Infinity
Mitglied
- Beiträge:
- 9
- Themen:
- 1
- Mitglied seit:
ich weiß einfach nicht an wen ich mich wenden soll und auf der Suche nach einem offenen Ohr, bin ich schließlich hier gelandet.
Ich versuch mich so kurz wie möglich zu fassen, wobei das ziemlich schwer fällt
Zu meiner Situation: Vor 6 Jahren hab ich die Liebe meines Lebens geheiratet. Ich spür heute noch das Kribbeln im Bauch bei jedem Kuss und jeder Berührung. Wir lieben uns sehr aber haben manchmal schier unüberwindbare Probleme, die so heftige Streitereien auslösen, dass nicht nur Inventar sondern auch unsere Beziehung zu Grunde geht.
Angefangen hat alles mit mir. Wir hatten im zweiten Jahr unserer Beziehung ziemlich viele Probleme in unserem Leben (Rechtsstreit mit Vermieter wegen Mängel in der Wohnung, unser Anwalt hat uns über den Tisch gezogen, finanzielle Probleme, ständiges Schikanieren und Gewalttaten durch unsere ehemaligen Nachbarn bis hin zu einer Fehlgeburt). Durch einen Umzug haben sich die damaligen Verhältnisse zum großen Teil gebessert aber ich bin irgendwie aus diesem Loch nicht mehr herausgekommen. Mein Mann war immer drum bemüht alles für mich zu machen, er hat mich wirklich gut behandelt aber ich konnte ihm keine Zuneigung mehr zeigen. Ich hab ihn immer noch sehr geliebt und ihm das auch gesagt, aber ich wollte nicht mehr schmusen, keine Berührungen, keinen Sex mehr. Das hat ihn sehr verletzt und das tut mir unendlich leid.
Ich war damals ein sehr egoistischer, misstrauischer und ich-bezogener Mensch. Ich hab mir gar keine Gedanken darum gemacht, wie es ihm geht weil ich so auf mich selbst fixiert war. Er hat mir damals oft gesagt, dass es ihn verletzt und er so nicht mehr kann. Ich wollte das nicht wahr haben und als er sich dann von mir trennte und noch am selben Tag auszog, ist eine Welt für mich zusammengebrochen.
Es ist für mich absolut nachvollziehbar, dass er damals einfach nicht mehr konnte. Er hat viel für mich aufgegeben bzw. in Kauf genommen (ich hab eine damals 4-jährige Tochter mit in die Beziehung gebracht und er hat für mich seinen Lebenstraum aufgegeben). Damals war ich einfach zu unreif und zu verwöhnt (u.a. von meinem Eltern), ich hab das alles als selbstverständlich erachtet und konnte den Wert seiner Gesten gar nicht schätzen.
Nach ca. zwei schmerzhaften Monaten der Trennung (in denen es uns beiden sehr schlecht ging) haben wir wieder zusammengefunden.
Wobei dann die nächsten Jahre ein wilder Mix aus unbeschreiblich schönen Momenten, leeren Versprechen, Lügereien und Misstrauen waren. Ein richtiger Teufelskreis. Wir haben uns in dieser Zeit beide im Wechsel schlecht verhalten. Und ich bin auch ganz ehrlich: ich hab lange Zeit meine Fehler nicht erkannt und mir was vorgemacht. Es war ein ständiges Auf und Ab zwischen „jetzt schaffen wir es“ und „ich kann nicht mehr“.
Es gab Zeiten, da haben wir uns wie kleine, beleidigte Kinder aufgeführt. Der eine will Gut machen, der andere nimmt nur noch, bis der eine dann die Schnauze voll hat und das Spielchen umgekehrt von vorne losgeht… und wieder…. Und wieder…. Und wieder…
Wir haben beide vieles getan und gesagt was nicht so toll war.
Irgendwo war da auch immer der Frust wegen meinem vergangenen Fehler… das trägt er mir heute noch nach und das hat vieles negativ beeinflusst. Ich hab immer versucht das ganze wieder hinzubekommen aber oft hab ich mich gefühlt als würde ich gegen Windmühlen kämpfen.
Auf diese Phase folgte dann eine weitere Trennung (ausgehend von meinem Mann) da wir einfach kein Gleichgewicht in unserer Beziehung finden konnten. Immer dieser Wechsel von einem Extrem ins andere. Von „unendlich glücklich“ bis hin zu „am Ende sein“… Ich bin damals zu einem guten Freund gezogen und war am Boden zerstört.
Nach zwei Monaten (ich hatte wieder halbwegs Fuß gefasst, mir eine Wohnung besorgt aber er hat mir immer noch so wahninnig gefehlt) haben wir es dann wieder versucht (das war vor ca. 1,5 Jahren). Wir kommen einfach nicht voneinander los.
