Ich empfehle allen jungen Menschen vor der Familiengründung, ganz genau zu besprechen und zu vereinbaren, wie die Aufgabenverteilung aussehen wird. Wer wann Elternzeit nimmt, wie die Betreuungssituation ausschauen soll, falls ein Elternteil die care Arbeit übernimmt ohne eigenes Einkommen, wie der finanzielle Ausgleich auszuschauen hat. Genau das sollte in guten Zeiten festgelegt werden, wenn alles gut läuft, so dass eine faire Diskussion möglich ist. Im Vorfeld nicht angesprochen, werden diese Themen ansonsten, wie hier, in ein immenses Ungleichgewicht und Sprachlosigkeit münden. In Deutschland haben viele gut ausgebildete Frauen die Wahl zwischen Kinderlosigkeit, Altersarmut oder anhaltender materieller Abhängigkeit.
Zitat von Haeschen: ... eine Französin arbeitet 12 Wochen nach der Geburt, weil es eben diese familienpolitischen Leistungen in der Form nicht gibt, nur in Allemagne reichen diese ausgeweiteten Leistungen eben nie.
Hm, aus eigener Erfahrung. Ja, die Frauen arbeiten meist ab 12 Wochen wieder. Vollzeit. Das stimmt. Das ist aber nur möglich, weil es in Frankreich ein flächendeckendes, staatlich gefördertes Netz an Kinderbetreuung gibt. In Deutschland gilt Kindererziehung und Familienarbeit noch immer als Frauensache. Mangels durchgehender Betreuungsangebote sind Frauen in Deutschland noch immer gezwungen, wenn überhaupt, Teilzeit zu arbeiten. Dadurch sind Frauen in Deutschland viel stärker dem Risiko einer finanziellen Abhängigkeitund der Altersarmut ausgesetzt als in Frankreich. Darüber muss die Französin nicht einmal nachdenken. In Frankreich startet spätestens ab dem 3. Lebensjahr den Einstieg in die école maternelle, kostenlos. Die Kinder werden auf die Schule vorbereitet und werden durchgängig betreut. Kostenlos. Fast alle Eltern mit ihren Kinder nehmen das in Anspruch, rund 98% der Kleinkinder besuchen die Vorschule. Fazit, die staatlichen Leistungen in Frankreich für Familienförderung sind beträchtlich. Die Geburtenrate in Frankreich liegt mit 1,8 Kindern pro Frau erheblich über dem deutschen Schnitt und repräsentiert die höchste Geburtenrate innerhalb Europas. Die unterschiedlichen Ansätze in den gesellschaftlichen Wertevorstellungen und Normen in der Arbeitsmarkt-, Sozial-, Gleichstellungs- und Bildungspolitik und in dem System der finanziellen Unterstützung von Familien in Deutschland und Frankreich haben einen großen Einfluss auf die Erwerbsmöglichkeiten der Frau.
Also nein, liebe @Haeschen, Frankreich unternimmt sehr viel mehr, investiert sehr viel mehr Ressourcen in Familienfreundlichkeit und Kinder, staatlich gefördert und finanziert, politisch gewollt.
Auch wenn die TE nicht mehr mitschreibt, vielleicht ist der kleine Exkurs angehenden jungen Familien hilfreich, um diese wichtigen Themen zu besprechen, bevor Unzufriedenheit und Frust das Familienleben beidseitig vergiftet. Denn ich glaube, in Deutschland ist auch vielen Männern das Dilemma nicht bewusst, weil es gesellschaftlich so fürchterlich "normal" ist. Hier gilt es, Bewusstsein zu schaffen. Auch seitens der Frauen.