Ihr einfach sehr eng aufeinander gesessen und sie hatte wenig Möglichekiten, dem zu entfliehen.

Zitat von _derwanderer_:
Sorry für das ganze Selbstmitleid, ein Teil in mir geht voll in die Opferrolle, fühlt sich klein und ohnmächtig.

Kenne ich gut. Ich wurde auch des öfteren verlassen und meist wurde ich verlassen. Das gab mir dann doch irgendwann zu denken.Es ist, als ob man unbewusst das Verlassenwerden mit herbei führt, weil man die Situation der totalen Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht nachleben muss. Immer wieder, bis man sich selbst ändert. Dann kann es besser werden. Das Leben schickt uns in wiederkehrende Situationen, weil Dir Dein Unterbewusstsein damit etwas sagen will. Kümmere Dich mal darum, lebe nicht einfach so dahin und verdränge es. Da muss was aufgelöst werden in Dir. Das geschieht alles unbewusst, Du hast keinen Einfluss darauf. Aber Du spürst die Konsequenzen. Du hast Kindheitstraumata in Dir, die noch nicht bewältigt sind und dann stösst Dich Deine Seele immer wieder drauf. Verlassenwerden ist oft auch eine Botschaft Deines Inneren.

Was war denn mit Deiner Familie? Du sprachst von Hölle. Da muss was Schlimmes gewesen sein und so was ist immer eine belastende Hypothek im Leben.

Tatsache ist, sie ist weg und sie kommt nicht wieder. Das ist der Fakt, die Kröte, die Du schlucken musst. Die ist unverdaulich und es dauert seine Zeit. Wenn der ärgste Trennungsschmerz vorbei ist, solltest Du nochmals bei Deinem Ursprungsthema ansetzen und das zulassen, was war. Das Verdrängte drückt immer nach oben und tut ein zerstörerisches Werk. Aber es muss nicht so bleiben. Auch Menschen mit einer Hypothek können ein zufriedenstellendes, ja sogar glückliches Leben führen, aber dazu muss man erst mal bei sich ankommen.
Bist du noch in Behandlung?

Begonie

27.08.2020 19:33 • x 1 #2



Nach 1 Jahr plötzlich Trennung ich bin ziemlich am Ende

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_derwanderer_


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Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich habe eben nochmal mit ihr telefoniert wegen dem Ablauf am WE und es ist genau wie du sagst, es war einfach zu viel für sie und sie hat da nicht gut genug für sich gesorgt und es sie quält sich auch mit Vorwürfen.

Als ich die Tabletten abgesetzt habe gab es unterschiedliche Phasen, je nach Schritt mal besser, mal schlechter. Ich war nicht durchweg negativ, aber die Tendenz war auf jeden Fall da und eben auch mit allem was dazugehört, auch Nähe ist dann schwer aushaltbar, weil man es ja auch mit sich selbst nicht gut aushält.

Ich bin in Behandlung, allerdings keine klassische Therapie mehr, sondern mache eine Transaktionsanalyse, was mir schon sehr viel geholfen hat, allerdings diese Traumabruchteile kommen erst jetzt deutlich hoch.

Meine Mutter ist Borderline und wir haben als Kinder oft schlimmste Ausbrüche erleben müssen, immer auch wieder massive Verlassenheitsängste. Manchmal ist sie gegangen und sagte sie kommt nie wieder und wir hatten schreckliche Angst. Liebesentzug, Schuldzuweisung, Alk. und Angst sie könnte sich etwas antun, also da war viel Leid...

Ich hatte den Eindruck dass durch die Beziehung zu meiner Ex plötzlich ganz viel hochkam, bewusst und unbewusst was einfach gesehen werden wollte, sie hat mir ja gefühlsmäßig den Raum dafür gegeben, da kam dann eine starke Bedürftigkeit hoch. Ich versuche mich so gut es geht dafür nicht zu verurteilen, aber für meine Seele war es Balsam dass da jemand ist und sagt das darf sein. Klar das ist eigentlich meine Aufgabe, aber es passierte einfach, sicher auch angetrieben durchs absetzen.
Ich war, ironischerweise, vor 3 Wochen an einem guten Punkt, wo ich gemerkt hab, es pendelt sich langsam alles ein.

