Hallo Zukunft,
Zitat:Wir sind beide 26. Die 88 in meinem Nickname ist der Jahrgang zwinkern
Ja ist mir hinterher auch aufgegangen :D
Zitat:Die Ängste bestanden hauptsächlich darin etwas falsch zu machen oder nur davor, dass Menschen denken könnten, dass sie was falsch gemacht haben könnte. zB hatte sie Angst, dass man denken könnte, dass sie etwas klaut, wenn sie im Geschäft Sachen anprobiert hat und dann aber ohne etwas zu Kaufen das Geschäft verließ. Es ging dann teilweise so weit, dass sie nur deshalb etwas gekauft hat, damit der Detektiv nichts schlechtes von ihr denken könnte.
Ja, ein schönes Beispiel dafür, wie sehr wir uns oft selbst im Weg stehen nicht wahr? Mir selbst ist irgendwann aufgefallen, dass die Hindernisse, die es im Leben zu überwinden gilt, fast ausnahmslos in meinem Inneren sind. Ich wundere mich manchmal, dass manche Menschen sich in erster Linie durch äußerliche Faktoren an ihrem Glück gehindert sehen. Für mich gilt dies:
"Der wahre Wert eines menschlichen Wesens wird vor allem durch die Art und das Ausmaß bestimmt, wie es sich von sich selbst hat befreien können." Das schrieb unser Schlaumeier Albert Einstein :D
Für mich war es einerseits erschreckend, dies festzustellen, denn alles liegt an mir selbst...Aber gewichtiger ist die Freude durch diese Erkenntnis- denn das heißt, ich habe mein Glück selbst in der Hand :)
Hat sie denn eingesehen, dass sie sich diese Probleme selbst erschafft?
Aber Du schreibst, wenn ich Dich richtig verstanden habe, dass sie ihre Ängste z.T. bewältigt habe. Wie geschah dies?
26., das ist sehr jung finde ich. Ich war mit 26. noch voll drin in meiner narzisstischen und schmerzphase.
Zitat: Zum Psychologen wollte sie unter anderem auch nicht, weil sie Angst hatte, dass er ihr etwas erzählen könnte, was sie nicht hören will. Was eigentlich gerade ein Grund sein sollte zum Psychologen zu gehen, wenn man das denkt, weil man ja weiß, dass es Sachen in einem gibt, die man verdrängt.
Oh ja, da hast Du Recht. Ich las einmal "Wo die Angst ist, da ist der Weg."
Und ich glaube, je näher man an sich selbst dran ist, desto geringer wird die Angst, an einen könnte etwas von Außen herangetragen werden, mit dem man nicht umgehen könnte. Ich selbst habe einmal eine Zeit gehabt, in der ich z.B. meinte, nicht ertragen zu können, wenn der Mann den ich liebe, mich nicht wiederliebt. Schmerzhaft ist das immer aber heute kann ich so etwas ertragen. Früher hätte es den kompletten Zusammenbruch bedeutet.
Zitat:In der Verwandschaft von mir wurden gute Erfahrungen mit Therapien gemacht, weshalb ich da auch keine Hemmung habe.
Hast Du also für Dich auch bereits eine Therapie in Erwägung gezogen oder missverstehe ich das?
Zitat:Zur Beziehungserfahrung: Mein Gedankengang war der, dass ich eventuell durch falsches Verhalten oder so etwas in der Art, zB in Konfliktsituationen eine emotionale Abkehr von mir gefördert habe oder irgendwie sowas.
Ja, solche Gedanken hat sicherlich jeder Mensch einmal aber wir dürfen doch Fehler machen, wir dürfen unvollkommen sein...Wenn es so ist, dass wir aufgrund eines Fehlers verlassen wurden, dann wurden wir meiner Meinung nach nicht richtig geliebt.
und manchmal ist es auch so, dass wir uns mit dem (vermeintlich) Verpasstem grämen "Wenn ich nur...!", um nicht spüren zu müssen, dass nicht so viel in den eigenen Händen gelegen hat, wie man annimmt. Es erinnert mich an ungeliebte Kinder, die vielleicht denken "Wenn ich nur so und so geworden wäre, wenn ich ein erfolgreicher xy geworden wäre, ja dann hätten mich Mutter und Vater akzeptiert und geliebt..." Und so versucht man, dem Bild der Eltern, des Partners zu entsprechen, um nicht wahrhaben zu müssen, dass man nicht geliebt wurde.
Zitat:Ich kann es nicht genau sagen. Aber eventuell geht es in die Richtung: Hätte ich das Abflauen der Er.otik verhindern können? Wäre dann noch alles gut?
Hätte nicht auch sie versuchen können, dies zu verhindern? Und ist es überhaupt zu verhindern? Ist es nicht eher so, dass es eben heiße Phasen gibt und andererseits Phasen, in denen andere Dinge im Mittelpunkt stehen? Auch ich kenne die Sorgen, die ein Verlust der Er.otik mit sich bringt, schön ist es nicht...aber wenn eine Beziehung sehr viel Potential hat, dann bricht man sie doch nicht wegen einem Fieberverlusts ab 8) Und vielleicht flammt die Er.otik ja wieder auf....wer weiß?
Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Versuch, etwas zu steuern (etwa die Er.otik krampfhaft aufrecht erhalten zu wollen) immer das Gegenteil von dem bewirkt, was man sich ersehnt. Die intensivste menschliche Begegnung ist möglich wenn wir das unmögliche Unterfangen aufgeben, etwas steuern, lenken zu wollen.
zugegeben, sobald wir in einer Beziehung stecken, wollen wir das Schöne festhalten, wir verlangen es geradezu und es ist eine riesengroße Herausforderung, wenigstens zeitweise alle Erwartungen fahren zu lassen und zu schauen, was sich zwischen einem selbst und dem geliebten Menschen ergiebt.
Zitat:Aber du hast da gewiss recht, dass das alles eher ein Wunschdenken von mir ist.
Auch wenn ich hier versuche mit so viel Abstand wie möglich zu schreiben... in der Lage auch wirklich so zu denken, bin ich noch nicht.
Ihr habt 6 ganze Jahre miteinander verbracht. Das ist eine lange Zeit Tobias. Und der Loslösungs- und Verarbeitungsprozess braucht Zeit. Ich habe nach meiner langjährigen Beziehungserfahrung Jahre gebraucht um abzuschließen (das heißt nicht, dass ich Jahre litt. Nur die ersten Monate waren sehr schwer).
Zitat:Deine Frage wie ihre Unterstützung aussah, hat mich jetzt ins grübeln gebracht. Zunächst dachte ich "klar"... aber beim genaueren war das auch etwas ambivalent...
Wenn ich wichtige Klausuren oder Referate hatte, hat sie mir häufig einen kleinen Glücksbringer oder so etwas in meine Tasche gepackt. Wenn es mir aber mal schlecht ging, weil ich einfach zu viel Stress hatte und "alles zusammen kommt". Dann war sie immer eher schlecht auf mich zu sprechen: "Einem Mann geht es nicht einfach so schlecht."
Was für eine Aussage! Offenbar hat es ihr Angst gemacht, wenn Du einmal nicht stark warst? Du warst ihr Fels in der Brandung? Und wenn dieser Fels einmal selbst schwach war, dann verlor sie den Halt? Aber so eine Äußerung ist nicht verwunderlich denn wenn man sich selbst nicht zu helfen weiß, dann weiß man auch anderen nicht zu helfen und steht ohnmächtig vor der Weichheit oder Schwäche des anderen.
Zitat:Sie hatte scheinbar für sich eine unterschwellige Trennungsphase bevor sie sich getrennt hat, sagte sie. Ob sie um mich besorgt ist, weiß ich nicht. Kann mir schon vorstellen, dass sie sich fragt wie es mir geht. Aber wie ich sie kenne, ist sie sich zu stolz nachzufragen.
Zu "stolz" nachzufragen? :herz: Das verstehe ich nicht. Ihr habt zusammen gewohnt, ihr habt 6 Jahre gemeinsam verbracht...Was hat das mit Stolz zu tun, sich um den anderen zu sorgen?
Hallo nochmal Hinrich :)
Zitat:ich war heute früh dermaßen baff über das, was Du hier geschrieben hast... Es ist exakt das, was ich zu meiner Ex schon selbst herausgefunden habe, ohne jemals einen Blick in ein Psychologiebuch geworfen zu haben.
Weißt Du, ich glaube, ein irgendwo heiler Mensch braucht nicht erst- wie ich beispielsweise- etliche Psychologiebücher, um zu verstehen. Ich denke, viel Wissen steckt in jedem Menschen- von Natur aus. Es ist vielleicht eher so, dass man durch falsche erziehung etc. so weit weg von diesem Wissen gelangen kann, dass man eben ganz viel "Nachhilfe" braucht. es ist doch schön, dass Du sie nicht brauchst. Du kannst Deine Energien in die Gestaltung Deines Lebens stecken- das ist wunderbar. genieße es. ich habe Jahre gebraucht, um da zu stehen, wo liebesfähige, selbstliebesfähige Menschen vielleicht schon mit 19 stehen aber ich will nicht klagen. Manchmal erscheinen einem die für andere Menschen selbstverständlichesten Dinge geradezu wie ein Wunder und man kann sie umso mehr genießen :) Alles hat seine guten Seiten.
Zitat:Das ist doch komisch. Und auch in gewissen Formen der Unreife habe ich mich wiedergefunden. Außer in der, dass ich mich nicht um meine Partnerin gekümmert oder sie wahrgenommen habe.
Du beziehst Dich darauf, dass ich schrieb, dass die Männer, die ich vor meiner schönen Beziehung hatte, selbst unreif waren nicht? Mit unreif meinte ich nicht lebensunerfahren oder dergleichen. Ich meinte, dass sie genauso krank waren wie ich. Wirklich krank an der Seele wie ich.
