Guten Morgen,
mir platzt ein bisschen der Kragen, wenn ich manche Antworten hier lese.
@Kenntmich82
Herzlich willkommen hier im Forum. Ich bin sehr berührt von Deinem Beitrag, weil er im Grunde auch von mir sein könnte. Mir geht es im Grunde genau so.
Du hast dich für einen Neustart mit deiner Frau entschieden; das ist eine starke und mutige Entscheidung. Dieser Weg ist schwer, und ich habe den Eindruck, dass du einen inneren Kampf zwischen deinen Wünschen und deinen Verletzungen in dir austrägst.
Deine "Rückfälle", Selbstzeifel und Unsicherheiten zeigen, dass du tief verletzt worden bist, und diese Verletzungen erstmal Zuwendung und Aufmerksamkeit brauchen, damit es besser wird. Ich stimme den anderen zu, die schrieben, dass du Zeit und Energie dafür benötigst und sie dir auch unbedingt nehmen solltest. Ich denke, dass du dich zu sehr unter Druck setzst, wohl bedingt durch deine Verlustängste. Du schreibst, du hast das Gefühl, die renne die Zeit davon. Bitte gehe ein paar Schritte zurück und erlaube dir, dir die Zeit zu nehmen, die du brauchst, dir wird nichts wegrennen.
Du solltest dich m.M. nach dringend mit deinen Selbstzweifeln auseinandersetzen, vielleicht in der Therapie? Was helfen kann ist sich bewusst zu machen, dass die Affäre unseres Partners nicht vordergründig persönlich mit uns zu tun hat, sondern viel mit den gefühlten Defiziten des Partners, der fremdgeht. Dass du diese nun auf dich als Mensch und als Mann projizierst, ist total verständlich, jedoch unnötig und selbstzerstörerisch.
Was meiner Meinung dazu beiträgt, dass du dich innerlich so abwertest, sind folgende Punkte bzw meine Fragen an dich:
- Du hast die Affäre aufgedeckt, keine Ehrlichkeit seitens deiner Frau
- War deine Frau emotional mit diesem Mann verbunden?
- Wie ging es danach weiter? Hast sie sie sofort freiwillig beendet, oder hast du darum gebeten, gab es ein hin und her?
- Weißt du, was sie dort gefunden hat, was ihr in der Ehe gefehlt hat? Kann sie das benennen und mit dir darüber sprechen?
Allein die Tatsache, dass du die Affäre aufgedeckt hast und damit lebst, dass deine Frau damals nicht vorhatte, zu dir zurückzukehren, du ihr nicht wichtig genug warst, zwingt dein Selbstwertgefühl in die Knie.
Auch ich habe den Eindruck, dass du die Verantwortung für die Affäre allein übernimmst. Du trägst aber keine Verantwortung dafür, dass deine Frau diese Entscheidung getroffen hat. Sich das klarzumachen, hilft, sich aus der Opferrolle zu befreien. Wie es dazu kam und wie geht es weiter, das sind alles Themen, die ihr gemeinsam besprechen müsst, nicht du mit dir alleine.
Zitat von Kenntmich82: Ich kann mich dann ein paar Tage wieder aufraffen, mir geht es dann auch wieder besser - aber zack es geht von vorn los. Ich stehe mir im Weg - einen Neuanfang zuzulassen und meine Gefühle und Gedanken spielen verrückt. Mein Magen dreht sich, das Bauchgefühl ist einfach ekelhaft.
Das kenne ich gut. Sobald mehr Nähe entsteht, kommt ein schlechtes Gefühl und "blockiert". Das ist dein innerer Mechanismus, der dich vor erneutem Schmerz schützen möchte. Dadurch ist es dir nicht möglich, dich auf die Beziehung so einzulassen, wie du es eigentlich möchtest.
Lasse dir Zeit damit und setze dich nicht unter Druck! Vielleicht brauchst du noch Klärung und hast Fragen, die für dich offen sind?
Es ist wichtig, dass du deiner Frau ganz genau mitteilst, was du brauchst, damit Vertrauen wachsen kann und du ein besseres Gefühl hast. Damit machst du nichts kaputt, sondern gibst einen klaren Rahmen vor. Die Aufgabe deiner Frau ist es, dich zu hören und das zu akzeptieren, es auszuhalten und mitzuarbeiten. Sollte sie dazu nicht bereit sein, wird es für dich nicht funktionieren.
Zitat von Kenntmich82: Meine Frau gibt sich Mühe und vermittelt mir auch das Gefühl es auch zu wollen, aber ich kann das manchmal nicht zulassen/glauben.
Das ist dein innerer Wächter. Schue genau hin: Was brauchst du noch, um ein besseres Gefühl zu haben, um sich darauf einlassen zu können, wieder zu vertrauen? Kommunizuere es deutlich und stehe dazu konsequent. Habe keine Angst, deiner Frau mitzuteilen, dass es dir nicht gut geht. Klar ist sie genervt, niemand möchte mit dem Leid des Partners konfontiert werden, den man verursacht hat. Aber das muss sie aushalten können.
Zitat von Kenntmich82: Nun meine Frage, wie habt Ihr es geschafft wieder gemeinsam durchzustarten? Ich habe Angst, dass mir die zeit davon läuft - ich es schlimmer mache und sie sich dadurch wieder distanziert.
"Durchstarten" klingt wie Ruck-Zuck von 0 auf 100
Es ist eher ein zäher und holpriger weg, für mich zumindest, weil ich mir, wie du so schön sagtest, "mir selbst im Weg stehe". Mir geht es genau so wie du, es ist unglaublich schwer, sich erneut einzulassen und zu vertrauen. Ich habe mich, wie du, unter Druck gesetzt, mache ich jetzt aber nicht mehr. Es dauert so lange, wie es dauert.
Es spielt keine Rolle, ob deine Frau dir 100 Mal sagt, dass sie dich liebt und bei dir sein möchte. Wenn du es noch nicht fühlen kannst bzw. das Gefühl nicht halten kannst, braucht es geneinsame Arbeit, Ehrlichkeit und Transparenz.
Ich finde es unsäglich, dem TE unmännliches Verhalten und Weichei-Mentalität zu attestieren. Alles eine Sache der Perspektive. Ich finde es sehr stark von dir, einen Neustart zu wagen, das ist eine starke Leistung. Es ist auch sehr mutig. Und es ist in meinen Augen männlicher, zu seiner Frau zu stehen, es zumindest zu versuchen, als sie gleich in den A... zu treten. Aber verliere dich selbst dabei nicht aus den Augen, das ist sehr, sehr wichtig.
Alles Gute!