Das mit der Ohnmacht ist sehr interessant, es scheint mir auch so, dass ich genau diesen Moment wieder erleben muss. Aber wie ändere ich etwas an den alten Gefühlen? Ich hatte mal geschaut ob ich in Berlin eine Traumatherapie machen kann, aber alle Wartelisten sind voll. Ich würde gerne an diesen Themen arbeiten... Hab mir ein Buch über Somatic Experience geholt vielleicht ist das ein Weg, aber ich bin auch gerade noch viel zu durcheinander. Liebe apathisch auf dem Bett und starre die Wand an- das Schreiben tut gut...

27.08.2020 20:37 • #3


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Hey Wanderer, schau mal das Du erstmal in Deine Wohnung zurück kommst und von dort aus Dein Leben wieder aufbaust. Jetzt rastlos bei Freunden abzuhängen bringt Dich nicht weiter. Klar, Du brauchst einen Plan. Also, Wohnung umdekorieren, vielleicht braucht die Wohnung eh einen neuen Anstrich. Farbe holen und Veränderung reinbringen. Und Du hast was zu tun. Ihre Pflanzen stellst Du ihr in den Flur und Du gibst ihr ne Frist diese abzuholen und den Schlüssel in Deinen Briefkasten zu werfen. Fertig ist die Geschichte.
Ob die Beziehung so "untoxisch" war bezweifel ich übrigens. Mit der Selbstverletzung zeigt sie eins der Symptome, welches Du wahrscheinlich auch sehr gut aus Deiner Kindheit kennst - wenn es nicht direkte Selbstverletzung war dann auf andere Art und Weise. Und natürlich hat Dich das alles angetriggert, da Du das BL-Schema halt kennst. Ob sie BL ist, kann nur ein Fachmann sagen.
Vielleicht schaust Du auch mal im Berliner Umland, ob es da vielleicht einfachere Therapiemöglichkeiten für Dich gibt.
Wichtig ist jetzt, dass Du eine strikte Kontaktsperre fährst. Die Trennung war "ganz okay". Sowas kann noch zig fach bösartiger abgehen, da bist Du noch "gut" weggekommen.

27.08.2020 21:10 • #4


Corty


Zitat:
klar haben meine Ängste und meine Stimmungen viel Raum eingenommen, aber sie hat immer gesagt, das ist okay, und ich solle da nicht fies zu mir selber sein, geduldig sein, sie könne damit umgehen und das hat sie mir auch so gezeigt. Sie hat mir den Raum auch gegeben.

Deswegen sind Worte immer nur Worte. Eigentlich musst du nur logisch darüber nachdenken. Welcher Mensch möchte schon dauerhaft mit einem Menschen zusammenbleiben, bei dem sagen wir mal so viel Negativität herrscht? Sie wird es eine Zeit lang versucht haben, sie wird sich auch bemüht haben, aber wenn das Negative zu viel und zu lange für sie vorherrscht, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie keine Lust mehr darauf hat. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, was sie alles mal gesagt hat.

Da stehst du also nun. Im Optimalfall sollte eine Beziehung das Leben beider Menschen bereichern, da bleibt nicht viel Spielraum für launisch sein usw. Aber das weist du eh selber. Womöglich ist es sogar sehr gut für dich, dass du jetzt wieder "alleine" dastehst. Kannst dich ohne Ablenkung auf deine Problemchen fokussieren. Man sieht du willst das alles in den Griff kriegen, also von da her bist du auf einem guten Weg.

