Noch ein Aspekt:
Eine Freundin hat auch so Phasen von unerträglichem Gequassel über Dinge, die sie total beschäftigen, aber mir vollkommen wumpe sind.
Früher sind wir immer zusammen laufen gewesen und dann brach es über mich herein. Wer wieder doof war, wer wieder etwas falsch gemacht hatte (falsche Serviettenfarbe zu den Blumen, SMS geschrieben statt Postkarte, kurzärmeliges Hemd unterm Anzug, Müll falsch getrennt usw. usw.). Furchtbar.
Doch ich hielt an dieser Freizeitaktivität fest, denn Sport ist ja gut und wir kennen uns ja schon so lange und blablabla.
Ich versuchte es mit Unterbrechungen der Monologe, mit Erzählungen, was mir SCHÖNES passiert ist, mit Hinweisen auf etwas Schönes im Straßenbild, mit Themen wie Politik, Gesellschaft, mit dem Vorschlag, sich mal aufs Training zu konzentrieren, nur Positives zu erwähnen, mit Challenges wer am längsten schweigen kann usw. usw.
Ich erntete Unverständnis und allenfalls kurze Versuche, 'es' mal anderes zu machen, nur damit sie sofort wieder in alte Muster fiel.
Ich war ratlos und genervt und hasste diese Verabredungen zum Laufen.
Jedes Mal danach war ich nicht entspannt. Mein Kopf war nicht frei und ich war froh, wenn es vorbei war.
Aber ich hielt daran fest, denn Sport ist ja gut usw. usw. Also s.o.

Über meinen Burnout kam ich in Therapie. Dort ging es natürlich auch um den Ausgleich zum Beruf, um Freizeitaktivitäten, Freunde, Sport usw.
Irgendwann sagte die Therapeutin zu mir:
'Haben sie sich eigentlich mal die Frage gestellt, ob ihre Freundin nicht viel mehr von diesen Terminen hat als sie? Ihr geht es danach besser, denn sie hat ihren ganzen seelischen Müll bei ihnen abgeladen und ist davon befreit. Aber sie tragen auch das noch auf ihren Schultern und ihnen geht es schlechter als zuvor '
So hatte ich es tatsächlich noch nicht gesehen, denn ich hielt ja aus o.g. Gründen an ubseren Verabredungen zum Laufenfest und fand auch, wenn meine Freundin von etwas belastet ist, ist es meine Pflicht, für sie da zu sein.
Den Aspekt aber, dass das ihre Befreiung und eine feste Größe für sie ist, hatte ich in diesem Ausmaß nie gesehen.
Lediglich die Ausweglosigkeit der Situation und die Einbildung, das aushalten zu müssen als Anspruch an mich selbst waren präsent.
Als mir klar wurde, was Woche für Woche als Schrott in meine Waagschale gelegt wurde, die sich immer weiter senkte, während ihre stieg, stellte ich das gemeinsame Laufen sofort ein.
Es ging mir in dieser Beziehung sofort besser. Die Gespräche wurden wieder etwas gehaltvoller. Ich weiß inzwischen, dass ich am liebsten allein Sport mache.
Wir sind immer noch Freundinnen und können uns aufeinander verlassen, aber ich lasse so massive Beeinträchtigungen und das permanente Abladen von Frust bei mir nicht mehr zu.
Abgrenzung ist immer und immer wieder das Zauberwort.