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Paradox - einsam und verlassen in der Ehe mit Kindern

Peter19

Ich bin Vater von 4 Kindern (5-12) und seit 19J mit meiner Frau zusammen (14J verheiratet). Vor etwa 2 Jahren ist unsere Ehe gekippt. Meine Frau hat seitdem keine Gefühle mehr für mich und unsere Partnerschaft für sich im Kopf aufgekündigt.

Wir haben wirklich alles, was wir und und - vor allen Dingen auch sie sich - wünschte: Kinder, eigenes Haus, Job, etc

Ich vermute, dass sie einen anderen kennengelernt hat, mit dem sie sich eine zeit lang getroffen hat. Meine Frau arbeitet nicht fest angestellt, sondern freiberuflich. Die Kinder sind vormittags nicht da und nachmittags haben wir ein Aupair. sie hätte also Zeit dazu. Das ist für mich aber mittlerweile fast nebensächlich.

Sie hat seit zwei Jahren die Gespräche mit mir und die Körpersprache gegenüber mir sukzessive immer weiter zurückgefahren (S. gibt es sowieso nicht mehr). Mittlerweile geht garnichts mehr. Wir haben mehrmals und zum letzten mal noch vor zwei Monaten länger gesprochen. Da ging es allerdings immer mehr nur noch um Organisatorisches und weniger um emotionale Themen.

Sie will nicht mehr und äußert auch, dass sie nicht weiß, wie es weitergehen wird. Sie habe sich eine solche Situation auch nie gewünscht. Letzteres glaube ich ihr sofort!

Eine Paartherapie habe ich bereits vor mehr als 18 Monaten vorgeschlagen und danach mehrmals wieder. Sie lehnt diese sehr vehement ab.

Daraufhin war ich alleine bei einer Therapeutin, die mir in manchen kritischen Momenten half. Ich habe wirklich viel zur Rettung der Beziehung getan, aber ich will jetzt nicht mehr machen, weil bislang nichts zum Erfolg geführt hat. ich habe mich mit der Situation abgefunden.

Ich fühle mich einsam in einer Ehe und mit 4 Kindern! Es klingt sehr paradox, aber so ist es wirklich.

Ich habe schon die erste Phase des nicht wahrhaben Wollens und des in der Vergangenheit nach meinen Fehlern suchens abgeschlossen. Die zweite Phase des trauerns ist ebenfalls durch. Ich befinde mich gerade in der dritten Phase, dem mich selber wiederfinden, auch wenn ich regelmäßig unter Selbstzweifeln leide - obwohl ich eigentlich recht selbstbewusst bin. Ich treffe mich mit Freunden, unternehme Dinge mit den Kindern alleine, treffe mich mit Freundinnen alleine (nur freundschaftlich), gehe notfalls auch alleine ins Theater, etc.

Mittlerweile habe ich mich auch entschieden, gegenüber meinen besseren Freunden ehrlich zu sein und ihnen zu sagen, wie es um unsere Ehe steht. Ich habe keine Lust mehr auf Theaterspielen in der Gesellschaft.

Ich merke, dass andere Frauen für mich wieder interessanter werden und ich mich verlieben könnte. Allerdings passt das nicht ganz in mein Weltbild. Wir wohnen noch in der Familie zusammen, auch wenn es sich eher WG ähnlich anfühlt und ich denke ernsthaft an eine neue Beziehung. Auch wenn ich mit netten Frauen im Gespräch bin, werde ich ab dem Moment, ab dem ich von meiner Lebenssituation spreche, für die Frauen uninteressant - zumindest nehme ich das so wahr. ich möchte ihnen aber auch nicht gleich zu Beginn von meinen Eheproblemen erzählen - das kommt mE auch nicht so gut an.

Ich frage mich nun, ob ich mich trennen soll. Dann wäre die Sache klar für alle.

Allerdings spricht viel dagegen, u.a.
- Ich werde die Kinder vermissen und sie mich, weil wir uns sehr nah sind
- ich habe Angst, dass in einem solchen Fall Phase 1 und 2 wieder aufbrechen, die ich gerade überwunden habe
- Finanziell wäre es schwierig das Haus und zuhause der Kinder zu halten
- Zudem würde es dann auch heißen: der Midlifecrisis Vater lässt seine gesamte Großfamilie im Stich. Es war aber ganz anders, nur das glaubt einem dann Keiner mehr. Auch deshalb erzähle ich die ganze Geschichte meinen engeren Freunden.

