Liebe @Deri76
zuerst einmal: Dass dich diese Situation so aus der Bahn wirft, ist vollkommen nachvollziehbar. Nach 25 Jahren Ehe, mit Kindern, Haus und gemeinsamem Leben, ist das kein normales Beziehungsende, sondern ein tiefer Einschnitt ins ganze Leben. Viele hier kennen dieses Gefühl, plötzlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Herzschmerz ist real, und er verschwindet nicht, nur weil man ihn rational erklären kann.
Was bei Trennungen oft gleichzeitig auf einen einprallt, sind zwei Ebenen. Das Emotionale, das alles überlagert – Verlust, Kränkung, Angst, Ohnmacht. Und sehr schnell das Wirtschaftliche – Geld, Unterhalt, Haus, Anwälte. Bei dir kommt beides parallel, weil dein Mann innerlich offenbar schon länger Abschied genommen hat. Das macht die Situation besonders hart.
Zum Emotionalen, dass lässt sich leider wenig beschleunigen. Ablösung funktioniert nicht über Willenskraft. Wer sich über Jahre angepasst, Verantwortung übernommen und viel getragen hat, kann diese Bindung nicht einfach abschalten. Dass dein Mann noch im Haus ist, Dinge sortiert und gleichzeitig emotional weg ist, ist für dich wie ein tägliches Neu-Verlassenwerden. Das ist extrem zermürbend und erklärt, warum du kaum zur Ruhe kommst.
Zum Wirtschaftlichen möchte ich dir ein paar Gedanken mitgeben – auch aus eigener Erfahrung. Es ist gut und richtig, dass du einen Anwaltstermin hast. Ich würde diesen Termin zunächst wirklich als das sehen, was er ist, ein Beratungsgespräch. Es geht erst einmal darum, deine Rechte und Pflichten zu kennen, mögliche Szenarien durchzuspielen und ein Gefühl für die Kosten zu bekommen. Das ist noch kein Startschuss für einen Rosenkrieg.
Ein Punkt, den viele unterschätzen, ist der Streitwert. Alles, was beim Anwalt als strittig eingebracht wird – Haus, Konten, Rücklagen, Vermögen –, erhöht diesen Streitwert und treibt die Kosten schnell nach oben. Wir haben das damals bewusst anders gelöst. Meine Ex-Partnerin und ich haben noch vor weiteren Schritten unser Bargeld, die gemeinsamen Konten und die Rücklagen offengelegt, hälftig geteilt und das schriftlich festgehalten. Damit war dieser Teil von Anfang an aus der Streitsache raus. Das hat enorm geholfen, weil es Druck rausgenommen und die Anwaltskosten niedrig gehalten hat.
Auch wenn sich größere Themen wie Immobilien nicht sofort eins zu eins teilen lassen, kann man im Vorfeld klären, ob grundsätzlich der Wille da ist, diese friedlich zu regeln, zum Beispiel über eine Scheidungsfolgenvereinbarung über den Notar. Alles, was vorab geklärt ist, taucht später nicht mehr als Streitpunkt auf. Wichtig dabei: Den Streitwert kann man später immer noch erhöhen, wenn man merkt, dass eine Einigung doch nicht möglich ist. Umgekehrt geht das nicht.
Ein weiterer Punkt, der mir persönlich sehr geholfen hat, auch wenn er extrem schwer ist –, war das direkte Gespräch mit der potenziellen Ex-Partnerin. Ich will ehrlich sein, mein erstes Gespräch ist komplett eskaliert. Ich war so verletzt, dass ich meine eigentlichen Ziele völlig aus dem Blick verloren habe. Das Emotionale hat alles überrollt. Erst später habe ich gelernt, diese Gespräche anders zu führen. Ich habe sie wie ein Business-Meeting vorbereitet, mir vorher aufgeschrieben, was ich klären möchte, und versucht, konsequent auf der Sachebene zu bleiben. Immer wenn es emotional wurde, habe ich das Gespräch unterbrochen, um wieder Struktur reinzubringen. Das war nicht leicht, aber es hat mir Kontrolle zurückgegeben. Und ich glaube, du bist gerade in einer sehr ähnlichen Lage wie ich damals.
Natürlich gilt auch: Wenn dein Mann sich auf keine faire Lösung einlässt, ist es richtig, dass du dich gut vertreten lässt. Dafür hast du dir ja bewusst eine starke Anwältin gesucht. Der konfrontative Weg ist möglich und manchmal notwendig, aber er wird teuer, nervenaufreibend und selten wirklich befriedigend. Am Ende verlieren meist beide – die Frage ist nur, wie viel.
Du stehst ganz am Anfang dieses Weges, und die Weihnachtszeit macht alles noch intensiver. Du musst jetzt nicht alles lösen und nicht alles aushalten. Schritt für Schritt reicht. Hier im Forum sind viele, die genau da standen, wo du jetzt bist, und die dir sagen können: Es wird nicht schnell gut, aber es wird anders. Und irgendwann wieder tragbar und gut.
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