Hallo Lovrel!
Möchte etwas zum Umgang mit dem Gefühl der Demütigung sagen. Schließe mich im Prinzip Wolfmoon an. Denn irgendwann kommt man dahin, dass man es einfach akzeptieren kann, dass der andere eben der Ansicht war, dass man nicht die Richtige für ihn war. Aber der Weg dahin ist nicht gerade kurz und wenn man ihn schon eine Weile hinter sich hat, vergisst man vielleicht ein wenig wie scheußlich sich das Gefühl der Demütigung und Wertlosigkeit anfühlt ;). Bei mir ist es nun auch schon viele Jahre her, dass ich verlassen wurde, und ich musste mir echt Mühe geben, mich daran zu erinnern, wie ich mich so fürchterlich weggeschmissen, ausrangiert und wertlos gefühlt habe. Meine Erfahrung ist, dass man erstmal sein Selbstwertgefühl wieder aufbauen muss, bevor man sich gewinnbringend mit den eigenen Fehlern auseinandersetzen kann (ohne in Selbstanklage und Selbstzerfleischung stecken zu bleiben). Und um seinen eigenen Wert wieder zu finden, gibt es viele Möglichkeiten, z.B. Dinge tun, die einem gut tun; gut für sich sorgen und sich damit zeigen, dass man für sich selbst wertvoll ist; sich mit Menschen umgeben, für die man wertvoll ist und die einem das auch zeigen; sich eine Liste machen mit den eigenen Fähigkeiten und Vorzügen; kreativ sein und sich an dem erfreuen, was man geschaffen hat; sich irgendwo engagieren (Sportverein, Umweltschutz, Tierschutz, im sozialen Bereich, in der (Lokal-)Politik ...) ... Und wenn man etwas stabiler ist, dann kann/sollte man sich auch mit den eigenen Schwächen und Fehlern, die man gemacht hat, beschäftigen (aber am besten mit einer liebevoll-kritischen Haltung zu sich selbst und nicht mit einer vernichtend-kritischen Haltung) und dann aussortieren, an welchen Schwächen man arbeiten möchte und von welchen Schwächen man sagt, dass man mit ihnen akzeptiert werden will (und wenn es dann mit jemandem nicht passt, dann passt es eben nicht; denn niemand kann perfekt sein, und Fehler machen wir alle immer wieder).
Wenn die Verletzung durch das Verlassen-worden-Sein noch ziemlich frisch ist, finde ich es auch nicht schlimm, wenn man sich zwischendurch mal mit der Vorstellung tröstet, dass er/sie es bestimmt bereuen wird und eines Tages erkennen wird, dass man eben doch der/die Richtige war (so à la Die Ärzte in ihrem Song "Zu spät"). Oder dass man sich damit beruhigt, dass nicht der/die Neue so viel reizvoller war, sondern der/die Ex einfach nur zu blöd war, um zu erkennen, wer hier der/die Bessere ist. Man sollte nur nicht in solchen Vorstellungen stecken bleiben, weil man sich sonst die Chance nimmt, sich weiter zu entwickeln.
In solchen Phantasien drückt sich ja u.a. auch die Wut aus, die man auf den anderen hat, und die genauso berechtigt ist wie alle anderen Gefühle. Vielleicht ist es besser, wenn man die Wut direkter ausdrückt (am besten kreativ ;); das ist jedenfalls meine Art; z.B. Horrorgeschichten schreiben, Bilder malen, düstere Musik mit finsteren Texten machen; nichts davon muss anderen gefallen, Hauptsache man findet ein Ventil, das nicht destruktiv ist). Meine Erfahrung ist die, dass sich alle diese Gefühle irgendwann auflösen, wenn man ihnen den entsprechenden Raum gibt und dabei gut für sich sorgt. Und irgendwann geht man dann gestärkt aus solchen Erfahrungen hervor; weiß mehr über sich selbst und wie man für sich selbst mit dem Leben und seinen Höhen und Tiefen besser zurecht kommen kann. Man weiß mehr darüber, was man will und was man geben kann und was nicht. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich bescheidener geworden bin und nicht mehr so viel von meinem Partner erwarte wie noch vor vielleicht 15 Jahren, weil ich selber um meine eigenen Grenzen besser weiß. Mein Selbstwertgefühl ist heute insgesamt viel stabiler als früher, gerade weil ich solche Verletzungen überstanden habe. Klingt vielleicht komisch, aber bei mir ist es so.
Hoffe, dass ich mit meinen Gedanken helfen konnte.
Liebe Grüße! gusi