Blanca
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Zitat von whynot60:Wenn ich es richtige verstehe, gehst Du davon aus, daß Affären immer Spaßbeziehungen sind,
Ja, denn sonst wären es ja Festbeziehungen, in denen man sich offen, klar und vor allem tätig zueinander bekennt. Ich bezweifle nicht, daß mit der Zeit auch in Affairen Bindungshormone ausgeschüttet werden und die Gefühle tiefer werden können, aber in dem Moment, wo das zum Entstehen einer Festbeziehung führt, wäre die Affaire ja keine solche mehr.
Zudem genügt es für eine Festbeziehung nicht, wenn das nur einem der Affairenführer widerfährt und der sich daraufhin hartnäckig einredet, er sei in einer solchen, während der andere den Kontakt weiterhin wie eine Affaire behandelt, also fortfährt, sie (schamhaft!) nach außen zu verheimlichen oder zwar vage "eine Zukunft" in Aussicht stellt, zugleich aber alles tut, den gegenwärtigen Zustand zu zementieren: etwa indem er parallel zu diesem Affairengelaber mit seiner Hauptbeziehung Firmen gründet, Hypotheken- oder andere Schuldverträge zeichnet, Kinder bekommt, die Pflege der Schwiegereltern persönlich übernimmt, etc.
Zitat:während es, gehen zwei Solisten eine Verbindung ein, sozusagen ernst wird oder zumindest werden könnte.
Nein, es gibt genug Singles, die sich nicht fest binden wollen und daher lieber "lockere" Affairen führen, nach dem Motto "alles kann, nix muß" oder "carpe diem". Allerdings schwant mir, daß zumindest die äußeren Voraussetzungen bei so einem großen Kind dann doch geeigneter für den Übergang in eine Festbeziehung sind, als bei jemand, der dafür erst mal Scheidung, womöglich einen Rosenkrieg und - je nach Rechtslage - finanziellen Ruin aufs Trapez legen muß.
Zitat:Das scheint mir eine doch etwas gewagte These. Denn sowohl bei einer Affäre als auch bei einer Annäherung zweier Ungebundener läuft es zunächst einmal auf dasselbe hinaus. Das Ziel, in beiden Fällen, ist erst einmal nicht das Haus, sondern das Bett.
Da siehst mal, warum die Alten das Bett für lange Zeit erst mal konsequent verweigert haben und stattdessen darauf pochten, einander persönlich näherzukommen, ehe sie auch dort die Grätsche machen.
Zitat:Das heißt, es könnte einem genausogut passieren, daß man ganz rechtmäßig eine Beziehung eingeht (also mit jemand Ungebundenem) und es dennoch nur eine Spaßbeziehung ist.
Dieses Risiko hat man immer, aber wenn der andere Teil von vornherein mit jemand anders zusammen lebt, verheiratet ist oder diese Hauptbeziehung erst vor wenigen Wochen noch frisch geschwängert hat, wie es hier der Fall war, dann ist es besonders hoch und das sehr offensichtlich.
Der frischverliebte Neupartner wird Dich mit nach Hause nehmen, er wird sich mit Dir auf offener Straße zeigen, ein Bild von Dir im Portemonnaie tragen, Weihnachten bei Dir sein oder - nach ein paar Monaten zumindest - ein Großteil seines Urlaubs bzw. seine Freizeit (natürlich nicht komplett, aber oho) mit Dir verbringen.
Der frischgebackene Affairenmann wird Dir womöglich nicht mal seine Anschrift mitteilen, Händchenhalten in der Öffentlichkeit unterbinden, ein separates Prepaid-Handy am Arbeitsplatz deponieren, auf dem Du ihn anrufen kannst, ohne daß seine Frau oder die Kollegen es mitbekommen und Weihnachten baut er für seine Frau und die gemeinsamen Kinder eine Krippe, den Baum oder beides im Wohnzimmer auf. Wenn's hochkommt, stiehlt er sich gelegentlich für ein Wochenende mit Dir davon und wenn Du ganz viel "Glück" hast, ist er beim gleichen Arbeitgeber oder Du seine Angestellte und er kann Dich mit auf Dienstreisen nehmen, ohne daß seine bessere Hälfte es je merkt.
Du siehst darin wirklich keinen Unterschied?
Zitat:So schnell zeigt sich das im Normalfall ja nicht, sondern erst allmählich, wenn der Spaßfaktor etwas abgeklungen ist. Und war bzw. ist man selber ernsthaft verliebt, ergeht es einem gar nicht anders als im Fall einer Affäre.
Ja, aber man hatte die ehrliche und feste Absicht, eine Festbeziehung zu starten und es hat dann leider nicht geklappt. Sofern beide ehrlich motiviert waren, steckten sie dann eben in einer schiefgelaufenen Festbeziehung, aber sicher nicht in einer Affaire.
Zitat:Mir sind umgekehrt jedenfalls auch Affären bekannt, aus denen völliger Ernst geworden ist, und die Leutchen sind noch nach 10, 20 Jahren zusammen.
Mir auch, aber in Summe sind es eher Ausnahmen, die die Regel bestätigen.
In diesem konkreten Thread hier geht es zudem um jemand, der nach nur 7 Wochen Hormonrausch schon von "Liebe" und sogar von Scheidung von seiner schwangeren (!) Gattin labert, nur um sich urplötzlich mit einer lapidaren Textnachricht buchstäblich "aus der Affaire zu ziehen" und die Kontaktsperre einzuleiten. Da frage ich mich schon, woran ich eine anfängliche Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit seiner Absichten festmachen sollte.
Zitat:weil es bequem ist, besser als alleinsein usw. Emotional ist ein solcher im Grunde in einem Solozustand. Und daher verliebt er sich, wenn es eben dazu kommt, genauso wie sich ein Alleinstehender verliebt. Auf der emotionalen Ebene gibt es hier keinen Unterschied. Und wenn das eine nicht verwerflich ist, warum sollte es dann das andere sein? Der Unterschied besteht lediglich in den "Hindernissen" - und denen sind eben nicht alle gewachsen.
Ich halte nichts vom warmwechseln. Warum? Weil die ganze Heimlichkeit, in der es angebahnt wird, dem Festpartner gegenüber unfair ist und mich die Beliebigkeit anwidert, mit der er solange noch dafür herhalten muß, einen zumindest vorm Alleinsein zu schützen und eine gewisse Komfortzone zu erhalten.
Zitat:Aber aus dem Umstand der Gebundenheit zu schließen, es könne hier gar nicht um Liebe gehen, sondern es ginge immer nur um den Spaß, wäre ein gewaltiger Trugschluß, den ich gerade Dir nicht einmal zutraue, so daß ich mir gar nicht erklären kann, woher Du ihn nimmst.
Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der jemand einem die Schattenrolle zuzuweisen sucht, die mich da aufhorchen läßt.