Zitat:Das ganze Gegenteil. Aber ich konnte eben nicht zu ihr durchdringen, was diesen leidenden Teil angeht. Und ich habe es anfangs wirklich versucht! Mir fehlten nur einfach die Werkzeuge.
Meinst Du, dass Dir die Werkzeuge wirklich fehlten? Oder ist es nicht eher so, dass Deiner Ex Freundin die Werkzeuge fehlten, um gewisse Dinge anzunehmen und zuzulassen? Sie verschließt sich ganz offensichtlich noch ihrem leidenden Teil und das wird wenig mit Dir zu tun haben. Ich las einmal, dass ein Mensch so lange "dicht" macht, bis er die Kraft, die Stärke in sich entwickelt hat, sich mit schmerzvollem zu konfrontieren. Das geschieht aber immer nur aus einem selbst heraus. Was meinst Du, was ich zu Beginn meiner Beziehung alles nicht wahrgenommen, gesehen habe?! Puh, das ist allerhand! Ich habe mich nach Jahren dafür bei meinem Exfreund entschudigt. Als ich zu fühlen began, da fühlte ich erstmals auch ihn, was all das für ihn bedeutet haben muss, was ich ihm für Schmerzen bereitet habe. Dann weinte ich nicht mehr um mich selbst, sondern um ihn. Um diesen Mann, der mich so sanft liebte und dem ich anfangs dafür das Leben zur Hölle machte.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir mitfühlender, gütiger werden, je weniger bedürftig wir selbst sind. Als ich noch sehr bedürftig war, war mein Credo "Gib!" 8) bzw. "Ich braaauuuuche Liiiiieeeebe!" :roll: Sehen können wir erst einen Menschen wenn wir uns selbst erkennen.
Zitat:Irgendwann musste ich dann aufgeben, weil ich eben keine Chance hatte, diese wunden Punkte anzusprechen, auch wenn sie unübersehbar waren und sind. Und an der Stelle habe ich mich irgendwann entfernt, weil das was ich schon sehr früh erkannt habe, sofort negiert wurde. Diese Verhalten war eine Verletzung meiner Empathie, meiner Kraft und irgendwann meiner tief empfundenen Liebe.
Ja, und so sollte es nicht sein nicht wahr? Wenn wir so verletzt werden, dann müssen wir gehen, sofern der Partner nicht aufhört, uns mit seinem Verhalten zu verletzen. Es gibt keinen dritten Weg oder? Ich kenne keinen.
Zitat:Was mich eben wirklich traurig stimmt ist, dass sie im Grunde einen Mann an ihrer Seite hatte, der ihre dunklen Seiten niemals als Schwäche oder Mangel begriffen hat, sondern mit ihr an ihnen arbeiten wollte. Aber wie ich schon zitiert habe: "Geteiltes Leid ist doppeltes Leid". Ihre Maxime für ein Zusammenleben.
Was für eine liebevolle, schöne Aussage! Aber sie selbst hat ihre "dunklen Seiten" offenbar als Mangel und Schwäche empfunden und wollte nicht in ihren wahren Wesen wahrgenommen werden? Das ist ja auch bei sehr narzisstsichen Menschen so. Sie wollen als das gesehen werden, als das sie sich selbst wünschen. Sie wollen, dass man das Bild liebt, das sie von sich selbst haben. Da ist ein Mensch, der Schwächen aufdeckt, eine Gefahr. Ich schrieb es ja bereits, ich wurde früher in meinem verzweifelten Schauspiel von vielen Männern bewundert aber in mir brannte ein schmerz. Und dann kam ein Mann, der mich mit allen Schwächen, mit allen Ängsten annahm und keine große Show verlangte und das war der erleichternste Moment, den ich vielleicht in meinem Leben erlebte. Von da an wusste ich, ich bleibe! :)
Zitat:Du sagst zwar, dass Dir in der Situation vor der Therapie keine Worte oder Briefe geholfen hätten,
Ja, aber jeder Mensch ist anders. Wer weiß, ob nicht sie durch einen Brief berührt wird...Und mir ist gestern noch eingefallen, dass ich auch nie einen wirklich liebevollen Brief erhielt, lediglich verliebte Briefe :wink: Und vielleicht hätte mich ein Brief eines liebevollen Menschen doch dazu bewegt, umzudenken.
Und mir ging es darum, zu zeigen, dass kein Wort der Welt eine Erfahrung aufwiegen kann. Es ist wie mit der Liebe. Wie willst Du einem Menschen die Liebe erklären, der sie nie erlebte?
Aaaaaber, es geht ja nicht nur um sie, es geht auch um Dich :) Und wenn es Dir ein Bedürfnis ist, einen Brief zu schreiben, dann tu es für Dich, auch wenn er sie nicht so erreicht, wie Du es Dir wünschst. Manchmal auch werden Briefe erst Jahre später verstanden :wink:
Liebe Grüße,
aufgewacht