@Amaible
Ich glaube, Selbstvertrauen und Akzeptanz spielen eine große Schlüsselrolle auf dem Weg zur Heilung.
Trotz diverser negativer Erfahrungen in Freundschaften und Beziehungen in der Vergangenheit -u.a. wurde ich von einem meiner Partner mehrfach betrogen- ging ich viele Jahre unbeschwert neue Beziehungen und Freundschaften ein. Erste Risse bekam mein Vertrauen erst nach einer On-Off-Liebelei mit einem vermutlich liierten Mann und nach dem Bruch mit meiner vermeintlich besten Freundin. Nach der für mich ebenfalls überraschenden Trennung, die von meinem Ex ausging, war mein Vertrauen vollends zerstört. Und ich habe massiv an mir und meiner (Selbst-)Wahrnehmung gezweifelt.
Was mir hilft:
*Akzeptanz. Es ist wie es ist und nicht änderbar oder rückgängig zu machen. Der Ex hatte seine ganz eigenen Gründe, sich so zu verhalten wie er sich verhalten hat. Ich muss das nicht verstehen oder nachvollziehen können. Das Einzige, das ich wissen muss, ist dass es nichts mit mir zu tun hat, dass der Ex auf diese Weise gehandelt hat.
Gleichzeitig gilt es zu akzeptieren, dass der Traum, den man hatte, geplatzt ist. Auch wenn es zwischen mir und meinem Ex nicht optimal lief, irgendwie hatte ich dennoch das Gefühl, angekommen zu sein. Mit der Trennung hat er mir gefühlt alles genommen, weil ich dachte, all die Dinge, die ich mir schon immer gewünscht habe, in ihm gefunden zu haben.
Aber: Das war MEIN Traum. Nicht seiner, ganz offenbar. Das ist eben so.
Ich persönlich finde, dass Akzeptanz der schwierigste Part von allem ist. Es ist ein Prozess und ich habe festgestellt, dass man ihn beschleunigen kann, wenn man nicht passiv darauf wartet, dass "es" passiert, sondern aktiv darauf hinausarbeitet. Ich z.B. habe mir immer wieder bewusst gemacht, dass es eben ist wie es ist, wenn schmerzhafte Erinnerungen an meinen Ex bzw. sein Verhalten hochkamen. Nicht anfangen, zu hinterfragen oder im Schmerz zu versinken.
Zugegeben, das hat die erste Zeit im akuten Trennungsschmerz nur mäßig funktioniert
😂 Mittlerweile funktioniert es schon ganz gut, auch wenn es noch Momente gibt, in denen mich die Wut auf ihn übermannt. Aber es wird besser.
Und was mir auch hilft: Ganz gezielt in Kontakt mit anderen Menschen zu gehen. Ganz unverbindlich. Ich war ja immer der Typ, der SmallTalk mit Fremden hasst und demonstrativ weggeschaut hat, damit niemand auf die Idee kommt, mich anzusprechen. Das habe ich geändert und spreche jetzt öfter andere Menschen an, und wenn es nur an der Kasse im Supermarkt ist, um jemanden vorzulassen. Einfach, um offen gegenüber anderen Menschen zu bleiben bzw. zu werden.
Die meisten Leute freuen sich und es ist schön, ein paar nette Worte zurück zu bekommen.
Natürlich schützt mich das nicht vor eventuellen weiteren Enttäuschungen, aber mir hilft es, meinen Argwohn abzulegen und vor allem erst einmal ohne Erwartungen, die enttäuscht werden könnten, an andere Menschen heran zu treten.
Und last but not least- sorry, ich bin gleich fertig
😁 Ich habe ein schönes Hobby, das mir Spaß macht und ganz gut gelingt, gefunden. Das stärkt mein Selbstvertrauen und hebt meine Laune.
Das hat zwar nur indirekt etwas mit Vertrauensbildung zu tun, aber ich merke, wenn ich gute Laune habe, bin ich offener und wohlwollender anderen Menschen gegenüber eingestellt, ohne ihnen gleich etwas Schlechtes zu unterstellen.
Entschuldige den langen Text. Ich denke, es gibt kein Patentrezept, um verlorenes Vertrauen wiederzuerlangen. Mir hilft die Kombi aus o.g. Dingen, um meine negativen Erlebnisse zu überschreiben, so dass sie nicht bei jedem neuen Kontakt mit anderen Menschen präsent sind, damit ich möglichst unvoreingenommen gegenüber ihnen sein kann.
Und:
Zitat von Amaible: Nach sieben Monaten müsste es doch auch mal gut sein mit der Schwermütigkeit
Gib dir Zeit.
Ich bin sicher, dass du den Vertrauensverlust überwinden wirst.
Und wenn es 2 Jahre dauert, dann ist es eben so. Dafür kannst du dann sicher sein, dass du nachhaltig gestärkt aus der Sache heraus gegangen bist.