Hallo brokenheart,
ich hab mich eigentlich gerade hier angemeldet, weil ich über meine eigene, frische Trennung schreiben wollte.
Jetzt hab ich deinen Thread (zum Teil) gelesen und erkenne durchaus Parallelen, aber auch Unterschiede.
Ich kann durchaus verstehen, dass es zu der Affäre kam, wenn euer Leben so war wie du beschreibst. Es war echt eine schei& Situation für sie über lange Zeit. Ich kenne das hilflose Gefühl, wenn man versucht Missstände bei d. Partner(in) anzusprechen, es aber nie zu einer ordentlichen Kommunikation kommt, weil sie irgendwie immer abgeblockt wird. Bei mir führte das zu großem Frust, das wird bei ihr nicht anders gewesen sein.
Dann dieses: Keine Lust mehr nach Hause zu kommen - kenn ich...
Anderswo etwas finden, das einem ersatzweise ein positives Gefühl gibt, Glücksgefühl, Wertschätzung - kenn ich...
Evtl. auch mal einem Außenstehenden vom eigenen Lebensfrust, von den Sorgen zu erzählen, das Herz ausschütten - kenn ich...
Nur: Idealerweise wäre es dabei geblieben, ohne sexuellen Aspekt in jeglicher Form. So kenn ich das...
Vielleicht (!) hätte man aufgrund ihrer sexuellen Frustration noch ein Ausleben der Fantasien per Chat mit einem Unbekannten hinnehmen können. Auch das kenne ich...
Jetzt ist sie leider fremdgegangen. Kenn ich leider aus der Sicht des Betrogenen...
Mir ging es ziemlich genau wie dir beim ersten Mal. Richtig gelesen, "ersten Mal" - ich dachte mir damals schon: Wer einmal diese moralische Schwelle überschreitet, wird es sehr wahrscheinlich wieder tun.
Denn das Problem ist, dass diese Momente des Fremdgehens demjenigen zu diesem Zeitpunkt tolle Gefühle, einen Thrill, Aufregung, Adrenalin bescheren. Oft schon die Vorbereitung darauf, als der Akt selbst (meine Partnerin hatte keine langfristige Affäre, das war eher ein kurzer Seitensprung mit einigen Tagen Vorlauf).
Auch wenn sie hinterher kaum glauben können, was sie da getan haben, diese positiven erinnerungen bleiben meist. Wird wohl ähnlich wie bei einem Dro. oder sonstigem Rausch sein.
Jedenfalls ist es vor ein paar Wochen wieder passiert, mit einem Abstand von 5 Jahren.
Du merkst, ich habe mich ebenso dazu entschlossen, es weiterhin mit dieser Frau zu versuchen (wir haben aber auch ein kleines Kind zusammen). Mir war es damals auch sehr wichtig viel mit ihr darüber zu reden , Details, wie ist es dazu gekommen, was haben sie gemacht, wann und wo, etc...
Ich wollte es auch unbedingt nachvollziehen können, einigermaßen verstehen können, Punkte rausziehen, die es ermöglichen die Tat zu verzeihen und weiter zu machen. Dazu braucht man Empathie, Selbstreflexion, Verständnis, objektive Betrachtungsweise. Und das seh ich bei dir auch.
Das Problem ist: Es wird immer in deinem Kopf bleiben und auch tief in deinem Herzen. Man kann verzeihen, Vertrauen langsam wieder aufbauen (wenn sie ehrlich bereut und sich darum bemüht, bei all den Einschränkungen und unangenehmen Situationen, die sie dabei hat, dir zu BEWEISEN, dass du ihr vertrauen kannst), aber es wird in dir bleiben.
Ich wusste durch die Details z.B. in welchem Café sie sich zum ersten Mal getroffen haben (da war ich vorher auch mal mit ihr) und danach musste ich IMMER daran denken, wenn wir vorbei gefahren sind. Oder wenn es wieder zu einer Situation kam, in der sie damals Kontakt mit ihm hatte, dann deachte ich daran. Auch wenn ich ihr langsam wieder mehr Vertrauen geschenkt habe.
Was wäre z. B., wenn sie bei einem weiteren Umzug wieder alleine in der alten Wohnung zum Streichen wäre? Oder andere Situationen, in denen du aus dem Chat weißt, dass sie dir gesagt hat, sie fährt zu XY und war stattdessen bei ihm um S. zu haben. Kannst du das in Zukunft aushalten?
Meine ist auch beim Therapeuten seit Jahren, sie hat eine massive histrionisch-narzisstische Persönlichkeitsstörung, was den ganzen Mist noch befeuert und eine monogame Beziehung fast unmöglich macht.
Dementsprechend auch keine echte Reue, Schuldzuweisung auf mich und diverse Umstände, übernimmt keinerlei Verantwortung für ihr Handeln, wenn dann ist ja ihre Erkrankung Schuld.
Ich kann in dem Bereich zu wenig zu deiner Frau sagen, zumindest habe ich gleich am Anfang gelesen, dass sie es bereut und sich schämt, usw.
Ich denke, wenn das ehrlich gemeint ist, sie sich sehr darum bemüht, es wieder gutzumachen und kaputtes Vertrauen aufzubauen, und ihr die Lebenssituation im Allgemeinen dauerhaft verändert, sodass sie auch wieder gerne nach Hause kommt und ein besseres Leben mit dir und deinem Kind haben kann (unabhängig davon, dass es das Fremdgehen nicht rechtfertigt!) , dann kann es doch noch zu einer guten Zukunft führen.
Sollte sie sich aber zu schade dafür sein, keine Lust auf dauernde Nachfragen zur Aufarbeitung haben, kein Verständnis für mögliches Misstrauen deinerseits, usw., dann pass auf dich auf! Lass dich nicht um den Finger wickeln und ein weiteres Mal verarschen!
Falls sie auch narzisstische Tendenzen hat, wird es gefährlich, sobald sie das Gefühl hat wieder die Kontrolle und "Macht" über dich zu haben, weil du sie ja eh so sehr liebst, dass du ihr alles verzeihst.
Ich wünsch dir nur das Beste!