Sehr kompliziert. daher habe ich folgende Fragen an euch, bzw würde gerne eure Meinung dazu wissen:
- Trennung Ja/ Nein?
- wann und wie kommuniziere ich die Eheprobleme gegenüber anderen?
- gibt es Gleichgesinnte, die sich auch mal treffen, um solche Themen zu besprechen? Ich bin sicher nicht alleine auf dieser Welt und es würde sicherlich helfen Überlegungen und Erfahrungen zu teilen.

29.11.2019 02:43 • x 1 #1


Heffalump

Heffalump


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Zitat von Peter19:
Mittlerweile habe ich mich auch entschieden, gegenüber meinen besseren Freunden ehrlich zu sein und ihnen zu sagen, wie es um unsere Ehe steht. Ich habe keine Lust mehr auf Theaterspielen in der Gesellschaft.

Dann sei ehrlich mit deinem Umfeld
Zitat von Peter19:
Ich frage mich nun, ob ich mich trennen soll.

ja
wenn du dich in der Familie einsam fühlst - warum nicht? Wann hast du das letzte Mal "was gewagt"?

Trennung bedeutet nicht automatisch -> Scheidung. Kommt darauf an, was deine Frau und du vereinbahren, wie ihr damit klar kommt.

Zitat von Peter19:
wie kommuniziere

wir haben uns auseinander gelebt. Wir versuchen nun schon 2-3 Jahre, aber wir finden nicht mehr zusammen.

29.11.2019 03:01 • #2



Paradox - einsam und verlassen in der Ehe mit Kindern

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Bessergehtimmer


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Wow, da hängt wirklich viel dran und deine Frau glänzt offenbar durch Passivität und Unterlassen. Eigentlich müsste doch sie, die kein Interesse mehr an Dir als Partner hat, anfangen ihr neues Leben zu gestalten. Stattdessen verlässt sie sich voll auf deine Aktivität und kann dann nach Belieben reagieren. Nun ja, sie wird sich lange vor Dir Gedanken über die möglichen Konsequenzen für sich gemacht haben. Geld, Sicherheit, Haus, Freiheiten,...wer weiss es besser als Du was deiner Frau wichtig ist.
Aus meiner Sicht gibt es jetzt exakt zwei Möglichkeiten zu beginnen. Du machst dir alleine einen Plan und ziehst den, notfalls mit anwaltlicher Hilfestellung, durch. Oder du führst das erste Trennungsgespräch mit ihr, schaust was da so kommt und versuchst dann das Elternleben nach der Ehe bestmöglich zu sortieren.
Wenn du deine Kinder und das Umfeld nicht verlassen willst, kannst Du dir eine F+ suchen und weiter in der WG leben bis die Kids alt genug sind auf eigenen Beinen zu stehen.
Letztlich die Frage, was Du willst und was du bereit bist aufzugeben. Diese Veränderung wird definitiv, das hast du bereits erkannt, weh tun.

29.11.2019 05:56 • #3


Garfield09


Ich kann Dir nur aus eigener Erfahrung den Rat geben Deinen Bedürfnissen und Wünschen nachzugehen, auch wenn es anfangs schwer zu sein scheint. In meiner Ehe war es ähnlich nur umgekehrt. Mein Mann hat nach 20 Jahren Beziehung, zwei Kindern und Haus irgendwann die Lust verloren Energie in die Beziehung zu stecken. Plötzlich waren seine Freunde, Vereine und seine Karriere wichtiger als unser zusammenleben. Die Folge war tafelanges anschweigen, wenn geredet wurde dann nur noch über das nötigste oder die Kinder. Irgendwann funktioniert man nur noch in so einem zusammenleben und geht daran kaputt. Er wollte auch keine Eheberatung oder sonst etwas geändert haben. Offensichtlich war es für ihn so in Ordnung. Sogar unsere Freunde haben irgendwann mit bekommen dass etwas nicht mehr stimmt. Ich kann dich beruhigen die meisten merken es und sagen einfach nichts.
Wenn Du unzufrieden bist dann hilft manchmal nur Ihr oder Ihm ein Ultimatum zu stellen um nocheinmal das Gespräch zu suchen oder die Sache zu beenden. Wichtig ist dass Du Dich dabei nicht kaputt machst, das ist auch nicht gut für die Kinder!
Ich kann dich in der aktuellen Situation gut verstehen und wünsche Dir viel Kraft, bei mir hat sich das ganze fast 4 Jahre hin gezogen. LG

30.11.2019 01:11 • #4


mafa

mafa


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Stell dir statt die Frage Trennung ja oder nein vielleicht lieber mal die Frage willst du so weiter leben ja oder nein....