27.08.2020 21:29 • #5


_derwanderer_


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okay... ich versuche die Nacht in meiner Wohnung zu schlafen, mal sehen wie sich das anfühlt...

27.08.2020 21:56 • x 1 #6


Urmel_

Urmel_


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Zitat von _derwanderer_:
Egal, irgendwann kam das Kinderthema auf, sie war da für meinen Geschmack sehr euphorisch

Wann war das Gespräch wegen einem Kind?

27.08.2020 22:11 • #7


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Super, das ist ein erster Schritt. Morgen hast Du dann einen kleinen Renovierauftrag. Du planst mal was Du kurzfristig verändern kannst. Fahr mal zu Poco / in einen Baumarkt und hol Dir mal ein paar neue Sachen für die Wohnung. Insb. Bilder und Pflanzen geben hier gleich einen frischen neuen Look. Ansonsten findest Du immer Ansprechpartner hier. Du packst das.

27.08.2020 22:32 • #8


_derwanderer_


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Das kam so vor 3-4 Monaten auf und begleitete uns dann immer wieder... Freunde von uns sind schwanger geworden und das hat bei uns natürlich auch die Frage aufgeworfen...

28.08.2020 08:03 • #9


_derwanderer_


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Zitat von Gorch_Fock:
Super, das ist ein erster Schritt. Morgen hast Du dann einen kleinen Renovierauftrag. Du planst mal was Du kurzfristig verändern kannst. Fahr mal zu Poco / in einen Baumarkt und hol Dir mal ein paar neue Sachen für die Wohnung. Insb. Bilder und Pflanzen geben hier gleich einen frischen neuen Look. Ansonsten findest Du immer Ansprechpartner hier. Du packst das.


Ja die Nacht war hart. Schweißausbrüche, Herzrasen und ein Albtraum nach dem anderen. Aber ich stehe noch.
Ich fahre gleich zu einem Coaching, mal sehen ob das stabilisiert und dann zur Arbeit.
Das mit den Pflanzen ist eine gute Idee, gerade jetzt wo sie ihre alle mitnehmen wird...

28.08.2020 08:14 • #10


_derwanderer_


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So war heute morgen bei einer Therapeutin und sie hat eine Art Intervention gemacht, wo man versucht das innere Kind erstmal zu stabiliseren. War heftig und es sind viele Tränen geflossen. Danach war ich so müde, dass ich mich zu Hause ins Bett gelegt habe. Habe mir auf dem Rückweg zwei neue Pflanzen geholt, fühlte sich nicht gut an, aber was erwarte ich auch.
Heute Abend wollen ein paar Freunde zu mir kommen und dann kochen wir was, ich habe überhaupt keine Lust darauf, aber ich versuche mich zu überwinden. Gleich noch was arbeiten.
Dann kommt das Wochenende, es graut mir davor, alle Freunde bieten sich an, aber ihr wisst was ich meine, es ist eben freie Zeit alleine. Überhaupt Zeit- ich hab total das Zeitgefühl verloren, ich denke nur noch von Moment zu Moment, alles andere ist gerade nicht vorstellbar. Der kleine Mittagsschlaf hat gut getan, Gott ich bin so erschöpft von den ganzen Gefühlen und dem Kopfkarussel.

28.08.2020 13:20 • #11


Begonie


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Das innere Kind ist eine wichtige Sache, denn meistens wird es achtlos in die Ecke gestellt. Man kümmert sich nicht drum, findet auch keinen Grund dafür. Die Folge ist, dass das Kind sich anderweitig bemerkbar macht, z. B. dazu beträgt, dass man Wutanfälle aus geringem Anlass bekommt, seine Impulse nur schlecht bis gar nicht kontrollieren kan oder auch scheinbar grundlos traurig wird und keine Hoffnung mehr hat.
ich denke, dass es wichtig ist, dieses innere Kind anzunehmen und mit ihm in Verbindung zu treten. Anzuerkennen, dass es im Grund genommen z.B. ängstlich und verzagt ist und sich quasi drum zu kümmern. Z.B. in einen inneren Dialog treten. Der könnte vielleicht so aussehen: Ja, ich weiß, heute haben wir beide einen schlechten Tag. Da denken wir wieder daran, dass unser Leben doch sehr hoffnungslos aussieht und wir fühlen uns verlassen und weinerlich. Aber ich glaube, gemeinsam können wir das schaffen und uns helfen. Ich helfe Dir und Du mir und das üben wir und dann wird es vielleicht doch noch besser mit uns.

