Zitat von Atmani:Von Push and Pull in einem ausschließlich virtuellen Kontakt, was dann zur emotionalen Abhängigkeit führt, habe ich selbst auch noch nie gehört.Jetzt, wo es hier von einigen Usern nochmal untermauert wurde, sind das Informationen, die mich zukünftig etwas vorsichtiger mit privaten Informationen umgehen lassen.
Ich habe den Ausdruck "Push & Pull" als solches auch erstmals in diesem Thread gehört. Das Phänomen ist allerdings schon bekannt, seit es Onlinekontakte gibt.
Dabei ist die Frage
warum jemand Push & Pull betreibt, für einen Thread wie diesen hier IMO vollkommen irrelevant, deshalb lasse ich diesen Aspekt außen vor. Entscheidend ist,
wie man sich davor schützen
kann - dies war wohl auch eine Hauptambition der TE, das Thema überhaupt hier einzustellen.
Ein Grundgedanke dabei ist, daß andere Menschen sich nicht ändern lassen; das eigene Verhalten schon. In Beitrag #146 erlaubte ich mir daher eine Auflistung jener Verhaltensgrundsätze, mit denen es mir über die letzten zwei Jahrzehnte gelungen ist, recht unbeschadet durch die virtuelle Welt zu reisen - geschilderte Ausnahmen bestätigen bislang die Regel.
Aber betrachten wir das Phänomen doch bitte mal aus der Distanz heraus, um seine Dynamik wahrnehmen und einordnen zu können:
Da ist also ein Spielchen, das nennt sich "Push $ Pull". Wie bei allen Spielchen erfordert es mindestens zwei Teilnehmer. "Push & Pull" bleibt für gewöhnlich auch auf diese begrenzt - was natürlich nicht bedeuten muß, daß einzelne Spieler (meist die Pusher & Puller) nicht auch mehrere Spiele parallel betreiben, also mit jeweils anderen Counterparts.
Wie auch immer: Jedes dieser Spiele braucht einen, der es initiiert (ob absichtlich oder unbewußt ist IMO völlig irrelevant), und jemand, der mitspielt. Was den Mitspieler veranlaßt, dies zu tun, ist an dieser Stelle ebenfalls irrelevant. Bis hierher zählt nur, daß er es überhaupt tut. Denn sonst wäre das betreffende Spiel keine Realität geworden.
Je länger das Spiel nun andauert, desto größer seine Sogwirkung auf
beide Teilnehmer - der Pusher & Puller wird durch das Mitspielen des / der Gepushten & Gepullten ebenso ermutigt wie umgekehrt. Bildlich gesprochen, kann man es sich auch so vorstellen: Der Pusher & Puller saugt an der Flasche, und deren Inhalt gibt nach und wird dabei stetig leerer. Das wird solange weitergehen, bis nichts mehr übrig ist, was den Pusher & Puller noch zum weitersaugen triggert.
Mit dem letzten Tropfen passiert es dann: Schlagartig läßt er sie fallen und ist weg. Eigentlich ist das keine so ungewöhnliche Reaktion - oder sind hier User unter uns, die sich noch stundenlang mit einer 08/15-Wasserflasche beschäftigen, die sie längst leergetrunken haben? Doch wohl höchstens, falls für deren Rückgabe noch ein Leergutpfand zu erwarten ist. Ansonsten wird das Ding achtlos auf den Müll geworfen und gut ist.
Sofern die Flasche am Müllcontainerboden nicht gleich völlig zerbrochen ist, rollt sie auf dem Boden hin und her und bleibt insofern leicht erkennbar für den Pusher & Puller, sofern dieser sich noch in der Nähe aufhalten sollte. Eventuell lädt sie sich dabei - ähnlich einer leergegangenen Batterie - nochmal ein wenig mit Luft und Energie auf, aber nur schwach.
Wenn's gut läuft, hat der Pusher & Puller mittlerweile wieder eine andere Flasche gefunden und ist weitergezogen. Wenn nicht, wird er immer dann, wenn die alte Flasche sich am Boden wieder ein wenig angefüllt hat, zurückkehren und sie erneut aussaugen.
Aufhören wird das
erst, wenn die Flasche sich
gar nicht mehr bewegt, weil sie
leer geworden ist dabei.
Und wäre sie von vornherein
so fest zugestöpselt
geblieben, daß der Pusher & Puller sie nicht geöffnet
bekommt: Das Spiel hätte gar nicht erst begonnen.
Und was für Möglichkeiten hatte der Gespushte und Gepullte dazwischen?
Eben. Und deshalb ist dies auch nur ein Bild, das die Logik der Entwicklung von einer vollen Flasche zu einem ausgesaugten und achtlos weggeworfenen Scherbenhaufen verdeutlicht - und weshalb der einzig gangbare Weg, sie zu verhindern, ein rigoroses auf-sich-selbst-achten-und-sich-deutlich-abgrenzen ist.
Denn nur eine volle Flasche enthält köstlichen Wein, an dem ihr Inhaber sich fürs eigene Leben berauschen kann. Eine leere hingegen bedeutet Scherben am Containerboden und enthält nichts mehr, was ihm auch nur ansatzweise Freude bereiten könnte. De facto bedeutet sie also nichts anderes, als einen langsamen Weg in Freudlosigkeit (Depression) und womöglich den Tod (Scherben am Boden).
Und nochmal:
Ob das Leersaugen absichtlich geschieht oder unbewußt, das ist an dieser Stelle völlig unerheblich. Beim ersten klaren Anzeichen, daß so ein Spiel sich in Bewegung setzt, müssen vor dem geistigen Auge des Gepushten & Gepullten sofort lauter zerbrochene Flaschen am Boden auftauchen. und schon wird er wissen, was zu tun ist.
Allledings muß er / sie sich das wert sein.
Und darüber gibt es dann auch nichts mehr zu diskutieren. Weder mit dem Pusher & Puller, noch mit sonst irgendwem.