3

Panik und riesige Zukunftsängste nach Trennung

Schweinchen1234

24
10
4
Hallo ihr Lieben,

Ich brauche Aufbauhilfe...
Seit der Trennung vor 10 Wochen habe ich riesige Ängste...immer wieder ereilen mich Panikattaken...

In Form von...emotionalem...werd ich das je verarbeiten? Kann man sich entlieben?
Werden die Kinder zu ihm wollen? Was ist wenn ich mal richtig krank bin?
Aber auch unvorhergesehenes...

Was ist wenn das Auto morgens nicht anspringt? Wovon zahl ich eine Reparatur?
Was mach ich wenn der Kiga anruft...

Mich lassen diese Gedanken nicht wieder los ich dreh mich dann im Kreis..bekomm Schweissausbrüche, Herzrasen...

Ich muss dazu sagen ich war noch nie allein steh nun mit 36 allein da und hab das Gefühl das für jeden das Leben weitergeht nur meins steht still seit Wochen...
Mein Tag beginnt mit sehr schlechten Nächten morgens extreme Wut die mittags in Verzweiflung umschlägt und abends Trauer und Tränen...seit 10 Wochen...im Umfeld hat auch keiner mehr Verständnis...klar 19 Jahre sind mal eben wegzulöschen...bitte um mentale Unterstützung.
LG Sindy

18.07.2016 14:17 • #1


CSLOF

CSLOF


25
1
33
Liebes Schweinchen 1234 (habe direkt Hemmungen Dich so anzuschreiben),

ich kann sehr gut verstehen, dass Dein Leben aus den Angeln gehoben wurde. Ihr habt kleine Kinder und wart 19 Jahre zusammen? Wie alt ist Dein NM? Leider scheint das wie ein Virus um sich zu greifen, dass man eine Ehe und Familie einfach in die Tonne tritt, um sein eignes Leben zu leben. Frei und ungebunden. Und der/die Verlassene steht vor den Trümmern, wird meistens ziemlich unvorbereitet damit konfrontiert und ist wie in Schockstarre.
Für mich ist und war (seit knapp 6 Monaten, Trennung nach 36 Jahren) am wichtigsten zu reden. Ich habe auch viel zum Thema Midlife Crisis (bei meinem noch NM scheint das der Fall zu sein) gelesen. Das Buch von Doris Wolf " Wenn der Partner geht" kann ich sehr empfehlen. Aber am wichtigsten finde ich bei aller Hilfe von Freunden und Familie, die professionelle Hilfe eines Therapeuten, der sich mit Trennungssituationen auskennt. Dort kann man alle Gedanken lassen und er/sie hilft beim sortieren, betrachten und bei der Perspektive.
Trotzdem kann Dir niemand! den Schmerz abnehmen. Den musst Du leider durchleben. Und das ist nicht von heute auf morgen erledigt. Für mich fühlt es sich an als wäre der Mann, den ich mal glaubte zu lieben, gestorben. Er hat eine unvorstellbare Metamorphose durchgemacht. Ich kenne ihn nicht wieder. In solch einem Fall kann man sich sicher auf ein Trauerjahr einstellen, in dem man versuchen muss sein Leben neu zu sortieren.
Am Anfang habe ich nur geweint, war fassungslos, dass er mir so lange etwas vorgespielt hat und unsere Familie einfach zurücklässt. Mit der Zeit hat sich aber auch eine Menge Wut entwickelt. Ist es ein solcher Mensch wert, dass man ihm nachweint. Mit der Zeit war ich bereit auch die Dinge zu sehen, die alle nicht! gut waren und die ich nur nicht sehen wollte. Man neigt dazu sich die Dinge schön zu reden, um die Illusion zu erhalten und um sich nicht den eignen Ängsten vor dem Alleinsein stellen zu müssen.

Ich bin auch direkt aus meinem Elternhaus, mit übermächtigem Vater, direkt in die Wohngemeinschaft mit meinem NM gezogen. Alleinsein, verlassen werden hat mir immer Angst gemacht. Ich habe alles getan, um nicht verlassen zu werden. Mich selbst und meine Bedürfnisse nicht wichtig genug genommen. Wollte immer besser werden, immer perfektionistischer, um für ihn unentbehrlich zu sein.Hat leider nicht geklappt.
Wie ein Nichtschwimmer binich ins Wasser gestoßen worden und muss jetzt strampeln und rudern, um nicht unter zu gehen. Dabei ist es sehr hilfreich sich vor Augen zu führen, dass es viele! andere Menschen in der gleichen Situation gibt. Nicht nur Dir passiert Schlimmes. Du bist jetzt nicht krank, sei froh darüber. Wenn Du irgendwann mal krank wirst, Dein Auto kaputt geht...., dann wird! sich eine Lösung finden. Es gibt auf dieser Welt genug Menschen, die Dir sicher gerne zur Seite stehen werden. Habe Vertrauen. Die Zukunft ist so hypothetisch. Das Heute ist wichtig. Lebe nur von Tag zu Tag. Sei stolz auf alles, was Du jetzt alleine schaffst. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Ein Kind das Laufen lernt, rennt auch nicht sofort los. Es fällt oft hin, muss üben. Dabei ist es gut, wenn die Mutter nicht immer gleich zur Stelle ist. Wir müssen alle unbedingt unsere Erfahrungen machen, um eigne Stärke und vor allem Vertrauen in uns selbst zu gewinnen. Das ist leider auch mit blauen Flecken oder ernsthafteren Verletzungen verbunden. Aber das Leben ist nicht zu Ende !
Wenn ich das richtig verstehe, dann hast Du bisher ein sehr abhängiges und unselbstständiges Leben geführt. Da ist es kein Wunder, dass Du so tief stürzt. Auch wenn man das in dieser Situation überhaupt nicht hören möchte, aber es ist für Dich eine riesige Chance Dich endlich zu entwickeln und somit in der Zukunft nicht mehr in dieser geradezu zerstörenden emotionalen Abhängigkeit leben zu müssen.
Mach Dir klar, dass es für viele Menschen auf dieser Welt ebenfalls sehr existenzielle Krisen gab und gibt. Wenn man sich nicht anpasst, geht man unter (use it or lose it). Also besinne Dich bzw. entdecke vielleicht das erste Mal in Deinem Leben, was in Dir steckt,von dem Du noch nicht wusstest. Sei Deinen Kindern ein Vorbild und nimm das Leben in die Hand. Hole Dir alle Hilfe, die Du bekommen kannst. Es ist wirklich ein wunderbares Erlebnis wie viele Menschen bereit sind einen zu stützen und zu unterstützen. Aber man muss auch sein Selbstmitleid hin und wieder in den Schrank hängen und die Ärmel hochkrempeln. Gib ihm nicht die Gewissheit, dass Du ohne ihn verloren bist. Wenn er merkt, dass Du alleine klar kommst und Stärke entwickelst, die er nicht bei dir vermutet hätte, wirst Du vielleicht auch wieder interessant. Aber er ist hier total unwichtig. Du musst diese Niederlage für Dich in einen Sieg verwandeln, indem Du daran wächst. Und das wirst Du. Es bleibt Dir gar nichts anderes übrig. Wir Menschen wären in der Evolution nicht so weit gekommen, wenn wir nicht so anpassungsfähig wären. Und diese Fähigkeiten hast Du auch. Die Zeit wird sie hervorbringen. Ich wünsche Dir viel Kraft für Deine Reise zu Dir selbst. Du wirst im Rückblick wahrscheinlich sagen ,dass es das Beste war, was Dir passieren konnte. Auch wenn das jetzt noch in Deinen Ohren wie Hohn klingt.