So, in etwa könnte ich es mir vorstellen. Anstatt das innere Kind weg zu schieben, nähert man sich ihm an. Es gibt ein Buch darüber von Stefanie Stahl: Das in Dir muss Heimat finden.

Das ist ein schöner Gedanke, wie ich finde.Man integriert damit Persönlichkeitsanteile, die einem unbekannt oder auch lästig sind.
Ich habe das Buch noch nicht gelesen, es soll aber recht hilfreich sein.

Ich denke auch, dass es wichtig ist anzerkennen, warum das innere Knd traurig oder vielleicht auch wütend ist. Da bist Du dann bei der ursachenforschung. Du hast ja einiges durchaus erkannt. Die schwierige Persönlichkeit Deiner Mutter hat Dich innerlich sehr verunsichert. Ängste waren die Folge, insbesondere Verlassensängste. Die trägst Du jetzt in jede Beziehung und führen oft zu einer Art Klammerfeflex. Man möchte den Partner an sich binden, sich versichern, dass er bleibt und vereinnahmt ihn oft genug unbewusst. Ich denke, man muss sich der eigenen Verhaltensweisen bewusst werden, darüber nachdenken und auch die schlechten Gefühle zulassen, die damit einhergehen. Wenn es gelingt, einige unbewusste Verhaltens- und Denkmuster auf die bewusste Ebene zu holen, kann man die Impulse auch besser einreihen und evt. kontrollieren.
Wie das genau geht, weiß ich auch nicht , aber dafür gibt es ja auch Psychologen oder Psychotherapeuten.

Sagen wir mal, Du bist in einer Beziehung und spürst Verlassensängste. Die Partnerin war in letzter Zeit komisch, wirkt desinteressierter, will mehr Zeit für sich. Du spürst Verunsicherung und Angst und Bedenken. Was jetzt? Du fängst unbewusst an, zu klammern. willst sie für Dich interessieren, willst mit ihr darüber reden oder kommst sogar mit Vorwürfen. Du tust genau das was kleine Kinder tun. Bei Angst flüchten sie sich zur Mutter, Du bist erwachsen, aber brauchst auch die Versicherung und wendest Dich an die Partnerin. Die soll Dir beweisen, dass Du geliebt wirst und das für immer. Partnerinnen sind aber keine Mütter.
Du übst dann Druck aus um Dich zu beruhigen und engst sie dadurch ein. Sie spürt das irgendwann wie einen Klotz am Bein oder eine Schlinge um den Hals. Ich kann nicht mehr ich sein, wei ich bin, passt ihm nicht, er lässt mir keine Freiräume. Dann muss sie dem Druck ausweihen und verschwindet - für einige Stunden, Tage, Wochen oder gar für immer.
Und Du bleibst zurück und hast die sich selbst erfüllende Prophezeihung geschafft: Du wurdest verlassen!
Deine Mutter hat Dich verlassen Deine Freundin ist gegangen. Zurück bleibt ein psychisches Wrack, das wieder Mal eins auf den Deckel gekriegt hat.
Dann kommt irgendwann die Nächste und es klappt wieder nicht. Einfach deswegen, weil die Seele Dich in die Wiederholung schickt. Immer in der Hoffnung, dass dieses Mal endlich das Gegenteil eintritt und die Ängste sozusagen geheilt werden. Du machst wieder dieselben Fehler, die Du eigentlich nicht machen solltest, aber unbewusst doch tust. Und dafür brauchst Du auch die geeignete Zielscheibe. Deinen Partnerinnen haben Gemeinsamkeiten. Und die Seele dockt dort an, wo sie etwas wittert, wo sie getriggert wird. Kann aber gut sein, dass die Partnerwahl unbewusst so aussieht, dass das Scheitern schon vorprogrammiert ist.