So wie das klingt ist eure Ehe tot und da ist auch nichts mehr zu machen. Und ja die Trennung ist halt der unbequeme Weg, aber das Leben ist halt so, auch das geht vorbei..Auch du hast ein Recht darauf wieder glücklich zu sein und geliebt zu werden

30.11.2019 01:16 • #5


Lebensfreude

Lebensfreude


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hast du mit deiner Frau auch so klar geredet wie hier?
4 Kinder sind ne Menge Arbeit und Streß, da bleibt die
Paarbeziehung oft auf der Strecke

30.11.2019 01:22 • #6


Peter19


@Lebensfreude: ich habe mit meiner Frau sehr klar darüber geredet. Allerdings tat sie ab einem bestimmten Punkt all meine gesprächsansätze dazu genervt ab und ging nicht mehr darauf ein. Meine (seltenen) Emails wurden ignoriert, die WhatsApp leise gestellt, meine (früher von ihr immer eingeforderten) anrufe häufig nicht mehr angenommen oder sogar nicht beantwortet. All das hat mich dazu geführt, mich mehr auf mich selber zu konzentrieren: deutlich mehr Sport (2-3x Woche), regelmäßig mein Instrument spielen, Freunde treffen und neue Menschen kennenlernen, Kleidungsstil aktualisieren, Dienstreisen auch mal absichtlich über Nacht planen, um Freunde vor Ort sehen zu können, andere Frauen kennenlernen oder alte Bekannte wieder treffen. All das tut mir sehr gut und hat mir bereits sehr geholfen. Ich bilde mir ein, dass mich das alles unabhängig von meiner Frau gemacht hat und ich mir ein Leben ohne sie durchaus vorstellen kann - auch ohne Schmerzgefühl wenn ich darüber nachdenke.

Ich bin mir sicher, dass ich auch bald eine neue Partnerin finden würde (wenn das das mein oberstes Ziel wäre).

Dennoch hält mich viel davon zurück, diesen letzten Schritt zu tun...

30.11.2019 22:31 • #7


6rama9

6rama9


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Zitat von Peter19:
Trennung Ja/ Nein?

Definitiv ja.

Sorry, wenn ich es etwas platt sage: Aber du hast echt keine Eier in der Hose, wenn es um deine Frau geht. Jetzt ist das Ding durch, aber warum hast du dich die letzten beiden Jahre so gleichgültig behandeln lassen ohne irgendeine Konsequenz zu ziehen?

Sie trifft sich mit einem Anderen? Jo, Schulterzucken? Sie lehnt eine Paartherapie ab? Schulterzucken. Sie redet nicht mit dir? Schulterzucken.

Passivität ist nie ein guter Berater! Werde wenigstens jetzt mal aktiv und hör auf dir ellenlang Gedanken zu machen, was wohl die Nachbarn denken. Geh zu ihnen hin und sage, dass du ausziehst weil deine Frau eine Affäre hatte, wenn das für dein Seelenheil wichtig ist.

30.11.2019 22:44 • #8


E-Claire

E-Claire


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Willkommen im Forum!

Außerhalb am Festhalten dessen, was Du Dir gewünscht oder vorgestellt hattest, wie soll Dein Leben ausschauen?

Es tut ir sehr leid, daß deine Frau so reagiert. Aber mal ehrlich, was möchtest Du denn?

Außer, daß alle so bleibt, was ja offensichtlich keine Option mehr ist.

Außerhalb dessen, daß eh ur klar ist, wer welche Verantwortung übernimmt. Was wäre dein Plan?

30.11.2019 23:57 • #9


Gracia


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Zitat von 6rama9:

Sie trifft sich mit einem Anderen? Jo, Schulterzucken? Sie lehnt eine Paartherapie ab? Schulterzucken. Sie redet nicht mit dir? Schulterzucken.


Ob eine Affäre besteht oder bestand wissen wir nicht. Der te sagt, sie hätte Zeit dafür.

Es handelt sich hier wohl um ein recht gut situiertes Paar, Kinder werden von Au pair betreut. Wenn der te jetzt die Koffer packt, zahlt er sich dumm und dusselig.
Wie steht's mit den Finanzen? Ehevertrag?

Zitat:
...sie sagt sie will nicht mehr und weiß auch nicht wie es weitergehen soll...


Habt euch festgefahren und keiner möchte einen Schritt aus der Komfortzone raus. Ist auch verständlich. Du hast dir inzwischen ein Schlupfloch Gesicht um das zu ertragen.
Immerhin seid ihr gelegentlich noch im Gespräch. Wie wäre es mal mit einem getrennten Schlafzimmer. Und geh mal zum Anwalt und lass dich beraten.

