×

Lieber Forenbesucher,

wer bei uns Unterstützung sucht, soll sie finden, und wer helfen möchte, ist hier herzlich willkommen. Moderatoren und Mentoren begleiten das Forum und achten darauf, dass Beiträge respektvoll bleiben. Sachliche, tröstende, wohlwollende und empathische Beiträge sind ausdrücklich erwünscht, damit sich alle Mitglieder wohl fühlen. Abwertende oder verurteilende Inhalte haben hier keinen Platz.

34

Probleme mit dem Stiefkind, wie weit darf man gehen

J

J_Eulenspiegel
Mitglied

Beiträge:
104
Themen:
5
Danke erhalten:
134
Mitglied seit:
Leider sehr schwer den Betreff zu schreiben.

Mein letzte Beziehung war eine Patchworkfamilie, sie hatte ein Junge und ein Mädchen und bei mir kommt regelmäßig meine Tochter. Vor 6 Jahren - meine Tochter war 6, ihr Sohn 16, ihre Tochter 12 - gab es Probleme mit ihrem Sohn. Manchmal werde ich auf das Thema angesprochen und ich mache mir manchmal Gedanken darüber, mich würde eure Meinung dazu interessieren, wie ihr darauf reagiert hättet.
Ihr Sohn war sozial problematisch, er hat bei mir/uns oft Geld gestohlen, zum Teil habe ich es wieder zurück bekommen und zum Teil nicht - wird sicher 4 stellig sein was er im Laufe der Jahre gestohlen hat. Mit ihm konnte man nicht reden oder belohnen oder bestrafen (z.B. Handyverbot), das prallte einfach an ihm ab. Wenn er nichts sagen wollte, sagte er nichts. Nur so vorne weg.

Zur eigentlichen Geschichte, meine Tochter hat einen jüngeren Bruder und da hat sie ihrer Mutter beim wickeln gesagt, dass sie so einen P. schonmal in größer gesehen hat. Darauf hin wurde meine Ex-Frau hellhörig und hat meine Tochter einige Sachen gefragt, ohne zu große Aufmerksamkeit diesem Thema zu schenken. Dabei kam raus, dass sie beim abendlichen Gute Nacht sagen bei dem Jungen das mal gesehen hat. Der Sohn hat sie gefragt ob sie auch mal anfassen möchte und noch mehr in die Richtung, ich war zu diesem Zeitpunkt immer den Raum neben an und meine Tochter war immer nur ein paar Minuten bei ihm. Als das Thema bei mir angekommen ist, habe ich sofort den Kontakt zwischen den beiden unterbunden. Meine Ex-Freundin hat das Problem nicht verstanden. Meine Ex-Frau wollte ihn mehr oder weniger anzeigen ich ihm helfen. Da er ein "Problemkind" ist, habe ich mit den Ämter für einen freien Platz bei den schwererziehbaren Jugendlichen, also betreutes wohnen mit Psychologen etc. gesorgt. Meine Ex-Freundin wollte das nicht, macht doch aus dem nicht so ein großes Fass, wer weiß ob da jemals was war. Das braucht es doch alles nicht. Ich konnte mich durchsetzen und der Sohn von ihr musste ausziehen. Darunter hat natürlich die Beziehung gelitten.
Mir wurde das natürlich immer vorgeworfen, dass ich ihren Sohn von ihr getrennt habe. Sie hat das Thema einfach ausgeblendet und nie bearbeitet, 2 - 3 Jahre später wollte ich mit ihr zusammen zu einer Paar - Therapie gehen. Ihre Antwort war geh du hin, wenn es dir gut geht, dann ist bei uns auch wieder alles in Ordnung.
Ich habe die Therapie in Anspruch genommen und mich von ihr getrennt.

In meinem Freundeskreis gibt es viele unterschiedliche Meinungen, wie hättet ihr auf so eine Situation reagiert?
Das ist bei mir schon verarbeitet, dennoch denke ich manchmal noch daran, vor allem wenn ich eine neue Frau kennen lerne die einen Sohn hat. . Wobei ich natürlich nicht alle in eine Schublade stecke - garantiert nicht. Ich denke aber ihr könnt das nachvollziehen, dass man da etwas andere Gedanken hat.

#1


M
Hallo @J_Eulenspiegel,

heftige Geschichte, die du miterleben musstest. Vorweg: Ich finde dein Verhalten war sehr verantwortungsvoll und schutzorientiert!

Mit 16 ist es oftmals schon recht spät, um tiefere Erziehungsmaßnahmen zu vollziehen. Ja, man lernt ein ganzes Leben, aber ich denke nicht, dass Handyverbote usw. bei Stehlen langfristig etwas gebracht hätten.

Sinnvoller würde ich finden, herauszufinden warum er gestohlen hat, wofür er das Geld brauchte. Dann einen Job für nach der Schule besorgen, wenn er mehr Geld verbraucht als sein Taschengeld ist. Und daheim seine Schulden mittels Umsetzungsplan abarbeiten lassen, zum Beispiel durch Rasenmähen und Haushaltsgeschichten.

Deinen Erzählungen nach zu beurteilen, war das Verhalten des Jungen auch nicht mehr als altersgerechte Neugier einzuordnen, sondern ein grenzverletzendes Verhalten, was sofort abgeklärt werden muss. Super, dass du deine Tochter mit deinen dir gegeben Möglichkeiten bestmöglich geschützt hast!

Problematisch war die fehlende Aufarbeitungsbereitschaft der Mutter. Das Ausblenden und Leugnen hat den Schutz deiner Tochter und die notwendige Intervention bei ihrem Sohn verhindert. Dass die Beziehung gescheitert ist, finde ich nachvollziehbar. Ich verstehe auch, dass es dich weiterhin beschäftigt, aber du brauchst dir am Ende des Tages keine Vorwürfe zu machen, dass du nicht genug gemacht hast. Du hast alles gegeben, was du konntest, um dein Kind zu schützen. Und der Junge hätte professionelle Unterstützung gebraucht, die du ihm nicht geben konntest - auch seine Mutter nicht.

x 3 #2


A


Probleme mit dem Stiefkind, wie weit darf man gehen

x 3


Worrior
Ich sehe da von ihr eine gewisse Gleichgültigkeit dem Verhalten des Sohnes gegenüber.
Ein 16jähriger der mal klaut ist eine Sache.
Wenn sich dieser 16jährige aber einer 6jährigen unsittlich nähert ist das eine ganz andere Hausnummer
Schütze Deine Tochter und halte sie von dort fern.
Notfalls ziehe aus damit Du Deine Tochter hin und wieder zu Dir holen kannst.
Wie die Beziehung dann weiterläuft wird man sehen.

#3


Plague
Der Anfangsverdacht war nicht unbegründet.
Kinder erzählen solche Dinge nicht ohne konkreten Hintergrund und 6ueller Missbrauch findet zur Hauptsache im engen Familienkreis statt. Täter/innen sind sehr oft Familienangehörige oder Menschen mit enger Bindung zur Familie.

Für meinen Geschmack hast du hier sehr viel richtig gemacht, in dem du die Beobachtung der Tochter ernst genommen hast und alles in deinen Möglichkeiten stehende getan hast, um sie zu schützen.

Zitat von J_Eulenspiegel:
Meine Ex-Frau wollte ihn mehr oder weniger anzeigen ich ihm helfen.

In wieweit eine Anzeige hier wirklich etwas gebracht hätte, ist fraglich. Die Justiz ist überlastet und genau solche Fälle, in denen die Beweislage schwierig ist, werden bevorzugt eingestellt.

Zitat von J_Eulenspiegel:
Ich konnte mich durchsetzen und der Sohn von ihr musste ausziehen. Darunter hat natürlich die Beziehung gelitten.

Ist nachvollziehbar - du musstest dich entscheiden und hast dich richtigerweise für de Schutz deines Kindes entschieden. Das hat natürlich Konsequenzen, vor allem, wenn die andere Seite anscheinend derart uneinsichtig ist.

Es wird dir wenig helfen, wenn ich dir sage, dass ich sowas im Bekanntenkreis in ähnlicher Form auch schon erlebt habe - es ging da um andere "Vergehen", die die betroffenen Eltern komplett ignoriert haben, bis die Beweislast quasi erdrückend gewesen ist und z.B. die Polizei vor der Tür stand.

Zitat von J_Eulenspiegel:
Ich habe die Therapie in Anspruch genommen und mich von ihr getrennt.

Und damit hast du dir und vor allem deiner Tochter den größeren Gefallen getan.

Zitat von J_Eulenspiegel:
vor allem wenn ich eine neue Frau kennen lerne die einen Sohn hat.

Ist alles eine Frage der Dosis. Es ist gut, wenn du für diese Konstellation sensibilisiert bist, aber gleichzeitig nicht komplett den Teufel an die Wand malst. Es gibt ja auch die Konstellation dass sich paedophile Männer gezielt alleinerziehende Frauen mit Kindern im bevorzugten Schema aussuchen. Du kannst sowas nicht grundsätzlich von vornehinein unterbinden, aber es ist gut, diesbezüglich wachsam zu sein.

Zitat von Worrior:
eine gewisse Gleichgültigkeit

Könnte für meine Wahrnehmung auch schon Resignation sein, weil die Dame vielleicht schon genau gewusst hat, dass sie den jungen Mann nicht unter Kontrolle hat.

x 6 #4


E-Claire
Irgendwie verstehe ich Deine Anliegen nicht. Erst das theoretische Thema zum Lügen und jetzt das.

Die Geschichte liegt ja in der Vergangenheit und ist abgeschlossen oder nicht?

Du hast verantwortungsvoll gehandelt. Was bringt es Dir, jetzt Jahre später zu fragen, wie andere gehandelt hätten?
Persönlich denke ich, dass das Thema ein sehr sensibles ist, was zwei zu dem Zeitpunkt sehr schutzwürdige Menschen betrifft und daher nicht sonderlich geeignet, um mal als Plauderthema in einem öffentlichen Forum herzuhalten.

x 2 #5


Worrior
Ups, lesen hilft! 😄
Ich dachte das wäre ein aktueller Vorfall in einer noch existierenden Bezirhung.
Von daher ist mein vorangegangener Vortrag relativiert

#6


Plague
Zitat von E-Claire:
und ist abgeschlossen oder nicht?

Den Eindruck hab ich noch nicht:
Zitat von J_Eulenspiegel:
dennoch denke ich manchmal noch daran, vor allem wenn ich eine neue Frau kennen lerne die einen Sohn hat.

Der konkrete Fall mag abgeschlossen sein, aber den TE beschäftigen - nachvollziehbarerweise - die entsprechenden Bedenken bei jeder neuen Beziehung in gleicher Konstellation.

x 3 #7


M
@E-Claire
Zitat von E-Claire:
Die Geschichte liegt ja in der Vergangenheit und ist abgeschlossen oder nicht?

Sowas kann einen Menschen ein Leben lang beschäftigen. Vermutlich wird er noch daran zu knabbern haben und darüber nachdenken, was er hätte anders machen können.

Zitat von E-Claire:
Was bringt es Dir, jetzt Jahre später zu fragen, wie andere gehandelt hätten?

Wahrscheinlich erhält er widersprüchliches Feedback aus seinem persönlichen Umfeld und bittet daher um andere Sichtweisen.

Zitat von E-Claire:
und daher nicht sonderlich geeignet, um mal als Plauderthema in einem öffentlichen Forum herzuhalten.

Plauderthema nicht, aber es sollte auch keine Tabu-Themen geben. Sonst nehmen wir einem Menschen die Möglichkeit, sich anonym zu einem Problem auszutauschen. Zusätzlich wird er ja auch fachgerecht begleitet.

x 6 #8


Sonnenschein85
Heftig. Ich finde es gut das du dich für deine Tochter eingesetzt hast.
Deine Ex Frau wollte es anscheinend unter den Tisch kehren und hat es herunter gespielt.

Dabei können solche Vorfälle Kinder nachhaltig prägen und belasten. Sie hat dem Sohn vertraut und trotz eigentlich geschützter Umgebung kam es zu dieser Situation. Sehr gut, dass sie sich anvertraut hat.

Hat sie dahingehend noch Redebedarf? Wie geht sie heute damit um?

Heftig auch das die Mutter gar nicht die Problematik bei ihrem Sohn erkennt. Und ihm da Hilfe zukommen lassen will. Ich meine klauen ist das eine und auch schlimm, aber das sind ja wirklich säxuelle Übergriffe und der Sohn benötigt da auch professionelle Unterstützung.

x 2 #9


E
Ich finde auch, dass du genau richtig gehandelt hast und deine Tochter beschützt. Dass es damit nicht "alles gut" ist, verstehe ich. So ein Erlebnis steckt einem in den Knochen.... Ich weiß es leider auch.

Es arbeitet noch Jahren in einem und macht auch misstrauisch gegenüber andere Menschen. Wichtig ist meiner Meinung nach das Thema zu entkoppeln von deiner Tochter, sonst entwickelt man eventuell paranoische Züge und verhindert ihre Entwicklung, indem man die Tendenz hat, die zu sehr zu schützen. Damit kann man auch Schaden anrichten.....

Wichtig fände ich auch, dass du bei dir bleibst. Warum der junge so Probleme hatte, warum deine Ex davon nichts wissen wollte, ist nicht in deiner Zuständigkeit.

Wie alt ist deine Tochter heute? Und gibt es einen konkreten Fall, also magst du eine Frau, die einen Sohn hat?

x 1 #10


C
Zitat von Sonnenschein85:
Deine Ex Frau wollte es anscheinend unter den Tisch kehren und hat es herunter gespielt.


Du verwechselst Ex Frau mit Ex Freundin.

Die Ex Frau wollte ihn anzeigen. Der TE wollte es nicht.