Sie ist 25, Du fast 10 Jahre älter und Du schreibst hier wie ein selbstmitleidiges kleines Kind, das zwar alles richtig machen wollte (denke nur an Eure "Vereinbarungen"), aber dennoch die Partnerin eher zu einer Art Therapeutin gegmacht hast. Sie musste und sollte Deine Schwankungen aushalten, sie ausgleichen, Dir vlt. helfen. Das ist viel verlangt. Ich bin fast 60 und kann halbwegs mit den Depressionen meines Mannes umgehen, die meistenteils sehr milde verlaufen, aber mit 25 kann man das nicht. Da will man leben, Spaß haben, sich ausprobieren, ausgehen, Freunde treffen, was unternehmen und nicht die Stimmungen eines wesentlich älteren Partners aushalten.
Es wundert mich nicht, dass sie ging, es passt schon vom Alter her nicht. Du bist halbwegs erwachsen oder solltest es sein, sie ist noch in ihrer Jugend. Sie wird vielleicht noch eingie Männer verschleißen.

Ich will Dich hier nicht kritisieren, denn Du hast es zweifellos schwer und für vieles kannst Du nichts. Das haben andere verbockt. Es ist aber doch wichtig, das anzuerkennen. Deine Mutter hat sich in vielem nicht gut verhalten, Dir kein Urvertrauen vermitteln können, aber sie hat sich doch um Dich gekümmert, wie es ihr eben möglich war. Viel mehr ging halt nicht, denn sie war ja wahrscheinlich psychisch krank. Da musst Du auch nachsichtig sein. Es war nicht gut, was war, aber das gehört eben zu mir und das werde ich nie mehr ablegen können. Also lebst Du eben mit dem Rucksack.Es ist Dein Schicksal, aber es muss Dir nicht den Rest des Lebens kaputt machen.

Wenn Du kein Urvertrauen hast, sind meistens Bindungsstörungen die Folge. Die einen verteidigen ihren Freiraum und führen immer wieder Distanz zum Partner herbei und stellen ihn sozusagen kalt. Die anderen wiederum gehen den anderen Weg und fangen an sich die Liebe beweisen lassen zu wollen. Durch Nachfragen, durch ständiges Eindringen und Nachbohren, durch Eifersucht, durch Klammern. Beides ist ungesund, weil beides Bindugnen boykottiert. Beide haben Bindungsängste und leben sie unterschiedlich aus.Und beide haben eines gemeinsam: innere Ängste, die im Alltag oft verborgen bleiben und ein kleines Selbstgefühl. Mangelnden Zugang zum Inneren Kind, aber auch die innere Gewissheit, dass man eigentlich nicht gut genug ist.
Das Selbstwertgefühl ist chronisch unterentwickelt und muss von außen gefüttert werden. Vielleicht durch beruflichen Erfolg oder durch Flirtereien und damit "Ankommen" beim anderren Geschlecht, durch Nebenbeziehungen (ich bin ja so attraktiv!) oder eben durch ein unbewusstes Klammern an einen Partner. Solange der mich liebt, ist alles in Ordnung, aber seltsamerweise ist die Liebe doch nie genug.

