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Neuanfang oder Anfang vom Ende?

ClaraFall

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Ich lese schon eine ganze Zeit immer mal wieder im Forum mit und finde viele Gedanken und Anregungen spannend, vielleicht kann ich heute etwas davon für mich selbst gebrauchen.

Vorletztes Jahr habe ich mich nach fünf Jahren Beziehung von meinem Lebensgefährten getrennt. Wir sind im "Guten" auseinandergegangen, weil wir beide festgestellt haben, wir sind nicht, was wir brauchen und wollen, aber es war eine schöne Zeit und wir haben aus der Beziehung eine lose Freundschaft gemacht. Ab und an treffen wir uns auf ein Glas Wein und reden oder wir gehen zusammen ins Kino. Nicht jede Woche, aber ein paar mal im Monat.

Vor sechs Monaten ist mir dann ein Mann begegnet, der mich wirklich aus den Latschen gekippt hat und ich ihn glücklicherweise auch. Wir haben uns häufig getroffen, viel Zeit miteinander verbracht und es wurde recht schnell fester und ernster. Oft haben wir die Wochenenden zusammen verbracht und auch viele Abende unter der Woche. Anfang Mai habe ich dann meinen Geburtstag gefeiert, große Party, viele Freunde, eben auch mein oben genannter Ex-Lebensgefährte und der Vater meines Sohnes (mein Sohn ist gerade 18 geworden - mit dem Kindsvater bin ich seit 18 Jahren nicht mehr zusammen, aber er ist eben der Vater meines Sohnes und damit Teil seines Lebens und auch noch ein kleiner Teil meines Lebens).

Meinem Freund hatte ich vorher natürlich gesagt, dass beide Männer anwesend sein würden und hab mir auch ehrlich nicht viel dabei gedacht - ich hatte ihm ja gesagt, wer die beiden sind und welche Rollen sie in meinem Leben spielen.

Und jetzt muss ich doch mal ein bisschen abschweifen. Nach dem Abi habe ich fast zehn Jahre als E. gearbeitet. Damit habe ich mir mein Studium verdient, meinen Master und auch einen schlecht bezahlten Berufseinstieg finanziert. Auch das habe ich relativ zu Anfang dieser frischer neuen Beziehung erzählt und auch das, so sagte er zumindest, würde ihn nicht stören oder ihm etwas ausmachen.

So weit so gut, meine Geburtstagsparty war sehr gut besucht, viele Freunde, auch Menschen, die ich schon länger nicht gesehen habe und der einzige, der nicht da war: mein neuer Freund. Keine Nachricht, kein Anruf, einfach nichts. Schweigen. Leere.
Natürlich habe ich mehrmals versucht ihn zu erreichen und ganz ehrlich, ich hab mir tierische Sorgen gemacht, dass ihm etwas passiert sein könnte!
Erst am Tag danach dann eine ewig lange Whatsapp, wie leid es ihm täte, dass er nicht kommen konnte, ihm würde viel im Kopf herum gehen, er könne jetzt nicht mit mir reden, er wäre zu aufgewühlt und er wisse nicht, wie er mit all den Männern meines Lebens zurecht kommen solle.

Seitdem fast völlige Funkstille und das ist ja jetzt fast einen Monat her. Zweimal hat mir in der Zeit gesagt, er brauche noch Zeit, er wisse auch nicht, er könne mich nicht treffen. Jetzt lasse ich ihn in Ruhe, aber er fehlt mir. Wir haben so viel zusammen gelacht, hatten denselben Humor, interessieren uns für dieselben Dinge und ich hatte immer das Gefühl, da wäre eine Art Band zwischen uns, von Anfang an.

Mir ist klar, keiner hier kann in seinen Kopf gehen und eigentlich geht es mir auch gar nicht so sehr um Spekulationen darüber, was er denkt und ob er sich irgendwann meldet - ich bin einfach nur traurig und frage mich, ob und was ich falsch gemacht habe. Und er fehlt mir einfach so sehr.
Mein Geburtstag ist jetzt fast einen Monat her und ich weiß nicht, wie viel Zeit ich ihm noch geben sollte? Ob ich abhaken kann oder nicht oder oder oder.
Und ein bisschen sauer bin ich auch. Und ärgerlich und traurig und auch verstört.

Vielleicht war jemand mal in einer ähnlichen Situation?
Danke jedenfalls für's Lesen.

03.06.2017 23:09 • #1


profrager


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Hallo erstmal

Ich verstehe dein Problem sehr gut, deine Situation ist ziemlich verzwickt...

Zuerst möchte ich einige Gedanken mit dir teilen. Ich finde, dass man einen Menschen nicht nach seiner Vergangenheit beurteilen darf. Du hast eine harte Vergangenheit (tut mir leid für das Wortspiel) hinter dir, jedoch hat sie dich zu dem gemacht, was du heute bist. Also sollte man der Vergangenheit dankbar sein, dass sie solch wunderbare Menschen schafft. Menschen, die das nicht schätzen oder zumindest akzeptieren, sind es schlicht und einfach nicht wert.