Alles Liebe CSLOF

18.07.2016 17:18 • x 2 #2



x 3


Kekselfe

Kekselfe


495
3
337
Liebe Sindy,

ich habe mir auch Deine anderen Themen durchgelesen.

Hast Du von den Tipps dort schon was umsetzen können ? Dir irgendwo her Hilfe geholt ?

Ich war auch noch nie alleine, bevor mein Mann sich von mir nach 16 Jahren Beziehung wegen einer anderen getrennt hat. Allerdings hatte ich keine Kinder um die ich mich kümmern musste. Das ist Fluch und Segen. Auf der einen Seite war ich nur für mich verantwortlich und musste kein schlechtes Gewissen haben, das ich als Mutter vielleicht gerade nicht umwerfend bin - auf der anderen Seite hätte ich mich so prima für einige Woche verkriechen können, wären da nicht all die Dinge gewesen, die es erledigen gab. Neue Wohnung, Möbel, Selbstbewusstsein zurück holen, Freunde vollheulen (ja - dafür sind sie da) , Rechtberatung einholen und mich selbst wieder kennen lernen, denn sich selbst verliert man ein bisschen in einer Beziehung.

Das Forum bietet eine Menge Anregungen und die herrliche Möglichkeit sich mit Betroffenen auszutauschen. Trotzdem musst Du auch außerhalb tätig werden.

Hast Du die finanzielle Seite klären können. Dir steht Unterhalt zu, zumindest für die Kinder. Arbeitest Du Vollzeit ? Könntest Du reduzieren ?
Welche weiteren Betreuungsmöglichkeiten bietet die Schule/Kiga für Deine Kinder.

Du solltest Dir auch nicht zu viele Sorgen um Dinge machen, die noch nicht passiert sind...

Zitat:
Was ist wenn das Auto morgens nicht anspringt?

Ruf den ADAC

Zitat:
Wovon zahl ich eine Reparatur?

kläre Deine Finanzen, nur so weißt Du, ob Du Rücklagen bilden kannst...

Zitat:
Was mach ich wenn der Kiga anruft...

Entweder Du fährst hin, oder Dein Ex-Partner - er bleibt ja der Vater der Kinder und hat seinen Teil zur Betreuung beizutragen.

Zur emotionalen Seite.
Ja und unbedingt ja. Du wirst Dich entlieben, es verarbeiten und irgendwann einen Neustart wagen.
Alles zu seiner Zeit - nur nicht ungeduldig sein.
Jeder geht mit solchen Verletzungen anders um. Ich musste raus, was erleben, Dinge tun, die ich immer mal tun wollte, mich aber nicht getraut hab, oder die man innerhalb einer Beziehung auch einfach nicht macht, wild sein - unvernünftig.
(schwieriger mit zwei Kids, aber im Rahmen durchaus machbar)

Jeder legt seine Trauerphase selbst fest...aber kläre die Dinge, die Dich nicht loslassen, sonst lassen sie Dich auch nicht los!

Ich wünsche Dir jede Menge Kraft und Mut !

Kekselfe

18.07.2016 17:20 • x 1 #3


Schweinchen1234


24
10
4
@CSLOF
Danke für deinen Beitrag... unselbstständig war/bin ich nicht, hatte immer die Hosen an doch ich war der Meinung es hält für immer...
Das er mich ohne Erklärung verlässt - er wird jetzt 40- und die Kinder mit...sich um nichts mehr kümmert das ist bitter...
Das er 19 Jahre wegwirft noch mehr...

@Kekselfe
Ich bin oft bei meiner Hausärztin und geh auch zu einer Psychologin...hoffe das mir das was bringt...

Ansonsten ist bis er eine Wohnung hat alles soweit geklärt...er haust bei seinem Chef...
Danke und LG

18.07.2016 18:30 • #4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag