Liebe Ninchen,
ich war mit meinem Mann verheiratet, als unser Wünschkind unterwegs war. Im 4. Monat würde er komisch, distanziert, irgendwie depressiv, wenn er zu Hause war und hyperaktiv, wenn er beruflich losmusste. Ich dachte damals, ihm fällt es halt schwer, sich von der Zweisamkeit auf die Dreisamkeit einzustellen und mein sich verändernder Körper würde ihn verunsichern und evtl auch abstoßen. Also hab ich mich um ihn bemüht, damit er es gut hat, wenn unser Kind kommt, denn während der Schwangerschaft hatte ich Kraft und Optimismus ohne Ende. Er kam die nächsten 2,5 Jahre nicht aus dem Quark und wir waren uns nie nah, nur noch Eltern. Er hat verzögert und ausgesessen und rumgehockt und war nur wirklich "wach" und aktiv, wenn's ums Kind ging. Als ich nach 2,5 Jahren meinte, er müsse nun dringend etwas gegen seine Depression tuen, ich halte das nicht mehr aus und kann nicht ständig nur in die Ehe Kraft geben und allein den Wagen anschieben, sondern brauche ihn auch mal, um mich anlehnen zu können, schaute er mich kalt an, warum ich denn glaube, dass er eine Depression habe. Und dass ich das mit "die Ehe allein führen" doch ganz gut schaffen könne, da ich ja schon so vieles in meinem Leben gemeistert habe. Ich war völlig im Schock, habe noch wenige Wochen versucht, zu verstehen, was hier los ist. Er verhielt sich unverändert. Eines Abends, als er nach den mittlerweile üblichen 3 Tagen Dienstreise (Kameramann, der angeblich nichts ortsnäheres finden konnte) sich wieder mit Kopfhörern im Ohr neben mich ins Ehebett legen wollte, ist mir der Kragen vor Schmerz geplatzt, ich hab ihn gefragt, ob er sich nicht für sein Verhalten schämt und dass er umgehend aus der Wohnung verschwinden soll. Ich hab seine Decke, sein Kissen, die Autoschlüssel und ein paar Klamotten genommen und auf den Flur geworfen. Er ist wortlos gegangen. Keine Woche später hatte ich ein "Mediationsangebot" auf dem Tisch mit einem Wechselmodellvorschlag und dem von der "Mediatorin" ausgerechneten Trennungsunterhalt und einem Gesprächstermin auf dem Tisch.
Seine Wohnung, die wir seit 2 Jahren zur Vermietung saniert hatten (die lange Dauer der Sanierung hatte ich auch seiner "Depression" zugeschrieben), war jetzt seine und er war nur sauer, dass ich ihn rausgeschmissen hatte, bevor die Küche drin war. Als unser Kind das erste Mal zum Papawochenende dort war, berichtete es begeistert, dass Papas Freundin XY zum Frühstück da gewesen sei.
Es stellte sich heraus, dass es seine Ex war und er schon während der Frühschwangerschaft mit ihr in Kontakt stand. Dass er mit ihr zusammen war, hat er bis zuletzt geleugnet. Sie sei "nur eine alte Schulfreundin, die ihm in dieser schweren Zeit beigestanden habe". Die Liebe zu mir sei in ihm gestorben, weil ich in der Schwangerschaft so hart gewesen sei (mit war es wichtig, dass die Familienwohnung fertig wird und keine Baustelle ist, bevor das Kind kommt - musste ich dann aber selbst, allein oder mit Freunden erledigen, weil Monsieur beruflich da schon verhindert war, wann immer Möbeltermine etc. anstanden). Nur hat er das da nicht gesagt, weil "er ja hoffte, dass die Gefühle wiederkämen". Kamen sie merkwürdigerweise aber nicht, während er am Wohnort seiner Ex-Freundin arbeitete, ohne sie mit einem einzigen Wort zu erwähnen.
Er hat Materiell mitgenommen, was er konnte, lügt bis heute jeden an und kümmert sich um unser Kind wenn es gerade für ihn ohne jede berufliche oder persönliche Einschränkung passt oder ich oder das Kind ihn zwingen. Er erlebt sich aber als "gleichberechtigtes Elternteil". Und wäre es nach ihm gegangen, wäre ich kurz nach der Trennung in den Nachbarort zu dem Ort, an dem seine Ex wohnte und er dann auch wohnte, gezogen, damit wir das Wechselmodell zu Gunsten des Kindes durchführen können. Um mir dies schmackhaft zu machen, hätte er mir auch die Umzugskisten und 12 Monate lang Starthilfe iHv 500 Euro gezahlt. Hab ich dankend abgelehnt, auch wenn ich zu Gunsten des Kindes tatsächlich darüber nachgedacht habe. Jetzt lebt er Hunderte km entfernt und zahlt seit Jahren 400 Euro Kindesunterhalt. Seine Sachen aus unserer Ehewohnung hat er nie abgeholt. Er hatte wohl schon 2 Jahre lang einen anderen Hausstand.
Ich glaube nicht, dass Dein Mann schon eine neue Wohnung hat.
Aber jemand, der eine "Wechselmodell-WG" vorschlägt, bei der sich nichts ändern soll, außer dass ihr kein Paar mehr weiß, möchte kommen und gehen, wann er Lust hat, und eine neue Option austesten, um zu sehen, ob ein anderes Lebensmodell ihm mehr Freude bereitet. Aber wenn er Sehnsucht hat, möchte er jederzeit "seine Kinder um sich haben" können. Im Endeffekt machst Du sämtliche Familienarbeit und finanziert Dich und 50-70% der Kinderkosten selbst. Und er kann nach dem gemeinsamen Laternelaufen, bei dem Du dich bitteschön nicht die schöne Stimmung für die Kinder mit Deinen Ansprüchen versauen sollst, geht er zum pop. zur Next. Kinderkrank ist Dein Problem. Es sei denn, Next macht ihm Druck. Dann kommt er in Deine Wohnung und macht sich breit, da ihr ja noch Freunde und Eltern seid.
So stellt er sich das vor.
Sei bitte diese Woche noch beim Anwalt und fahr die komplette Trennungsmaschinerie hoch. Schäm auch keinen Moment für das Verhalten Deines Nochmanns. Und erzählt jedem, der Dich fragt, warum Du einen Babysitter brauchst oder Dein Kind 15 Minuten zu spät aus der Kita abholst oder so schlecht aussiehst, dass Dein Mann sich überraschend vor 2 Wochen von Dir getrennt hat und Du jetzt schwanger das Leben als Alleinerziehende einrichten musst und dabei noch Hilfe/Verständnis brauchst.
Sag Deiner Mutter bitte auch Klipp und klar, dass Du jetzt ihre Unterstützung brauchst. Miz dem Trennungsunterhalt besorg Dir eine Putzfrau und einen Babysitter. Es wird eine Menge Termine in den nächsten Monaten geben, wo Du Deine Tochter nicht mitnehmen kannst oder möchtest. Und bei diesen Terminen frag NICHT Deinen Nochmann um Hilfe. Er glaubt sonst, er habe "ja stets alles für die Familie getan" und man hätte "ihn nur fragen" müssen. Lass ihn jetzt schon spüren, wie das ist als Vater mit fixen Umgangsterminen, die er vor dem Jugendamt vereinbart. Er stellt sich das alles reibungslos für sich vor und dass Du ihm schon entgegen kommen wirst, weil Du gerade in einer schwachen Position bist. Lass ihm nicht durchgehen, dass er Deine Schwangerschaft nutzt, um Dich auszunutzen.