Scarmanga
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ich schreibe mir hier heute meine Geschichte von der Seele, weil ich in ein tiefes Loch gefallen bin und einfach den Austausch mit Menschen suche, die Ähnliches erlebt haben. Ich habe das Gefühl, ich schaffe das alles manchmal nicht mehr.
Meine Frau und ich haben uns am 29.03.26 getrennt – beziehungsweise sie hat sich von mir getrennt. Vorausgegangen war ein Streit Mitte März. Streitigkeiten gehörten bei uns leider zum Alltag, oft unschön und verletzend. Als sie mir Mitte März gestand, unglücklich zu sein, habe ich bis Ende des Monats per WhatsApp und in Gesprächen alles versucht. Ich habe ihr versprochen, mich zu verändern, an mir zu arbeiten, weil ich gecheckt habe, was falsch gelaufen ist. Ihre Reaktion: „Zu spät. Ich glaube dir zwar, dass du dich veränderst, aber ich habe nicht mehr die Kraft, diesen Prozess zu verfolgen.“ Habe aber auch gemerkt, das Kämpfen nichts bringt und genau das Gegenteil bewirkt, nämlich Sie sich weiter von mir entfernt.
Der erste richtige Schlag in die Magengrube kam in der ersten oder zweiten Aprilwoche. Ich saß auf der Couch, sie kam zu mir und meinte eiskalt: „Hör mal, ich habe jemand neuen kennengelernt.“ Ich fing sofort an zu weinen. Sie nahm meine Hände und sagte: „Du brauchst nicht weinen, es ist schon wieder kaputt.“ Wir sprachen danach stundenlang über einen Neuanfang, darüber, uns an einen Tisch zu setzen. Am nächsten Tag war alles wieder vorbei. Sie meinte, es sei besser, beim Cut zu bleiben.
Wenn ich heute ehrlich reflektiere, muss ich sagen: Unsere Beziehung war absolut nicht perfekt, es gab extreme Höhen und Tiefen, und es war verdammt schwer mit ihr. Meine Ex-Frau war ein absoluter Kontrollfreak, sehr dominant, stur und egoistisch. Sie hat massiv über mein Leben bestimmt. Ich durfte mir ohne vorherige Absprache keine teuren Sachen kaufen. Sie hat mir sogar verboten, zu viele Süßigkeiten zu essen, damit ich nicht dick werde – und das, obwohl sie selbst kräftig ist und nur Angst hatte, dass sie neben mir dann schlecht aussieht. Ihr Kontrollwahn ging so weit, dass sie mir eine Google-Standortfreigabe auf meinem Handy eingerichtet hat, damit sie jede Sekunde wusste, wo ich bin und was ich mache. Sie hatte massive Vertrauensprobleme.
Jetzt bei der Trennung wirft sie mir vor, dass sie ja immer so viel für mich tun musste. Ich gebe offen zu: Das war ein Fehler von mir, ich hätte sie im Haushalt und beim Kochen viel mehr unterstützen müssen. Das ist im Alltag leider liegen geblieben. Aber das Absurde ist: Sie hat diese Fürsorge damals gerne gemacht, es hat ihr gefallen! Als ich sie fragte, warum sie mich denn nicht einfach hat machen lassen, kam keine richtige Antwort. Und jetzt, bei der Trennung, wird mir genau das als Strick gedreht.
Als ich sie fragte, was der wahre Grund sei, warum sie mich nach 16 Jahren (davon 12 Jahre Ehe) einfach so austauscht, kamen die Vorwürfe: Ihr fehlte das Flirty, die Berührungen, Komplimente, Dates und Zweisamkeit im Alltag. Später kam heraus, dass es vor allem an sexuellen Bedürfnissen lag: Sie wollte BDSM, hatte vor einem Jahren Fifty Shades of Grey geschaut und wollte das umsetzen. Ich habe es damals leider nur belächelt. Mein Vorschlag, jetzt offen darüber zu reden oder eine Paartherapie zu machen, wurde abgeschmettert: Sie habe dafür keine Kraft mehr, sie habe nur dieses eine Leben und müsse jetzt sehen, wie sie selbst glücklich wird. Ich habe sie gefragt, warum sie diese Probleme nie offen und ehrlich in der Beziehung angesprochen hat. Ihre Antwort war der Hammer: „Um die Harmonie aufrechtzuerhalten, ich wollte keinen Streit.“ Schön. Und was ist das Ergebnis dieser unterdrückten Kommunikation? Die Trennung.