Man sucht im außen nach Hilfe, die nicht kommt, anstatt sich damit abzugeben, eine gute Einstellung zu sich selbst zu finden. Ich denke, es ist für Dich wichtig, Dein Selbstwertgefühl zu stärken. Du bist vermutlich innerlich verzagt und ängstlich und da musst Du zu mehr innerer Stablität finden. Ich bin gut, ich bin gut genug und kann mit Anderen mithalten und dafür, dass ich keine so guten Startvoraussetzungen habe, habe ich viel erreicht. Ich bin gutwillig, freundlich, vielleicht fleißig und ich bin in Ordnung wie ich bin.
Wenn Du irgendwann mal dahin kommen könntest, könntest Du Dir selbst helfen und besser mit Dir zurecht kommen.

Dazu ist es jetzt zu früh, denn Du bist überfordert und panisch. Deine Welt ist aus den Fugen geraten und Du kannst jetzt nur Schadensbegrenzung betreiben.
Wenn Du irgendwann Abstand gefunden hast, kannst Du mal über die Beziehung nachdenken und sie sozusagen anschauen wie ein Zuschauer ein Zwei-Personen-Stück. Du wirst Dinge erkennen, die Du nciht unbedingt sehen willst, aber genau das musst Du anschauen. Die Beziehung war nicht so gut, wie Du sie schilderst, denn die Beziehung war so was wie Dein Rettungsanker. Ich glaube, Du hast das Mädel schlichtweg überfordert. Aber ohne böse Absicht.

Es gibt viel zu tun, aber das geht nicht schnell. Erst mal innerlich irgendwann zur Ruhe kommen, wenn die ärgsten Gefühlswallungen abklingen wie Sehnsüchte, Tränen, Herzschmerzen, vielleicht auch Wut auf Dich und sie und Deine Mutter.
Und dann allmählich, wenn Du viel Abstand gefunden hast, werden Dir manche Dinge klarer werden. Über sie und auch über Dich. Und dann erst kannst Du anfangen, Dich besser um Dich selbst zu kümmern. Also rechne da mal mit Monaten, aber nicht mit wenigen.
Derweil kannst Du ganz normal weiter leben, arbeiten, Freunde treffen, aber es kann ein innerer Reifeprozess eintreten, wenn Du mehr bei Dir bist, Dich um Dich kümmert, Dein inneres Kind an die Hand nimmst.

Zitat von _derwanderer_:
, Gott ich bin so erschöpft von den ganzen Gefühlen und dem Kopfkarussel.

Glaube ich Dir, das schlaucht ungemein. Du kannst auch ein Bierchen zur Entspannung triniken, das hilft ein wenig.

Zitat von _derwanderer_:
Heute Abend wollen ein paar Freunde zu mir kommen und dann kochen wir was, ich habe überhaupt keine Lust darauf, aber ich versuche mich zu überwinden. Gleich noch was arbeiten.

Das ist die richtige Strategie. Sich nicht nur in Selbstmitleid flüchten, sondern sich sagen, jetzt erst recht. Und auch dass die Freund kommen, ist wirklich prima. Du wirst sehen, dass Du einen schönen Abend haben wirst, jedenfalls einen besseren, als wenn Du allein daheim rumhockst. Die Freund werden frischen Wind reinbringen und zeitweise die schlecnten Gedanken verscheuchen.

Zitat von _derwanderer_:
alle Freunde bieten sich an, aber ihr wisst was ich meine, es ist eben freie Zeit alleine.

Nimm das an, das ist hilfreich, wenn Du jetzt nicht alles allein aushalten musst und auch wenn es nur ab und zu Ablenkung ist, ist es besser als zu Hause über immer dasselbe zu brüten. Komm raus aus der Bude, verkriech Dich nicht ins Schnecienhaus, sondern verbringe Zeit mit anderen Menschen.
Das ist aktive Selbsthilfe. Klar, es ist wie Du sagst, "Freizeit allein", aber besser als ganz allein. Die Freunde sind zur Zeit das Beste, was Du hast und sind besser als keine Freunde. Aber bitte jammere sie nicht permanent zu, das langweilt irgendwann. Außerdem triffst Du sie nicht zum Jammern und Heulen, sondern um ein wenig Freude in den grauen Alltag zu bringen. Sie sind genaus das Richtige für Dich und das Beste, was Dir jetzt passieren kann. Unterschätz das nicht und werte es nicht ab!

