@Sohnemann
Zitat:Ich sehe, dass die westliche Gesellschaft auf eine Lockerung der Bindung und Abhängigkeiten innerhalb von Paarbeziehungen zusteuert.
Eine Gesellschaft, in der nicht mehr das (Eltern)Paar als Gemeinschaft funktioniert und zusammen mehr ergibt als die Summe seiner Teile, sondern jeder Einzelne für sich.
Jeder für sich geht dann lockere Koalitionen ein, die sich ständig wandeln.
Der gut vernetzte und sozial, emotional Kompetente ist im Vorteil.
Wie sich das auf den Nachwuchs auswirkt kann ich nicht beurteilen.
Interessant wird es dann, wenn die Leute versuchen sich die Vorteile aus beiden Systemen zu sichern.
ich sehe es 1. nicht so und Du hast mich 2. falsch verstanden. Mit Lockerung von Bindungen hat es nichts zu tun, übrigens @Isely auch nicht mit Absprechen von Gefühlen (ich schrieb ja, dass es auch in meinem Umfeld einen Wirbel und Tränen gibt. Whynot ist ja etwas älter als ich und auf dem Land groß geworden und hat diesbezügl. ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich. Ich nehme mal an, dass es in seiner Generation dennoch nicht zu einer Lockerung der Bindungen kam oder die Eltern nicht mehr als Gemeinschaft funktionierten (btw bin ich selbst ein starkes Bindungstierchen und nehme Beziehungen sehr ernst). Mit lockerer Koalition hat es nichts zu tun, aber vielleicht mit der Akzeptanz, dass fremde Reize, Schmerz, Eifersucht zum Leben dazu gehört.
Das Paar auf der Party ist seit vielen Jahren zusammen, sie haben Kinder und halten wie Pech und Schwefel zusammen. Wie fest deren Bindung ist, kann man sogar spüren. Da ist nichts mit: oooch, vielleicht starte ich nochmal ein neues Leben mit x oder y.
Eine Szene hat mich verblüfft und sehr berührt: sie war bei einem anderen Mann eingekuschelt und zwar sehr eingekuschelt

Und die beiden Männer, also ihr Gatte und ihr Schmuser waren auch gut miteinander. Etwa eine Stunde später sehe ich sie in den Armen des Schmusers liegen und ihren Gatten regelrecht vernebelt vor Verliebtheit anzuschauen, dass ich etwas ausrief wie "Wow! Du bist ja noch richtig verliebt in ihn!" Sie stimmte mir mit irgend welchen Schwärmereien zu, die niemand ganz verstand weil sie so verträumt vor sich hin brabbelte und ihr Gatte rief etwas aus wie "Ja! Wir lieben uns sehr! Ist der Hammer oder? Ich fühle mich sehr geliebt!" Und dann tanzte er einen schönen Freudentanz
Und nochmal @Isely hab ich doch selbst alles erlebt, samt Liebeskummer, Tränen usw. Aber ich finde es eben etwas verrückt, eine gute Beziehung aufzugeben, wenn der Partner mal einen Seitenblick wagt.
Eine Szene aus jungen Jahren: mein Freund und ich waren Nachts bei mir Zuhause verabredet, aber er kam und kam nicht. So dackelte ich irgendwann in seine Lieblingsbar und was sah ich, als ich reinkam? Eine atemberaubend schöne Frau lag auf seinem Schoß

Da mich viele kannten, schwieg plötzlich die halbe Bar, mein Süßer sprang auf, um mich zu begrüßen und sein bester Freund kam auf mich zu, um mir gut zuzureden. Damals war ich noch etwas übergeschnappt, also bekam dieser Freund von mir eine heftige Ohrfeige und ich verließ die Bar- mit beiden Männern im Schlepptau

Zuhause flogen dann die Fetzen und am nächsten Morgen war es schon fast wieder vergessen. Und kurz drauf meldete sich diese wunderschöne Frau bei uns und gab durch, sie wolle mich nun auch unbedingt kennenlernen weil sie mich ganz bezaubernd fand (sie war Bi)

Hab ich aber dankend abgelehnt
Hab aber später auch viel schmerzlichere schwerwiegendere Dinge erlebt, nur pathologisiere ich es nicht und wünsche mir auch keinen Scheiterhaufen für alle Fremdgeher zurück.
Die Sicherheit und Beständigkeit wird man auf diese Weise niemals bekommen. Die gibt`s allein durch eine tiefe Bindung und Liebe

Und das heißt auch gewiss nicht, dass es nicht manchmal höllisch schmerzt.