Anfang Mai habe ich ihr Profil auf einem Sexportal gefunden (hatte vorher Sie gefragt ob Sie sich irgendwo angemeldet hat und da ich wusste das Ihr das sexuelle fehlt, wusste ich wo ich am besten nachschaue), wo sie sich direkt angemeldet hatte. Über dieses Portal hat sie dann im Mai auch direkt ihren Neuen kennengelernt. Mit dem ist sie jetzt fest zusammen, hat die letzten Wochen schon bei ihm gewohnt und hat jetzt die Schulferien genutzt, um mit ihm für zweieinhalb Wochen in den Urlaub zu fliegen.
Und ich hocke allein in ihrem Eigentumshaus, in dem wir uns zum Schluss schon räumlich trennen mussten (sie schlief im Schlafzimmer, ich wochenlang auf der Couch im Wohnzimmer), und sammle die Scherben auf. Durch den psychischen Druck hat es auch auf der Arbeit gekriselt – ich habe zwei Abmahnungen kassiert. Immerhin: Einen neuen Job habe ich ab August sicher. Aber die Wohnungssuche gestaltet sich extrem schwierig. Ich finde hier einfach nichts.
Ich habe für diese Frau so viel getan. Letztes Jahr ging es ihr sehr schlecht, sie lag mit massiven Schulterproblemen im Krankenhaus (das wird in den nächsten 10 Jahren wohl noch schlimmer werden) – ich habe sie jeden verdammten Tag besucht. Als bei uns im Keller sprichwörtlich die sch. hochkam, stand ich da, habe geholfen und die Kanalreiniger organisiert. Und das ist jetzt der Dank dafür?
Was mich komplett fertig macht, ist diese plötzliche, brutale Eiskälte. Sie verhält sich wie ein komplett anderer Mensch. Als ich ihr neulich vorwarf, dass ihr jegliche Empathie fehlt, umarmte sie mich, flüsterte mir ins Ohr: „Bitte lass los, dann geht’s dir auch wieder besser. Das lässt langsam auch nach mit der Liebe, das kannst du mir glauben.“ Danach ließ sie mich los und fragte spöttisch: „Und, war das jetzt Empathie genug für dich?“
Ich habe heute extrem viel selbstreflektiert. Ich weiß genau, was ich falsch gemacht habe – dass ich die Konflikte sachlicher hätte lösen müssen, ihr mehr Aufmerksamkeit, Komplimente und Liebe hätte zeigen müssen. Es ärgert mich maßlos, dass ich das erst jetzt sehe. Vor allem hätte ich auf Ihre sexuellen Bedürfnisse eingehen müssen. Aber all das wäre ja kein Problem gewesen, wenn man sich mal an den Tisch gesetzt hätte und offen kommuniziert hätte.
Und das Verrückteste an der ganzen Sache ist: Trotz all dieser Verbote, trotz ihrer extrem dominanten, sturen Art und obwohl sie mich so eiskalt wie ein altes Möbelstück gegen ein neues ausgetauscht hat – ich liebe diese Frau immer noch. Ich kann nicht loslassen. Vielleicht bin ich bescheuert, ein Idiot oder einfach krank, aber ich hoffe tief in mir immer noch, dass diese Rebound-Beziehung mit dem neuen Typen in die Brüche geht und sie zu mir zurückkommt.
Manchmal liege ich im Bett und denke, am besten wäre es, einfach aufzugeben und mein Leben wegzuschmeißen. Meine Freunde bauen mich am Telefon dann mühsam wieder auf. Ich versuche mich abzulenken – gehe ins Kino, treffe Freunde –, aber ich falle immer wieder in dieses tiefe, schwarze Loch. Ich verstehe es einfach nicht, wie man einen Menschen nach so langer Zeit innerhalb von zwei Monaten ersetzen kann. Ich selbst könnte das niemals.
Gibt es hier Leute, denen es ähnlich ging? Die trotz einer extrem schwierigen, kontrollierenden Partnerin und einem eiskalten Austausch nach so vielen Jahren immer noch auf eine Rückkehr hoffen? Wie habt ihr es geschafft, diesen Widerspruch im eigenen Kopf zu lösen und nicht aufzugeben?
Danke fürs Lesen.