Uns verbindet mehr als nur eine Beziehung. Wir sind beste Freunde, reden über alles, verbringen gerne Unmengen Zeit miteinander, wir teilen viele Ansichten und geben uns auch gegenseitige Denkanstöße… wir lachen jeden Tag zusammen, kuscheln und küssen extrem viel und im Bett läuft es auch super. Wir können nur absolut nicht mehr miteinander Streiten. Direkt eskaliert die Situation und sobald es meinem Mann zu viel wird, kommt direkt das Trennungsgespräch auf. Es ist auch immer schwieriger geworden zivilisiert miteinander zu reden. Wir unterbrechen uns gegenseitig, werden laut und patzig, oft verlieren die Gespräche jegliche Struktur und wir halten uns gegenseitige Fehler vor. Aber wie soll man denn Dinge die zwischen einem stehen aufarbeiten wenn man nicht darüber reden kann? Ich trau mich schon oft nicht mehr, das zu sagen was ich denke aus Angst das war’s dann schon wieder...
Ich fühl mich wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Läuft es gut, ist mein Mann der glücklichste und zufriedenste Mensch der Welt, liebt mich über alles und will mich nie mehr verlassen aber sobald es anstrengend wird, ist alles schei. und schon immer schei. gewesen. Mal Feuer und Flamme und dann wieder einfach aufgeben.
Dabei bin ich mir sicher, dass es für uns noch eine Chance gibt. Ich hab mich schon vor längerem kritisch mit mir selbst auseinandergesetzt. Ich weiß wo meine Fehler liegen und bin sehr bemüht darum, diese auch zu ändern. Ich hab mich seit Ewigkeiten nicht mehr verschlossen da mein Mann ein sehr liebesbedürftiger und verschmuster Mensch ist. Wir kuscheln und küssen uns fast jeden Tag und es gefällt mir sehr. Ich hab gelernt es zu schätzen und geh auf seine Bedürfnisse ein.
Auch versuche ich wieder Vertrauen zu ihm zu fassen und lasse ihm mehr Freiraum. Ich weiß, dass viel Misstrauen durch meine Verlassensängste kamen, Lügen und leere Versprechungen seinerseits haben das ganze dann echt unerträglich gemacht. Illusionen, die mir mein Kopf ausgemalt hat und reale Enttäuschungen, die oft zur Qual wurden. Trotzdem versuch ich es jeden Tag aufs Neue und hab die letzten 5 Monate richtige Fortschritte gemacht.
Ich weiß wer ich bin, was ich war und wie ich sein möchte. Ich will aus dem ganzen festgefahrenen Trott raus aber mein Mann sieht das einfach nicht. Sobald ich etwas Positives mache, wird es mit noch mehr Negativem aufgewogen. Ich fühl mich wie ein Versager! Nichts was ich mache ist gut genug. Und sobald ich mir einen Fehltritt leiste, bricht wieder das absolute Chaos aus. Warum kann er mir nicht meine Fehler verzeihen? Ich verzeihe doch auch obwohl er mir schon sehr oft richtig wehgetan hat.
Die letzte Zeit ist einfach nur echt beschissen. Ich reiß mir so den A**** auf, bin ständig bemüht es ihm recht zu machen, steck so vieles ein und verzichte auf vieles ihm zuliebe trotzdem behandelt er mich oft wie den allerletzten Dreck.
Aber ich bin doch auch nur ein Mensch. Er weiß doch aus eigenen Erfahrungen, wie schwer es ist an seinen eigenen Fehlern zu arbeiten. Warum erwartet er von mir, dass gleich alles von heute auf morgen funktioniert?
Und warum sieht er nicht wieviel ich schon an mir gearbeitet habe?
Ich will nicht mehr in diesem alten Trott festhängen… es macht mich so fertig. Ich kann nicht mehr richtig essen und schlafen, hab gesundheitliche Probleme dadurch bekommen und bin einfach nur noch am Ende. Ich bin nicht mehr so wie ich damals war und trotzdem sieht er nur noch das Schlechte in mir…
Er wollte doch auch einen Neuanfang. Aber jetzt hat ihn wieder der Mut verlassen und er schmeißt alles hin. Wir wollten schon so oft zu einer Paarberatung bzw. einem Paartherapeuten. Aber sobald es wieder aufwärts geht, rutsch der Gedanke in weite Ferne und wir genießen nur noch die gemeinsame, friedliche Zeit zusammen. Sobald es dann wieder knallt, ist es aber meistens schon zu spät und er verweigert jeglichen Vorschlag…
Ich musste sehr viele Dinge und Erlebnisse weglassen (so viele Jahre kann man einfach nicht in einen kurzen Text fassen) und trotzdem jammere ich euch hier mit einem riesen Text die Ohren zu. Entschuldigt für die Umstände.
Danke fürs Zuhören
