Guten Morgen zusammen,
ich war gestern noch dort. Weniger seinetwegen, eher damit sein Kind, was mich ständig angerufen hat, nicht noch irritierter ist und damit ich für mich Klarheit gewinne.
Wir haben erst ein wenig mit der Kleinen gespielt und die Stimmung war nicht gut. Wir haben uns kaum angesehen und primär ignoriert. Das war mir dann zu dumm und ich tippte ihn dann an, ob wir mal kurz hochgehen können, ich wolle ihm was zeigen. Da ist er dann auch direkt mitgekommen und wir haben angefangen zu reden. Das Gespräch wurde später fortgesetzt, weil die Kleine reinkam.
Sein Problem ist- ich höre ihm angeblich nicht zu. Das empfindet er als respektlos, er fühlt sich ignoriert.
Meine Meinung- ich frage ihn ständig, wie es ihm geht, er antwortet dann immer nur "viel Arbeit". Sonntags habe ich extra eine Art Sprechstunde initiiert, in der es Raum zum Reden gibt. Da sagt er dann aber auch nichts, immer nur "ja war ne gute Woche".
Ihn nervt es, wenn ich Trash TV gucke, er will lieber etwas "Produktives oder Entspannendes machen".
Das wäre alles so negativ und ich wäre auch negativ in letzter Zeit gewesen. Er möchte eine selbstbewusste Frau, die ihr Ding macht.
Meine Meinung- ich habe meine zwei engsten Freunde dazu befragt und sie meinten, ich sei super positiv und gut drauf. Das spiegelt mir auch jeder meiner Kollegen, keine Ahnung, was er meint.
Er hat (wie ich) keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, das beschäftigt ihn noch stark und da ist er dabei, seine Dämonen zu sortieren und er würde da auch Fortschritte machen.
Meine Meinung- das Thema mit seiner Familie haben wir seit Jahren, er dreht sich im Kreis. Ich habe ihm einen guten Therapeuten empfohlen, da will er aber nicht hin. Er hat schon oft gesagt, dass ich "seinen Mist immer abkriegen" würde und ehrlich gesagt sehe ich das hier auch.
Generell will er mit seinen 43 Jahren noch was erleben und sich Ziele setzen. Wir hätten aktuell ja nichts gemeinsames, ich sei dann eingeladen, auf seinen Zug mitaufzuspringen, wenn er weiß, was er machen will. Das war auch schon oft Thema bei uns, er fragt mich dann immer, was ich noch machen möchte. Er fing auch mal davon an, vom Auswandern zu reden, da habe ich aber gleich gesagt, dass ich wegen meines Jobs etc nicht mitkommen werde. Aso und ob ich mit 70 immer noch meine Wohnung behalten will... naja dass ich mit so einem launischen Mann nicht zusammen ziehen möchte, liegt ja auf der Hand. Da ist die Basis nicht da. Er meinte, er kommt "mit mir nicht weiter", was das angeht. Ja, unsere Paar-Entwicklung ist so, dass es gerade so vor sich hin läuft, das sehe ich ja auch ein.
Bei mir ist es aber so, dass ich nach jahrzehntelangem Struggle (Kindheit, zweimal studiert, miesem Job) jetzt endlich eine ganz tolle Arbeitsstelle habe, super Freunde und jetzt, mit ü40, eigentlich sehr zufrieden mit dem von mir erarbeiteten "Status quo" bin. Das geht ja vielen so- man hat mit 40 seine Karriere, Haus und Frau und hat seine Primärziele einfach erreicht. Ich bilde mich allerdings fort, lerne Sprachen, gehe zum Sport- ich bin also deutlich aktiver als manch anderer.
Ich habe ihm dann auch gesagt, dass ich mir vorkomme wie eine "Übergangsfrau" und dass es danach klingt. Er meinte er liebt mich, sonst würde er hier nicht mit mir sitzen, aber er ist gerade "gefühlstechnisch taub", den ganzen Tag nur Arbeiten und Kind, er ist nachts bis 4 Uhr wach und kann nicht schlafen. Er weiß aber, dass es nicht in Ordnung war, sich nicht zu melden und mich hängen zu lassen.
Ich habe ihm dann geantwortet, dass das toxisch ist, genau wie bei seinen Eltern, Silent Treatment und dass ich darauf keinen Bock habe. Leider kam genau dann seine Tochter angetapert, Papa, ich kann nicht schlafen, kuschelte sich an ihn... ich bin dann nach Hause gefahren und da werde ich auch heute bleiben.
Meine Freunde, die ihn auch kennen, meinen, er hätte eine Midlife Crisis und würde seinen Mist auf mich projezieren.