LostJinxie
Mitglied
- Beiträge:
- 11
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 4
- Mitglied seit:
ich habe mich selbst in meinen Gefühlen so furchtbar verstrickt, dass ich nicht mehr weiß, was richtig und falsch ist... Vermutlich werdet Ihr mir das auch nicht sagen können, aber oft helfen neutrale Einschätzungen einem ja doch sehr weiter, Entscheidungen zu treffen.
Die Situation ist die: Mit meinem Ex bin ich mit Anfang Zwanzig zusammen gekommen; wir waren über elf Jahre ein Paar, wobei dreizehn Jahre Altersunterschied zwischen uns liegen. Die ersten Jahre waren manchmal schwierig, weil wir in vielen Dingen sehr unterschiedlich sind, aber die letzten Jahre waren beinahe Harmonie pur.
Er ist, sicher auch bedingt durch eine schwierige Kindheit, beziehungsmäßig anders gestrickt als es „normal“ ist. Wir haben immer getrennt gewohnt und waren uns auch beide einig, dass wir weder heiraten noch Kinder wollen. Wir haben uns nur am Wochenende gesehen. Unser Leben plätscherte gemächlich vor sich hin. Meistens haben wir unsere gemeinsamen Abende mit Gesprächen und Fernsehen verbracht; gemeinsame Unternehmungen waren selten. Der Sex war gut, hat aber aus reiner Bequemlichkeit eigentlich nur noch alle 4 - 6 Wochen stattgefunden.
Ich weiß nicht genau, wann ich begann, mich zu fragen, ob das alles ist und ob es das ist, was ich bis zum Ende meiner Tage haben möchte. Möglicherweise fing es damit an, dass ich mich heimlich ein wenig in einen Bekannten verliebt habe, über den ich nicht viel wusste, mich aber hin und wieder ein paar kleinen ero. Fantasien hingab.
Ich muss dann wohl auch unbewusst angefangen haben, mich ihm gegenüber anders zu verhalten. Wir flirteten eine Weile, bis er mich dann fragte, ob sich da etwas zwischen uns anbahnt. Dann kam eins zum anderen, die Dinge überstürzten sich. Mein Jetzt-Ex hatte kurz zuvor noch gesagt, wenn ich mal irgendwann nicht anders könnte und mit einem anderen Typen ins Bett wolle, sollte ich es tun, ihm aber nichts davon sagen und um Gottes Willen nicht seine oder meine Gesundheit riskieren.
Mit diesem Beinahe-Freifahrtsschein im Hinterkopf gab ich meinen Hormonen nach, landete mit dem Bekannten im Bett, und gleich beim ersten Mal riss das Kond.. Und mit dieser Nacht waren meine Gefühle im Chaos. Meine „Affäre“ gestand mir, sich sehr in mich verliebt zu haben und wollte gern mit mir zusammen sein. Ich versuchte noch kurzzeitig, es auf dem Niveau „Affäre“ zu belassen, aber auch ich war verliebt, und ich konnte meinem Freund nicht die heile Welt vorspielen.
Also gestand ich ihm die Hälfte – mich verliebt zu haben und nicht weiter zu wissen. Darauf reagierte er erst mal unerwartet locker; er würde mir das ja gönnen und wolle nur, dass ich glücklich bin. Ich hatte das Gefühl, dass wir die Situation irgendwie meistern könnten.
Einen Tag später jedoch hatte ich eine Mail von ihm; er wüsste noch nicht, ob er damit umgehen könnte. Währenddessen litt der andere still vor sich hin und wartete darauf, dass ich eine Entscheidung treffen würde. Einen weiteren Tag später hatte ich die Schlüssel von meinem Freund im Briefkasten und las bei facebook seine Statusänderung auf „Single“.
Ich war indessen im Tal der Tränen und eigentlich gar nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Mit dem Schlussmachen war die Entscheidung aber getroffen, und so sagte ich dem Neuen, dass ich nun frei sei. Und tat das Idiotischste, was man wohl tun kann: Stürzte mich kurz darauf gleich in eine Beziehung mit ihm.
Die ersten Tage waren aufregend, aber mit jeder Woche, die verging, wurde ich niedergeschlagener und unausstehlicher. Tausende Kleinigkeiten erinnern mich an meinen Ex. Ich habe das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein. Ich bin unfair zu dem Neuen, indem ich ständig an den Ex denke, obwohl ich das nicht will. Ich war unfair zum Ex, indem ich seine Entschuldigung für seine überstürzte Reaktion auf mein Geständnis ausschlug und ihm schrieb, ich hätte mit allem abgeschlossen – was ja wohl nach ein paar Tagen völlig unmöglich ist. Aber da war es im Grunde zu spät, denn ich war ja schon mit dem Neuen zusammen.
Ich enthalte dem Neuen nun vor, was er verdient hätte: Eine frische unbelastet Beziehung voller Verliebtsein. Ich verhindere, dass der Ex sich von mir lösen kann, denn wir schreiben nach ein paar Wochen Schock-Funkstille wieder. Ich habe ihm geschrieben, dass ich mit dem Neuen zusammen bin, vielleicht weil ich gehofft habe, dass er daraufhin den Kontakt abbricht.
Aber er hat mir daraufhin eine todtraurige Mail geschrieben, wie sehr er mich vermisst, dass er nun weiß, wie er mich geliebt hat und dass er einfach nicht glauben kann, mich für immer verloren zu haben. Er wünscht sich freundschaftlichen Kontakt.
Ich fühle mich entsetzlich. Ich weiß nicht, was ich will und wie ich es herausfinden soll. Ich weiß nur, dass ich mich von außen betrachtet ganz furchtbar verhalte und jeden anderen dafür verurteilen würde.
Ich will die alte Beziehung nicht mehr so, wie sie mal war. Aber ich vermisse meinen Ex unendlich; er war mein bester Freund, wir waren immer ehrlich zueinander und konnten uns alles anvertrauen.
Den Neuen mag ich sehr, aber er schreckt mich auch ab, indem er jetzt schon sehr nahe kommt, mich ständig sehen will und niemals fragt, wie und ob ich denn meine alte Beziehung verarbeitet habe. Dadurch, dass er das Thema ausklammert, finde ich erst gar nicht den Mut, es anzusprechen, weil ich weiß, dass er das nicht hören möchte. Andererseits führt mir genau das vor Augen, was mir so sehr fehlt: Diese innige Vertrautheit, dass man sich so gut kennt – das kann die Verliebtheit nicht aufwiegen.
Ein weiterer Punkt ist, dass ich noch nicht mal glaube, mit dem Neuen eine dauerhafte Chance zu haben. Er ist etwas jünger als ich und ein Familienmensch. Ich will wirklich absolut keine Kinder, und das ist ein so wichtiger Punkt, dass ich glaube, dass man hier wirklich übereinstimmen muss. Wenn man das von Anfang an weiß, warum versuchen wir es überhaupt?
Ich habe meinem Ex geschrieben, ich müsste herausfinden, wer ich wirklich bin. Im Moment weiß ich, dass ich DAS nicht bin und mich total verloren habe.
Ich war ein ziemlich fröhlicher und lustiger Mensch. Momentan bin ich nur mürrisch, und mein Humor drückt sich nur noch durch Sarkasmus aus.
Sorry für diesen langen Text, in dem trotzdem sicher noch tausend nicht ganz unwichtige Infos fehlen. Würde mich freuen, wenn jemand was dazu schreiben kann.
Liebe Grüße
von der verlorenen Jinxie
