Zuckerschnute1
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ich habe mich hier angemeldet, weil ich merke, dass ich alleine gerade nicht mehr so richtig aus meinem emotionalen Tief herauskomme. Vielleicht gibt es Menschen, denen es ähnlich geht oder die meine Geschichte nachvollziehen können und mir ein paar Gedanken oder Ratschläge mit auf den Weg geben können.
Ich versuche, meine Geschichte einmal von Anfang an zu erzählen.
Ich war ungefähr 18 Jahre verheiratet. Meine Ehe ist nicht daran zerbrochen, dass ich mich neu verliebt habe oder gehen wollte, sondern daran, dass mein Mann sich in seine Arbeitskollegin verliebt hat. Er hat mich verlassen und ist ausgezogen. Die Scheidung wurde eingereicht, und wir befinden uns inzwischen im Scheidungsverfahren. Wir stehen kurz vor der Scheidung.
Eigentlich sollte ich versuchen, mit diesem Lebensabschnitt abzuschließen und nach vorne zu schauen. Stattdessen belasten mich die gesamte Trennung, die Auseinandersetzungen und insbesondere die Streitigkeiten um unser gemeinsames Haus sehr. Es ist unglaublich viel passiert, und ich habe das Gefühl, dass ich emotional kaum Zeit hatte, das alles überhaupt zu verarbeiten.
Kurz nach seinem Auszug habe ich über Facebook einen neuen Mann kennengelernt. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so kurz nach dem Ende meiner Ehe wieder solche Gefühle entwickeln könnte. Aber bei ihm war es anders. Ich habe Emotionen erlebt, die ich in dieser Form vorher nicht kannte. Er hat etwas in mir ausgelöst, das mich unglaublich tief berührt hat. Ich habe mich verliebt, und er ist mir sehr wichtig geworden.
Doch von Anfang an war unsere Beziehung nicht einfach. Während ich mir Nähe, gemeinsame Zeit und das Gefühl wünschte, wirklich Teil seines Lebens zu sein, hat er sich gerade in der ersten Zeit immer wieder zurückgezogen. Wir hatten wenig gemeinsame Zeit, vieles war unregelmäßig, und ich hatte oft das Gefühl, auf ihn warten zu müssen. Das hat mich sehr verletzt. Trotzdem konnte ich mich nicht von ihm lösen, weil meine Gefühle so stark waren.
Mittlerweile sind wir schon längere Zeit zusammen. Wir haben oft über unsere Beziehung gesprochen. Er weiß, dass mir gemeinsame Zeit fehlt und dass ich mich häufig hinten angestellt fühle. Er arbeitet viel, hat viel im Kopf und verbringt auch viel Zeit mit Sport und seinem Sohn. Ich verstehe, dass er Verpflichtungen hat und sein eigenes Leben führt. Ich möchte ihn auch nicht von seinem Sohn oder seinen Interessen fernhalten. Aber gleichzeitig merke ich, dass meine eigenen Bedürfnisse nach Nähe, Verlässlichkeit und gemeinsam verbrachter Zeit immer wieder zu kurz kommen.
Er hat mir auch gezeigt, dass er mich liebt und dass ich ihm wichtig bin. Es gibt schöne Momente, in denen ich mich bei ihm geborgen fühle und einfach nur glücklich bin, mit ihm zusammen zu sein. Gerade diese Momente bedeuten mir unglaublich viel. Vielleicht macht es das für mich auch so schwer, denn ich weiß, wie schön es mit ihm sein kann. Ich vermisse nicht einfach nur einen Mann, wenn er nicht da ist. Ich vermisse seine Nähe, seine Umarmungen, seine Berührungen und dieses Gefühl, bei ihm anzukommen und für einen Moment alles andere vergessen zu können.
Gleichzeitig merke ich immer mehr, wie sehr mich diese Beziehung emotional beansprucht.
Mein Leben dreht sich inzwischen viel zu sehr um ihn. Ich warte auf Nachrichten, auf gemeinsame Zeit und darauf, dass wir uns sehen. Meine Stimmung hängt oft davon ab, wie viel Kontakt wir haben und ob ich das Gefühl bekomme, dass er mich in seinem Leben mitdenkt. Wenn wir zusammen sind, kann ich glücklich sein. Wenn er wieder in seinem Alltag verschwindet, fühle ich mich häufig leer und traurig. Es ist, als würde die Verbindung zwischen uns für mich abbrechen, obwohl ich eigentlich weiß, dass er nicht einfach aufhört, mich zu lieben.
Ich merke, dass ich dabei immer mehr mich selbst verliere. Ich kann momentan nicht richtig arbeiten, gehe wenig raus und habe auch sonst nicht viel, das mich wirklich ausfüllt. Dazu kommen die Belastungen durch meine bevorstehende Scheidung. Ich fühle mich, als würde mein ganzes Leben aus Warten, Vermissen, Grübeln und emotionalem Auf und Ab bestehen. Und ich weiß nicht mehr, wie ich aus diesem Loch herauskommen soll.
Das Schlimme ist: Ich möchte diese Beziehung nicht einfach aufgeben. Ich liebe diesen Mann wirklich. Ich möchte mit ihm schöne Dinge erleben, Zeit verbringen, Nähe genießen und eine Beziehung führen, in der ich mich sicher und verbunden fühle. Ich erwarte nicht, dass er ständig für mich verfügbar ist oder sein ganzes Leben nach mir ausrichtet. Ich wünsche mir einfach, dass auch für mich und uns als Paar verlässlich Platz in seinem Leben ist.
Aber ich kann so, wie es momentan läuft, auch nicht weitermachen. Ich möchte nicht, dass mein Wohlbefinden davon abhängt, ob er gerade Zeit für mich hat. Ich möchte wieder mehr bei mir selbst ankommen, mein eigenes Leben zurückbekommen und auch dann innerlich stabil sein können, wenn er gerade nicht da ist.
Vielleicht habe ich mich nach dem Verlassenwerden durch meinen Mann auch deshalb so sehr an diese neue Liebe geklammert, weil sie mir in einer Zeit, in der mein bisheriges Leben auseinandergebrochen ist, so viel bedeutet hat. Vielleicht habe ich in dieser Beziehung auch Halt gesucht, den ich damals dringend gebraucht habe. Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass ich mich selbst in dieser ganzen Geschichte immer weniger wiedererkenne.
Deshalb würde ich gerne von euch wissen:
Kennt jemand dieses Gefühl, einen Menschen so sehr zu lieben und gleichzeitig zu merken, dass man sich selbst dabei verliert?
Wie schafft man es, sich emotional ein Stück weit zu lösen, ohne gleich die Beziehung aufgeben zu müssen? Wie lernt man, nicht mehr ständig zu warten, nicht mehr jede Veränderung im Kontakt so stark zu spüren und sein eigenes Leben wieder in den Mittelpunkt zu stellen?
Ich möchte lernen, wieder glücklich sein zu können, ohne dass mein Glück so sehr von einem anderen Menschen abhängt. Und ich möchte herausfinden, ob und wie ich diese Beziehung führen kann, ohne mich dabei selbst aufzugeben.
Ich freue mich über eure Erfahrungen, eure Gedanken und auch über ehrliche Worte. Vielleicht hilft es mir, von Menschen zu lesen, die etwas Ähnliches erlebt und einen Weg daraus gefunden haben.
Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, meine Geschichte zu lesen.