Im Prinzip selbe Geschichte wie so oft.
Der "arme" junge Mann lebt sich aus, alle schauen weg.

Der TE schützte den Täter und nicht seine Tochter.

Die Tochter hat gelernt, ein Typ darf sie mißbrauchen. Papa sorgt zwar dafür, dass er Typ irgendwann auszieht, aber ansonsten blieb er bei der Frau, die sich gegen seine Tochter stellte.

Tochter lernt auf ihren Papa ist kein Verlass. Der findet Menschen wichtiger, die gegen sie sind.

#11


J
@Casey
Zitat:
Die Ex Frau wollte ihn anzeigen. Der TE wollte es nicht.

Richtig. Und meine Ex - Freundin wollte nichts machen.


Zitat:
Der TE schützte den Täter und nicht seine Tochter.

Verstehe ich nicht, sobald ich das wusste, war der Täter und meine Tochter nie mehr allein zusammen in einem Raum - erste und schnellste Schutzmaßnahme. Danach habe ich dafür gesorgt dass er raus kommt aus dem Haus, da er unter 18 Jahre ist, wüsste ich nicht ob er überhaupt in Jugendhaft gekommen wäre, die Beweislast liegt sehr dünn auf einer 6 jährigen Mädchen, er hat nie ein Wort darüber verloren. So hätte es nur zu einer Sozialstrafe von X Stunde kommen können und niemand hätte ihm geholfen. Über das betreute wohnen ist er weg von meiner Tochter gekommen und er hatte die Chance sein verhalten zu "korrigieren". Nicht dass er mal ein Wiederholungstäter wird.


Zitat:
Wie alt ist deine Tochter heute? Und gibt es einen konkreten Fall, also magst du eine Frau, die einen Sohn hat?

Meine Tochter ist bald 12. Ja es gab ein kennenlernen mit so einer Konstellation. Hat aber an anderer Stelle nicht gepasst. Uns (Eltern des Opfers) wurde von Beratungsstellen gesagt, dass wir daraus kein großes Thema machen sollen und nie mehr nachfragen, denn dann verfestigt sich es bei ihr, sonst vergisst sie es wieder. Ob das richtig war....

x 2 #12


E
Ich denke, du hast die richtige Entscheidung getroffen und deine Tochter geschützt.

Alternativ hätte die Mutter des Jungen auch vorschlagen können, dass ihr euch als Patchworkfamilie räumlich trennt (sie mit ihren Kindern, du mit deinem Kind), was sie aber nicht tat. Sie trug also die Entscheidung wohl oder übel mit.

Ich denke, du kannst dir selbst sagen, dass du im besten Wissen und Gewissen entschieden hast.

x 2 #13


J
Zitat von E-Claire:
Irgendwie verstehe ich Deine Anliegen nicht. Erst das theoretische Thema zum Lügen und jetzt das.

Hi, ich weiß nicht was dich daran stört.
Wie bei anderen Beiträgen, wird man immer wieder an das Thema erinnert. Und mir geht es nicht nur um mich sondern auch um die anderen, damit sich evtl auch jemand öffnet und hier Anregungen oder evtl Lösungen zu finden.

#14


E
Zitat von J_Eulenspiegel:
Uns (Eltern des Opfers) wurde von Beratungsstellen gesagt, dass wir daraus kein großes Thema machen sollen und nie mehr nachfragen, denn dann verfestigt sich es bei ihr, sonst vergisst sie es wieder. Ob das richtig war....

Ich denke, das war richtig, durch Nachbohren verfestigst sich das Thema bei dem Kind. Du kannst durch Aufklärung bewirken, dass sich deine Tochter zu einer selbstbewußte Frau entwickelt, die sich wehren kann.

Für die Bearbeitung des Themas bei dir selbst, rate ich dir zu fachmännische Begleitung. Du hast in der Situation richtig gehandelt und das notwendige getan meiner Meinung nach. Gott sei Dank kam es sehr früh raus und das Kind konnte geschützt werden.

Solche Erlebnisse hinterlassen aber Spuren, genauso wie sonstige markante Erfahrungen. Gut wäre, wenn du das alles verarbeiten könntest, ohne Spuren davon zu tragen. Dafür musst du dich vermutlich mit deinem Anteil befassen. Du warst zu wohlwollend mit dem jungen und hast eine Partnerin geduldet, die ihr Leben nicht im Griff hat. Das kann Konsequenzen haben auch für andere, wie zum Beispiel für deine Tochter. Es ist überstanden, jetzt geht es "nur" um die Verarbeitung. Ich finde es gut, dass du darüber geschrieben hast, man redet kaum über solche Themen.

x 1 #15


A


x 4