
Habt ihr euch schon einmal an einem Ort befunden, der für euch Schlüssel und Schlußstrich zu gleich erschien?
Ich habe gestern um 1000 Uhr in der Früh mich an einem solchen Ort befunden. Es war ruhig..nichts rührte sich obwohl man die Nähe der Strassen mit ihren Gräuschen hören konnte, das Geschrei der Kinder aus dem Kinderhort, das Hupen der Autos, sogar ein paar Vögel haben auf der Suche nach Gefährten oder Nahrung gezwitschert und geträllert. Ein Specht klopfte einen Baumstamm nach Larven ab und von irgendwo wehte ein Hauch von Wind Stimmen zu mir her. Geräusche des Lebens. Ich stand da auf dem Dach eines Gebäudes, die Dachterrasse eines Cafes. Ich schaute die vier Stockwerke zur Strasse hinunter und ging sogar bis ganz vor zum Geländer. Ich, die sonst immer starr wird vor Angst und in Panik ausbricht, wenn sie irgendwo ist, was höher als 1 1/2 Meter ist, den ich habe Höhenangst. Ich stand also da an der Brüstung und schaute hinunter.......
Nein, es kam mir nicht wie eine Ewigkeit vor und es lief auch kein Film ab und ich hatte auch keine tiefschürfende Gedanken... ich stand nur da und schaute hinab... wie oft... habe ich mir in den letzten Monaten so eine Gelegenheit gewünscht... weit und breit keine Menschenseele.... sichere Tiefe... große Höhe....Strassenpflaster... ein paar Mauern... Stahlgeländer..perfekt.....
Ein kleiner Sprung oder nicht einmal ein Sprung... einfach... Augen schliessen, Arme ausbreiten und fallen lassen... fliegen....und dann Ruhe....
Aber ich tat nichts von allem dem, ich drehte mich um, setzte mich hin... und trank einen Schluck vom Cappuccino, den die Kellnerin mir hingestellt hatte. Es war weder Traurigkeit in mir, noch Verzweiflung, noch Schmerz, noch Wehmut, noch Sehnsucht... und sogar nicht Liebe....nur ein unendliches Nichts.... kein Gefühl... nur Leere....
Ich saß da...allein .....die Wolken zogen sich zusammen und der Hiimmel wurde dunkler abe nur eine kleine Nuance..nichts dramatisches ... kein Hollywood... nur ein graues Etwas.... hie und da fiel der eine oder andereTropfen und ich merkte, wie es langsam anfing zu regnen... Ich stand auf..und ging hinein...zum Aufzug und fuhr wieder hinnunter... hinunter dem Leben entgegen und nicht nach oben.... Manchmal ist das Leben unten und nicht oben zu finden...
Wieso schreibe ich das hier in diesem Forum in diesem Thread... was will ich damit bezwecken? Was für eine Moral steckt dahinter oder welchen Sinn soll es haben....?
Ich schreibe es hier, weil es eben keinen Sinn hat, keine Moral, keinen Zweck.... alles andere als mit dem Auzug nach unten fahren, wäre sinn- und zwecklos gewesen... eine Verschwendung an Lebenskraft... an Leben...
Hätte es jemanden was ausgemacht... ja vielleicht .. für einen kurzen Augenblick, einen Wimpernschlag, den Flügelschlag eines Kolibris...hätte es den einen oder anderen berührt... man hätte einen Einzeiler im Polizeibericht gelesen...und dann wäre wieder Ruhe eingekehrt....jeder ginge dann weiter seinen Weg, weiter durch die Routine des Lebens... ein Wink, ein Wisch, vielleicht eine Traene und dann...nichts mehr...nur noch das grosse Vergessen.
Die Erde würde sich weiterdrehen und ihre Bahnen um die Sonne drehen....die Jahreszeiten würden kommen und gehen.... und ...nichts aber auch gar nichts hätte sich am Lauf der Dinge geändert.....
Wie oft sagt man sich 'Ich liebe ihn/sie über alles', 'ich kann ohne sie /ihn nicht leben', 'mein Leben ist zu Ende' aber... es sind alles nur Worte...
Oh...man glaubt es schon, dass es so ist und jeder hat mal mehr oder weniger solche Gedanken... manche zu Anfang der Trennung, manche etwas später...
Aber eines hätte ein solches Tun nicht bewirkt, es hätte den Verlasser nicht tangiert... ja vielleicht hätte er oder sie sich für ein paar kurye Momente die Zeit genommen den einen oder anderen Gedanken an den oder die Zurueckgelassene zyu denken... aber dann...
Dann wäre er oder sie in das Bett der Next gestiegen und hätte weiter gemacht als ob nichts gewesen wäre... was hätte er oder sie denn sonst machen sollen, wenn die oder der Ex so dumm ist?
Eines hat mir diese meine ureigene persoenliche Erfahrung gezeigt...in jedem von uns steckt eine Menge Kraft. Kraft, die man nutzen sollte, sich das Leben so zu gestalten, dass man die Freude an den kleinsten Dingen wieder findet.
Nicht die grossen Gefuehle sind es, die uns ausmachen. Nicht das Hollywoodkino oder die Lehrbuchauthoren und Psychologen, die einen Ratgeber nach dem anderen auf den Markt werfen und uns sagen wollen, wie wir vergessen, wie wir loslassen oder wie wir leben sollten. NEIN....wir sind es ....wir tief drin in uns, wissen genau was wir brauchen, was gut fuer uns ist. Wenn wir wirklich wollen und wenn nicht.
Nicht mein Ex...ist mein Leben oder meine Liebe... oder der Mann meiner Traeume....diesen Mann gibt es nicht... hat es vielleicht auch so wie er in meinen Gedanken herumgeistert auch nie gegeben... es ist die Vorstellung von Leben, Liebe und die Vorstellung von dem perfekten Mann, dem ich vielleicht nach geheult habe....und vielleicht auch nach trauere...
Deshalb habe ich auch keine Angst mehr auf Dachterrassen zu steigen .... denn auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie mein Leben von jetzt an weitergehen soll oder muss.... weiss ich, dass es weitergeht...und manchmal lache ich sogar und oh wunder...manchmal bin ich richtig gluecklich und zufrieden mit mir ....
.....so wie in dem Moment als ich in den Aufzug einstieg und im Erdgeschoss wieder ausgestiegen bin... Ich bin immer noch da...und es ist gut so.....