Jetzt reißt Du dich mal zusammen, schneuzt Dich aus und tust was. Dann hast Du ein besseres Gefühl, als wenn Du nichts tätest. Und dann sagst Du, dass heute Abend Sandra und Olaf kommen und ihr Euch was Gutes kocht und bei einer schönen Flasche Wein esst. Was gibt es denn? Würde mich wirklich sehr interessieren, weil ich selbst gerne esse und koche.

Kopf hoch, lieber Wanderer, das wird schon. Du hast ja auch eine Therapeutin, wo Du wohl ab und an aufschlagen kannst. Vielleicht kann sie Dir sagen, wie Du das innere Kind findest, anerkennst und Dich seiner annimmst.
Wenn Du darin besser geworden sein wirst, wirst Du auch andere Beziehungen führen können. Vielleicht reifere als jetzt.
Hab Mut, es wird alles gut - irgendwann.

Begonie

28.08.2020 14:37 • #12


_derwanderer_


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So nun sind einige Tage vergangen und ich hab das alles mal sacken lassen. Der Schmerz ist natürlich da aber verändert sich auch, die ewigen Schuldspiralen werden weniger. Das ist schon mal gut.

Zitat:
Sie ist 25, Du fast 10 Jahre älter und Du schreibst hier wie ein selbstmitleidiges kleines Kind, das zwar alles richtig machen wollte (denke nur an Eure "Vereinbarungen"), aber dennoch die Partnerin eher zu einer Art Therapeutin gegmacht hast. Sie musste und sollte Deine Schwankungen aushalten, sie ausgleichen, Dir vlt. helfen. Das ist viel verlangt


Das ist so nicht ganz richtig. Ich habe sie natürlich zu gar nichts gemacht, aber wir haben beide viel über unser Innenleben gesprochen und meine Erwartung war nicht, hey bitte gleiche mich aus oder rette mich. Aber wenn sie mich fragt wie es mir geht dann werde ich auch sagen was ich empfinde, nur fällt es mir sehr leicht über diese Dinge zu reden, das ist für andere Menschen manchmal schwerer. Und das hat genau soviel Raum eingenommen, wie sie den Raum gegeben hat.
Und ja zwischen uns lagen fast 10 Jahre, aber das war sonst nie irgendwie auffällig. Ich verstehe total was du meinst, wenn man das so liest denkt man, ja die ist halt noch jung, aber sie wirkte so reif, so reflektiert und bei sich, das war für uns alle Freunde, Familie nie Thema.
Aber das frage ich mich schon auch gerade. Irgendwas stimmte da ja dann auch nicht. Sie ist ein totaler Spürmensch, fühlt viel und kann sich offenbar nicht gut abgrenzen, auch wenn sie das nie gesagt hat. Ich muss ehrlich gestehen ich habe kaum Erfahrung mit Menschen die so sind wie sie. Meine Ex davor konnte nicht gut über ihre Gefühle sprechen und oft hat sie die Schuld für ihre Gefühle bei anderen gesucht. Aber in dem Fall jetzt habe ich sie nie ein böses Wort über irgendwen sagen hören, sie hatte immer Verständnis, wirkte ruhig und besonnen. Während ich manchmal stöhnte und sagte, boah ich habe keinen Bock auf das Projekt XY, kam von ihr auf meine Frage wie ihr Job läuft- Aushilfsjob im Supermarkt bis sie ihre Prüfung macht- nur ein, achja ist halt ein Job, da habe ich nicht so hohe Erwartungen. Auf meine Frage, wollen wir zusammen Urlaub machen (vor Corona) kam nur "ja können wir machen, aber ich brauch das nicht, es reicht mir einfach mit dir hier zu sein"
Und das wirkte alles andere als aufgesetzt oder unauthentisch. Ich dachte nur, wow sie schöpft so viel Zufriedenheit aus sich selbst, krasses Urvertrauen.
Ich glaube das macht es auch so schwer gerade, ich bekomme einen ganz anderen Menschen zu Gesicht. Was ist denn nun dran an ihrem "bei sich sein", ihrer inneren Zufriedenheit. Wie gesagt, ich habe noch keinen Menschen kennengelernt der so auf mich wirkte oder ist das auch ein Selbstschutz von ihr. So musste sie ja auch nie mal für was eintreten. Wie gesagt 1 Jahr ohne irgendeine Auseinandersetzung, kein laut werden, kein irgendwas....