Jetzt komme ich etwas konkreter auf deinen Fall. Eine gewisse Distanz kann Probleme lösen. Wichtig ist, dass du in dieser Zeit den Kopf frei kriegst und ihm den Abstand gewährst. Ich vermute mal, dass er sich zuhause zuviel überlegt hat, wie ein Leben, mit aus seiner Sicht Konkurrenten, aussehen würde. Es klingt jedoch so, als hättet ihr euch sehr angenähert und eine gute Beziehung aufgebaut. Männer übertreiben gerne bei Problemen, sie vergrössern sie gerne. Das ist völlig normal. Vielleicht war es etwas viel für ihn..

Fazit: Lass ihm die Zeit, um das Ganze zu verarbeiten. Mach deinen Kopf frei von Gedanken. Such die Schuld nicht bei dir. Nicht jeder Mensch ist dir gewachsen.

Ich hoffe, dass dir einiges davon helfen wird. Ich wünsche dir alles Gute. Melde dich doch, falls du weiter Hilfe in Anspruch nehmen möchtest

04.06.2017 01:39 • x 2 #2


ClaraFall


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Vielen Dank für deine Antwort, profrager.

Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt, aber hart war meine Vergangenheit eher nicht. Klar bin ich früh Mutter geworden, aber ich hatte glücklicherweise immer noch den Vater meines Sohnes, der sich mit mir zusammen gekümmert hat und da haben wir all die Jahre wirklich gut an einem Strang gezogen.
Und ich hatte das große Glück als E. mit relativ wenig Aufwand in kurzer Arbeitszeit mein Studium zu finanzieren und trotzdem viel Zeit für mein Kind zu haben. Ich glaube, andere haben es da viel schwerer. Eigentlich empfand, empfinde ich mein Leben bisher als relativ leicht, gerade auch im Vergleich zu anderen.

Zeit lasse ich meinem neuen Freund, ich weiß gar nicht, ob er das noch ist oder nicht, auf jeden Fall, aber ich frage mich, wie lange noch?
Heute morgen bin ich aufgewacht und mir ist klar geworden, dass ich so länger mit diesem herumgeeiere nicht leben will. Ich kann mich nur noch nicht recht dazu entschließen, von mir aus zu gehen, wir hatten zusammen so eine schöne Zeit!
Und ein Ultimatum stellen finde ich auch irgendwie blöd.

Vertrackt.

04.06.2017 08:52 • #3


_Tara_

_Tara_


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Jemandem seine Geburtstagsparty bewusst zu versauen, indem man einfach nicht erscheint und sich auch nicht abmeldet, ist für mich ein absolutes NoGo. Total egoistisch und respektlos!
Plötzliche moralische Bedenken, Eifersüchtelei oder was weiß ich hin oder her: heutzutage gibt es 1000 Kanäle, über die man jemandem ohne viel Aufwand zumindest kurz mitteilen kann, dass man sich entschlossen hat, nicht zu kommen.
Erklären kann man es ja später (obwohl man sich sowas im besten Fall vorher überlegt und klärt).
Damit derjenige dann nicht seine eigene Party mit Enttäuschung und Sorge verbringen muss.

Sorry, aber mit einem Mann, der so wenig Eier in der Hose hat und so wenig Anstand besitzt, würde ich nicht zusammen sein wollen. Was macht der wohl in anderen Situationen, in denen es 'mal brenzlig wird? Ganz sicher auch den Schwa*z einkneifen und abhauen.

04.06.2017 09:03 • x 1 #4


ClaraFall


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Danke, Tara, für deine Antwort!
Das mit der Geburtstagsparty sehe ich ähnlich, das macht mich ja auch sauer. Ich hatte ihm das auch durchaus so gesagt und zumindest dafür hat er sich entschuldigt, was ich auch ok finde.

Zitat von _Tara_:
Sorry, aber mit einem Mann, der so wenig Eier in der Hose hat und so wenig Anstand besitzt, würde ich nicht zusammen sein wollen. Was macht der wohl in anderen Situationen, in denen es 'mal brenzlig wird? Ganz sicher auch den Schwa*z einkneifen und abhauen.


Das wiederum ist mir persönlich ein bisschen zu pauschal. Ich schließe von so einer Situation jetzt nicht unbedingt auf andere. Jeder Mensch ist anders, reagiert anders und das würde ich ihm au so zugestehen.

Trotzdem habe ich ihm gestern dann eine E-Mail geschrieben, weil ich die Nase voll hatte. Leider habe ich ihn telefonisch nicht erreicht, sonst hätte ich es ihm auch persönlich gesagt, aber jetzt habe ich ihm doch ein Ulitimatum gestellt. Ich gebe ihm noch zwei Wochen, in denen er überlegen und sich melden kann, wenn er das nicht tut, ist für mich die Sache erledigt und ich kann zur Tagesordnung übergehen und ihn vergessen.

05.06.2017 10:39 • #5




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