Zitat: Ich vermute, deine Mutter wird sich gedacht haben, dass wenn du ihn so vermisst und unglücklich bist, es dafür eine einfache Lösung gegeben hätte, wie weiter in der Beziehung bleiben. Nimm es dir nicht so zu Herzen, auch wir Kinder denken uns doch oft genug, was unsere Eltern anders hätten machen können.
Ja, ich glaube so sieht sie es. Da sie selbst in einer unglücklichen Ehe lebt, aber meinen Vater nicht verlassen will, scheint das für sie der einfachste Weg zu sein.
Zitat: Ich nehme an, er wird immer schon so gewesen sein, oder? Das Hygieneproblem ist allerdings eine andere Geschichte, das spricht eindeutig dafür, dass es ihm nicht gut ging. Nur schaffen es die wenigsten, sich aus eigener Kraft Hilfe zu holen. Es ist große Überwindung. Er wird vielleicht durch eure Trennung den benötigten Antrieb für Weiterentwicklung bekommen.
Ja, war er. Über lange Zeit war das auch okay für mich und ich habe unsere Zweisamkeit sogar genossen, bis sie irgendwann belastend wurde. Er wusste, dass es mich sehr belastet hat, dass wir niemanden hatten mit dem wir etwas unternehmen hätten können - oder es hat am Geld gescheitert. Ich habe so oft vor ihm geweint und gesagt, wie verzweifelt ich bin, weil ich auch gerne wenigstens ein paar mehr Freunde hätte, die wir wenigstens zu uns hätten einladen können. Daraufhin hat er mich oft in den Arm genommen, gesagt er wüsste wie es mir geht, aber dass man daran leider nichts ändern könnte und damit war das Thema wieder erledigt. Ich verstehe schon, dass er uns keinen Freundeskreis herbeizaubern konnte, aber in derselben Situation über Jahre hinweg zu bleiben war für mich dann zu viel.
Er muss doch irgendwann gemerkt haben, dass ich mich zurück gezogen habe - grade wenn es um Sex ging, den ich irgendwann verweigert habe, oder ich Küssen etc. ausgewichen bin. Bei mir persönlich würden Alarmglocken los gehen, wenn mein jetziger Partner mir sagen würde, dass ich unangenehm riechen würde oder ungepflegt wäre. Ich schäme mich ja schon, wenn ich einen deutlichen Pickel habe oder wegen meinem Hirsutismus (ist in ärztlicher Abklärung), der zwar noch nicht massiv ist, aber deutlich da, wenn ich nicht regelmäßig rasiere und dafür kann ich noch nicht mal was...
Ich will meinem Partner ja gefallen und ihm war das einfach egal, hat aber wütend reagiert, wenn ich zum x-ten Mal abgelehnt habe.
Zitat: Beneide sie nicht, denn selbst in Alter kann man noch unglaublichen Liebeskummer haben
Das stimmt wohl, und klingt von mir etwas unsensibel, sorry. Ich glaube, wenn man das schon 2-3x durchgemacht hat, weiß man wenigstens, welcher Schmerz einen erwarten kann. Ich fühle mich von den Gefühlen grade nahezu überrollt.
Zitat: Es scheint mir, als wäre Kommunikation ein wichtiger Punkt in deiner vergangenen Beziehung gewesen, mach nicht den Fehler, deinen neuen Partner vor deinen Gefühlen auszuschließen. Wenn es ein gesundes Maß ist, darf man auch mit seinem Partner über solche Dinge sprechen, finde ich.
Ich spreche mit ihm darüber - immer wieder. Er hat aber auch nicht Unrecht, wenn er sagt, ich sollte nicht nur in der Vergangenheit leben und traurig sein, sondern auch in der Gegenwart und Glücklichsein lernen, weil ich das laut ihm schon lange nicht mehr war und das stimmt ja auch. Er bemüht sich sehr um mich, versucht, mir das zu ermöglichen, was ich nie hatte. Er bringt mich zum Lachen, auch wenn ich grad eben wieder geweint habe. Ich möchte nur nicht, dass er den Eindruck gewinnt, dass ich zu sehr um meine Ehe trauere.
Zitat: Wenn du das Gefühl hast, du brauchst mehr Unterstützung und willst mehr darüber reden, such dir einen Platz für die Psychotherapie. Dort kannst du es besser verarbeiten.
Ich bin schon viele Jahre in Therapie aufgrund diverser Sachen. Gerade jetzt würde ich so gern mehr darüber reden, aber durch den Umzug sind wöchentliche Termine einfach nicht mehr machbar, weil die Distanz so groß ist. Bei meinem nächsten Termin werde ich mit ihr über meine Ambivalenz reden, dass ich mich zeitweise so zerrissen fühle, weil ich nicht weiß, wohin ich gehöre. Mir fehlt mein Haus, mir fehlt mein Nochmann wie er früher mal war. Ich weiß aber auch, dass sich zu 99% nichts ändern würde und ich viele Jahre in dieser Situation gelebt habe. Ich sehe R., weiß, dass er mich liebt und fast alles für mich macht, um mich glücklich zu machen. Ich erinnere mich an die Schmetterlinge im Bauch, die ich wegen ihm immer mal wieder habe oder hatte und die bei meinem Nochmann schon so lange fort sind...