14.09.2020 08:27 • #13


T4U

T4U


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Zitat von _derwanderer_:
Dazu muss ich sagen, dass ich Anfang des Jahres meine Antidepressiva abgesetzt habe und das auch nicht einfach war, hatte ziemliche Entzugserscheinungen und Stimmungsschwankungen

Mit Arzt oder ohne?
Zitat von _derwanderer_:
irgendwann kam das Kinderthema auf, sie war da für meinen Geschmack sehr euphorisch, wo ich auf Grund meiner Familiengeschichte nicht so leicht und locker bin, ich hab ihr gesagt wovor ich Angst hab

Wovor? du willst es doch besser machen, als du es selbst erlebt hast, oder?
Zitat von _derwanderer_:
Nachts Flashbacks und tiefste Verlassenheitsgefühle, die wohl eher aus der Kindheit hochkommen.
!
Zitat von _derwanderer_:
auch Nähe ist dann schwer aushaltbar, weil man es ja auch mit sich selbst nicht gut aushält.
Da ist wohl ein Punkt zum Ansetzen
Zitat von _derwanderer_:
So war heute morgen bei einer Therapeutin und sie hat eine Art Intervention gemacht, wo man versucht das innere Kind erstmal zu stabiliseren. War heftig und es sind viele Tränen geflossen. Danach war ich so müde,

Das ist gut, wenn auch anstregend. Großes Lob für
Zitat von _derwanderer_:
Wie gesagt 1 Jahr ohne irgendeine Auseinandersetzung, kein laut werden, kein irgendwas....

Nun, ob dir das bewusst? Der Partner möchte ja helfen. Auch oft unbewusst und dies frisst Energie, sich selbst füllen war ihr wohl auch nicht immer leicht, wenn man an ihre Schultern denkt. Ist der Akku leer - dann geht man (vor die Hunde) oder aus der Tür.

14.09.2020 08:38 • x 1 #14


Emma75

Emma75


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Zitat von _derwanderer_:
So musste sie ja auch nie mal für was eintreten. Wie gesagt 1 Jahr ohne irgendeine Auseinandersetzung, kein laut werden, kein irgendwas....

Ich habe das Gefühl, dass sie ein Mensch ist, der Ihre Ansprüche gerne für andere zurückschraubt. Leider geht einem dabei leicht die Kraft aus und das ist hier offenbar passiert.
Die Trennung an sich ist ganz sicher schmerzhaft, aber eigentlich ist es doch ohne größere Dramen abgelaufen und Du machst Deine Verarbeitung doch auch sehr gut. Offenbar hast Du dazu auch noch viele Freunde, die Dich unterstützen. Das hört sich alles sehr gut an, obwohl Du natürlich hart unter der Trennung leidest.
Arbeite weiter an Deinen Themen und gehe regelmäßig zu Deiner Therapie - aber das machst Du ja auch schon richtig gut. Hut ab! Viel geschafft und ein guter Weg. So wird es in kleinen Schritten aufwärts gehen. Ich wünsche Dir alles Gute!

14.09.2020 08:43 • x 1 #15



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