01.12.2019 01:13 • #10


6rama9

6rama9


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Zitat von Gracia:
Es handelt sich hier wohl um ein recht gut situiertes Paar, Kinder werden von Au pair betreut. Wenn der te jetzt die Koffer packt, zahlt er sich dumm und dusselig.

Er zahlt genau das, was der Gesetzgeber für so eine Situation vorgesehen hat. Und wenn er hälftig die Kinderbetreuung übernimmt zahlt er gar nix nach Vollzug der Scheidung.

01.12.2019 16:59 • #11


Peter19


Erstmal herzlichen Dank für Eure zahlreichen Gedanken und Beiträge!

@6rama9: Deine offenen Worte sind richtig! Zwei Punkte, die ich allerdings immer im Hinterkopf bewege und die wahrscheinlich jeder von Euch (bestimmt auch Du) genauso von einer klaren (provokativ ausgedrückt egoistischen) Entscheidung abhalten würde: Gefühle der Kinder / Zuhause für die Kinder und die Kohle.

@Gracia: Du hast schon richtig geschrieben, dass ich sehr viel Unterhalt zahlen müsste! Das habe ich tatsächlich bereits mal bei einem Anwalt in Erfahrung gebracht...

Angespornt von Euren vielen, teils auch deutlichen Beiträgen, habe ich meiner Frau jetzt nochmal nachdrücklich eine Paartherapie vorgeschlagen, wenn sie möchte, dass wir am 1.1. immer noch unter einem Dach leben. Sie ist endlich dazu bereit. Auch wenn ich nur begrenzt viele Hoffnungen in diese Massnahme lege, ist es doch zumindest ein kleiner Erfolg. So könnte man am Ende sagen - entweder a) dass man wirklich alles versucht hat oder b) der letzte Strohhalm die Familie gerettet hat.

Wie auch immer es ausgeht, dank Euch für die Unterstützung zu diesem Teilerfolg!

01.12.2019 23:50 • x 3 #12


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Gut so, Peter. Auch wenn das keine Garantie ist, schon mal ein Anfang. Denk daran : Taten statt Worte. Sagt sie das Ding nach dem ersten Besuch ab, wars das genauso. Oder wenn die Beratung nur dazu dienen soll, dass Aus zu kommunizieren.

02.12.2019 00:02 • x 1 #13


trixi-77

trixi-77


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Zitat von 6rama9:
Definitiv ja.

Sorry, wenn ich es etwas platt sage: Aber du hast echt keine Eier in der Hose, wenn es um deine Frau geht. Jetzt ist das Ding durch, aber warum hast du dich die letzten beiden Jahre so gleichgültig behandeln lassen ohne irgendeine Konsequenz zu ziehen?

Sie trifft sich mit einem Anderen? Jo, Schulterzucken? Sie lehnt eine Paartherapie ab? Schulterzucken. Sie redet nicht mit dir? Schulterzucken.

Passivität ist nie ein guter Berater! Werde wenigstens jetzt mal aktiv und hör auf dir ellenlang Gedanken zu machen, was wohl die Nachbarn denken. Geh zu ihnen hin und sage, dass du ausziehst weil deine Frau eine Affäre hatte, wenn das für dein Seelenheil wichtig ist.


Da möchte ich wiedersprechen. Passiv war hier wohl viel mehr die Frau und zwar bezogen auf ihre Ehe!
Was soll man denn als Partner da bitte machen? Sie zur Paartherapie hinschleifen? Ihr den Ausgang verbieten, damit sie keinen anderen Mann treffen kann?

02.12.2019 00:32 • #14


Frauenfarn

Frauenfarn


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Zitat von 6rama9:
Definitiv ja.

Sorry, wenn ich es etwas platt sage: Aber du hast echt keine Eier in der Hose, wenn es um deine Frau geht. Jetzt ist das Ding durch, aber warum hast du dich die letzten beiden Jahre so gleichgültig behandeln lassen ohne irgendeine Konsequenz zu ziehen?

Sie trifft sich mit einem Anderen? Jo, Schulterzucken? Sie lehnt eine Paartherapie ab? Schulterzucken. Sie redet nicht mit dir? Schulterzucken.

Passivität ist nie ein guter Berater! Werde wenigstens jetzt mal aktiv und hör auf dir ellenlang Gedanken zu machen, was wohl die Nachbarn denken. Geh zu ihnen hin und sage, dass du ausziehst weil deine Frau eine Affäre hatte, wenn das für dein Seelenheil wichtig ist.


Aufgrund eines Kusses in der Garage würde ich ja diesselbe sogleich in die Luft sprengen, damit die Nachbarn und @6rama9 endlich mal meine Eier würdigen.

02.12.2019 00:33 • #15



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